Wer hat’s erfunden?
Hallo Nemo,
Magisch-animistisch? Woher kommt der Schwachsinn?
Die Schweizer warens, genauer gesagt Jean Piaget, ein Schweizer Entwicklungspsychologe.
Das magisch-animistische Denken ist Bestandteil der kindlichen Entwicklung, und es zu ignorieren und von einem Kleinkind zu erwarten, es solle gefälligts ohne diese Entwicklungsstufe auskommen, ist ungefähr so, wie ihm das Lallen zu verbieten und zu erwarten, dass es sofort perfekt spricht.
Ein Kleinkind geht davon aus, dass die gesamte Umwelt so „funktioniert“, wie es selbst. Es kann zunächst nicht zwischen belebt und unbelebt unterscheiden. Die Tür ist „böse“, weil sich das Kind die Finger eingeklemmt hat, der Wind vetreibt die Regenwolken, damit die Sonne wieder scheinen kann.
Ein Kleinkind in der Vorstufe des logischen Denkens versteht z.B. nicht, dass eine Lampe brennt, weil in ihren Leitungen Strom fließt - auch dann nicht, wenn man es ihm erklärt. Es glaubt, dass der Strom will, dass die Lampe brennt. Die Sonne scheint, weil sie uns wärmen will. Wenn sie nicht scheint, hat sie keine Lust dazu oder der Regen ist stärker.
Das Ganze beruht auf dem kindlichen Egozentrismus, einer Phase, in der das Kind noch nicht fähig ist, andere Rollen oder Perspektiven zu übernehmen. Es hat nur sich selbst als Bezugspunkt.
Aus diesem Grund ist übrigens auch Fernsehen für Kleinkinder problematisch. Da ihnen die Fähigkeit zum Abstrahieren fehlt, erleben Kinder alles, was sie sehen, als wahr. Ganz egal, ob es sich um einen Zeichentrickfilm oder einen Spielfilm handelt: Alle Figuren und Handlungen sind im Verständnis des Kindes echt - auch wenn der Erwachsene erklärt, dass das nur ein Film sei und das Kind diesen Satz möglicherweise wie ein Mantra nachplappert.
Ein Problem bei der Verkehrserziehung ist häufig, dass Kinder zunächst Autos als lebende Wesen betrachten, die sie sehen können („Scheinwerferaugen“) und dadurch anhalten. Die Tatsache, dass Erwachsene solche Deutungen als Unfug abtun, hindert Kinder im Vorschulalter aber nicht daran, es dennoch zu glauben, weil sie - entwicklungsbedingt - erst mal gar nicht anders können.
Erst nach und nach wird das Kind dazu fähig, seine Sichtweisen zu erweitern. Dieser Prozess findet seinen Abschluss ungefähr gegen Ende des 3. Schuljahres.
Schöne Grüße,
Jule