Lügen entgegen aller Fakten selber glauben?

Fiel mir gerade noch so ein und scheint mir wichtig.

Ich habe Eltern erlebt, die, aus falscher Liebe oder warum auch immer, so taten, als würden sie ihrem Kind jeden hanebüchenen Unsinn glauben.

Sagte man dem Kind dann mal unverfroren, dass es gefälligst nicht solchen Mist erzählen sollte, war das Kind wie vor den Kopf gestoßen und die Eltern waren absolut sauer.

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Hallo,

Eltern, die
sich nicht trauten, ihr aufschneidendes Kind gehörig zurecht
zu weisen und zu blamieren.

… oder solche, bei denen das Kind keine andere Möglichkeit sah als „Aufschneiden“, um ihre Aufmerksamkeit und Zuwendung zu erlangen.

Gruß
Kreszenz

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Hallo Nemo,

Ich habe Eltern erlebt, die, aus falscher Liebe oder warum auch immer, so taten, als würden sie ihrem Kind jeden hanebüchenen Unsinn glauben.

Das halte ich bis zu einem gewissen Alter auch für völlig in Ordnung. Solange Kinder in der Welt des magisch- animistischen Denkens leben - und das tun sie bis etwa zum Schulalter - ist es sogar ganz wichtig, dass Eltern das Kind in dieser Entwicklungsphase unterstützen, indem sie sich auf seine Erzählungen einlassen.

Junge Kinder können Probleme oder Dinge, die sie beschäftigen, nicht ohne weiteres verbalisieren. Sie brauchen oft den „Umweg“ über das magisch-animistische Denken, um sich mitzuteilen. Wenn ein Kind erzählt, der Teddy habe ihr verraten, dass er sich nachts immer fürchte, wird ein mütterliches „Gespräch“ mit dem Teddy oder die Nachfrage, wovor er denn Angst habe, Aufschluss über Befindlichkeiten des Kindes geben, die es so nicht äußern könnte.

Sagte man dem Kind dann mal unverfroren, dass es gefälligst nicht solchen Mist erzählen sollte, war das Kind wie vor den Kopf gestoßen und die Eltern waren absolut sauer.

Warum tut ein Kind das? Um Erwachsene zu ärgern? Sicher nicht. Es sucht Anerkennung, die ihm offensichtlich fehlt. Und ihm vor den Kopf zu knallen, dass es Mist erzählt, ist kaum der richtige Weg, dieses Bedürfnis in die richtigen Bahnen zu lenken.

Natürlich kann man mit zunehmendem Alter des Kindes durchaus signalisieren, dass es einem schwer fällt, manche Aussagen zu glauben. Ich halte es aber immer für geboten - erst recht für einen Außenstehenden - dem Kind die Möglichkeit zu lassen, sein Gesicht zu wahren.

Schöne Grüße,
Jule

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Hi,

Sagte man dem Kind dann mal unverfroren, dass es gefälligst nicht solchen Mist erzählen sollte, war das Kind wie vor den Kopf gestoßen und die Eltern waren absolut sauer.

Und ihm
vor den Kopf zu knallen, dass es Mist erzählt, ist kaum der
richtige Weg, dieses Bedürfnis in die richtigen Bahnen zu
lenken.

Außerdem zerstört man damit ganz gehörig etwas ganz wichtiges, nämlich die kindliche Phantasie! Ohne sie hätten wir keine kreativen Menschen, keine Künstler und keine Erfinder und Forscher.

Gruß,

Anja

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Hi

Also das ist so, dass sobald ich etwas sage, was seine Lüge
zerstören würde, das da plötzlich ganz andere Geschichten von
ihm kommen, die eindeutig eine NEUE „Wahrheit“ darstellen.
Nicht nur mir ist das aufgefallen, auch andere (durchaus
intelligente) Leute empfinden das so wie ich.

hmm dann hat er also gemerkt dass ihr intelligenter seid als er euch eingeschätzt hatte und muss schnell seine Lügen ausbauen …

Ich möchte nur wissen ob das wirklich geht,
das ein Mensch SICH SELBER so extrem belügt, das diejenigen
die die Geschichte anzweifeln die bösen Menschen sind.

es geht nicht darum dass er sie glaubt (dass sie nicht wahr sind weiss er ja selber) sondern eher, dass er sauer ist dass er die anderen unterschätzt hat

Sicher gibt es auch krankhafte „Wolkenkuckucksheimbildner“ :smile: habe cih auch shcon kennengelernt , die wurden aber nicht aggressiv sondern waren eher …eh… erstaunt! wenn man ihnenn ihr gebilde mit Tatsachen zerstörte

Denn wenn man ihn eindeutig mit den Fakten konfrontiert, wird
er aggressiv und wirft mir vor ich würde ihm nicht vertrauen
und so.

genau - dem anderen Schuldgefühle einimpfen damit er aufhört einem zu beweisen, dass man gelogen hat …

Dabei meine ich es :cht nur gut mit ihm.

najaaaaa… dsa Gegenteil von „gut“ ist nicht „schlecht“ sondern „gut gemeint“!

