Linguistik:Searles Regeln

Hallo, wie würden die Experten in Pragmatik und Textlinguistik unter Euch definieren, welche Searleschen Regeln konstitutiv sind für den Sprechakt „anleiten“ oder „instruieren“ (wesentliche Regel, Einleitungsregeln, Regel des propositionalen Gehalts, Aufrichtigkeitsbedingung)?
Danke, Maike

Hallo Maike,

Hallo, wie würden die Experten in Pragmatik und Textlinguistik
unter Euch definieren, welche Searleschen Regeln konstitutiv
sind für den Sprechakt „anleiten“ oder „instruieren“
(wesentliche Regel, Einleitungsregeln, Regel des
propositionalen Gehalts, Aufrichtigkeitsbedingung)?

ich fürchte, es hat noch niemand auf deine Frage geantwortet, weil sie etwas merkwürdig formuliert ist. Ich kann auch nur ahnen, was du meinst, weshalb ich dich bitten würde, deine Frage etwas zu präzisieren. Natürlich sind bei Searle die genannten Regeln konstitutiv, aber was soll man da definieren?

Herzliche Grüße

Thomas Miller

Hallo Thomas,

ich fürchte, es hat noch niemand auf deine Frage geantwortet,
weil sie etwas merkwürdig formuliert ist. Ich kann auch nur
ahnen, was du meinst, weshalb ich dich bitten würde, deine
Frage etwas zu präzisieren. Natürlich sind bei Searle die
genannten Regeln konstitutiv, aber was soll man da definieren?

Die Searleschen Regeln dienen zur Beschreibung, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um bestimmte Sprechakte zu vollziehen. Für den Sprechakt auffordern sind das folgende:
Regel des prop. Gehalts: zukünftiger Akt A von H
Einleitungsbedingungen: H muß zur Ausführung von A in der Lage sein und beide Kommunikationspartner gehen davon aus, daß H A nicht aus eigenem Antrieb tun wird.
Aufrichtigkeitsregel: Textproduzent will, daß H A ausführt
wesentliche Regel: Vollzug des Aktes gilt als Versuch, H zur Ausführung von A zu veranlassen.

So, das zur Anwendung der Regeln auf diesen Sprechakt. Jetzt wüßte ich eben gerne, wie die Anwendung der Regeln für den Sprechakt „anleiten“ bzw. „instruieren“ aussieht!!! Für die Pragmatiker sollte des auch möglich sein, ich stehe nur gerade etwas auf dem Schlauch,

Gruß Maike

Hi Maike,

endlich mal 'ne interessante Frage. Habe gleich nachgeschaut.

Anweisen ist wie Auffordern. Searle schreibt in „Sprechakte“, Anweisen sei „Ausdruck des Wunsches oder des Verlangens (A zu tun)“, was hier der Aufrichtigkeitsregel entspricht.

Regeln des propositionalen Gehaltes:
Zukünftiger Akt A von H.

Einleitungsregeln:

  1. H ist in der Lage, A zu tun. S glaubt, dass H in der Lage ist, A zu tun.
  2. Es ist sowohl für S als auch für H nicht offensichtlich, dass H bei normalem Verlauf der Ereignisse A aus eigenem Antrieb tun wird.

Regeln der Aufrichtigkeit:
S wünscht, dass H A tut.

Wesentliche Regeln:
Gilt als Versuch, H dazu zu bringen, A zu tun.

Grüße,
Susan

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hi Susan,

Danke für Deine Mühe!:smile: Bei Anleitungshandlungen ist es doch aber so: Die Einleitungsregel, daß sowohl für S als für H nicht offensichtlich ist, daß H A au eigenem Antrieb tun wird, trifft zwar für Aufforderungen, nicht aber für Anleitungen zu, oder? Denn H wendet sich einem Anleitungstexte, z.B. einer Bedienungsanleitung, doch nur zu in dem Willen, ein bestimmtes Ziel zu erreichen. D.h. er will im Grunde aus eigenem Antrieb Handlungen ausführen, weiß aber nicht welche: Ihm fehlt dass notwendige Wissen. Zu einer Sache, die H aber sowieso ausführen will, muß er doch nicht mehr aufgefordert werden. Also kann doch kein Aufforderungsakt vorliegen. Vielleicht eher etwas Informatives? Reicht es vielleicht aus, daß S H bloß entsprechendes Handlungswissen vermitteln und ihn gar nicht zu einer Ausführung beeinflussen will? Dann wäre der Akt tatsächlich informativ! Oder müßte man einen neuen Akt „Instruktion“ als Kombination aus direktiven ud informativen Akten annehmen? Wie wäre der dann zu beschreiben?

