Lohn für die Übersetzung eines Auktionangebots

Hallo, ich habe eine kurze Frage an alle Übersetzer und solche die „nebenberuflich“ übersetzen - ich habe vor für eine Firma Angebote ins polnische zu übersetzen (meine Muttersprache), diese anschliessend in einer Online-Auktion (wie ebay) reinzustellen. Nun werde ich gefragt, was ich mir dafür wünschen würde … Da ich es natürlich nicht „umsonst“ machen möchte, muss ich einen realistischen Kostenvoranschlag vorlegen.
Die Übersetzung selbst würde ich pro Zeile berechnen (0,50€ ?), aber das online-Reinstellen? Pro Zeitaufwand, dh. pro Stunde? Und dann wie hoch?
Was meint ihr?
Es handelt sich um eine einmalige „Hilfe“, dh. ich muss keine extra-Kosten, wie ein angemeldeter Freiberufler berücksichtigen (würde ich sagen).

Vielen dank für jeden Hinweis.

Grazyna

Hallo Grazyna,

ich übersetze Englisch-Deutsch, Deutsch-Englisch, und ohne nun meine eigenen Preise hier nennen zu wollen, würde ich nicht unter 5 Cent pro Wort arbeiten.

Eine Abrechnung pro Wort finde ich wesentlich einfacher als eine Abrechnung pro Normzeile, weil man nicht erst feststellen muss, wie viele Normzeilen ein Text überhaupt enthält und dies dann dem Kunden mitteilen muss. Wörter zählen kann jeder, da gibt es keine Unklarheiten.

Für Polnisch kann man wohl etwas mehr verlangen als für Englisch, die Preise kenne ich allerdings hier nicht. Als Kunde würde ich für eine „Amateurübersetzung“ natürlich weniger bezahlen wollen als für eine professionelle.

Auf http://www.proz.com kannst du dir einen Überblick über die Preise verschaffen.

Pro Zeitaufwand, dh. pro
Stunde?

Würde ich nicht machen. Es gibt keinen Grund dafür. Willst du, dass dich der Kunde hinterher fragt, warum du so lange gebraucht hast? Willst du bei jeder Kaffeepause die „Uhr anhalten“? Ich finde es recht unbequem, den Zeitaufwand in Rechnung stellen zu müssen.

Schöne Grüße

Petra

Servus,

eine Erhebung des BDÜ bei dort organisierten Übersetzern hat für Deutsch-Polnisch bei gewerblichen Kunden (2008) ergeben: 1,06 - 1,35 € pro Normzeile (= 55 Zeichen incl. Leerzeichen), häufigster Wert 1,16 €.

Die Abrechnung nach Zeilen ist eine deutsche Spezialität, es gibt sie sonst international so gut wie nicht.

Unabhängig davon grüble ich schon eine ganze Weile, wovon ein Übersetzer eigentlich leben will, wenn er für 5 Cent pro Wort arbeitet. Ich vermute: Zum Frühstück heiße Magermilch mit Knäckebrot, zu Mittag Kartoffelsuppe, zu Abend Magerquark, Pellkartoffeln und Pfefferminztee satt. Montags wird immer ein neuer Hering auf den Tisch genagelt, über den man seine Kartoffel ziehen kann. Am Sonntag darauf wird der Rest des Herings als Sonntagsbraten verspeist.

Kurz: Mach den Kollegen die Preise nicht durch Dumping kaputt, es gibt welche, die von diesem Beruf leben wollen oder müssen.

Schöne Grüße

MM

Servus Petra,

5 Cent pro Wort???

Was machst Du, wenn Du mal ein Paar neue Socken brauchst? In der Fußgängerzone Betteln gehen?

Schöne Grüße

MM

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Hallo,

5 Cent pro Wort???

Was machst Du, wenn Du mal ein Paar neue Socken brauchst? In
der Fußgängerzone Betteln gehen?

Wenn du mal richtig gelesen hättest, was ich geschrieben habe, müsstest du mir hier nicht eine derart beleidigende Frage stellen. Ich habe nämlich nicht geschrieben, dass ich 5 Cent pro Wort verlange, sondern dass ich nicht unter 5 Cent pro Wort verlangen würde.

Erst lesen, dann antworten.

