Loslassen

liebe www.ler,
eigentlich habe ich gedacht, das sei logisch, vernünftig und normal. Und nun das… meine Tochter ist im Januar mit ihrem Freund zusammengezogen. Absolut natürlich - sie 21 er 25, und was ist… ich krieg Depressionen, blarre ohne Grund… dabei geht es ihr gut, nur ich komme mit dem Alleinsein schwer zurecht. Dabei dachte ich, dass sind nur die Übermütter, die nicht loslassen können. Und nun das… Ich frage mich, ist das normal? Sind wir Mütter so? Kann man nix dagegen machen? Am Telefon bin ich immer fröhlich und wenn sie mal kommt, lass ich mir nix anmerken. Aber wenn sie wegfährt geht es mir sauschlecht. Das ist doch von mir ungerecht oder??

Wie habt ihr das gehandhabt?

Fragende Grüße
kikut

Liebe kikut,
das passiert, wenn man Kinder zu seinem Lebensinhalt macht und sich nicht mehr erinnert, dass man Kinder nicht zum eigenen Wohlbefinden auf die Welt setzt sondern dafür, sie für ihr eigenes Leben zu rüsten. Schaffe Dir neue, eigene Inhalte, dann wirst Du auch von Deiner Tochter Respekt erfahren, der ausbleibt, wenn man sich auf dem hehren Nur-Mutter-sein ausruht…
Liebe Grüße,
Anja

Aus der Sicht einer Tochter…
Hallo Chris,

eine Mutter kann über ihren Schatten aber niemals über ihr Herz springen…

Ich bin seinerzeit nach einem riesigen Krach mit meiner Mom mitten in der Nacht ausgezogen. Meine Mom verliert heute noch ab und zu ein Tränchen, wenn sich mein Schwesterherz und ich länger nicht gemeldet haben, weil sie sich Sorgen macht. Es ist völlig normal. Sie war nie eine Übermutter, aber sie hat erst - und auch das sei ihr ‚genehmigt‘ - als ich ca. 23-24 war, begriffen, daß sie loslassen und IHR Leben führen muß. Das funktioniert…

Es mag sein, daß es manche respektlos finden, aber ich spreche meine Mom äußerst selten mit ‚Mutter‘ oder ‚Mom‘ an; meistens läuft es auf ‚Süße‘ oder ‚Liebes‘ hinaus, weil sich das Verhältnis geändert hat, seitdem sie begriffen hat, daß wir keine kleinen Mädchen sondern Frauen sind. Und seitdem sie das begriffen hat, ist unser Verhältnis ganz anders: wir treffen uns in lockerer Runde, wir plaudern über… Na ja ‚Sex & the City‘ ist gegen uns drei ein Dreck…

Chris, ich kann Dir nur empfehlen, Deiner Tochter ehrlich zu sagen, daß es Dir schlecht geht. Meine Mom hat es mir auch gesagt. Nur so wirst Du etwas ändern können!

Grüßle

Renee

liebe kikut,

eigentlich habe ich gedacht, das sei logisch, vernünftig und
normal. Und nun das… meine Tochter ist im Januar mit ihrem
Freund zusammengezogen. Absolut natürlich - sie 21 er 25, und
was ist… ich krieg Depressionen, blarre ohne Grund… dabei
geht es ihr gut, nur ich komme mit dem Alleinsein schwer
zurecht. Dabei dachte ich, dass sind nur die Übermütter, die
nicht loslassen können. Und nun das… Ich frage mich, ist das
normal? Sind wir Mütter so?

ja. und wenn du ihr glaubst, dass du grundlos blarrst, wird sie dich dafür lieben, bestimmt. aber besser geht es dir dann wahrscheinlich nicht. auch wenn sie dann weniger erzählt. habt ihr schon mal gegen einander billiard gespielt? das vereinfacht vieles. wenn sie vergleichen kann, wer wie mit ihr spielt.

Kann man nix dagegen machen? Am
Telefon bin ich immer fröhlich und wenn sie mal kommt, lass
ich mir nix anmerken. Aber wenn sie wegfährt geht es mir
sauschlecht. Das ist doch von mir ungerecht oder??

wem gegenüber?