Aber
ich vermute das e in dem Moment seine eigenen Lügen glaubt und
sich dann als das Opfer fühlt.

nicht weil er sie glaubt sondern weil er sich für unüberführbar hielt … wer lügt braucht ein gutes gedächtnis :wink: und es ist echt nicht nett festzustellen, dass das eigene gedächtnis wesentlich schlechter funktioniert als das der anderen :wink: das er da aggressiv wird ist verständlich

Gruß H.

Hallo Jule.

Magisch-animistisch? Woher kommt der Schwachsinn?
Wahrscheinlich aus doch aus USA. Oder ist es Freud, der hier wieder einmal nicht tot zu kriegen ist.

Dass es in USA die meisten Spinner (Fantasten) gibt, ist ja irgendwie bekannt.

Ich denke, dass ein Kind sehr wohl in der Lage sein sollte, seiner Mutter zu sagen, dass es sich im Dunkeln fürchtet und dazu durchaus nicht den zugegeben, fantasievollen Umweg über den Teddy braucht.

Ich denke auch, dass man einem Kind anhört, ob es nun eine fantasievolle Geschichte von Hexen und Drachen und was weiß ich, auf die man durchaus eingehen kann, zum Besten gibt, oder ob es einfach nur dumm lügt.

Und letztens denke ich, dass ein Kind besser rechtzeitig merkt, dass es mit seinen Geschichten nicht weiter kommt, als erst später in der Schule, wo es dann zum Spott seiner Mitschüler wird.

Oder eben zum notorischen Lügenbold.

Gruß, Nemo.

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Wer hat’s erfunden?
Hallo Nemo,

Magisch-animistisch? Woher kommt der Schwachsinn?

Die Schweizer warens, genauer gesagt Jean Piaget, ein Schweizer Entwicklungspsychologe.

Das magisch-animistische Denken ist Bestandteil der kindlichen Entwicklung, und es zu ignorieren und von einem Kleinkind zu erwarten, es solle gefälligts ohne diese Entwicklungsstufe auskommen, ist ungefähr so, wie ihm das Lallen zu verbieten und zu erwarten, dass es sofort perfekt spricht.

Ein Kleinkind geht davon aus, dass die gesamte Umwelt so „funktioniert“, wie es selbst. Es kann zunächst nicht zwischen belebt und unbelebt unterscheiden. Die Tür ist „böse“, weil sich das Kind die Finger eingeklemmt hat, der Wind vetreibt die Regenwolken, damit die Sonne wieder scheinen kann.

Ein Kleinkind in der Vorstufe des logischen Denkens versteht z.B. nicht, dass eine Lampe brennt, weil in ihren Leitungen Strom fließt - auch dann nicht, wenn man es ihm erklärt. Es glaubt, dass der Strom will, dass die Lampe brennt. Die Sonne scheint, weil sie uns wärmen will. Wenn sie nicht scheint, hat sie keine Lust dazu oder der Regen ist stärker.

Das Ganze beruht auf dem kindlichen Egozentrismus, einer Phase, in der das Kind noch nicht fähig ist, andere Rollen oder Perspektiven zu übernehmen. Es hat nur sich selbst als Bezugspunkt.

Aus diesem Grund ist übrigens auch Fernsehen für Kleinkinder problematisch. Da ihnen die Fähigkeit zum Abstrahieren fehlt, erleben Kinder alles, was sie sehen, als wahr. Ganz egal, ob es sich um einen Zeichentrickfilm oder einen Spielfilm handelt: Alle Figuren und Handlungen sind im Verständnis des Kindes echt - auch wenn der Erwachsene erklärt, dass das nur ein Film sei und das Kind diesen Satz möglicherweise wie ein Mantra nachplappert.

Ein Problem bei der Verkehrserziehung ist häufig, dass Kinder zunächst Autos als lebende Wesen betrachten, die sie sehen können („Scheinwerferaugen“) und dadurch anhalten. Die Tatsache, dass Erwachsene solche Deutungen als Unfug abtun, hindert Kinder im Vorschulalter aber nicht daran, es dennoch zu glauben, weil sie - entwicklungsbedingt - erst mal gar nicht anders können.

Erst nach und nach wird das Kind dazu fähig, seine Sichtweisen zu erweitern. Dieser Prozess findet seinen Abschluss ungefähr gegen Ende des 3. Schuljahres.

Schöne Grüße,
Jule

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Hallo Jule.

Eigentlich können wir es seit Millionen Jahren perfekt, dennoch wird fast nirgends soviel herum gepfuscht, geheimnist, manipuliert, theoretisiert und was weiß ich noch, wie bei der Kinderaufzucht.

