Lohnkürzung für Opelarbeiter?

Hallo,

seit mehreren Tagen wird bei Opel nicht gearbeitet, rechtlich dürfte klar sein, dass es sich um einen Streik handelt. Außerhalb der Friedenspflicht. Weiss jemand, ob den Arbeitern diese Streikzeit von Opel bezahlt wird oder die Vergütung entsprechend gekürzt?

Hallo.

seit mehreren Tagen wird bei Opel nicht gearbeitet, rechtlich
dürfte klar sein, dass es sich um einen Streik handelt.
Außerhalb der Friedenspflicht. Weiss jemand, ob den Arbeitern
diese Streikzeit von Opel bezahlt wird oder die Vergütung
entsprechend gekürzt?

Beschränken wir uns mal auf Opel Bochum. Die weiteren Standorte, an denen demnächst nicht mehr gearbeitet werden kann, zu behandeln, führt mir hier zu weit.

Also : Die Bochumer Belegschaft deklariert die ganze Chose als Wahrnehmung ihrer Informationsrechte aus dem BetrVG. Würde diese Auffassung von einem Gericht bestätigt, wäre der Verdienst entsprechend weiter zu zahlen. Allerdings dürfte es schwierig sein, für eine mehrtägige Informationsveranstaltung ein Gericht zu finden, das diese Auffassung unterstützt …

Handelt es sich dagegen um Arbeitsniederlegungen, so ist der Arbeitgeber nicht verpflichtet, für die ausfallende Arbeitszeit auch nur einen verbogenen Dreier zu zahlen - im Gegentum könnten auf das BR- Gremium, wenn sich herausstellt, dass die Aktion unterstützt wird, erhebliche Konsequenzen (Amtsenthebungsverfahren, ggf. Schadenersatzforderungen) zukommen. Die Arbeitnehmervertetung bewegt sich auf extrem dünnem Eis : Aus der Verpflichtung zur vertrauensvollen Zusammenarbeit nach dem BetrVG ist herzuleiten, dass Arbeitsniederlegungen vom BR weder initiiert noch gefördert werden dürfen. Maßnahmen des Arbeitskampfes sind den Betriebsparteien im Innenverhältnis sogar explizit verboten.

Logischerweise wird der Bochumer BR natürlich den Teufel tun und die Belegschaft wieder an die Arbeitsplätze scheuchen; die Kameraden könnten ihren Strick sonst umsonst haben und würden ihn auch recht schnell brauchen.

Vorausgesetzt, dass die Situation bei Opel nicht weiter eskaliert, wird der BR ein Auge darauf haben, dass aus der laufenden Aktion keine Maßregelungen erwachsen (d.h., dass niemand wegen seiner Beteiligung an den Aktionen den Arbeitsplatz verliert); eine Fortzahlung der Bezüge für die Dauer der Arbeitsniederlegungen erreichen zu wollen, halte ich für illusorisch. Was nicht ausschließt, dass es Stimmen im BR geben wird, die genau darauf bestehen werden wollen - m.W. gibt es in Bochum verschiedenerlei Fraktionen im BR, u.a. auch eine Gruppierung des „Automobilarbeitskreises“. Das sind die Trotzkisten unter den Betriebsräten, von denen genau solche realitätsfremden Ansprüche zu erwarten wären. Und mit diesen Sportsfreunden habe ich mich während meiner BR- Tätigkeit recht häufig vergnügen dürfen …

Gruß kw

Hallo,

da die andere Antwort eher allgemein war mit hätte wäre wenn [dennoch war sie sehr informativ und lehrreich!] hier das, was in den Nachrichten darüber gesagt wurde:

Der Lohn wird nicht weiterbezahlt, pro Streik - Tag geht also jedem Arbeiter der Betrag von ~100 € (Netto) verloren, der im nächsten Monat dann fehlt.

Ich hoffe mal wirklich, dass die Arbeiter nicht mehr allzulange streiken müssen. Wenn ich mir überlege, dass dort viele Arbeiter Familien mit Kindern haben (abgesehen von laufenden Kosten) sieht es bei denen dann nächsten Monat ziemlich mau aus…
[Ja, sorry, ich bin kein Gewerkschaftler o.ä., ich sehe es eher von der menschlichen Seite und die Leute tun mir einfach unheimlich leid!]

Liebe Grüße
Timi

Der Lohn wird nicht weiterbezahlt, pro Streik - Tag geht also
jedem Arbeiter der Betrag von ~100 € (Netto) verloren, der im
nächsten Monat dann fehlt.

Hallo?

D. h. ein Arbeiter verdient dort 100 Euro netto am Tag?? Ich nehme an du sprichst von Arbeits- und nicht Kalendertagen. Also über 2000.- Euro netto im Monat? Das wäre extrem gut bezahlt. Kein Wunder, dass das den Bach runtergeht.

Gegenfrage: Warum sollte Opel Geld bezahlen, wenn nicht gearbeitet, also keine Leistung erbracht wird? Und das auch noch absolut widerreechtlich, gegen geltendes Arbeitsrecht verstossend?

