London zerstört?!?

Leute ich hab ein Problem.
Ich 3 Tagen halte ich ein wichtiges Referat über die geschichte Londons anhand es Romans „London“ von Edward Rutherford. So weit, so gut.
Es ist zwar nicht leicht, anhand eines Romans ein korrektes historisches Referat zu schreiben, aber das Internet hilft zum Glück, Wahrheit und Fiktion zu unterscheiden.
Nun schreibt aber jener Edward Rutherford im Laufe des Romans - genauer gesagt zum Jahr 604 - dass ein Bischof die Kathedrale St. Paul’s baut. IN DEN RUINEN LONDONS!!!

Aber ich kann beim besten Willen nicht herausfinden, wer zu welchem Zeitpunkt (im Jahr 260 wird Londinium noch als blühende Stadt beschrieben, es muss also zwischen 260 und 604 AD gewesen sein) diese 25000-Seelen-Stadt zerstört haben kann oder wieso sie verlassen wurde.

Wie stehe ich denn da, wenn ich meinem LK nicht erklären kann, wieso scheinbar von heute auf morgen London verschwunden war?!

Helft mir!

Hi

Ich 3 Tagen halte ich ein wichtiges Referat über die
geschichte Londons anhand es Romans „London“ von Edward
Rutherford. So weit, so gut.

Nun schreibt aber jener Edward Rutherford im Laufe des Romans

  • genauer gesagt zum Jahr 604 - dass ein Bischof die
    Kathedrale St. Paul’s baut. IN DEN RUINEN LONDONS!!!

Aber ich kann beim besten Willen nicht herausfinden, wer zu
welchem Zeitpunkt (im Jahr 260 wird Londinium noch als
blühende Stadt beschrieben, es muss also zwischen 260 und 604
AD gewesen sein) diese 25000-Seelen-Stadt zerstört haben kann
oder wieso sie verlassen wurde.

Na ja, von heute auf morgen ist Gut… sind ja schon über 350 jahre dazwischen… und die waren ziemlich stürmisch.

Britannien war für die Römer immer nur ein „Aussenposten“, zur Sicherung des wirtschaftlich wesentlich wichtigeren Galliens.
Als die Völkerwanderung begann (Schlacht bei Adrianopel 378) hatten die Römer ganz andere Probleme, reguläre Truppen wurden aus Britannien abgezogen (407) und lokale Romanen bzw oberflächlich Romanisierte Einheimische versuchten, mit angeheuerten Germanischen Söldnern die Kontrolle zu behalten. Das ging langfristig schief, die angeheuerten Söldner übernahmen die Macht, und immer mehr Germanen (Angeln, sachsen, Jüten) strömten nach Britannien, währenbd von norden her Picten Scoten usw usw einvielen und in wales walisische Stämme die Macht übernahmen. Im Zuge dieser Aktionen wurde London weitgehend verlassen. Die Stadt selbst beruhte auf Handel, und der fand kaum mehr statt. Ebenso war die wesentlich einfachere Landwirtschaft der Germanen, die ja als Subsidenzlandwirtschaft kaum Überschüsse erbrachte, nicht in der Lage, eine grössere Personenmenge mit durchzufüttern. (Die Germanen waren ja im wesentlichen Bauern.)

Handel fand kaum mehr statt, die in den Städten produzierten Luxusgüter waren zwar begehrt, meist aber ohne Bezahlung :-/.
Das gesamte Wirtschaftssystem der Römischen Zeit brach zusammen, und in dem neuen, wesentlich einfacheren System hatte die römische Stadt keinen Platz mehr.
Dieser Effekt lässt sich an praktisch allen Städten im Weströmischen Reich nachvollziehhen.
London wurde also nicht „auf einen Schlag“ vernichtet, sondern es verfiel einfach, möglicherweise unterstützt durch Plünderungen. Ob London völlig Verlassen wurde, oder ob noch eine kleine Schar Sturschädel ausharrte, weiss ich nicht.

