' Lohnvorstellung' die berühmte Frage

Jeder kennt beim Vorstellungsgespräch die berühmte Frage des Arbeitgebers:
„Was sind Ihre Vorstellungen zum Lohn Herr X?“
Interessant dabei kann jetzt sein, „WAS“ für eine Antwort auf diese Frage die beste Möglichkeit bietet, eine Antwort zu umgehen. Denn das ist ja Poker-Spiel. Setzt man zu wenig an, wird der Arbeitgeber kaum freiwillig seine Vorstellungen nach Oben korrigieren. Setzt man zu hoch an, kann man den zukünftigen Arbeitgeber „verschrecken“.
Wie ist Eure Meinung, wie man sich da verhalten soll?
Nette Grüße Jörg

Hallo Jörg,

eines vorneweg :wink: Ich für meinen Teil würde nicht in nem Internetforum, wo „jeder“ nach meinem realen Namen googlen kann nicht unbedingt solche bewerbungsrelevanten Fragen stellen.

Aber zu Deiner Frage:

„Was sind Ihre Vorstellungen zum Lohn Herr X?“

Darauf gibt’s genau eine Antwort: Eine Summe. Und zwar nicht irgendeine, sondern die, die Du als Verhandlungsbasis für diesen Job siehst. Denn letzten Endes wirst Du - so wie wahrscheinlich ziemlich viele von uns - hauptsächlich wegen der Kohle arbeiten. Darum ist das doch Dein ureigenstens Interesse Deine Forderung klar zu legen und Dich nicht darum zu drücken.

Viel interessanter ist, wie man genau auf diese Summe kommt :wink: Aber danach hattest Du ja nicht gefragt.

*wink*

Petzi

Hallo Petzi,

also mich würde es interessieren, wie man auf die Summe kommt =)

Liebe Grüße

xsevenx

Hallo xsevenx,

also mich würde es interessieren, wie man auf die Summe kommt
=)

so eine Rückfrage hatte ich befürchtet. Leider gibt’s die ganz ultimativ pauschale richtige Antwort nicht. Naja, und wie bei Themen wie Länge des männlichen Geschlechtsorgans und Verbrauch des eigenen (neuen) Autos wird auch bei Gehältern ziemlich viel geschwindelt. Das heisst, dass alle „Vergleichswerte“ mit Vorsicht zu geniessen sind. Aber der Reihe nach.

Im einfachsten Fall steigt man im öffentlichen Dienst ein, wo dann eh in der Stellenausschreibung steht „Die Besoldung erfolgt nach >“ nun google man nach „Besoldung >“ lande auf dem richtigen Rechner, gebe Bärufserfahrung, Alter, Familienstand und weiteren Kram ein und erhalte die Summe bis auf drei Nachkommastellen genau.

Im nächsteinfachen Fall habe man sein bekanntes bisheriges Gehalt und wechsle den Job. Dann schlage man auf sein bisheriges Gehalt x% drauf.

Welcher Wert für x das nun genau wird, hängt ein bisserl davon ab, a) wieviel von meinem Vorwissen ich direkt einbringen kann und b) ob die Verantwortung massiv steigt und c) wie dringend mich die neue Firma möchte und d) wie dringend ich den neuen Job möchte.

ad a) Stell Dir einen Konstrukteur vor, der schon seit 10 Jahren mit einem bestimmten CAD-System Baumaschinen baut. Wenn der nun zu nem anderen Baumaschinen-Hersteller wechselt, der das gleiche CAD-System verwendet, ist er für die Firma gleich von Anfang an „voll nützlich“ - ist der Firma also mehr Kohle wert. x kann grösser werden.