Der Lohn wird nicht weiterbezahlt, pro Streik - Tag geht also
jedem Arbeiter der Betrag von ~100 € (Netto) verloren, der im
nächsten Monat dann fehlt.

Hallo?

Hallo! :smile:

D. h. ein Arbeiter verdient dort 100 Euro netto am Tag??

Wurde so in den Nachrichten gesagt (frag mich nicht welcher Sender, ist auch schon einige Tage her). Ob das so ist kann ich weder widerlegen noch beweisen, ich arbeite (im Moment wohl eher „Gott sei Dank“ nicht bei Opel)

Ich
nehme an du sprichst von Arbeits- und nicht Kalendertagen.

Ja, sprach ich.

Also über 2000.- Euro netto im Monat? Das wäre extrem gut
bezahlt. Kein Wunder, dass das den Bach runtergeht.

So gut bezahlt finde ich das gar nicht, wenn man überlegt, dass das ja wohl kaum das Einstiegsgehalt ist. Wenn man 20 Jahre in der Firma ist ist das m. E. (sofern die Arbeitsleistung dementsprechend ist) angemessen. Zum Vergleich: Mein Stiefvater ist angelernter Drucker, arbeitet seit 18 (?) Jahren in seiner Firma und hat 2400 € Netto.

Gegenfrage: Warum sollte Opel Geld bezahlen, wenn nicht
gearbeitet, also keine Leistung erbracht wird? Und das auch
noch absolut widerreechtlich, gegen geltendes Arbeitsrecht
verstossend?

Habe ich behauptet, Opel soll zahlen? Ich fühle nur mit den Familien. Dass diese Kämpfe gegen „die Großen“ nicht viel Erfolg haben denke ich mir, aber m.E. sind die Leute dort sehr mutig, es überhaupt zu versuchen. Dort stehen ja nicht „nur“ Arbeitsplätze auf dem Spiel sondern teilweise bestimmt ganze Existenzen.

Liebe Grüße
Timi

Auch Hallo :-o)

D. h. ein Arbeiter verdient dort 100 Euro netto am Tag??

Wurde so in den Nachrichten gesagt (frag mich nicht welcher
Sender, ist auch schon einige Tage her). Ob das so ist kann
ich weder widerlegen noch beweisen, ich arbeite (im Moment
wohl eher „Gott sei Dank“ nicht bei Opel)

Achso, war nur so von den Nachrichten, na ja was die so alles erzählen …

So gut bezahlt finde ich das gar nicht, wenn man überlegt,
dass das ja wohl kaum das Einstiegsgehalt ist. Wenn man 20
Jahre in der Firma ist ist das m. E. (sofern die
Arbeitsleistung dementsprechend ist) angemessen. Zum
Vergleich: Mein Stiefvater ist angelernter Drucker, arbeitet
seit 18 (?) Jahren in seiner Firma und hat 2400 € Netto.

Wieso nicht gut? Man müsste natürlich wissen, wer für was genau die über 2000.- oder 2200.- Euro hat. Nach 20 Jahren, na ja, dann vielleicht. Aber für einen angelernten Arbeiter wäre das einfach zu viel, auch nach 20 Jahren. Oops, ich lese gerade angelernter Drucker. *Fettnäpfchen platsch* Schau doch mal was viele Akademiker mit jahrelanger Ausbildung und entsprechendem Gehaltsverzicht plus häufig Investition in ihre Ausbildung verdienen. Die liegen oft auch nicht höher. Warum sollte man dann noch so eine lange, anstrengende Ausbildung auf sich nehmen, wenn man als angelernter Arbeiter auf das gleich hohe Gehalt kommt?

Du darfst jetzt nicht irgendwelche Vorzeigeabteilungsleiter heranziehen, die als Akademiker auch oft sehr viel, vielleicht zu viel verdienen. Aber in der Metallindustrie wird eben sehr gut bezahlt und das bei oftmals (noch) 35 Stunden.

Habe ich behauptet, Opel soll zahlen? Ich fühle nur mit den
Familien. Dass diese Kämpfe gegen „die Großen“ nicht viel
Erfolg haben denke ich mir, aber m.E. sind die Leute dort sehr
mutig, es überhaupt zu versuchen. Dort stehen ja nicht „nur“
Arbeitsplätze auf dem Spiel sondern teilweise bestimmt ganze
Existenzen.

Naja, denk mal an die vielen Kleinbetriebe. Da kann sich keiner so eine Aktion leisten, wenn er um seinen „Arbeitsplatz“ kämpft. Aber bei solchen Großbetrieben macht sogar gleich der Bundestag eine Sondersitzung. Wozu das führt, wenn sich Politik in Wirtschaft einmischt sieht man ja bei Holzmann. Außer Spesen nichts gewesen. Deutschland muss sich endlich von der Idee veraschieden, dass das Wohl der Volkswirtschaft noch immer in den Produktionsbetrieben des vorigen Jahrhunderts liegt. Die Polen, Spanier und Koreaner können eben inzwischen ebenso gute Autos wie die Bochumer bauen. Und sie tun es günstiger. Das ist das Problem. D sollte sich besser auf andere Bereoch konzentrieren, in denen es noch Vorsprung hat.