Logopädie für 4-Jährigen - Mundatmer

Liebe/-r Experte/-in,

mein Sohn ist 4,5 Jahre alt. Letztes Jahr wurden ihm wegen wiederholten Mittelohrentzündungen und um die Nasenatmung zu verbessern Paukenröhrchen gesetzt, Polypen entfernt und Nasenschleimhaut gelasert. Zu der Zeit (und eigentlich seitdem) atmet er meist durch den Mund (angewöhnt?). Das Schnarchen und Hören wurde natürlich viel besser. Dieses Jahr mussten die Röhrchen erneuert werden wegen schlechtem Hören durch einen bestehenden Paukenerguß mit zähem Sekret. Die Nasenschleimhaut wurde auch gelasert.
Er bekommt auch gut Luft durch die Nase, aber nachts atmet er meist durch den Mund ein, manchmal durch die Nase aus und er hat oft Phasen, da will er durch die Nase einatmen und es hört sich an, als ob die Zunge den Rachen verschließt - er atmet dann nach 10-20 Sek. plötzlich durch den Mund ein(bevor er „erstickt“).
Ich denke, das die Zunge zuweit hinten und unten zu liegen kommt und er deshalb die Art Aussetzer hat. Er hat bis 3 Jahre den Schnuller zum Einschlafen genommen, einen spitzen und schmalen Gaumen und eine Rücklage des Unterkiefers. Seine Aussprache ist noch nicht perfekt, aber den Sprachtest vom Kindergarten hat er problemlos bewältigt.
Ist es möglich bzw. sinnvoll, mit ihm in diesem Alter eine Umgewöhnung zu versuchen? Kann ich das selber mit bestimmten Übungen oder sollte das in die Hand eines/einer Logopäden/din gelegt werden?

Ich selbst bin Zahnärztin, arbeite aber rein kieferorthopädisch - mein Wissen über myofunktionale Therapien beschränkt sich allerdings auf ältere Kinder!

Vielen Dank für die Hilfe

Katrin

Hallo Katrin,
erstmal vielen Dank für Ihre Anfrage.

Grundsätzlich ist es immer schwierig, eine Ferndiadnose zu stellen. Aber ich finde auch, dass ihre Schilderungen so klingen, dass die Zunge ihres Sohnes zu weit hinten im Mund liegen. Vermutlich ist durch die Jahrelange Mundatmung und die Schwierigkeiten mit Mittelohrentzündungen, den Polypen und dem Paukenergüssen die Muskulatur der Zunge geschwächt. Ich erkläre mir das so, dass die Zunge durch die verminderte Mudkulatur einfach eine zu große Masse hat und somit schwach im Mund liegt und zu viel Raum einnimmt. Aber das sind ehrlich gesagt nur Spekulationen.
Eine Umgewöhnung und entsprechende Übungen, um die Lippen- und Zungenmuskulatur zu stärken sind aber auf jedenfall auch jetzt schon sinnvoll. Denn je länger Ihr Sohn das falsche Atemmuster hat, desto mehr gewöhnt er sich daran. Es wird dann immer schwieriger, die physiologische Nasenatmung anzubahnen.

Ich würde Ihnen raten, dass sie sich an eine logopädische Praxis in Ihrer Nähe wenden und dort ihr Anliegen schildern. Dann können Sie sich einen Diagnostiktermin geben lassen und dort wird dann noch mal genau geschaut und getestet wie man Ihrem Sohn individuell helfen kann.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen Ihre Frage ausreichend beantworten. Falls sie noch weitere Fragen haben, stehe ich Ihnen selbstverständlich gerne zur Verfügung.

Dann schon mal ein schönes Wochenende!
Gruß, Sabrina

Vielen Dank für die schnelle Antwort!
Ich denke, das werde ich auch machen!
Gruß Katrin

Hallo Kathrin,

hier könnten tatsächlich mehrere Ursachen infrage kommen: 1. natürlich der enge, spitz zulaufende Gaumen.Schläft Ihr Sohn mit offenem Mund? Es ist kaum möglich, bei geöffnetem Mund durch die Nase einzuatmen. Da die Zunge beim Schlafen durch den verringerten Tonus eher nach hinten rutscht, könnte sie dann natürlich die Mundatmung beeinträchtigen. 2.Dachten Sie schonmal an eine Schlafapnoe?

