Hallo liebe Experten,
zählen Lob und Anerkennung zu den sekundären Grundbedürfnissen?
Gibt es Studien zur Entwicklung von Kindern, die ohne Lob und Anerkennung aufgewachsen sind?
Gibt es Studien, wie sich der Mangel von Lob und Anerkennung auf Erwachsene auswirkt?
Hanna
Hi Hanna,
es gab mal Studien an Babies/Kindern, ich mag gar nicht danach suchen
die wurden als Säuglinge lediglich gefüttert und dann wieder schlafen gelegt…bzw. es gab nur die Versorgung der Grundbedürfnisse, sonst nichts, keine positive Bestärkung/Zuwendung, aber auch nichts Negatives, einfach nur essen/windeln/schlafen.
Soweit ich das dunkel in Erinnerung habe, starben diese Kinder allesamt.
Gruß
Maja
Soweit ich das dunkel in Erinnerung habe, starben diese Kinder
allesamt.
Ja, ich erinnere mich ebenfalls an diese Studie, Maja. Sie fand in den grauen Zeiten der Monarchie statt, unter irgendeinem König. Traurige Geschichte.
Gruß, Branden
Hallo Maja,
ja, diese Geschichte ist mir bekannt. Diesen Kindern ist aber mehr vorenthalten worden als nur positive Verstärkung.
Trotzdem danke,
Hanna
Hallo Hanna,
zählen Lob und Anerkennung zu den sekundären
Grundbedürfnissen?
nein. Lob und Anerkennung zählen zu den sekundären Verstärkern. Das, was Du meinst, ist das Bedürfnis nach Anerkennung, die Anschlußmotivation oder das Affiliationsbedürfnis. Es wird zu den sekundären Bedürfnissen gezählt.
Gibt es Studien zur Entwicklung von Kindern, die ohne Lob und
Anerkennung aufgewachsen sind?
Gibt es Studien, wie sich der Mangel von Lob und Anerkennung
auf Erwachsene auswirkt?
Meinst Du konkret verbales Lob oder generell Zuwendungen jeglicher Art (sprachlich, körperlich, materiell)? Möchtest Du wissen, ob und wie es sich auswirkt, wenn Eltern ihre Kinder loben (Lob als Erziehungsmethode)?
Gruß,
Oliver Walter
Hallo Oliver Walter!
Das, was Du meinst, ist das Bedürfnis nach
Anerkennung, die Anschlußmotivation oder das
Affiliationsbedürfnis. Es wird zu den sekundären Bedürfnissen
gezählt.
Ja, genau, das meine ich.
Meinst Du konkret verbales Lob oder generell Zuwendungen
jeglicher Art (sprachlich, körperlich, materiell)?
Nun, ich meine nicht einfach Zuwendungen sondern Anerkennung für erbrachte Leistungen.
Möchtest Du
wissen, ob und wie es sich auswirkt, wenn Eltern ihre Kinder
loben (Lob als Erziehungsmethode)?
Am Rande, ja.
Es verhält sich so: Ich stehe in einer Diskussion mit einem Freund, der meint, Lob sei überflüssig, kindisch und kitschig. Deshalb schenkt er niemandem ein Lob.
Mir fehlen bis jetzt die Argumente, ihn zu überzeugen, dass Lob auch Erwachsene positiv beeinflusst.
Nebenbei bemerkt: Er selbst genießt es sehr, Lob und Anerkennung zu erhalten, das ändert jedoch nichts an seiner Meinung.
Hanna
Hallo Branden,
Ja, ich erinnere mich ebenfalls an diese Studie, Maja. Sie
fand in den grauen Zeiten der Monarchie statt, unter
irgendeinem König. Traurige Geschichte.
sofern sie wahr ist. Es gibt zwei dieser Geschichten. Die ältere wird bei Herodot überliefert: Die Ägypter waren sich unsicher, ob sie oder die Phryger das älteste Volk der Welt seien. Pharao Psammetich (664-610 v. Chr.) ließ daher 2 Kinder ihren Müttern wegnehmen und unter dem Befehl aufziehen, daß sie in eine Kammer gesperrt, nur Nahrung (Milch) bekommen sollten und daß nicht mit ihnen gesprochen werden sollte. Nach 2 Jahren wurde die Kammer geöffnet und die Kinder sollen „bek bek“ gerufen haben. Psammetich erkundigte sich, ob in irgendeiner Sprache diese Laute eine Bedeutung hätten, und erfuhr, daß die Phryger das Brot „bekos“ nennen. Seitdem sollen die alten Ägypter geglaubt haben, daß die Phryger das älteste Volk seien.
Die zweite Geschichte wird dem Stauferkaiser Friedrich II. (1212-1250) zugeschrieben, der wissen wollte, welche Sprache Kinder von selbst sprechen, wenn niemand zu ihnen spricht. Die beiden Kinder sollen allerdings gestorben sein, bevor sie etwas gesagt haben.
Gruß,
Oliver Walter
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Hallo Hanna,
Es verhält sich so: Ich stehe in einer Diskussion mit einem
Freund, der meint, Lob sei überflüssig, kindisch und kitschig.
ah, so.
Deshalb schenkt er niemandem ein Lob.
Der Freud von Dir ist aber sehr konsequent.
Mir fehlen bis jetzt die Argumente, ihn zu überzeugen, dass
Lob auch Erwachsene positiv beeinflusst.
Wie könnte man ihn denn überzeugen? Natürlich könnte ich Dir einige Beispiele nennen, daß Lob und Anerkennung das Verhalten von Erwachsenen beeinflußt, aber würden solche Beispiele Deinen Freund überzeugen? Oder würde er sagen, daß er das alles nicht glaubt?
