Lokalisation von Gefühlen

Hallo,

Eine vielleicht etwas ungewöhnliche Frage:

Sind Gefühle einer bestimmten Körperregion zugeordnet, in denen man sie fühlt, wenn sie in Aktion treten?

zb: Liebe fühlt man in der Brustregion. Oder Nervosität im Bauch.

Ist das allgemein so und bei allen Menschen gleich? Fühlen sich Gefühle immer gleich an, oder können sie bei verschiedenen Menschen verschiedene körperliche Ausprägungen haben? Woher weiss man, welches Gefühl welches ist?

Diese Frage resultiert vor dem Hintergrund einer Person, welche Antidepressiva nimmt und daher oftmals keine „normalen“ Gefühle mehr fühlen kann/Gefühle in anderen Regionen fühlt als ich.

Danke und liebe Grüsse
coco

interessantes Thema
Hallo Coco,

ich versuch’s mal:

Trauer empfinde ich im Hals (Kloß im Hals) - das ist eigentlich immer so.

Wut und Angst in den Händen (Schwitzehände und Kribbeln in den Händen), manchmal auch Magengegend.

Angst macht sich manchmal auch in kribbelnden Füßen bemerkbar.

Wut vernebelt mir den Kopf aber auch. Wenn ich extrem wütend (akut) bin, dann „schwirrt“ mir der Kopf…

Liebe? Hm… die lässt mich immer grinsen. Ich glaube, das ist eins der wenigen Gefühle, das ich nicht lokalisieren kann, das sich dort zeigt, wo’s grad mag…

Ich würde vermuten jeder Mensch hat individuelle Körperregionen, mit denen er auf die unterschiedlichen Gefühle reagiert.

Gruß
Demenzia

Naja, der Nicht-Depressive kann sicherlich seine diversen Gefühlsregungen einem Körperteil zuordnen.

Wenn Deine „Person“ ihre Gefühle anders fühlt als Du oder woanders, dann ists doch in Ordnung (aber super, dass Ihr darüber sprecht !). Aber kein Grund zur Sorge, ich kann Dir versichern, dass jeder anders fühlt und nicht nur die Körperregionen sondern auch die dazugehörigen Empfindungen völlig unterschiedlich sind.

Wichtig ist, das wir fühlen können … was furchtbar ist, wenns einen verlässt.

Gruss

hi coco,

meine idee dazu ist:

ich denke mal, das es davon abhängt, welchen zugang ein mensch zum einen zu seinen gefühlen hat. denn wenn der zugang (aus welchen gründen auch immer) schlecht ist, die verdrängung „gut“ funktioniert, kann es sein, das die person „gar nichts merkt“.
(ich glaube sogar, das jeder mensch der heutigen zeit letztlich probleme damit hat - der eine mehr, der andere weniger)

da es ja auch die varianten gibt, das man lacht, obwohl es gerade etwas sehr trauriges gibt oder wütend ist, obwohl man angst spüren „müsste“,
kann ich mir des weiteren auch vorstellen, das es die auch die variante gibt, das jemand der sonst bei einer bestimmten „sache“ z.b schmetterlinge im bauch fühlen würde, nun andere gefühle in sich trägt.( meiner erfahrung nach ist das sogar sehr sehr üblich und eher schon fast eine art prozess nötig, hier wieder „zu sich“ zu finden).

so kann ich mir beide o.g. möglichkeiten vorstellen.
ob es im grunde eine fix zugeordnete körperliche reaktion gibt - also je nach gefühl - weiss ich nicht.

bei mr weiss ich nur, ich kann nie rot werden - selbst wenn mir etwas peinlich wäre (solche zeiten gabs ja mal, deshalb weiss ich das noch*g)
und ich neige null zu schwitzigen händen. - aber ich erinnere mich an andere reaktionen, die satt dessen aufgetreten waren.

