Hallo,
ich habe neulich von einem meiner Dozenten von einer
interessanten Theorie zum Thema Persönlichkeit gehört. Demnach
gibt es „Persönlichkeit“ gar nicht, da es zum einen sowieso
nur ein Konzept
selbstverständlich ist „Persönlichkeit“ ein Konstrukt, also ein von Menschen entwickelter Begriff. Deshalb könnte man sagen, daß es „Persönlichkeit an sich“ nicht gibt. Das ist weitgehend Konsens unter Persönlichkeitsforschern. Beispielsweise schreibt der britische Persönlichkeitsforscher Eysenck:
„Alle wissenschaftlichen Begriffe sind Artefakte, die der menschliche Geist erzeugt, um dem prima facie regellos erscheinendem Universum eine Ordnung zu geben und somit das Verstehen zu erleichtern und Voraussagen zu ermöglichen“
(Eysenck, H.-J. & Eysenck, M.W., Persönlichkeit und Individualität. Ein naturwissenschaftliches Paradigma (S. 6). Weinheim: PsychologieVerlagsUnion).
und sich zum
anderen niemand immer gleich verhält (auch nicht in ähnlichen
Situationen). Nun suche ich Literatur zu diesem Konzept. Kann
mir jemand Bücher zu dieser Theorie nennen?
Klar. Das ist beispielsweise die Position einiger Behavioristen. Ist Dein Dozent behavioristisch orientiert, dann würde es mich nicht wundern, daß er diese Meinung vertritt und wieso er es tut.
Beispielsweise definiert der radikale Behaviorist B.F. Skinner Persönlichkeit als „Verhaltensrepertoire aufgrund einer organisierten Menge von Verstärkungskontingenzen“, die wiederum von Situationen abhängen. Wenn es mehrere dieser Mengen von Verstärkungskontingenzen gibt (und die gibt es natürlich immer), dann folgt daraus, daß für jede Person mehrere Persönlichkeiten unterscheidbar sind, die weitgehend problemlos nebeneinander bestehen können:
„A self or personality is at best a repertoire of behavior imparted by an organized set of contingencies. The behavior a young person acquires in the bosom of his family composes one self; the behavior he acquires in, say, the army services composes another. The two selves may exist in the same skin without conflict until the contingencies conflict - as they may, for example, if his friends from the services visit him in his home“
(Skinner, B.F. About behaviorism (p. 164-165). New York: Random House).
Wenn es nun so viele „Persönlichkeiten“ geben kann wie es organisierte Mengen von Verstärkungskontingenzen gibt, verliert das Konzept „Persönlichkeit“, wie es ursprünglich gemeint war, seine Bedeutung. Skinner weist zudem darauf hin, daß nach seiner Definition nur Verhalten kategorisierbar ist und der menschliche „Geist“ nicht in verschiedene „Persönlichkeiten“ zerfällt, während ja Freud und Co. die „Psyche“ in mehrere Instanzen zerlegen (Es, Ich, Über-Ich).
Grüße