Wir hier in der Praxis behandeln sehr viele Kinder, bei denen die orofaziale Muskulatur durch die ursprünglich behinderte Nasenatmung so geschwächt ist, dass das sie erst wieder aufgebaut werden muss. Lispelt Ihr Sohn auch?

Sie kennen ja die orofaziale Therapie bei älteren Kindern, bei jüngeren lassen wir meistens die Eltern zu Hause eine orofaziale Stimulation durch Vibration, Eistherapie, Stimulation der Zunge mit Bürstchen etc. durchführen. Da wäre es tatsächlich besser, wenn sich das ein Logopäde anschaut und Ihnen Anleitungen gäbe.

Konnte ich Ihnen soweit schonmal helfen? Einen schönen Tag und herzliche Grüße,
J.Lex

Hallo Katrin
Gehe auf jeden Fall zu einer Logopädin. Dein Sohn hat wahrscheinlich durch das jahrelange Atmen durch die Nase eine Hypotonie. Die Muskeln sind wahrscheinlich erschlafft. Tipp: aus Strohhalmen trinken,Nudelnessen ohne Hände, nur mit den Lippen einziehen,auch mit Lakritzschnecken. Buchtipp:
kunterbunt rund um den Mund
von Iris Adams, Veronika Struck und Monika Tillmanns KArus. Das sind ganz viele Übungen für Mundmotorik drin. Viel Erfolg!
Julia

Hallo Katrin,
ich habe deine Ausführungen 2 meiner besten Therapeutinnen vorgelegt. Sie kommen beide zum Schluss, dass es sehr sinnvoll sei, hier mit der NF!T (Neurofunktionstherapie) zu arbeiten.
Schau doch mal, ob es deiner Nähe Logopädische Praxen gibt, deren MA die dafür spezielle Ausbildung haben. Eine reine myfunktionelle Therapie ist sicherlich nicht ausreichend.
Mit freundlichen Grüßen
Berthold Rieke
Institut-Dialog Coesfeld
02541-6999
www.institut-dialog.de

Vielen Dank für die Antwort!

Vielen Dank für die Antwort!.

Danke für die Antwort, ich werde mich dahingehend mal erkundigen! Gruß Katrin

Hallo Katrin,

ich würde direkt zu einer LogopädIn vor Ort gehen und um eine Beratung bitten. Sie wird entweder mit einer Behandlung beginnen oder Dir spielerische Übungen (Puste- und Saugeübungen) zeigen, damit ihr zu Hause ein bißchen üben könnt. Um die Spannung im Körper und damit auch im Mundbereich zu erhöhen, würde ich Euch Kinderturnen empfehlen (falls ihr das noch nicht macht), da werden Balance und Koordination gefördert, das kann sich günstig auf Mund- und Zungenspannung auswirken.
Hoffe, ich konnte Dir weiterhelfen,
herzliche Grüße
Julia

Danke für die Antwort!

Liebe Katrin, ich möchte dir schnell noch aus meiner Kenntnis heraus antworten.

Nasenatmung

Nach deiner Beschreibung/ Fehlstellung+ Mundatmung fiel mir die GLOSSOPTOSE ein- hierbei ist die Zunge tatsächlich abgesunken (Oberkiefer nicht o.B.) und die Kinder atmen gewohnheitsmäßig durch den Mund. Dadurch ist das Gaumengewebe/ Gaumensegel meist hypoton (zumindest ein Punkt mit für das Schnarchen).
Ich denke, dass man die Gaumensegelfunktion, sowie den gesamten orofacialen Bereich (myofunkt.B.) unter Anleitung eines Logopäden… trainieren sollte.

Dies ist mit Voraussetzung für die Nasenatmung und den Mundschluss.

