Links und rechts

Hi Eckard,

Deine Erinnerung trügt dich nicht. Es war das englische
Parlament, bei dem die niederen Stände links vom Speaker
saßen.

ich glaube mich zu erinnern (und unterstütze Fritzens Aussage), daß es das französische Parlament von 1789 war, in dem die progressiven (oder sollte ich sagen eher militanten) Kräfte links saßen.
Vieleicht war es aber auch in beiden Parlamenten so.

Gandalf

ich dachte immer, es sei das französische Parlament bei der
Revolution 1789 gewesen:

Ich werde den Teufel tun und Dir, lieber Fritz widersprechen,
schließlich habe ich dabei noch stets den Kürzeren gezogen.
Ich hatte meine Weisheit so gelesen:

Zum Vergleich das englische Unterhaus
[…]
Die Sitzordnung der Abgeordnetenbänke ist länglich ausgerichtet. Im Mittelalter wurzelt die in den westlichen Staaten gebräuchliche Einteilung der Parteien in rechte und linke. Die Vertreter der niederen Stände saßen auf den Bänken zur Linken des Speakers.

aus http://www.castelligasse.at/Politik/Parlamentarismus…

Das englische Parlament ist zwar um einiges älter als das französische, aber was heißt das schon.

Gruß Eckard

Aber, Eckard,

ich habe dir doch nicht widersprochen, sondern die mir bekannte Version genannt. Ich kannte nur diese und bin erfreut, von dir die andere zu hören. Und jetzt kann man weiter diskutieren, weiterspekulieren, weitersuchen. Vielleicht kann man sich sogar einigen. :wink:

Ich werde den Teufel tun und Dir, lieber Fritz widersprechen,
schließlich habe ich dabei noch stets den Kürzeren gezogen.

Das ist auch eine eigenartige Interpretation unserer Koproduktionen. :wink:

Das englische Parlament ist zwar um einiges älter als das
französische, aber was heißt das schon.

He, Schelm! :wink:

Es mag ja sein, dass im englischen Parlament die niederen Stände links saßen. Und das schon fünfhundert Jahre vor der Ständeversammlung im Paris. Aber hatte das die heute gemeinten Implikationen? Waren die links sitzenden unteren Stände die radikalen, fortschrittlichen, sozial engagierten etc.

Dein Link ist hilfreich! Dank dafür!

Gruß Fritz

Vielleicht kann man sich sogar einigen. :wink:

Dessen bin ich mir ziemlich sicher, mein Lieber!
Und das mit dem „den Kürzeren ziehen“ ist natürlich nicht wirklich so, dazu haben wir schon zu viele Schlachten gemeinsam geschlagen :smile:

Das englische Parlament ist zwar um einiges älter als das
französische, aber was heißt das schon.

He, Schelm! :wink:
Es mag ja sein, dass im englischen Parlament die niederen
Stände links saßen. Und das schon fünfhundert Jahre vor der
Ständeversammlung im Paris. Aber hatte das die heute gemeinten
Implikationen? Waren die links sitzenden unteren Stände die
radikalen, fortschrittlichen, sozial engagierten etc.

Nun ja, Fritz,
es waren ja wohl immer die „niederen Stände“ (man darf es nicht vergessen: Sie entsprachen nach heutigen Begriffen dem Mittelstand! Darunter gab es noch das unübersehbare Heer der Leibeigenen) die auf Änderung der bestehenden Verhältnisse drängten, also dem Sinne nach die „Progressiven“, „Reformer“ und in extremis die Umstürzler.
Übrigens in guter und ungebrochener Nachfolge aller demokratisch/republikanischer Vorgänger ob Griechen oder Römer.

Die Besitzenden hingegen traten eher für die „Bewahrung des Bewährten“ ein, waren also stockkonservativ.

Stets war es das zweite Glied, das an die Krippe drängte. Stets waren es die im Sattel, die dort bleiben wollten.

Es scheint mir, dass der englische Parlamentarismus (also wenn nicht Einziges, so doch Bedeutendstes der damals bestehenden Parlamente) eine gewisse Patenfunktion bei der Bildung des französischen Parlamentarismus gespielt hat. Zumindest die Funktionsweise konnte man an diesem funktionierenden Parlament wohlfeil „abkupfern“.

Und warum, so folgere ich aus alledem, sollten die Franzosen nicht auch die einmal etablierte Sitzordnung übernommen haben?

Grüße
Eckard

Ach Milan,

[…] dass die wenigsten Leute in Alltagssituationen «orientiert» sind, also
eine klare Vorstellung davon haben, in welcher Richtung z.B. Norden liegt.

dazu sage ich jetzt mal besser nichts!
Ohne meinen Freund - zwar kein Berufspilot, dennoch Flieger - wäre ich in fremder Umgebung infolge Orientierungslosigkeit nämlich hoffnungslos verloren … *schäm*

[…] weil sie schon gar nicht wissen, dass sie von Osten über Süden nach
Westen zieht.

Na, das kriege ich gerade noch so hin …

«Gibst du mir die Butter herauf?» oder «Schiebst du mir den Zucker herab?».
Die einzig sinnvolle Formulierung wäre doch: «Gibst du mir bitte … hinüber?».

Da kann ich nun gar nicht mitreden! Bei uns in Westfalen heißt das kurz und knapp: „Chibb mich dat ma“ … :wink:

Gruß nach Basel! :smile:
Birgitt

Du argumentierst schlüssig, lieber Eckard,

und ich kann dir ohne Probleme folgen; bis auf das Ende.

Und warum, so folgere ich aus alledem, sollten die Franzosen
nicht auch die einmal etablierte Sitzordnung übernommen haben?

Dass es nicht ausgeschlossen sei, mag richtig sein. Das würde mir aber ohne einen positiven Beleg, dass dem so sei, einfach nicht genügen.

Wir suchen also nach dem „missing link“ zwischen englischer Parlamentstradition und Französischer Revolution.

Aber heute nicht mehr, jedenfalls ich nicht. :wink:
Ich werde die Sache aber nicht ganz verschieben.

Gruß Fritz

Milan? Rolf?

Hallo Markuss

Etwas Ähnliches:
Eine Bekannte von mir benutzt die Ausdrücke ‚unten‘ und
‚oben‘, wenn sie an einer (ebenen!) Straße steht, und nach
links bzw. rechts schaut.
Z.B. „Achtung, da kommt ein Auto von oben.“
*guckindieluft–hä?*

Habe jetzt schön brav alle bisherigen Antworten gelesen und meine zu diesem Teil Deiner Frage: das könnte echt etwas mit der geographischen Lage eines Ortes zu tun haben. Der Ort aus dem ich komme war größtenteils flach, aber in der Nähe eines Bergers, wenn man also etwas meinte, das von sich aus in Richtung Berg war (oder flussaufwärts, wenn man sich an den Fluß der durch die Stadt floss und eben von diesem Berg runter), dann redete man von OBEN. Alles, was in der Stadt, vom Standpunkt des Sprechenden flussabwärts, also in entgegengesetzter Richtung zum Berg lag, war UNTEN. Wir fuhren also immer runter ins Museum oder in die Poliklinik und wir gingen rauf in die Schule. Man guckte allerdings beim Überqueren der Straße, zumindest von meinem Wohnort aus, erst runter, dann rauf (wenngleich es erst links, dann rechts ging und die Straße keine Neigung/kein Gefälle aufweisen konnte). :smile:

Hoffe, dir damit eine weitere mögliche Lösung geliefert zu haben.

Liebe Grüße

Ama