Hallo Spongepop
Man wusste vielleicht im voraus nichts vom Aufstand, aber als
er dann ausbrach schaltete man einen Gang zurück.
Das ist so nicht richtig. Die mit den Sowjets verbündete
AL (nicht AK) hatte sich dem Aufstand angeschlossen.
Diese wollten die Sowjets unbedingt erhalten. Aber
die Frontbefehlshaber wussten tatsächlich bis Mitte August
praktisch nichts über die genaue Lage.
Und während an der Nordfront (Baltikum) und Südfront (Balkan) sowjetische
Offensiven begannen, „kämpfte“ man einen Monat lang (von Mitte
August bis zum 13.09.) um den Warschauer Stadtteil Praga. Auch
bei zehnfacher Überlegenheit kann man defensiv agieren.
Schtemenko beschreibt das auf über 100 Seiten. Die Totenkopf
wurde ja z.B. aus dem Bereich Südukraine abgezogen. Die Sowjets
merkten das erst, als sie an der Weichsel gestoppt wurden.
wer kann schon im nachhinein beurteilen ob es sich bei einem
gescheiterten Angriff um eine Operation (z.B. Umfassung
Warschaus), einen begrenzten Angriff (z.B. Eroberung einer
Anhöhe oder eines Gebäudes) oder einem Stoßtrupp-Unternehmen
gehandelt hat.
Die „Eroberung“ Warschaus lag sowieso für die sow. Planer
in weiter Ferne. Darüber machten sie sich keine Illusionen.
Dazu hätten sie die Weichsel im Armeemasstab forcieren müssen,
nach Schukows Einschätzung hätte das angesichts der gegn.
Stärke in einer Katastrophe geendet (laut Schtemenko 2).
Ich habe leider keine Lagekarte dazu gefunden gefunden, aber
standen die beiden Verbände nördl. oder südl. von Warschau
oder kämpften sie um Prada?
Erst Raum Siedlece (Norden/Osten v. Warschau), und
zwar die Totkopf etwa 25km östl. S. und die
Wiking 40km östl. S. (1.8.44); dann nordöstl Warschau
im Raum Wolomin. In Hinze (Ostfront 1944) findet
man zu beinahe jedem Tag eine Lagekarte.
Unter http://www.wiking.org/topics/history.htm
ist nachzulesen, daß die „Wiking“ zw. Dem 18.08. und 30.08. in
heftigen Abwehrkämpfen stand, diese dann aber abflauten und
erst am 30.10. wieder aufgenommen wurden.
Was auch immer das bedeuten mag. Jedefalls hatte die
Wiking zwischen August und Oktober drei grosse sow.
Offensiven in der Warschauer Richtung zu überstehen.
Allein am 3.8. zählte man in der Wolomin-Richtung
86 ausgebrannte Sojetpanzer (Radzymin-Wolomin).
Schtemenko z.B. schreibt klar, die Sowjets erhielten
vor Warschau eine schmerzhafte Niederlage verpasst.
- Konew, „Aufzeichnungen eine Frontoberbefehlshabers“
Jetzt muß ich mal dumm fragen: War Konew’s Front auch vor
Warschau? Ich dachte der war weiter südl. (Raum Slowakei)
Ja auch, die Ukrainische Front Konews wurde gespalten,
der südl. Zweig (Slowakische Operation) einem anderen
Befehlshaber unterstellt. K. leitete persönlich
die Angriffe südl. Warschau, z.B. Eroberung und
halten des Sandomierz-Brückenkopfes über die
Weichsel (kann aber noch mal genauer nachsehen).
Zwecks Luftunterstützung ist für mich auch unklar:
Warum dreht sich alles immer nur um alliierte
Luftunterstützung der Polen, wäre es für die Sowjets (soweit
sie ernsthaft Absichten gehabt hätten) nicht viel einfacher
gewesen die Aufständigen mit Lebensmitteln, Waffen, Munition –
vielleicht sogar mit Fallschirmjägern zu unterstützen.
-
zu den Westalliierten: Chu. und Roo. hatten der polnischen
Exilregierung schon Ende 1943 klar mitgeteilt, dass sie
einen Aufstand auf dem Luftwege nicht unterstützen würden
(zu teuer, zu riskant). Das wussten demnach die Polen.
-
die Sowjets haben den Aufstand tatsächlich auch durch
Abwürfe unterstützt, aber erst spät und nur dann, wenn
klar war, dass die (ihre?) Aufständischen auch die Sachen
bekommen.
-
ein (doch noch gestarteter) Versuch der Amerikaner, mit B-17
aus der Luft Hilfsgüter abzuwerfen, war gescheitert. Die
Deutschen bargen nahezu alle Waren. Ich muss mal nachschauen,
wann dan war.
wurden die britischen Versorgungsflüge von Italien aus
geflogen.
Welche waren das eigentlich konkret. Ich habe nichts darüber
gefunden.
Zu guter letzt muß man sich Fragen wer den größten Nutzen aus
der Niederschlagung des Aufstandes gezogen hat – und das sind
Stalin und die Polnischen Kommunisten. Der
russisch/sowjetische Erbfeind wurde vernichtet, die
Grenzziehung wurde von den Polen anerkannt und die Kommunisten
brauchten sich keine Sorgen mehr um eine Opposition zu machen.
So einfach kann ich das nicht mehr sehen. Die AK war niemals
ein Gegner für die Sowjets und die Westalliierten hatten
Stalins Polen-Entwurf im wesentlichen gebilligt. Und dem
Aufstand schlossen sich ja bekanntlich auch die sowjet-
freundlichen Kräfte der AL an.
Im grossen und ganzen erscheint mir das Ganze in der
heutigen Rezeption wie ein Versuch, die Schuld für
das damalige opferreiche Scheitern der Realisierung
eines westl. Polens auf Stalin abzuwälzen.
Grüße
CMБ