auch wenn das deine eigentliche frage nicht so ganz berührt - denk mal an menschen denen es angeblich gut geht und die aufmal tot umkippen - herzinfakt z.b oder andere schwere erkrankungen in sich tragen, die eigentlich anhand von bestimmten einschränkungen oder ähnliches spürbar sein "müssten. hier hat der mensch wohl gelernt, alle signale zu übersehen. ich denke fast, um das zu können, muss man schon bei meinen obigen 2 varianten „sehr weit fortgeschritten“ sein,
ich kannte mal wen, der hatte extremen bluthochdruck, schwere diabetis und herzprobleme nebst anderen dingen - nix gemerkt angeblich - von ur auf gleich tot - um nur mal ein beispiel dieser „variante“ zu nennen.
in dem (und anderen mir bekannten) fall weiss ich, dass er schon lange keinen oder einen schlechten zugang zu seinen gefühlen hatte und auch zu seinem körper wenig kontakt.
mir erscheint es so, wenn die verbindung unterbrochen wurde im extremfall, sind solche hm…*findekeinewortdafür* kaum verwunderlich.

was nun die von dir genannte person in verbindung mit depression betrifft - hier könnte es ja sein, das es mit der erkrankung zu tun hat, das die person körperlich andere dinge spürt bei bestimmten gefühlen als „früher“ (wenns früher anders war). auch medikamente könnten nat. veränderungen herbeiführen. im grunde kann ich mir aber vorstellen, das eine psychische erkrankung stets verwirrungen mit sich bringt - also in dem von dir genannten bereich meine ich nun konkret.

andererseits wie schon gesagt wurde - solange er spürt, ists doch wunderbar. würde sich gar nichts mehr tun, er sich wie innerlich tot fühlen, fände ich das eher hm…bedenklich.

wenn ein mensch einen infekt hat - je nach schwachstelle - leidet er unter stets einer erschwerten auswirkung - der eine wegen der lunge, der andere wegen den nebenhöhlen oder die ohren sinds.
so ähnlich denke ich es mir auch hier…jeder hat so seinen schwerpunkt - nur eben aus anderen gründen:wink:

kürzer gings leider nicht*g

LG
nina

Ganz allgemein würd mal sagen, dass Gefühlsempfindungen sind unspezifisch.
Man empfindet für unterschiedliche Gefühle die gleiche Erregung. (zB Angst - Herzklopfen, Liebe - Herzklopfen)
Menschen interpretieren die jeweilige Erregung aber auf die jeweilige Situation.

lg

Hallo Coco,

dass Gefühle u.ä. unterschiedlich lokalisiert werden können, zeigt sich auch an der Bildersprache im Alten Testament (entschuldige, da kommt die Theologin durch!), die sich z.T. von dem, was uns geläufig ist, unterscheidet:
z.B.
sich zuwenden, mitfühlen - Bauch (Gebärmutter, Eingeweide)
denken, planen, entschlossen sein, wollen - Herz
(daher in der Weihnachtsgeschichte: Maria bewegte die Worte in ihrem Herzen: Sie dachte darüber nach. Bei uns noch: sich ein Herz fassen)
stolz sein, abweisend - Hals
stark sein - Nacken
alles Aufwühlende (Trauer, Schmerz, Verzweiflung) - Bauch, Eingeweide

Schon die Depression verändert und vermindert das Fühlen ganz erheblich, ich vermute, Antidepressiva auch. Darüber hinaus mag es ein persönlicher Unterschied zwischen Euch beiden sein, unabhängig davon, wie es ihr geht? Oder stellt sie einen Unterschied zu früher fest?

Wär mal ein schönes Kneipengespräch!

Liebe Grüße, und der betroffenen Person alles Gute!

Julika

Hallo, Demenzia,

Da sieht man mal, wie unterschiedlich das ist.

Angst und Freude fühlen sich (rein physisch) bei mir gleich an: es gibt ein Zusammenziehen irgendwelcher Muskeln unter dem Brustbein ein Stück über dem Solar Plexus. Aber bei Angst fühlt es sich ungut an und bei Freude ist es toll…
Bei Wut bin ich meistens ganz klar im Kopf. Da schwirrt gar nix. Ich krieg nur Verspannungen im Nacken.

Das in Kürze.
Gruß vom Igel