Lob für die Regierung

Hallo Experten,

oft lese ich Eure Kritik an der derzeitigen rot/grünen Regierung und meistens stimme ich zu. Deswegen will ich auch etwas erzählen, was mir gefällt:

Heute kam eine alte Dame (eine gute Bekannte) zu mir, um sich einen Brief der Rentenanstalt erklären zu lassen.

Am 1. Januar 2003 tritt ein neues Gesetz in Kraft, welches Alten und sonstigen nicht arbeitsfähigen Menschen in Deutschland eine Grundversorgung verspricht.

Dieses Schreiben erhalten alle Rentner mit einer Monatsrente von bis zu 844.- Euro. Dabei ist ein Antrag der vermuten läßt, daß meine Bekannte ab nächstem Jahr ein wenig mehr Geld bekommen wird.

Mir gefällt daran, daß unsere Regierung in der letzten Legislaturperiode (trotz der knappen Kassen) auch an die in Deutschland lebenden Bedürftigen gedacht hat.

Ist das nicht Wert, bekannt gemacht zu werden?

Grüße, Rudolf

Hallo RuBa,

(…)

Am 1. Januar 2003 tritt ein neues Gesetz in Kraft, welches
Alten und sonstigen nicht arbeitsfähigen Menschen in
Deutschland eine Grundversorgung verspricht.

Dieses Schreiben erhalten alle Rentner mit einer Monatsrente
von bis zu 844.- Euro. Dabei ist ein Antrag der vermuten läßt,
daß meine Bekannte ab nächstem Jahr ein wenig mehr Geld
bekommen wird.

Mir gefällt daran, daß unsere Regierung in der letzten
Legislaturperiode (trotz der knappen Kassen) auch an die in
Deutschland lebenden Bedürftigen gedacht hat.

Ist das nicht Wert, bekannt gemacht zu werden?

natürlich freut mich das Schreiben für deine Bekannte.
Ich würde mich freuen, wenn ich auch mehr Geld bekommen würde, ohne eine zusätzliche Leistung bringen zu müssen.
Warum gibt es denn Bezieher so kleiner Renten? Es wurde doch anscheinend zu wenig oder zu kurz eingezahlt. Und wer zahlt das am Ende wieder? Ich z.B. und ich (37) weiß nicht wann und ob ich überhaupt etwas bekomme. Auf jedenfall wäre die Rendite eines Sparstrumpfes bestimmt höher, als die der ges. RV.

Gruß, Joe
demnixandieserregierunggefällt

Hi Rudolf,

den meisten hier gefällt es doch besser über die armen Spekulanten zu klagen, die Ihre Gewinne versteuern sollen.

Oder aber zu weinen, daß kinderlose Doppelverdiener keine EHZ mehr bekommen.

Oder daß menschen mit einkommen über 7000 DM, 3500 Euro Krankenkassenbeiträge und Rentenversicherung zahlen sollen.

also du siehst: Die Regierung legt es darauf an, die besitzenden zu verarmen.

gruss
winkel

Meine Oma hatte nach der letzten „Rentenerhöhung“ sage und schreibe 5 DM weniger in der Kasse. Denn durch Ökosteuer, etc. ist die vollständig wieder aufgebraucht worden.

Kein Lob für diese Regierung!

Hallo Rudolf,

eine Mindestrente ist gut und schön und sicherlich auch vernünftig und notwendig.

Dumm nur, daß es in absehbarer Zeit nicht nur eine Mindest-, sondern auch eine Einheits-, zumindest aber eine Maximalrente (und zwar nicht bedingt durch die BBG) geben wird.

Das freut mich dann schon weniger. Und da sich die Aussichten nicht ändern, wenn man Änderungen am System durch minimales Drehen an den Stellschräubchen vornimmt, sehe ich da auch keinen Grund, von meiner Einschätzung abzuweichen.

Gruß
Christian

Hi Rudolf,

Oder aber zu weinen, daß kinderlose Doppelverdiener keine EHZ
mehr bekommen.

Hi,
dieser falsche und blödsinnige Auszug zeigt mir, daß du gar nicht verstanden hast um was es dabei ging.

Ein wenig Neid kommt da schon raus bei dir.

