Hallo,
ich hoffe hier Rat zu bekommen wie ich mich von meiner Mutter lösen kann, ohne dass es zu einer Eskalation kommt.
Erst einmal kurz zur momentanen Situation: ich bin im Ausland (nur noch kurze Zeit) und werde bald wieder nach Deutschland zurückkehren. Natürlich freuen sich meine Eltern, besonders meine Mutter sehr darüber. Nur ich weiss nicht, ob ich mich freuen soll. Nach einem Telefongespräch vor vier Tagen, bei dem ich ihr mitteilte, dass ich am selben Wochenende wieder an meinen Studienort fahre, hat sie sich nicht mehr gemeldet, was sonst überhaupt nicht ihre Art ist, wenn alles in Ordnung ist.
Zur Vorgeschichte:
In unserer Kindheit hatten mein Bruder und ich sehr viel Prügelstrafen bezogen. Und wenn unsere Mutter uns geliebt hat, so hat sie das nie zeigen können. Ich für meinen Teil hatte als Kind sehr grosse Angst vor ihr und vor ihrer meist benutzten „Strafe“ - Schweigen. Wenn ihr etwas nicht gepasst hat, führte das meist zu drei bis vier Tage langen Schweigephasen. Während solcher Zeiten wurde ausserhalb des Hauses die heile Familie vorgeführt und im Haus herrschte Stille.
Mit 19 Jahren, ich war 16 Jahre alt, zog mein Bruder plötzlich und nicht im Einvernehmen mit unseren Eltern aus. Ich war dann das verbleibende Kind zu Hause und erlebte, wie meine Mutter verzweifelte und auch mit Selbstmord drohte. Ob sie das wirklich getan hätte, kann ich heute nicht sagen.
Wichtig für die jetztige Situation ist allerdings, dass ich seit dieser Zeit immer mehr zu ihrer „einzigen Vertrauten“ wurde. So dass ich jetzt das Gefühl habe, die Mutter zu sein. Jedenfalls bin ich ihr (nicht nur ihr
) Kummerkasten und Ratgeber.
Ich habe jedoch seit dem Alter von 18 Jahren wegen Depressionen Psychiotherapien machen müssen. Dabei kam dann heraus, dass ich meine Kindheit noch lange nicht überwunden habe/hatte.
Ich bin in 5 Jahren von meiner Seite in meinen Gefühlen von blinder Liebe zu mehr oder weniger Gleichgültigkeit gekommen. Wovon sie allerdings nicht alles weiss.
Versuche mit ihr zu reden, gehen immer in die Richtung, dass sie zwar zugibt, dass sie Fehler gemacht hat, aber sie versteht nicht, wie tief das immer noch wirkt. Und bemitleidet sich dann selbst und weisst ihre eigene Kindheit und die damalige Situation mit der Schwiegermutter als Entschuldigung vor.
Sie „erdrückt“ mich also mit ihrer ständigen Sorge und versucht mein Leben regelrecht zu kontrollieren. Aber da ich inzwischen auch 24 Jahre alt bin, möchte ich gern mein eigenes Leben ohne ihre Einmischung leben.
Aber wie kann ich ihr klarmachen, dass sie sich zurückhalten soll? Wie kann ich mich von ihr lösen? Ich will gleichzeitig auch keinen absoluten Bruch - wie bei meinem Bruder - herbeiführen. Ein Bruch mit ihr würde mich auch von dem Rest der Familie - ausser meinem Bruder - abschneiden. Aber so wie jetzt kann es auch nicht weitergehen.
Ich freue mich über Ratschläge, sehr gern auch von Eltern.
Grüße
Drea
