Ludwig XIV

hallo,
kann mir einer sagen wie ludwig,der sonnenkönig,den adel stück für stück entmachtet hat?

wäre für antworten sehr dankbar
Roxy

Hi Roxy.

lang ists her… Ich fass mal zusammen was ich noch weiss.

Louis hat zuerst mal den Adel an der Stelle gepackt, wo er am empfindlichsten ist, wie jeder Mensch. An der Eitelkeit. Frankreich war zentralistisch regiert (L’etat, c’est moi). Alles drehte sich um den König. Er war es der bestimmte wer zu den Edelsten der Edlen gehörte und darüber hinaus konnte er natürlich mit einer Unterschrift einem Adeligen alles entziehen oder auch geben. (Er adelte u.a. seine Mätressen, bzw. er hat einträgliche Titel und Güter vergeben.) D.h. die eigentlich souveränen Adeligen prügelten sich darum Höflinge zu werden, einen Platz „an der Sonne“ zu erhalten, Beauftragte zu werden am Hofe oder einfach nur Schleppenträger. Eine Stellung bei Hofe versprach natürlich auch Wissen und Einfluß. Man mußte immer wer gerade in der Gunst stand und wer nicht. Man konnte auch selbst pokern, sich um die Gunst bewerben oder seine Töchter, Frauen oder Schwestern ins Rennen schicken. (Als Mätressen)

Wenn der König eine Geliebte hatte, wurde diese natürlich sofort auch hofiert und wesentlich besser behandelt als vorher, in der Hoffnung das man an ihrem Ruhm mit geniessen konnte. (Einige Botschafter die um den Einfluß der Mätressen wußten, sprachen immer zuerst bei den Damen vor um diese einzustimmen auf die Pläne, bevor der Plan von der Mätresse selbst an den König herangetragen wurde. Oder der Botschafter eine Audienz erhielt.) Louis brachte dieses Spiel zur Perfektion. Der Adel musste in Paris und Umgebung leben um überhaupt bei der Sache zu sein. Ein Zimmer in Versailles, und sei es nur eine Kammer, war eine hohe Auszeichnung für jeden. So wurde der Adel abgelenkt und beschäftigt, in das eitle Spiel hineingezogen das sich zwischen Intrigen und Vergnügungen bewegte. Der Adel hatte keine Zeit sich um etwas anderes zu kümmern. Alles, auch das schwachsinnigste, war ein MUST das man mitzumachen hatte, um dem König, der Sonne Frankreichs, zu gefallen. Niemand wagte ihm entgegen zu treten oder sich zu widersetzten. Wenn sich z.B. eine Dame mal einem Schläferstündchen widersetzte, lief sie und ihre Familie Gefahr völlig mittellos dazustehen. Vom Hofe verbannt zu sein, nicht mehr „gesellschaftsfähig“ zu sein, glich einem Todesurteil. Man konnte sich dem Hofe auch schlecht entziehen, denn dort wurden natürlich auch Beziehungen aller Art geknüpft, ebenso Geschäfte über Kriege oder Frieden, die z.T. auch Geld versprachen.

Wenn du Interesse hast einen guten Film über diese Zeit zu sehen, kann ich dir nur Vatel empfehlen. Zeigt die Zeit und die Beziehungen der Personen sehr gut und realistisch.

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Ähnlich dem ganzen „Star“ Gehoppel zur Zeit im TV. Jeder G-Promi der mal zu einer Gala geladen wurde, oder zwei Sätze in einer Show sagen durfte, glaubt jetzt ein echter Prominenter oder Moderator zu sein. Der Ganze Hassel um diesen Ruhm und die Bekanntheit hat für mich genauso groteske Züge angenommen, wie das damals evtl. auch war. Wir prostituieren uns um einmal 5 Min. im Fernsehen zu sein, alles andere ist egal. Hauptsache ne Kamera surrt.

Gruß
Helena

DANKE!
hast wirklich alles genau auf den punkt gebracht und gut erklärt!
danke nochmal!
Roxy