Wenn ich mich ständig fortbilde abends länger arbeite, am Wochenende etwas tue steht mir nach meiner Weltanschauung auch mehr zu als dem der um 4 den Hammer fallen lässt und sich in seinem Schrebergarten die Sonne auf seinen Bauch und seine Bierflasche scheinen läßt.
Und da ist es mehr als legitim wenn man sich darüber ärgert, daß ich von meinen Steuern eventuell sein Bier noch mitfinanziere.

PP

Hallo Christian,

eine Mindestrente ist gut und schön und sicherlich auch
vernünftig und notwendig.

(…)

aber nicht aus der Rentenversicherung finanziert. Wer nichts, oder zu wenig, oder zu kurz eingezahlt hat soll nicht von einem Teil der Gesellschaft (RV Einzahler), sondern steuerfinanziert von allen durchgefüttert werden. Dies ist zumindest meine Meinung.

Gruß, Joe

Guten Morgen, Rudolf!

Man stelle sich ein Schiff vor. Der Rumpf hat Risse; Wasser dringt durch alle Nähte; der Kahn ist weitgehend manovrierunfähig und droht, zu sinken. In dieser Situation kümmert sich der Kapitän nicht über den Wassereinbruch, sondern läßt die Reling reparieren, damit niemand über Bord gespült wird.

Ohne die akute Gefahr des Untergangs wäre die Reparatur der Reling gewiß vordringlich. Wie würde man wohl das Handeln des Kapitäns beurteilen, der sich zunächst um die Leute kümmert, die sich nicht selbst festhalten können, dafür aber riskiert, daß alle miteinander absaufen?

Die über alles gestellte Sozialstaatsmentalität bringt uns um. Keine Frage, eine Grundsicherung für alle Menschen ist sinnvoll. Diese Grundsicherung muß aber in ein Gesamtkonzept eingebettet sein. Die Grundsicherung oder welche staatlichen Wohltaten auch immer, müssen wir uns auch leisten können. Dafür muß die Maschine sauber laufen. Dafür braucht man fähige Maschinisten, Techniker und Ingenieure, die das Ding in Gang halten. Dafür braucht man auch ein paar Verwaltungsleute, die dafür sorgen, daß die Maschinisten frei arbeiten können, wenn es sein muß, rund um die Uhr. Sobald man aber beginnt, jeden Handgriff der Maschinisten zu reglementieren, können sie ihren Job nicht mehr erledigen. In dieser Situation beschließt der Kapitän, mehr Verwaltungsleute an Bord zu nehmen. Alle werden von der Arbeit der wenigen Maschinisten bezahlt. Einige achten darauf, daß die Maschinisten nicht zu viel arbeiten, andere erstellen immer neue Regeln für die Maschinisten und der Rest verwaltet die Verwaltungsleute. Für den Maschinisten bleibt immer weniger Geld übrig. Die Arbeit macht ihm auch keinen Spaß mehr, wenn er sieht, wie andere in Schlips und Kragen, aber ohne Sachverstand, bestimmen, wann und wie er zu arbeiten hat. Irgendwann geht den Maschinisten ein Licht auf. Sie haben etwas falsch gemacht. Die Leute, die überhaupt nichts zur Weiterfahrt beitragen, werden nämlich genau so versorgt, wie die paar Doofen, die bis zum Umfallen arbeiten. Die Maschinisten werden schlauer. Einige heuern auf einem anderen Dampfer an. Andere tun nur noch das Nötigste.

Ich treffe sehr häufig Maschinisten, deren Job es ist, die Maschine in Gang zu halten. Gestern war es ein Gerüstbauer, der bis vor einem Jahr 40 Angestellte hatte. Spezialgerüste in großer Höhe sind sein Gebiet. Weil Leben an diesen Gerüsten hängen, arbeitete er immer selbst mit. Ein verantwortungsbewußter, fleißiger, sehr einfacher Mann. Viel Mathematik, Optimierung seiner Bilanz etc.- das ist ihm fremd. Aber auch ohne Mathematik merkte dieser Mann, daß ihm das Finanzamt die Hälfte seines Einkommens wegnimmt. Es sah seine Frau kaum noch, war in ganz Deutschland unterwegs. Weil das Leben in der Baubranche immer schwerer wird, kam es zu finanziellen Engpässen. Das Finanzamt behandelte den Mann wie einen Betrüger, wie einen Aussätzigen, obwohl er so viele Steuern bezahlte, daß die Besatzung ganzer Amtsstuben nur von diesem einzigen, einfachen, aber fleißigen Mann lebte. Er mußte 20 seiner 40 Leute entlassen. Dabei bemerkte er, daß er weniger arbeiten muß, weil er sich um weniger Leute und weniger Auftraggeber kümmern muß. Unter dem Strich verdient er mit weniger Leuten auch nicht weniger. „Aha!“ dachte er sich und arbeitet heute nur noch mit 4 Angestellten. Wird die Arbeit zu viel, nimmt er Unterauftragnehmer zu Hilfe. Heute gehts ihm besser als mit 40 Leuten und er sieht wieder regelmäßig seine Frau. Er hat seine Lektion gelernt. Er zahlt heute weniger Steuern, aber das ist nicht sein Problem.