Wie habt ihr das gehandhabt?

meine lütte ist 15 und ich wohne fast bei meiner mutter. irgendwann ziehe ich WEIT weg. arbeiten.

mfg

Liebe Chris,

eigentlich habe ich gedacht, das sei logisch, vernünftig und
normal. Und nun das… meine Tochter ist im Januar mit ihrem
Freund zusammengezogen. Absolut natürlich - sie 21 er 25, und
was ist… ich krieg Depressionen, blarre ohne Grund…

ich bin genau das Gegenteil einer Übermutter. Ich habe immer ganz leger meiner Tochter ihr Leben gelassen und auch meines in vollen Zügen (naja, vielleicht nicht ganz voll) gelebt.

Als im Jahr 1998 meine Tochter ihr Abitur machte, wurde es mir ganz schwummerig (so wie es Müttern früher bei der Heirat der Tochter nachgesagt wurde). Ich wusste ja, dass sie dann nach Nürnberg ziehen wollte, um näher bei ihrem damaligen Freund zu sein. Nicht auf Dauer zusammen (da hätte ich rebelliert, da ich es für schlecht halte, wenn jemand aus dem Elternhaus gleich in einer Beziehung landet). Aber weg von München…

Meine Tochter war weg und ich habe mich ganz doof gefühlt. Ein wenig hat es noch gedauert, bis ich begriffen habe, dass ich mitten in einem Stück Trauerarbeit stecke. Da hat mein Lebensgefährte nicht geholfen, mein von dem Moment an geplanterweise verstärktes Engagement im ADFC nicht, nichts. Nur zu akzeptieren, dass das ein Zeichen dafür ist, dass meine Tochter mir immer noch viel bedeutet, auch wenn ich sie losgelassen habe, und dass diese Zeit auch wieder vorbeigeht, das hat auf Dauer geholfen. Ich sage heute: Nur Mütter, denen ihre Kinder gar nichts bedeuten, empfinden in so einer Situation nichts…

nur ich komme mit dem Alleinsein schwer zurecht.

Wenn Du wirklich ganz alleine sein solltest, d.h. durch den Umzug (siehe Dein Posting im Plauderbrett) ohne Freundes- und Bekanntenkreis, dann tu etwas dagegen. Engagiere Dich, nach Hobby oder ähnlichem. Finde andere, ähnlich gesinnte Menschen, mit denen Du Dein Leben gestalten kannst. Dann geht das Bewältigen vielleicht ein wenig leichter.

Dabei dachte ich, dass sind nur die Übermütter, die
nicht loslassen können. Und nun das… Ich frage mich, ist das
normal? Sind wir Mütter so? Kann man nix dagegen machen? Am
Telefon bin ich immer fröhlich und wenn sie mal kommt, lass
ich mir nix anmerken. Aber wenn sie wegfährt geht es mir
sauschlecht. Das ist doch von mir ungerecht oder??

Nein, es ist wirklich normal. Du kannst vielleicht sogar mit Deiner Tochter drüber reden. Ich habe mit meiner Tochter drüber geredet, das hat unserem Verhältnis ein ganz neues Gesicht gegeben. Sieh hat sich vor allem auch voll und ganz als junge selbständige Frau akzeptiert gefühlt, weil ich mit ihr über diese Probleme geredet habe, statt sie zu verstecken.

Liebe Grüße, Karin

Hallo Kikut,

das würde ich unter die Rubrik Abschiedsschmerz sehen mit gleich mehreren Sorten von Abschiede: von der Tochter, vom Fürsorgejob, von einer Lebensabschnittpartnerschaft, von Gewohnheiten, von einer Rolle, von dem Baby-das man immer in seinem Kind sieht…da gibt es noch mehr

Ich frage mich, ist das normal?

ja, finde ich schon

Sind wir Mütter so?

wahrscheinlich nicht alle. Aber das sollte dich nicht wirklich interessieren.

Kann man nix dagegen machen?