Der gleiche Konstruktuer, aber jetzt will er sein Glück im Marketing vom Baumaschinen versuchen. Da kann er sicher einige seiner bisherigen Kenntnisse verwenden, muss aber wahrscheinlich marketingmässig noch ne Menge lernen. Vielleicht macht er auch noch den einen oder anderen Anfängerfehler, muss auf Kurse etc. Das heisst, er ist für die Firma nicht ganz so viel wert. x wird also kleiner, sollte aber immer noch positiv sein.

ad b) Gleicher Konstrukteur. Nur wird er statt eines einfachen Projektleiters jetzt zum Übergruppenleiter mit Personalverantwortung. Also wird x grösser.

ad c) Immer noch der gleiche Konstrukteur, aber der neue Arbeitgeber ist der Konkurrent vom alten Arbeitgeber: Dann ist er natürlich höchst interessant für den neuen Arbeitgeber und x kann (fast *fg*) beliebig gross werden.

ad d) Wieder der gleiche Konstrukteur, diesmal aber hat er schon vor zwei Jahren seinen letzten Intschinöhrsjob verloren und sucht seitdem verzweifelt nen neuen Job. In dem Fall wird er natürlich auch vom alten Gehalt in seiner Forderung runtergehen, einfach um überhaupt wieder nen Job zu bekommen.

Dazu kommt dann noch der Wohnort. Zieht man von der Pampa im hübschen Osten unseren Landes direkt in die bayerische Landeshauptstadt wird ebenfalls die Summe wieder höher, einfach weil die Lebenshaltungskosten höher sind. Kommt man nun aus einer Gegend mit hoher Arbeitslosigkeit, werden tendenziell die Summen auch wieder geringer sein, weil es einfach mehr und „günstigere“ Mitbewerber gibt.

Das alles hilft natürlich nur, wenn man schon sagen kann „In meinem letzten Job hatte ich y Euro“. Beim ersten Job ist das natürlich schwierig :wink: Trotzdem wird die Frage wohl gestellt werden.
Da empfehle ich intensives Googeln, um möglichst viele „Gehaltslügen“ rauszumitteln. Hier zum Beispiel wirste nahezu überschüttet: http://www.google.de/search?source=ig&hl=de&rlz=&=&q…

Schränkst Du das noch ein mit „Gehaltsvergleich >“ wird’s sicher etwas übersichtlicher. Allerdings ist das immer sehr schwer zu vergleichen, denn die Gehälter sind ja von Ort zu Ort und von Firma zu Firma durchaus verschieden :wink:

Eine sehr gute - wenn auch heikle - Möglichkeit ist, mit Menschen Deines Vertrauens und mit etwa Deinem beruflichen Hintergrund offen über Geld zu sprechen. Das haben wir damals durchaus gemacht, einfach mal verglichen, wer wo wieviel kriegt (und dabei festgestellt, dass das gar nicht sooo unterschiedlich ist, wie wir uns das gedacht hatten).

Gerade vor dem ersten Job aber auch nach einer längeren Bewerbungspause könnte man auch an eine Testbewerbung denken. Das heisst, man bewerbe sich bei einer Firma, wo man Chancen sieht zu arbeiten, was aber nicht der 100%ige Wunschladen ist. Dort geht man mit einer (eher etwas höheren) Gehaltsforderung hin und guckt wie die reagieren. Schlimmstenfalls sagen sie „*höhö* Soviel kriegt ja nichtmal unser Obercheffe“ dann weisste wo Du dran bist :wink: Oder sie sagen Dir, dass Du in ner vernünftigen Grössenordnung liegst.

Achja, bei meinem letzten Gespräch war’s obersimpel. Da kam dieser Headhunter und präsentierte mir die Summe, die diese Firma für diesen Job zu zahlen bereit sei. Da sich das mit meinem gewünschten Anstieg um x% gedeckt hat, konnte ich entspannt mit dieser Summe in die Verhandlungen einsteigen und wurde auch so beschlossen. Aber das ist mir bewusst, dass das ein ziemlicher Glücksfall war (zumindest was die Gehaltsverhandlungen angeht *fg*) und normalerweise anders läuft.

*wink*

Petzi

4 „Gefällt mir“

Hallo,

Du hast ja schon einige Tipps bekommen.