Ich kenne viele solcher Maschinisten. Sie müssen über 3.000 Euro aufwenden, um ihrem Beschäftigten netto 1.500 Euro bezahlen zu können. Der Rest verschwindet in diversen staatlichen Beuteln, muß aber erwirtschaftet werden.

Wir brauchen Leute, die den Karren ziehen, die Maschinen in Gang halten, die Neues erdenken und vermarkten. Wir brauchen Leute, die dafür 40, 60 und mehr Stunden die Woche arbeiten. Wir brauchen aber keine Leute, die unanständigerweise den arbeitenden Menschen die Hälfte ihres Geldes wegnehmen, um es in der Verwaltung verschwinden zu lassen oder an nicht arbeitende Menschen zu verteilen. Wir brauchen auch eine Grundversorgung für Menschen, die aus welchen Gründen auch immer nicht arbeiten können. Diese Grundversorgung kann aber nur von den arbeitenden Menschen kommen. Deren Arbeit muß sich lohnen, sonst wird diese Arbeit gemäß menschlicher Natur nicht getan.

Es ist auch und vor allen Dingen eine Frage der Reihenfolge. Erst muß erwirtschaftet werden, was man verteilen will. Im Moment aber wird verteilt und dann zeigt sich, was für die Zugpferde des Ganzen zum Überleben übrig bleibt. Zu allem Überfluß werden die Zugpferde, die ohne Netz und doppelten Boden und ohne soziale Sicherheit arbeiten, auch noch beschimpft. Es wird eine Neidkultur geschaffen, es werden Bilder und Vorstellungen aus der Anfangszeit der Industrialisierung bemüht. Leitende Angestellte großer Unternehmen, letztlich Lohnempfänger ohne nennenswerte persönliche Verantwortung, werden zu Wirtschaftsführern stilisiert, oft genug stigmatisiert. Die Unternehmer, auf die sich unsere Volkswirtschaft stützt, sind diese Leute aber nicht. Der selbständige Handwerker mit ein paar Angestellten, der Freiberufler, der kleine oder mittlere Lohnfertiger, das kleine Technologieunternehmen mit dem tätigen Inhaber - das sind die Stützen der gesamten Volkswirtschaft. Diese Stützen werden gemolken und mit Reglementierungen überzogen, bis sie nicht mehr können oder nicht mehr wollen.

Nur ein kleines Beispiel - nicht das Unglück der Wirtschaft, aber symptomatisch: Ein Ing.-Büro mit ein bißchen CAD und Elektronik wird genötigt, einen Arbeitsmediziner zu beschäftigen oder einen Beratungsvertrag mit jährlich soundsovielen Stunden abzuschließen. Was soll das? Der gleiche Betrieb hängt ein Firmenschild an die Hausfassade. Die Fassade grenzt direkt an den Bürgersteig, mithin an öffentlichen Grund. Das Firmenschild ragt deshalb 5 cm in den öffentlichen Luftraum. Zeichnungen, selbstredend ein Antrag nebst Gebühren, ein Ortstermin sind die Folge. Der gleiche Betrieb wird einmal jährlich vom statistischen Landesamt befragt, wieviele Festmeter Holz er einschlägt (in der Großstadt!). Selbstverständlich hat der Inhaber zwischenzeitlich einen zähen Kampf ausgefochten, ob und welcher Kammer er Beiträge zu entrichten hat. Das läßt sich endlos fortsetzen. Bitte schickt diese teure Verwaltungspest in die Wüste! Laßt die Menschen frei arbeiten, dann wird es auch genug Geld für Wohltaten geben.

Gruß
Wolfgang