Ich beneide Klageweiber, die sich ein großes Tuch auf ihren Kopf legen und ganz laut jammern. :wink:))
Wichtig ist meiner Ansicht nach, dass du irgendwann aus der Traurigkeit herausfindest. Siehe es als Übergang zu einer neuen Lebensphase. Mit Sicherheit gibt es für dich auch ein Leben ohne Tochter, das du nach deiner Facon mit viel Lust und Lebensfreude gestalten kannst. Wenn du Menschen um dich brauchst, dann suche sie gezielt.

Am Telefon bin ich immer fröhlich und wenn sie mal kommt, lass
ich mir nix anmerken.

so wäre ich wahrscheinlich auch :smile:

Aber wenn sie wegfährt geht es mir sauschlecht. Das ist doch von mir ungerecht

wieso ungerecht? wem gegenüber? oder meinst du unaufrichtig dir und der Tochter gegenüber? Du hast deine Art mit der Situation fertig zu werden. Deine Tochter kennt das bestimmt schon an dir. Und du kannst ein Ei draufschlagen, sie weiß auch, dass du über ihren Auszug nicht froh gestimmt bist. Irgendwann könnt Ihr darüber reden.

Wie habt ihr das gehandhabt?

Ich kann von mir nur als Kind erzählen. Meine Mutter hat den Abnabelungsprozess bis heute nicht verkraftet - das muss man sich mal vorstellen. Damit hat sie weder sich selbst noch mir einen Gefallen getan. Meine Kinder sind in meiner Obhut aber nicht in meinem Besitz - so habe ich das in meinem Hinterkopf. Und momentan fallen mir lauter Beschäftigungen ein, die ich gerne als kinderlose Rentnerin machen möchte. Hoffentlich erinnere ich mich in 20 Jahren noch daran :wink:

fröhliche Frühlingstage
wünscht dir
claren

Liebe Kikut,
vieleicht betrauerst Du ja, dass nun für DICH ein ganz besonderer Lebensabschnitt vorbei ist. Nimm es als neue Chance. Du kannst jetzt bei Deiner Tochter „ernten“, was Du so lange und liebevoll „gesät“ hast. (Wie ich das sehe, hast Du ihr doch mit Deiner Erziehung zur Selbständigkeit verholfen. Darauf solltest Du stolz sein!) Ihr beiden habt immer noch eine gute Verbindung, und wenn Du sie jetzt mehr als Frau und weniger als Tochter betrachtest, wird sie Dir dankbar sein. Glaub´mir, sie weiss, dass Dir die Trennung schwerfällt. Ihr geht es jetzt auch „anders“. Meine Tochter (20 und aus dem Haus) hat mir gesagt, dass die erste Zeit für sie allein auch nicht einfach war, sie wollte sich aber partout der Anforderung stellen und ist mittlerweile sehr stolz auf sich (Ich auch).
Einen kleinen Trost kann ich Dir noch geben: Wenn Du wirklich ein gutes Verhältnis zu Deiner Tochter hast, wirst Du sie niemals verlieren. Meine beiden Kinder (Der Sohn ist 24) melden sich andauernd bei mir (irgendwas ist immer, oder nur so zum Quatschen) und ich (49) berede noch immer alles mit meiner Mutter (70) und die mit ihrer (95)…
Kopf hoch und auf zu neuen Ufern!
Ricarda

liebe www.ler,

liebe kikut,

eigentlich habe ich gedacht, das sei logisch, vernünftig und
normal. Und nun das… meine Tochter ist im Januar mit ihrem
Freund zusammengezogen. Absolut natürlich - sie 21 er 25, und
was ist… ich krieg Depressionen, blarre ohne Grund…

Bis jetzt war Trennung auch abstrakt für Dich, jetzt ist sie konkret geworden, soll heißen, die Trennung hat ein Gesicht bekommen. Bis jetzt hast Du Trennung lediglich rational erfasst und nun hat sie Dich emotional.

dabei geht es ihr gut, nur ich komme mit dem Alleinsein schwer
zurecht.

Ist das Dein Eindurck oder hast Du mit ihr darüber gesprochen und sie hat Deine Ansicht bestätigt ?

Dabei dachte ich, dass sind nur die Übermütter, die
nicht loslassen können.