Bei meinem ersten Job habe ich neben Recherchen auch beim Arbeitsamt gefragt, die haben mir eine Summe genannt, die sich mit meiner Erwahrtung deckte.

Bei der Einstellung wurde meine Wunschvorstellung nach oben (!) korrigiert!

Gruß Volker

Hallo Petzi,

vielen Dank für die schnelle, ausführliche, gut erklärte und humorvolle Antwort!

So ein Glück mit dem Head Hunter werde ich bei meinem Job und nach der Ausbildung wohl nicht haben.

Hab mir mal so nen Betrag überlegt, ich denk den werd ich dann auch angeben… Mal gespannt!
Wenn die eine Begründung wollen, orientiere ich mich an deinen Beispielen :smiley:

Liebe Grüße

xsevenx

Hi,

vielen Dank für die schnelle, ausführliche, gut erklärte und
humorvolle Antwort!

Das Sternchen hat Sie sich redlich verdient :wink:

So ein Glück mit dem Head Hunter werde ich bei meinem Job und
nach der Ausbildung wohl nicht haben.

Ich hatte mal Kontakt mit diversen „Karriereberatern“. Ich hab mich nur gewundert, woher die meinen Namen und meine firmeninterne Telefonnr. hatten und sowas kam mir verdächtig vor :wink:.

Hab mir mal so nen Betrag überlegt, ich denk den werd ich dann
auch angeben… Mal gespannt!

Ein Arbeitgeber weiß auch, das ein Bewerber mehr verdienen will,
wie bei seinem letzten Job. Und wenn er nicht ganz doof ist, weiss
er aus dem Lebenslauf, was ein Bewerber fordern könnte. Und wenn es
ein guter Personaler ist, dann weiss er, daß unzufriedene Leute nicht lange bleiben, wenn Sie gut ausgebildet sind…

Wenn man beim Gehalt geschwindelt hat, dann fällt dies spätestens dann auf, wenn die Lohnsteuerkarte im Lohnbüro landet, aber für den (Außer man hat eine neue vom Jahresbeginn…)

Wenn die eine Begründung wollen, orientiere ich mich an deinen
Beispielen :smiley:

Begründen mußte ich das Gehalt immer, aber man merkt dann auch,
was Sie zu zahlen bereit sind, oder kriegt es auch deutlich gesagt.

Wenn der Arbeitgeber Leistungsboni und andere Boni ins zu verhandelnde Grundgehalt einrechnet, sollte man nachhaken. Die freiwilligen Leistungen kann der Arbeitgeber schnell mal kürzen und wenns der Firma schlecht(er) geht, sind evtl. auch die Umsatzboni weg. Dann ist schnell mal ein Monatsgehalt weniger zur Verfügung.

Viel Glück,
vordprefect

Vielen Dank für die vielen und ausführlichen Antworten.
-Zum Ersten hat es wirklich enorm geholfen…
-Zum Zweiten kennt man nun seinen „Marktwert“ nach ein Vorstellungsgespräch

Ja es ist serh hilfreich wenn man die gesamten Faktoren berücksichtig, was man derzeit „kann“ und was von einem im neuen Job erwartet wird. So kann man sich gut einordnen.

Danke sagt Jörg

Hi,

Wenn man beim Gehalt geschwindelt hat, dann fällt dies
spätestens dann auf, wenn die Lohnsteuerkarte im Lohnbüro
landet, aber für den (Außer man hat eine neue vom
Jahresbeginn…)

Öhm - nö.
Seitdem es nur noch eine Lohnsteuerbescheinigung gibt, die nicht an die Steuerkarte gehört, ist das hinfällig.

Gruß
Guido

Danke für die Korrektur…

Hi,

Öhm - nö.
Seitdem es nur noch eine Lohnsteuerbescheinigung gibt, die
nicht an die Steuerkarte gehört, ist das hinfällig.

wußte ich nicht… danke.

gruss,
vordprefect