Das magisch-animistische Denken ist Bestandteil der kindlichen
Entwicklung, und es zu ignorieren und von einem Kleinkind zu
erwarten, es solle gefälligts ohne diese Entwicklungsstufe
auskommen, ist ungefähr so, wie ihm das Lallen zu verbieten
und zu erwarten, dass es sofort perfekt spricht.

Nun, soweit ich weiß, ist Sprachfähigkeit angeboren, ein Kind kann sie somit ohne Lallen erlernen, was natürlich nicht heißt, dass ich ihm das verbieten möchte.

Ein Kleinkind geht davon aus, dass die gesamte Umwelt so
„funktioniert“, wie es selbst. Es kann zunächst nicht zwischen
belebt und unbelebt unterscheiden. Die Tür ist „böse“, weil
sich das Kind die Finger eingeklemmt hat, der Wind vetreibt
die Regenwolken, damit die Sonne wieder scheinen kann.

Die Rede war ursprünglich nicht von Kleinkindern, es geht um falsche Erziehung durch Unterstützen (Glauben) von offensichtlich erlogenen Geschichten. In diesem Sinne geht es auch nicht um fantastische Erzählungen.

Ein Kleinkind in der Vorstufe des logischen Denkens versteht
z.B. nicht, dass eine Lampe brennt, weil in ihren Leitungen
Strom fließt - auch dann nicht, wenn man es ihm erklärt. Es
glaubt, dass der Strom will, dass die Lampe brennt.

Äh,will er das denn nicht? Was ich sagen möchte, ist, dass mancher Erwachsene auch nicht mehr davon versteht.

Die Sonne
scheint, weil sie uns wärmen will. Wenn sie nicht scheint, hat
sie keine Lust dazu oder der Regen ist stärker.

Sonne, Wind, Regen werden in etlichen Kindergeschichten personifiziert.
Wie sollte man sie auch anders erklären. Interessanterweise hängt uns das nach bis zum Tod. Es ist immer noch die „liebe“ Sonne, die uns nach einer Schlechtwetterperiode wärmt.

Ein Beispiel dafür, was Erziehung vermag. Genauso ist es mit falscher Erziehung.

Erst nach und nach wird das Kind dazu fähig, seine Sichtweisen
zu erweitern. Dieser Prozess findet seinen Abschluss ungefähr
gegen Ende des 3. Schuljahres.

Ich halte das, vom Alter her, als viel zu hoch gegriffen.
Die Erkenntnis, dass man lügen und damit eventuell etwas erreichen kann, ist für ein Kind enorm.
Ein Kind, das sich in der Gesellschaft behaupten will, muss aber rechtzeitig lernen, was und wann man lügen darf und was nicht.
Das erste Testobjekt sind die Eltern und wenn die versagen entstehen eben jene abnormen Lügenbolde, von denen im UP die Rede ist.

Gruß, Nemo.

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Hallo Nemo,

Eigentlich können wir es seit Millionen Jahren perfekt,

Tun wir das tatsächlich? Das möchte ich doch bezweifeln. Die Tatsache, dass Kinder irgendwann zu Erwachsenen werden, heißt noch lange nicht, dass ihre Erziehung gelungen ist.

Nun, soweit ich weiß, ist Sprachfähigkeit angeboren, ein Kind kann sie somit ohne Lallen erlernen, was natürlich nicht heißt, dass ich ihm das verbieten möchte.

Neuere Untersuchungen sagen etwas anderes. Sendlmeier fand z.B. heraus, dass bei acht Monate alten Kindern die am häufigsten gebildeten Lautklassen mit der Erwachsenensprache übereinstimmen.

Ich halte das, vom Alter her, als viel zu hoch gegriffen.

Nunja. Mal abgesehen davon, dass die Entwicklungspsycholgie hier anderer Ansicht ist, besteht ein direkter Zusammenhang zwischen der Fähigkeit zur Perspektivenübernahme und der Fähigkeit zu lügen. Erst wenn ein Kind sich in eine andere Person hineinversetzen kann, kann es auch bewusst lügen, denn erst dann kann es die Konsequenzen einer Lüge erkennen. Die Fähigkeit zur Perspektivenübernahme wird ab dem 4. Lebensjahr erreicht, ist aber ebenfalls erst mit etwa 9 Jahren voll ausgeprägt.

Ein Kind, das sich in der Gesellschaft behaupten will, muss aber rechtzeitig lernen, was und wann man lügen darf und was nicht.

Was und wann darf man denn lügen?

Das erste Testobjekt sind die Eltern und wenn die versagen entstehen eben jene abnormen Lügenbolde, von denen im UP die Rede ist.

Kinder, die auf Teufel komm raus lügen, haben ganz andere Probleme als das, dass ihnen niemand ihre Lügen beredet hat. Da bestehen von Erzieherseite her ganz sicher Defizite - aber in ganz anderen Bereichen.

Schöne Grüße,
Jule

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