Ich habe gerade die Lektuere von „Der Herr der Ringe“ auf Englisch
beendet. Mir ist aufgefallen, dass die ersten paar hundert Seiten in
normalem, modernem Englisch geschrieben sind, aber zwischendurch und
ganz besonders in der ersten Haelfte des dritten Teils veraendert
sich der Stil voellig. Dort findet man lange Ketten von Nebensaetzen,
die alle mit „and“ beginnen und das Vokabular ist auch ziemlich
antik. Es kam mir vor wie eine alte Homer-Uebersetzung. Ebenso
wurden die alten Personalpronomen thee oder thy verwendet oder Verben
konjugiert (z.B. ein -st ans Ende in 2. Pers. Singular), was ja wohl
schon seit mindestens 200 Jahren nicht mehr ueblich sein duerfte. Am
Ende kehrt Tolkien dann wieder ins moderne Englisch zurueck. Weiss
jemand, ob diese (teils langen) Passagen alten Englisch und antiken
Stils einen bestimmten Grund haben oder nur eine Laune Tolkiens
darstellen?
Ich habe mal gehört, dass es verschiedene englischsprachige Fassungen von LotR gibt. Die ersten ausgaben wurden vom Herausgeber verändert und vom Schreibstil her modernisiert. Erst später wurde dann das unverfälschte Original veröffentlicht.
Warum Du in einer Ausgabe moderne und ältere Sprache gemischt hast, kann ich aber auch nicht sagen.
So hier und da habe ich auch in die deutsche Uebersetzung von Krege
geschaut, die ja im Moment die am weitesten verbreitete ist. Diese
schien sich meine englische Ausgabe zur Vorlage genommen zu haben,
denn auch dort ist in jenen altertuemlichen Passagen zumindest der
Satzbau entsprechend uebertragen worden. Natuerlich fielen die
anderen Besonderheiten wie veraltete Woerter und Grammatik bei der
Uebersetzung unter den Tisch. Jedenfalls nehme ich an, dass meine die
Standardausgabe ist und keine besondere.
Tychi
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
Ich habe gerade die Lektuere von „Der Herr der Ringe“ auf
Englisch
beendet. Mir ist aufgefallen, dass die ersten paar hundert
Seiten in
normalem, modernem Englisch geschrieben sind, aber
zwischendurch und
ganz besonders in der ersten Haelfte des dritten Teils
veraendert
sich der Stil voellig. Dort findet man lange Ketten von
Nebensaetzen,
die alle mit „and“ beginnen und das Vokabular ist auch
ziemlich
antik. Es kam mir vor wie eine alte Homer-Uebersetzung. Ebenso
wurden die alten Personalpronomen thee oder thy verwendet oder
Verben
konjugiert (z.B. ein -st ans Ende in 2. Pers. Singular), was
ja wohl
schon seit mindestens 200 Jahren nicht mehr ueblich sein
duerfte. Am
Ende kehrt Tolkien dann wieder ins moderne Englisch zurueck.
Weiss
jemand, ob diese (teils langen) Passagen alten Englisch und
antiken
Stils einen bestimmten Grund haben oder nur eine Laune
Tolkiens
darstellen?
es gibt meines Wissens einige literaturwissenschaftliche Abhandlungen, die sich diesem Aspekt ausführlich widmen.
In aller Kürze: Du wirst festgestellt haben, das sich die handlungstragenden Personen von den Hobbits (den kleinen Leuten) im Teil 1 u.2 hin zu den hochgestellten Persönlichkeiten (Zauberer, Krieger, Könige) des 3. Teils verschieben. Konsequenterweise änderte Tolkien seinen Sprachduktus. Das war also Absicht.
Außerdem ist das Buch innerhalb von fast 20 Jahren entstanden und wuchs immer mehr zum sagenhaften Stoff.
Ein Grund mehr, die Sprache altertümeln zu lassen.
Danke Geli, ich nehme an, du schreibst, was du weist, aber ich habe
Einwaende:
es gibt meines Wissens einige literaturwissenschaftliche
Abhandlungen, die sich diesem Aspekt ausführlich widmen.
In aller Kürze: Du wirst festgestellt haben, das sich die
handlungstragenden Personen von den Hobbits (den kleinen
Leuten) im Teil 1 u.2 hin zu den hochgestellten
Persönlichkeiten (Zauberer, Krieger, Könige) des 3. Teils
verschieben. Konsequenterweise änderte Tolkien seinen
Sprachduktus. Das war also Absicht.
Dass die hochgestellten Persoenlichkeiten geschwollen reden, ist ja
zu verstehen, aber warum dann auch der Erzaehler, wenn er es in
frueheren Teilen nicht tat? Nur weil die Zauberer, Krieger und Könige
spaeter mehr im Mittelpunkt stehen?
Außerdem ist das Buch innerhalb von fast 20 Jahren entstanden
und wuchs immer mehr zum sagenhaften Stoff.
Ein Grund mehr, die Sprache altertümeln zu lassen.
Dann ist aber nicht zu begruenden, weshalb die allerletzten Kapitel
wieder in Normalsprache sind (vielleicht, weil dann wieder die
Hobbits zentral sind.)