Nebenbei bemerkt: Er selbst genießt es sehr, Lob und
Anerkennung zu erhalten, das ändert jedoch nichts an seiner
Meinung.
Wahrscheinlich wäre es effektiv, ihm eine Weile kein Lob und keine Anerkennung zu geben und auf das, was er sagt und tut, gleichgültig zu reagieren. Ich möchte wetten, daß ihn das irritieren wird. Das wäre dann Beweis genug.
Natürlich ist dieser Vorschlag radikal und mit Vorsicht zu genießen. Möglicherweise würde Dein Freund ärgerlich werden.
Grüße,
Oliver Walter
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Die zweite Geschichte wird dem Stauferkaiser Friedrich II.
(1212-1250) zugeschrieben,
Genau, Oliver, ich erinnere mich an die Gschichte von bzw. unter Friedrich II.
Gruß, Branden
Hallo Oliver Walter!
Deshalb schenkt er niemandem ein Lob.
Der Freud von Dir ist aber sehr konsequent.
Ja, das kann man wohl sagen. 
Wie könnte man ihn denn überzeugen? Natürlich könnte ich Dir
einige Beispiele nennen, daß Lob und Anerkennung das Verhalten
von Erwachsenen beeinflußt, aber würden solche Beispiele
Deinen Freund überzeugen? Oder würde er sagen, daß er das
alles nicht glaubt?
Einer wissenschaftlichen Studie beispielsweise würde er eventuell Glauben schenken.
Wahrscheinlich wäre es effektiv, ihm eine Weile kein Lob und
keine Anerkennung zu geben und auf das, was er sagt und tut,
gleichgültig zu reagieren. Ich möchte wetten, daß ihn das
irritieren wird. Das wäre dann Beweis genug.
Das habe ich schon mal probiert, aber in meiner sprudelnden Überschwenglichkeit habe ich das nicht lang durchgehalten.
Natürlich ist dieser Vorschlag radikal und mit Vorsicht zu
genießen. Möglicherweise würde Dein Freund ärgerlich werden.
Nun - er hat durch seine Sturheit Konsequenz erreicht, dass ich ärgerlich geworden bin. Ich pflege seine Seele und bekomme nichts zurück. Da darf er ruhig mal ausprobieren, wie so etwas schmeckt.
Vielen Dank und Sternchen!
Hanna
Hallo Hanna,
Einer wissenschaftlichen Studie beispielsweise würde er
eventuell Glauben schenken.
im Bereich der Wirksamkeit von Lob / Anerkennung gibt es wohl inzwischen unübersehbar viele wissenschaftliche Studien, z.B. auf dem Gebiet der Arbeits- und Organisationspsychologie. Die Zielsetzungstheorie und das auf ihr beruhende Management by Objectives gehen u.a. von der Wirksamkeit von positivem Feedback zur Steigerung der Arbeitsmotivation und Leistung aus, wenn sie zusätzlich zu Leistungszielen eingesetzt werden. Diese Annahme wird durch Studien gestützt, z.B. durch eine Studie von Latham, Mitchell und Dossett (1978), in der Ingenieure und Naturwissenschaftler ihre Leistungen gleichermaßen steigerten, egal, ob sie Lob / Anerkennung durch Vorgesetzte, durch die Öffentlichkeit oder durch Geld erhielten, wenn Leistungsziele formuliert wurden.
Auch im Bereich der Verhaltenstherapie gibt es den Einsatz von Lob / positivem Feedback als Bestandteil von einzelnen Therapieverfahren. Eine konkrete Studie zu nennen, fällt da schon schwer, weil die Wirksamkeit von Lob / positivem Feedback bereits zum Allgemeinwissen gehört.
Vielen Dank und Sternchen!
Danke!
Grüße,
Oliver
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Spracherwerb, Lob und Tadel
Hi Maja,
bei diesem „Experiment“ ging es aber nicht allein um Lob und Anerkennung, sondern um Spracherwerb. Der Knackpunkt war, daß mit den Kindern nicht gesprochen werden durfte - es sollte heraus gefunden werden, ob es eine menschliche „Ursprache“ gibt.
Dieses „Experiment“ wird Kaiser Friedrich II zugeordnet - ob es wirklich so stattgefunden hat, weiß man nicht.
Tatsache ist übrigens, daß Babies eine gewisse Zeit lang „das Gleiche erzählen“, ihre Lautierungen sind ähnlich. Erst mit der Zeit verschwinden aus ihrer Lautierung die Laute, die sie nicht von den Erwachsenen hören: Bei japanischen Babies das R, bei deutschen das englische TH, und so weiter.
Aber das war ja nicht Hannas Frage.
Tatsache ist, daß Kommunikation für Babies und Kinder unglaublich wichtig ist. Und daß Erziehungswissenschaftler herausgefunden haben, daß positive Verstärkung nicht nur besser hängen bleibt, sondern auch besser wahrgenommen wird als negative. Für jeden Tadel also fünf Mal Lob!
Liebe Grüße,
Nike
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Hi,
die Argumentation deines Freundes kenne ich.
Da ich mich selbst als Anerkennungs- Junkie (also abhängig von Lob) bezeichne, habe ich mich mit der Gegenmeinung beschäftigt.
Reinhard Sprenger schreibt in seinem Buch „Die Entscheidung liegt bei dir“ durchaus nachvollziehbar, dass man durch Lob erpressbar, beeinflussbar, manipuliert wird. Also doch nicht so toll…
Wayne Dyer hat in seinem Buch „Die Kunst nicht unglücklich zu sein“ ähnliches mit Beispielen ausgeführt.
Trotzdem, ich lobe meine Kinder und versuche mich selbst anzuerkennen, damit ich vom Lob anderer nicht so abhängig bin.
Viele Grüße
C.