Petra

Unabhängig davon grüble ich schon eine ganze Weile, wovon ein
Übersetzer eigentlich leben will, wenn er für 5 Cent pro Wort
arbeitet. Ich vermute: Zum Frühstück heiße Magermilch mit
Knäckebrot, zu Mittag Kartoffelsuppe, zu Abend Magerquark,
Pellkartoffeln und Pfefferminztee satt. Montags wird immer ein
neuer Hering auf den Tisch genagelt, über den man seine
Kartoffel ziehen kann. Am Sonntag darauf wird der Rest des
Herings als Sonntagsbraten verspeist.

Haha. Sehr witzig.

Kurz: Mach den Kollegen die Preise nicht durch Dumping kaputt,
es gibt welche, die von diesem Beruf leben wollen oder müssen.

Andere Übersetzer sind mir egal, vor allem wenn sie so mit mir reden wie hier. Ich habe kein Problem damit, jemandem die Preise kaputt zu machen, der mich verspottet und unhöflich zu mir ist.

Im Übrigen ist die Frage ja nicht, wie viel andere Übersetzer verdienen, sondern wie viel man mit anderen Alternativen (Zeitarbeit) verdienen kann. Wortpreise, die einen höheren Nettostundenlohn als Zeitarbeit ergeben, sind noch im grünen Bereich.

Schöne Grüße

Petra

Preisdumping beim Übersetzen
Ein betont höfliches Hallo,

Andere Übersetzer sind mir egal, vor allem wenn sie so mit mir
reden wie hier. Ich habe kein Problem damit, jemandem die
Preise kaputt zu machen, der mich verspottet und unhöflich zu
mir ist.

Ja, so was hört man gern.

a) Du verwechselst hier Ursache und Wirkung.
b) Letztendlich schadest Du Dir nur selbst.

Mit freundlichem Gruß,

Myriam
*meine Freizeit kostet 1,20 EUR pro Zeile*

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Nur noch mal zur Erinnerung: Es ging im Ursprungstext um die Übersetzung von Artikelbeschreibungen für eBay, die offenbar von keiner Übersetzerin, sondern lediglich von einer Muttersprachlerin erstellt werden. Niemand wird dafür den gleichen Preis bezahlen wollen wie für eine „richtige“ Übersetzung.

*meine Freizeit kostet 1,20 EUR pro Zeile*

Habe ich eigentlich irgendwo geschrieben, dass ich für 5 Cent pro Wort arbeite? Ich habe nur geschrieben, dass ich nicht für weniger als 5 Cent pro Wort arbeiten würde, weil ich dann gleich Zeitarbeit machen könnte.

Und dann kommt so ein sau***berer Text von wegen Hering über die Pellkartoffeln ziehen zurück. Soll ich solchen Leuten gegenüber loyal sein? (Wie käme ich dazu.)

Schöne Grüße

Petra

Nur noch mal zur Erinnerung: Es ging im Ursprungstext um die
Übersetzung von Artikelbeschreibungen für eBay, die offenbar
von keiner Übersetzerin, sondern lediglich von einer
Muttersprachlerin erstellt werden. Niemand wird dafür den
gleichen Preis bezahlen wollen wie für eine „richtige“
Übersetzung.

Falsch, es ging vorrangig darum, was man für das Hochladen der Artikelbeschreibungen berechnen soll. Insofern war Deine Antwort gar nicht richtig passend zur Frage.

Und dann kommt so ein sau***berer Text von wegen Hering über
die Pellkartoffeln ziehen zurück. Soll ich solchen Leuten
gegenüber loyal sein? (Wie käme ich dazu.)

Meiner Ansicht nach überreagierst Du hier ziemlich.

Gruß,

Myriam

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Servus Petra,

persönliche Beleidigung ist nicht meine Absicht.

Ich halte Armut in den allermeisten Fällen keineswegs für eine Schande.

Freilich schließt „nicht unter fünf Cent/Wort“ den Betrag „fünf Cent/Wort“ durchaus mit ein, und ein Übersetzer, der Aufträge von gewerblichen Endkunden zu diesem Preis annimmt, gerät dadurch fast unvermeidlich in selbst und eigenverantwortlich herbeigeführte Armut. Und über diese Armut zu klagen, ist in der Tat schändlich.

Du schreibst, daß die von Dir genannten fünf Cent/Wort nichts mit Deinen eigenen Preisen zu tun haben. Dem entnehme ich, daß Du einer Einsteigerin empfiehlst, zu ruinösen Preisen zu arbeiten, die Du selbst als Profi nicht annehmen würdest. Auf diese Weise den Wettbewerb abzuräumen, ist allerdings auch ziemlich schofel, wie ich meine.

