Lithium & Phasenprophylaxe

Hi,

heut in meinen psychiatrie praktikum waren bipolare Störungen das Thema.

Lithium, so die literatur, gibt man erst nach mind. zwei Phasen.
Soweit sogut. NUR, was ist damit gemeint?
Meint man damit eine manische und eine depressive phase, oder aber zwei manien oder aber bezieht sich das auf die sinusfunftionen, anhand derer die literatur die störung verdeutlicht (in einer sinusfunktion besteht EINE phase ja aus berg UND tal)???

Für sachdienliche hinweise, wie immer dankbar…

LG Alex:smile:

Hallo Alex
Der Hintergrund ist wohl der, dass man sich eine ausgeprägten bipolaren Störung sicher sein möchte, bevor man Lithium einsetzt.
Lithium gilt dann zwar als ein sehr „elegantes“ (sprich passendes) Mittel, aber man darf nicht vergessen, dass die Einnahme von Lithiumsalzen besonders streng und engmaschig kontrolliert werden muss (0,8 Blutspiegel), damit keine Nierenschädigung einsetzt.
Bei vielen Psychiatern ist Lithium sehr beliebt bei manisch-depressiven Erkrankungen, bei den meisten Patienten hingegen nicht so sehr. Patienten mögen die Vorstellung schon nicht, auf lange Zeit ein Medikament nehmen zu mssen, und dann noch eines , welches hochfrequent kontrolliert werden muss, erst recht nicht. Hinzu kommt, dass die Maniker ja irgendwo auch „gern“ manisch sind, jedenfalls in der manischen Phase selbst. Der Katzenjammer setzt ja erst danach ein.
Ich würde also menen, dass MINDESTENS zwei Phasen abgewartet werden sollte, bevor man Lithium einsetzt, wobei es dann fast egal ist, ob zwei manische hintereinander oder eine manische und eine depressive.
Ich würde zunächst immer die Manie mit Neuroleptika usw. behadeln nd die Depression mit Antidepressiva, zumal ja durch die Serotoninwiederaufnahme-Hemmer doch ein gewisser Vorsprung egenüber den alten Antidepressiva erreicht wurde.
Gruß,
Branden

Hallo,

Laux, Dietmaier und König schreiben dazu:

„Bei bipolaren Psychosen wird eine Lithium-Prophylaxe für indiziert gehalten, wenn zwei Phasen innerhalb von vier Jahren oder ingesamt drei Phasen aufgetreten sind. Bei unipolaren affektiven Psychosen (endogenen Depressionen) gelten als Kriterien für hohe Rezidivgefährdung das Auftreten von zwei Phasen innerhalb von fünf Jahren oder eine Gesamtzahl von vier Phasen“ (2001, S. 222).

Aber:

„Angesichts des besonders hohen Rezidivrisikos bipolarer Störungen und des hohen sozialen Gefährdungspotentials manischer Episoden wird aber auch empfohlen, schon beim Auftreten einer ersten manischen Phase die rezidivprophylaktische Behandlung einzuleiten“ (Berger, Psychische Erkrankungen, 2004, S. 617).

Zudem ist die Lage etwas anders, wenn der Patient ein „Rapid Cycler“ ist. Dann gilt eine prophylaktische Medikation mit Lithium als weniger erfolgreich und es wird stattdessen die Gabe von Carbamazepin empfohlen. Die Wirkung von Carbamazepin ist einer Metaanalyse zufolge der von Lithium bei „Rapid Cycling“ überlegen. Eventuell kann auch Valproat versucht werden.

Beste Grüße,

Oliver Walter