Literatur: Persönlichkeit exisiert nicht

Hallo,

ich habe neulich von einem meiner Dozenten von einer interessanten Theorie zum Thema Persönlichkeit gehört. Demnach gibt es „Persönlichkeit“ gar nicht, da es zum einen sowieso nur ein Konzept der westlichen Gesellschaften ist und sich zum anderen niemand immer gleich verhält (auch nicht in ähnlichen Situationen). Nun suche ich Literatur zu diesem Konzept. Kann mir jemand Bücher zu dieser Theorie nennen?

Viele Grüße,
Zwerg

Freud und Jung: ‚Persönlichkeit‘ exisiert
Guten Tag, Zwerg

Hier sind 6 Theorien, angefangen bei Freud, zur ‚Persönlichkeit‘
aufgezählt - auch Bücher, angefangen bei Jung:
„In der Psychologie bezeichnet der Begriff Persönlichkeit die
Gesamtheit der Persönlichkeitseigenschaften eines Menschen, also
seiner relativ zeitstabilen Verhaltensbereitschaften. …“
http://de.wikipedia.org/wiki/Persönlichkeit

Bücher zum Nichtvorhandensein der ‚Persönlichkeit‘ wirst Du hingegen
kaum finden.

Vielleicht fühlst Du Dich nicht gerade als Riese, Zwerg, dann hast Du
eventuell eine ‚Persönlichkeitsstörung‘, aber vorhanden ist Deine
‚Persönlichkeit‘ noch immer:
"Als Persönlichkeitsstörungen bezeichnet man in der Psychiatrie und
Klinischen Psychologie verschiedene überdauernde Erlebens- und
Verhaltensmuster, die von einem flexiblen, situationsangemessenen
(„normalen“) Erleben und Verhalten in jeweils charakteristischer
Weise abweichen. …*
http://de.wikipedia.org/wiki/Persönlichkeitsstörung

Mit freundlichen Grüssen

Rolfus

Hallo,

ich habe neulich von einem meiner Dozenten von einer
interessanten Theorie zum Thema Persönlichkeit gehört. Demnach
gibt es „Persönlichkeit“ gar nicht, da es zum einen sowieso
nur ein Konzept

selbstverständlich ist „Persönlichkeit“ ein Konstrukt, also ein von Menschen entwickelter Begriff. Deshalb könnte man sagen, daß es „Persönlichkeit an sich“ nicht gibt. Das ist weitgehend Konsens unter Persönlichkeitsforschern. Beispielsweise schreibt der britische Persönlichkeitsforscher Eysenck:

Alle wissenschaftlichen Begriffe sind Artefakte, die der menschliche Geist erzeugt, um dem prima facie regellos erscheinendem Universum eine Ordnung zu geben und somit das Verstehen zu erleichtern und Voraussagen zu ermöglichen“
(Eysenck, H.-J. & Eysenck, M.W., Persönlichkeit und Individualität. Ein naturwissenschaftliches Paradigma (S. 6). Weinheim: PsychologieVerlagsUnion).

und sich zum
anderen niemand immer gleich verhält (auch nicht in ähnlichen
Situationen). Nun suche ich Literatur zu diesem Konzept. Kann
mir jemand Bücher zu dieser Theorie nennen?

Klar. Das ist beispielsweise die Position einiger Behavioristen. Ist Dein Dozent behavioristisch orientiert, dann würde es mich nicht wundern, daß er diese Meinung vertritt und wieso er es tut.

Beispielsweise definiert der radikale Behaviorist B.F. Skinner Persönlichkeit als „Verhaltensrepertoire aufgrund einer organisierten Menge von Verstärkungskontingenzen“, die wiederum von Situationen abhängen. Wenn es mehrere dieser Mengen von Verstärkungskontingenzen gibt (und die gibt es natürlich immer), dann folgt daraus, daß für jede Person mehrere Persönlichkeiten unterscheidbar sind, die weitgehend problemlos nebeneinander bestehen können:

„A self or personality is at best a repertoire of behavior imparted by an organized set of contingencies. The behavior a young person acquires in the bosom of his family composes one self; the behavior he acquires in, say, the army services composes another. The two selves may exist in the same skin without conflict until the contingencies conflict - as they may, for example, if his friends from the services visit him in his home“
(Skinner, B.F. About behaviorism (p. 164-165). New York: Random House).

Wenn es nun so viele „Persönlichkeiten“ geben kann wie es organisierte Mengen von Verstärkungskontingenzen gibt, verliert das Konzept „Persönlichkeit“, wie es ursprünglich gemeint war, seine Bedeutung. Skinner weist zudem darauf hin, daß nach seiner Definition nur Verhalten kategorisierbar ist und der menschliche „Geist“ nicht in verschiedene „Persönlichkeiten“ zerfällt, während ja Freud und Co. die „Psyche“ in mehrere Instanzen zerlegen (Es, Ich, Über-Ich).

Grüße

Hi Giftzwerg und die anderen!

ich habe neulich von einem meiner Dozenten von einer
interessanten Theorie zum Thema Persönlichkeit gehört. Demnach
gibt es „Persönlichkeit“ gar nicht, da es zum einen sowieso
nur ein Konzept der westlichen Gesellschaften ist

…in Europas "osten " waren es halt „sozialistische Persönlichkeiten“…

und sich zum

anderen niemand immer gleich verhält (auch nicht in ähnlichen
Situationen).