Ich will nicht unterstellen, daß Du diese Strategie fährst, um den Wettbewerb zu schwächen, aber in die gleiche Richtung geht, daß Du zur Preisfindung ausgerechnet Proz.com empfiehlst, welches eine gute Quelle zur Klärung von speziellem Vokabular ist, aber eben gleichzeitig auch leider ein Tummelplatz für Ausschreibungen von Umtüteagenturen, deren Preisvorstellungen sich etagenweit unterhalb der Gürtellinie befinden und an Zynismus nicht gut zu überbieten sind - an die interessanten Ausschreibungen kommen bei Proz.com nur eingeschriebene zahlende Mitglieder ran, Gäste kriegen bloß ein völlig verzerrtes Bild vom Markt zu sehen.

Ich weiß wohl, daß Konstellationen denkbar sind, in denen fünf Cent/Wort ein sinnvolles Angebot sein können - z.B. ein langfristiger Vertrag mit einem Notar, in Verbindung mit einem ordentlichen TM-System und einem Volumen von sicheren mindestens 200 €/Monat. Aber hier und jetzt ist von solchen Spezialfällen nicht die Rede.

Der Markt für Sprachmittler hat ein paar charakteristische Züge. Zu diesen gehört, daß die Auftraggeber in einer bedeutenden Anzahl von Fällen die Leistung nicht beurteilen können, so daß Preisbildung nicht über das Preis/Leistungsverhältnis, sondern ausschließlich über den Preis stattfindet. Wenn sich Sprachmittler auf diese Situation einstellen, indem sie sich auf einen ruinösen Wettbewerb einlassen, der nur über den Preis definiert ist, werden sie egal wohin sie kommen immer einen vorfinden, der sie mit „Ick bin all doa!“ empfängt. Das hat keinen Taug.

Wenn sich in einem anderen Brett hier ein E-Ingenieur erkundigt, was für einen Tagessatz man sich für einen Instrumentierer mit Programmiererfahrung in S7 und S5 beim Einsatz in Zweischichtbetrieb zu zwölf Stunden offshore vorstellen könnte, und darauf die Antwort bekommt „unter 500 €/Tag würde ich nicht arbeiten“, dann ist das nicht das kleinste Stirnrunzeln wert, weil ein Auftraggeber, der sich auf so eine Ramschkonkurrenz einlässt, spätestens bei der Abnahme des Werkes einen ganz eklichen Tag der Wahrheit erleben wird.

Werke von Ramschübersetzern, die auch noch für zwei Cent/Wort arbeiten, sind aber so gang und gäbe, daß es mir wert scheint, an dieser Stelle mit angemessener Schärfe zu sagen, wie ich dazu stehe. Auch deswegen, weil die Sekte der Anbeter der St. Concurrentia bei den Sprachmittlern bis jetzt noch keine lemminghaften Massentaufen feiern kann. Im Gegenteil, in diesem Berufsstand wird einem diffizilen Markt mit bemerkenswerter Solidarität begegnet - sehr zum Vorteil auch der Auftraggeber, die auf diese Weise noch mit relativ kleiner Mühe ordentliche Leistungen finden können.

Allein machen sie Dich ein.

Noch eine kleine Anmerkung zum Speisezettel mit dem Hering: Der auf den Küchentisch genagelte Hering stammt von einer gängigen Frotzelei aus der Zeit der württembergischen Dorfschullehrer des 19. Jahrhunderts, die häufig bettelarm, aber allemal hoch angesehen waren: Wußte man doch wenigstens ungefähr, wie es beim Landexamen und im Stift zuging. Dem gegenüber standen je nach Gegend mehr oder weniger wohlhabende, aber mehr oder weniger strohdumme Bauersleute, denen der Neid bloß den Spott über das arme Dorfschulmeisterlein ließ. Jeder mag sich die Seite aussuchen, auf der er hier lieber steht, aber ich vermag keine Beleidigung darin zu erkennen.

Daß ich mich darüber ärgere, wenn einem Einsteiger von vornherein der Rat gegeben wird, sich auf den Wettlauf im Preisdumping einzulassen, den er nicht gewinnen kann, und daß ich diesem Ärger auch Ausdruck verleihe, und dies ganz unabhängig von Deiner Person, sei mir mit Verlaub gestattet.

Bonus Track: Hier ist ein Beispiel für eine 5-Cent-Übersetzung:

http://s10b.directupload.net/images/090116/mqzajb93.jpg

In diesem Sinne

MM

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