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" Luftfahrt hat sich auf Tag X im Irak-Konflikt eingestellt
Sascha Meyer und Christian Röwekamp, dpa
Frankfurt/Main (dpa) - Auf den Tag X im Irak-Konflikt ist die
internationale Luftfahrt seit Wochen eingestellt. Krisenstäbe der
Airlines halten Szenarien mit Ausweichrouten im Kriegsfall parat,
Landerechte wurden extra beantragt. Denn ein US-Schlag am Golf würde
wichtige Luftstraßen für Linien- und Ferienflieger blockieren. Zwar
ist noch immer unklar, welchen Radius die Militärs sperren könnten.
Nach der Erfahrung des Golfkriegs 1991 und den Militäraktionen in
Afghanistan oder im Kosovo sehen sich die Planer aber vorbereitet.
Erste Gesellschaften wie British Airways oder Swiss dünnten ihre
Flugpläne nach Nahost bereits kurzfristig aus.
„Wir können sofort reagieren“, sagt der Leiter des Krisenstabes
der Lufthansa, Carl Sigel. Binnen Minuten lassen sich auch bereits
gestartete Jets zurückbeordern oder auf Ausweichziele umsteuern,
heißt es in der Lufthansa-Basis. Wegen verbreiteter Verunsicherung
kommen Gesellschaften wie die Lufthansa oder American Airlines ihren
Kunden mit Angeboten zur kostenlosen Ticket-Umbuchung entgegen.
Angesichts der Konjunkturflaute und der schwelenden Kriegsgefahr sind
die Buchungen ohnehin seit Wochen nur schwach.
War nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 noch
spontanes Handeln gefragt, liegen nun Pläne in den Schubladen. Sie
könnten schnell zum Einsatz kommen, wenn der Luftraum über Irak und
Iran - eine beliebte Überflugroute für Verbindungen nach Asien -
gesperrt würde. Auf den Ausweichrouten könne der Platz am Himmel
allerdings eng werden, erwartet die europäische Luftraumüberwachung
Eurocontrol. Daher müssten sich Passagiere bei einem Krieg auf
Verspätungen einstellen.
Alternativ käme für viele Fluggesellschaften in Frage, südlich des
wahrscheinlichen Sperrgebiets über Afrika nach Fernost zu fliegen.
Auch eine Umgehung im Norden über die GUS-Staaten und China ist
machbar. Für eine Luftstraße nördlich des Himalaya sind aber
spezielle Navigationstechnik und extra Sauerstoffvorrat nötig, über
die nur wenige Gesellschaften wie Lufthansa und die australische
Qantas verfügen.
Singapore Airlines hält zwei Alternativszenarien für ihre Jumbos
von Frankfurt nach Singapur bereit, die schon jetzt nicht mehr den
irakischen Luftraum durchfliegen. Option Nummer eins sieht vor, auch
zum türkischen Luftraum mindestens 200 Kilometer Abstand zu halten,
sagt Mike Barclay, Leiter des Büros in Frankfurt. Je nach der
räumlichen Ausweitung von Kämpfen sei auch ein Umweg über Afrika, das
Rote Meer und weiter über den Indischen Ozean denkbar. Bei dieser
zweiten Variante müsste aber in jedem Fall ein Tankstopp eingelegt
werden, für den Rom oder Athen in Frage kämen.
Bei aller Unwägbarkeit können sich Planer und Passagiere an den
Auswirkungen des Golfkriegs von vor zwölf Jahren orientieren. Nach
Beginn der Militäraktion im Januar 1991 umflogen zivile Flugzeuge die
Region weiträumig. Ziele im Nahen Osten, etwa Israel oder Saudi-
Arabien, wurden zeitweise ganz vom Flugplan gestrichen. Die Buchungen
gingen abrupt zurück und eine schwere Krise der Luftfahrtindustrie
begann. Auf den Flughäfen wurden die Gepäckkontrollen verschärft.
Derzeit sind die Sicherheitsvorkehrungen an den Airports wegen der
Terrorgefahr nach dem 11. September 2001 bereits verstärkt. Am Himmel
über Deutschland hat die Zahl amerikanischer Militärmaschinen schon
seit einigen Monaten zugenommen. Allein an der US-Airbase am größten
deutschen Flughafen in Frankfurt heben in diesen Wochen 60 bis 80
Militärmaschinen pro Tag ab, wie es bei der Deutschen Flugsicherung
heißt. Das sei etwa doppelt so viel wie in normalen Zeiten."
©dpa
191001 Mrz 03
Gruß, Hartmann.