Ich hoffe, das hilft weiter

Gruß
Mike

P.S.: Ich weiss, es ist historischer Strassenraub, die Angelsächsische Landnahme füllt Bibliotheken, aber im groben isses das

Hallo,
mein allererster Gedanke bei „Ruinen“ war der, dass die „Version“ von St. Pauls, die heute noch steht, von 1675 bis 1710 von Christopher Wren erbaut wurde, nachdem die Vorgängerkirche dem großen Feuer zum Opfer gefallen war. Liegt hier vielleicht eine Verwechslung vor? Das große Feuer war 1666…
http://www.stpauls.co.uk/page.aspx?theLang=001lngdef…

Tom

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Hallo !

Londinium, eine röm. Stadt, wurde 60/61 durch die Briten zerstört. Unter Führung von Königin Boudicca.

Im 9. Jahrhundert wurde London mehrmals von den Dänen eingenommen

1666 vernichtete ein Großfeuer etwa vier Fünftel der Stadt.

mfgConrad

Servus!

Nun schreibt aber jener Edward Rutherford im Laufe des Romans

  • genauer gesagt zum Jahr 604 - dass ein Bischof die
    Kathedrale St. Paul’s baut. IN DEN RUINEN LONDONS!!!

Aber ich kann beim besten Willen nicht herausfinden, wer zu
welchem Zeitpunkt (im Jahr 260 wird Londinium noch als
blühende Stadt beschrieben, es muss also zwischen 260 und 604
AD gewesen sein) diese 25000-Seelen-Stadt zerstört haben kann
oder wieso sie verlassen wurde.

London wurde also nicht „auf einen Schlag“ vernichtet, sondern
es verfiel einfach, möglicherweise unterstützt durch
Plünderungen. Ob London völlig Verlassen wurde, oder ob noch
eine kleine Schar Sturschädel ausharrte, weiss ich nicht.

Kleine Ergänzung: Von Regensburg weiss ich, dass da mal Bodenkundler eine Schicht innerhalb der römischen Mauern untersucht haben. Sie stammte aus der Zeit NACH dem Abzug der Römer und VOR dem bayerischen Stammesherzogtum.
Eine mächtige Humusschicht wurde da gefunden, die darauf hinweist, dass in der unruhigen Zeit der Völkerwanderung die romanische Restbevölkerung sich in die sicheren Mauern der römischen Stadt Regensburg zurückgezogen hat. Das müssen aber wirklich nur ein paar Hanseln (resp. Sturköpfe) gewesen sein, denn die haben da mehr als 100 Jahre lang sowohl gewohnt als auch Ackerbau getrieben!
Diese Phase endete erst, als die Bajuwaren (die sich mitterweile zu Bayern gewandelt hatten) die Sicherheit im Lande wieder hergestellt hatten, und Regensburg zur herzoglichen „Hauptstadt“ geworden war. Mit die ersten Bauten war die erst königliche, dann herzogliche Pfalz samt Kirche…(hier wieder eine Parallele zu deinem London um 800; ich weiss auch von mehreren Bischofssitzen hier in Bayern, dass der Gründer angeblich „in der Wildnis“ seine erste Kirche baute, die dann aber auch gleich „viel Volk“ zur Bekehrung animierte - wo kam das Volk her, wenn da nur Wildnis war? Muss wohl doch was an Bevölkerung übriggeblieben sein, nur waren sie eben nicht so christlich, wie sich das die Missionare gewünscht hätten, so dass es also nur aus christlicher Sicht eine „Wildnis“ war…nochmal eine Parallele zum London um 800?)

VG
Christian

Moin,

Aber ich kann beim besten Willen nicht herausfinden, wer zu
welchem Zeitpunkt (im Jahr 260 wird Londinium noch als
blühende Stadt beschrieben, es muss also zwischen 260 und 604
AD gewesen sein) diese 25000-Seelen-Stadt zerstört haben kann
oder wieso sie verlassen wurde.