Grüße, hoffe auf Deine Antwort,
Maike

Hi Maike,

auch Bedienungsanleitungen enthalten nur die Informationen, die nötig sind, um das Verhalten von H zu verändern, und zwar so, wie es H nicht aus eigenem Antrieb tun würde. Zum Beispiel steht wohl in amerikanischen Mikrowellen mittlerweile, dass keine Kleintiere hineingetan werden dürfen, weil jemand versucht hat, seinen nassen Hamster in einer Mikrowelle zu trocknen.

Solange nicht klar war, dass ein H auf so eine Idee kommen könnte, stand es nicht in der Anweisung. Nun aber ist klar, dass H erwartungsgemäß aus eigenem Antrieb einen Hamster hineintun könnte, also steht es in der Anleitung, um dieses Verhalten zu verändern.

Denn H wendet sich einem Anleitungstexte, z.B. einer
Bedienungsanleitung, doch nur zu in dem Willen, ein bestimmtes
Ziel zu erreichen.

Das ist völlig unerheblich. Es finden hier Kommunikation in nur eine Richtung statt: S an H (via Anleitungstext). Das Verhalten von H ist unerheblich für die Sprechakttheorie, anders als bei der Kommunikationswissenschaft. Wichtig ist die Intention von S und dieser geht beim Schreiben der Anleitung davon aus, dass sie auch beherzigt wird.

D.h. er will im Grunde aus eigenem Antrieb
Handlungen ausführen, weiß aber nicht welche: Ihm fehlt dass
notwendige Wissen. Zu einer Sache, die H aber sowieso
ausführen will, muß er doch nicht mehr aufgefordert werden.

Er will es ja nicht ausführen, denn er weiß ja gar nicht, was er ausführen sollte (wie du selber sagst). Natürlich will H die Mikrowelle richtig bedienen, er will aber auch seinen Hamster trocknen. S kann diese Handlung durch die Anleitung verhindern.

Stell dir zwei Sätze aus der Bedienungsanleitung vor:
1.) Ziehen Sie den Netzstecker nur mit trockenen Händen!
2.) Ihre Mikrowelle hat eine Leistung von 700 Watt.

Satz 1 hat S geschrieben, um die Handlung von H zu beeinflussen, Satz 2 übermittelt ihm einfach nur Information. (Sieht man hier auch an den Satztypen.)

Reicht es vielleicht aus, daß S H
bloß entsprechendes Handlungswissen vermitteln und ihn gar
nicht zu einer Ausführung beeinflussen will?

Wozu sollte S H aber Handlungswissen vermitteln sollen, wenn nicht, um seine Handlung zu beeinflussen. In der Anleitung wird doch dieses Wissen gleichzeitig von S bewertet, in „richtig“ (Das dürfen Sie mit ihrer Mikrowelle machen.) und „falsch“ (Das dürfen Sie nicht mit ihrer Mikrowelle machen.) eingeteilt. Dadurch wird doch eine Handlung vorgegeben.

Oder müßte man einen neuen Akt
„Instruktion“ als Kombination aus direktiven ud informativen
Akten annehmen? Wie wäre der dann zu beschreiben?

Davon würde ich absehen. Es hilft Theorien selten weiter, wenn man anfängt, Mischformen zu bilden. Man kann besser feststellen, dass eine Bedienungsanleitung sowohl informative als auch direktive Sprechakte enthält.

Woran arbeitest du eigentlich? - ich habe dein neueres Posting gesehen

Grüße, Susan