Ich habe eine Schwägerin, die fünf Kinder hat (28, 25, 22, 19 und 17). Nach und nach haben sie das Haus verlassen, die beiden Jüngeren sind noch zu Hause. Die 19-Jährige geht jetzt für ein Jahr zu ihrem Bruder (28) in die Schweiz. Der 25-Jährige studiert in Graz, der 22-Jährige macht eine Musikausbildung in Vorarlberg - beide etliche Autostunden von Zuhause weg. Sie kommen auch nur alle heiligen drei Zeiten nach Hause. Alle fünf haben ein ausgezeichnetes Verhältnis zu ihren Eltern (keine "Über"eltern *g*).
Zuletzt haben wir mal über Trennung gesprochen. Bislang ist ihr das noch nicht so aufgefallen, weil immer noch Kinder da (zu hause) waren. Loslassen können, Abschied zu nehmen ist [auch] eine schmerzliche Erfahrung - nicht nur für "Über"mütter. Die emotionale Trennungs-Erfahrung bei meinen eigenen Kindern (17 & 16) steht mir noch bevor.

Und nun das… Ich frage mich, ist das normal?

Ja. Natürlich ist es normal. Nur: Kinder zu bekommen heißt auch, sie eines Tages loszulassen und sich darüber zu freun, wenn sie fliegen.

Sind wir Mütter so?

*Grins* jajaja; aber Väter sind auch so. Nur das Weinen will ihnen die [männliche] Gesellschaft noch nicht so recht zugestehen.

Kann man nix dagegen machen?

Ja und nein. Ja, da Du die Zeit, die Dir nun bleibt, mit neuen Lebensinhalten anfüllen kannst. Ja, da Du mit ihr darüber reden kannst. Reden erleichtert das Trennen (ohne Schmerz wirds aber nie werden). Nein, da Trennung emotional immer auch ein bißchen weh tut. Zumal dann, wenn Du eine enge Beziehung zu Deinen Kinern hast, auch ohne die "Über"mutter oder der "Über"vater zu sein.

Am Telefon bin ich immer fröhlich und wenn sie mal kommt, lass
ich mir nix anmerken. Aber wenn sie wegfährt geht es mir
sauschlecht. Das ist doch von mir ungerecht oder??

Nein. Aber ich würd mal reden mit ihr, wie es Dir geht. Über Emotionen zu reden ist allemal besser, als sie in sich hineinzuschaufeln. Weg sind sie dann auch nicht und was sie anstellen, wenn Du sie verdrängst, kannst Du nicht beeinflussen. Drüber reden ist besser.

Wie habt ihr das gehandhabt?

Wie gesagt, die Trennung von den Meinen steht mir noch bevor. Frag mich in zwei, drei Jahren noch mal. Aber; von Verwandten und Bekannten weiß ich, dass Reden die Situation erleichtert.

Fragende Grüße

liebe Grüße

kikut

Wolkenstein (kein "Über"vater *grins*)

nachdenkliches ‚Danke‘
für die vielen guten Zuschriften. Es freut mich, dass ihr euch Gedanken gemacht und gemeldet habt. Ich werde mir die Texte ausdrucken und wenn ich mal wieder tief hänge, einfach durchlesen.

Es ist ja nicht so, dass ich Langeweile habe, oder nichs zu tun. Ich muss halt lernen, die Wertigkeit zu verschieben. Sicher ist es ein Abschied - ich weiß, ich habe mir bei der Einschulung sowohl von dem Sohn als auch der Tochter die Augen ausgeheult. Es ist ein neuer Lebensabschnitt.

Einerseits bin ich ja auch froh, wenigstens aus der normalen bzw. bisherigen problemgeladenen Umgebung heraus zu sein. Es ist halt einiges zusammengekommen – und gleichzeitig der Prozess, möglicherweise nicht mehr im Arbeitsleben zu stehen.

Und es war halt auch das 1. Mal - wenn auch umständehalber und niemand konnte was dafür - dass ich an meinem Geburtstag ganz allein war. Gut, vielen Menschen ist der Tag egal, aber soweit bin ich nicht. Das soll auch kein Gejammer sein, es kommt nur soviel auf einmal.

Also lieben lieben dank
Chris

Naja, mir tun eure Antworten sehr gut und ich danke euch ganz ganz herzlich.