Am Mundschluss selbst kann auch gearbeitet werden- hier würde ich spielerische Elemente oder das „normale Riechen“ nutzen und es in den Alltag einbeziehen. Z.B: das bewußte Riechen von unterschiedlichen Dingen (Bohnerwachs- Rosen- Erdbeere- Parfüm - frische Luft…). Gut auch in der
„Schnüffeltechnik“ - also so, als würde man gerade riechen, dass etwas anbrennt/ übel riecht und man will sich vergewissern = ca. 3 kurze Schnüffler hintereinander. Das kann ein richtiger Spass werden- „wer riecht …zuerst“ , "Wer erkennt (durch Riechen) als erstes, was in der Dose versteckt ist . o.ä.
Aber Vorsicht: nicht zu viel hintereinander „schnüffeln“ - geht auf Atmung und kann Kreislauf beeinflussen/Schwindel - deshalb kleine Pausen einlegen …und möglichst immer nur so lang, dass ihr Sohn die Lust am Ganzen behält.

Für den Mundschluss zu Hause ähnlich spielerisch üben:

Wettbewerb- wer kann den Trinkhalm, Spatel, Gummibärchen (querliegend) am längsten mit DEN LIPPEN festhalten?..
Puste- und Ansaugübungen (auch gut für´s Gaumensegel) -Watte, Papier… mit und ohne Halm über den Tisch…, in die Luft usw. Pusten

  • mit Trinkhalm Trinken /Saugen) - und/oder im Wechsel mit Blubberblasen in den Saft machen /Pusten (fülle das Glas nicht zu voll - aber Kinder lieben es)
    dieses Ansaugen kann man dann auf einen gekürzten Halm und einen Schnipsel Papier übertragen: Ziel: den Schnipsel ohne Finger mit dem Halm anheben (wer kann es am längsten halten/ Wer kann den Schnipsel auf diese Weise in ein Kästchen…legen?..)

Voraussetzung für das Alles ist, das es organisch möglich ist!- der HNO Arzt kann diesen Kindern selbst ein Rezept für logopäd. Behandlung ausstellen.

Dein kleiner Sohn hatte leider viele Probleme mit der Belüftung des Mittelohres und seinen Folgen.
Erfahrungsgemäß besteht häufig zu gleichaltrigen hörenden Kindern ein Defizit in den Bereichen Phonetik, Lexik- also Aussprache und Wortschatz, manchmal auch Grammatik/Intonation.
Ich kenne dein Kind nicht und kann dir deshalb nur raten, es von einem Logopäden/Logopädin überprüfen zu lassen. Wir haben eine genauere Vorstellung davon, was ein Kind in dem Alter können sollte als wahrscheinlich der Kiga. Das soll dich aber nicht beunruhigen, weil Kinder in ihrer Entw…-auch spachlich-…-plus-mius ein halbes Jahr auseinanderliegen können. Also zw. dem „Besten“ und dem „Schlechtesten“ könnte ca. 1 Jahr Entwicklungsunterschied liegen.
Und noch eins: Kinder lernen schnell, vor allem, wenn es ihnen Spass macht.

Ich hoffe, dass ich dir etwas helfen konnte und wünsche dir und deinem Sohn alles Gute.
Heike

Danke für die Antwort!.

Hallo Katrin!
Ich würde, so ich dein Söhnchen in meine Logopädenfinger bekäme, die Basis - und Mundübungen nach Beatrix Padovan mit ihm machen. Die stärken und verbessern Koordination und Tonus ganzkörperlich und orofacial. Nach dem Erlernen einmal täglich gemacht zeigen sich gute Ergebisse!
Dann müsste noch das Velum speziell gestärkt werden. Auch dafür gibt es Übungen.
Was man dann spielerisch noch mit myofunktioneller Therapie machen könnte, würde sich in der Therapie zeigen. Ich modifiziere die Übungen oft für kleinere Menschen.
Vielleicht sollte sich dein Sohn das Schlafen auf dem Bauch angewöhnen, da passieren die Aussetzer sehr selten. Das klingt nach Schlafabnoe, was du beschreibst.
Lieber Gruß
Allu