Genau deshalb : es sind höchstens „Ähnliche“ Situationen - aber die „selbe“ Sit. wir es nie geben- weil mind. ein Parameter sich (und sei es kaum merklich) geändert hat - somit erfordert die Sit. eine neue Entscheidung, eine neue Reaktion, ein neues Verhalten (was aber durchaus zu bereits Erlebtem „ähnlich“ sein kann )

Es ist halt alles „relativ“.

Und eine Persönlichkeit zeichnet sich eben dadurch aus, daß sie sich den momentan gegebenen Anforderungen, Verhältnissen… anpassen kann und sich stets weiterentwickelt … Doch das tut sie auf Grund einer Basis - beruhend auf ihren Fähigkeiten und Eigenschaften/ charakter. moral.-eth. Einstellungen, ihrer Art am gesell. Leben teilzunehmen…
Und die Basis ist relativ beständig über einen längeren Zeitraum.
Jede Person ist eine Persönlichkeit - was für eine und wie sie sich einbringt, verkauft, behauptet o.a. ist ihre Besonderheit…

Bei „Wikipedia“ findest Du noch einiges dazu.

Noch zum Wort „Persönlichkeit“- natürlich ist es „nur“ ein irgendwann willkürl. entstandenes, abgeleitetes Sprechmuster, dem ein „Sinn“ gegeben wurde, damit sich die entwickelnde Menschheit verständigen konnte, so wie jedes sonstige Wort…und Persönlichkeit ist abgeleitet von „Person“ - also immer spezifisch und einmalig

Erinnernd an eine philosoph. Diskussion vor ein paar Jahren und das auf Deinen Dozenten bezogen - könnte man ja nun sagen: existiert denn überhaupt eine Person, wenn sie kein anderer sieht/wahrnimmt - existiert die Person da nicht, könnten auch andere nicht existieren - somit gebe es keine Personen und demzufolge auch keine „Persönlichkeiten“…Nur durch die „Ionenstürme“, elektrische Impulse, Chemie und… könnte "der Eindruck von Bildern entstehen " -
am Ende schreibt gerade ein Natriumteilchen mit seinem Antagonisten -… vielleicht ist hier nix?!

sich entladende Grüße
die wohl nicht existierende Roxe…

Guten Morgen Giftzwerg!

Demnach
gibt es „Persönlichkeit“ gar nicht, da es zum einen sowieso
nur ein Konzept der westlichen Gesellschaften ist …

Welches Konzept existiert schon wirklich???
Konzepte sind doch nur Konzepte!

Gruß,
Spiff

Hallo,

also um Philosophie sollte es nun nicht gehen. Ich suche auch nicht nach Theorien, ob das Leben nur ein Schatten der ultimativen Realität ist oder ob es die Farbe rot wirklich gibt.
Mir geht es mehr um die Unart der Menschen andere ständig in Schubladen einordnen zu wollen (z. B. der ist introvertiert also müssen wir ihm folgende Fähigkeiten zu- und absprechen).

Es war wohl doch keine gute Idee das hier zu posten.

Trotzdem danke.

Hallo,

danke für Deine Antwort.

Aber die Theorie von Skinner ist doch schon etwas älter, oder? Er sprach von neuen Theorien.

OK, muss ihn selbst noch mal dazu fragen.

Grüße,
Zwerg

Sorry, aber mit wilden Spekulationen kann ich nichts anfangen („vielleicht fühlst Du Dich als Zwerg“).

Hallo,

Aber die Theorie von Skinner ist doch schon etwas älter, oder?

ja, klar.

Er sprach von neuen Theorien.

Das stand leider nicht in Deinem Posting. Du sprachst nur von einer interessanten Theorie.

Beste Grüße

Moin,
in allen Gesellschaften gibt es „Persönlichkeitskonzepte“ (unterschiedliche schon).
Um es nicht fachpsychologisch auszudrücken: Man benötigt die Informationen darüber, wie ein anderer Mensch sich wahrscheinlich verhalten wird: Jeder wird einen wichtigen Brief nur der Person zum Einwerfen geben, deren Persönlichkeit er als sehr zuverlässig einschätzt, und jeder von uns kennt auch einige Freunde, denen er einen solchen Brief nicht mitgeben würde. Natürlich kann dabei ein Fehler passieren, aber Persönlichkeitskonzepte machen eine Aussage darüber, ob ein bestimmtes Verhalten wahrscheinlich eher oder eher nicht gezeigt wird: Das hat nichts mit „Schubladendenken“ zu tun.
Dabei gibt es sehr breite Konzepte der Persönlichkeit, wie die „Big Five“, und eng begrenztere (Zuverlässigkeit, Freundlichkeit, Ehrlichkeit, Hilfsbereitschaft); welche Merkmale in einer Gesellschaft als Persönlichkeit eine Rolle spielen, ist unterschiedlich.
Damit aber Konzepte von Persönlichkeit in einigen Kulturen abzuleugnen, ist unsinnig,
meint der Vieux

Sorry, dann habe ich das vergessen zu erwähnen.
Es war aber sowieso eine Schnapsidee, das hier reinzustellen. Jetzt schreibt hier jeder seine Meinung, aber ich suche doch nur Literatur:wink:

Viele Grüße.

aber ich suche doch
nur Literatur:wink:

Na denn:
„Das Sein und as Nichts“
„Der Mann ohne Eigenschaften“

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