Wie stehe ich denn da, wenn ich meinem LK nicht erklären kann,
wieso scheinbar von heute auf morgen London verschwunden war?!

Ich schließe mich Mike an.
Mit dem Abzug der Römer kam auch der Niedergang Londons. Aus der Zeit vom Abzug der Römer bis zum Anfag des 7. Jhds ist auch sehr wenig aus der „englischen“ Geschichte bekannt. Das mag daran liegen, dass es im Wesentlichen die Römer waren, die schriftliche Aufzeichnungen hinterließen, bzw. dann erst wieder die Vertreter des Christentum, das Anfang des 7. Jhds. in England Fuß fasste.

Gruß
Marion

London als Stadt ist eine römische Gründung, wenn auch ältere Siedlungsreste (Rundhütten schon aus dem 3. Jahrtausend v.Chr.) bei Ausgrabungen gefunden wurden. Die Gründung fand also zwischen 43 (Besetzung Britanniens unter Imperator Claudius) und 60 u.Z. statt, als Tacitus Londinium bereits als ein Handelszentrum beschrieb. Der Themseübergang mittels einer Brücke war Kreuzungspunkt mehrerer wichtiger Handelsrouten. Im Jahr 60 wurde die Stadt von aufständischen Icenii unter Königin Boudicca/Boadicea erobert und in Brand gesteckt.

Nach Niederschlagung des Aufstands wurde die Stadt wiederaufgebaut und vergrößert, u.a. entstand in der 1. Hälfte des 2. Jahrhunderts eine Basilika von ca. 150 m Länge, eine Festung (das spätere Cripplegate Fort) und ein Amphitheater. Ab 150 ist ein gewisser Rückgang der Besiedlung feststellbar und gegen 200 wurde eine Verteidigungsmauer zur Landseite hin erbaut (Überreste am Barbican und am Tower Hill erhalten). Hier ist wohl an Einfälle von Picten und Scoten zu denken, die 208-211 zum britannischen Krieg des Imperators Septimius Severus führten. Im 3. Jahrhundert folgten eine Mauer auf der Flußseite und die Errichtung hölzerner Kais am Themseufer. Die Bevölkerung war während des 3. und 4. Jahrhunderts jedoch zahlenmäßig kleiner als vor 150. Als Ursache ist wohl vor allem an einen Rückgang des Handels zu denken, verursacht durch den imperiumsweiten Währungsverfall und die Inflation des Denar in dieser Zeit. In vielen Städten des Imperiums fand das städtische Proletariat keinen Lebensunterhalt mehr - es setzte eine Abwanderung auf das Land ein und aus verarmten Städtern wurden Kolonen (halbfreie Bauern). Die Befestigungen deuten darauf hin, dass es auch weiterhin zu Überfällen kam - wohl auch durch fränkische und sächsische Piraten.

Die Legionen wurden um 410 (wegen der Westgoten) abgezogen, was zur angelsächsischen Landnahme und einem starken Bevölkerungsrückgang in den Städten führte - Besitz in den nicht länger geschützten Städten, die bevorzugte Ziele von Beutezügen waren, wurde verlassen. Über die Geschichte Londons der folgenden 2 Jahrhunderte gibt es keine verlässliche Überlieferung; insbesondere ist unbekannt, wann und wie die Stadt in die Hände der sächsischen Eroberer fiel. Jedenfalls war die Stadt 597, als Papst Gregor I. den hl. Augustinus (1. Metropolit Britanniens, Gründer der Christ Church in Canterbury) nach Britannien sandte, wieder (oder noch) ein wichtiges Zentrum. Aus dem Jahr 604 ist dann die Einsetzung des hl. Mellitus (601 von Gregor I. entsandt, erster Bischof von London, 619-624 Erzbischof von Canterbury) und die Gründung der St. Paul’s Cathedral durch König Aethelberht I. von Kent (560-616) überliefert. Im späten 7. Jahrhundert war London mit der Erholung des Handels wieder zu einem bedeutenden Handelszentrum geworden.

Freundliche Grüße,
Ralf