Lungenkrebs - Chemo

Mein Mann hat einen kleinzelligen schnellwachsenden Lungentumor, der sehr groß ist, aber noch keine Metastasen gebildet hat.

Nach der 1. Chemo ist er kraftlos. Wie wird es erst nach der 2. Chemo? Wird er die überhaupt verkraften?

Guten Tag !

Ob es nach der zweiten Chemo besser oder schlechter wird oder gleich bleibt kann man beim besten Willen kaum voraussagen. Meine persönliche Erfahrung ist : es wird eher schlechter, aber man kann sich tatsächlich etwas dran gewöhnen, es ist ja zeitlich begrenzt. Die Chemo ist sehr anstrengend und zerrt an der Kraft.
Allgemeingültigen Rat kann man da schlecht geben, denn jede Chemo ist anders, jeder Mensch reagiert anders und ist in anderer Verfassung aber vielleicht können hier dennoch meine Ideen und Erfahrungen eine kleine Hilfe und Gedankenanregung sein :

Schlafen und so gut wie möglich essen, leichte leckere Kost die vertragen wird, aufstehen wann immer es geht und sanfte action, vielleicht mal ein kleiner Spaziergang wenn möglich… so habe ich es gemacht, ich hab meine Chemo quasi verschlafen (Immer so die 2-3 Tage und dann langsam wieder hoch bis zum nächsten Mal)

Wichtig : Essen und trinken, gerade während der Chemo evtl. nicht einfach. Wenn viel Übelkeit vorhanden ist : den Arzt um ein Antiemitikum (glaub ich wird so geschrieben) bitten : ein Mittel, was die Übelkeit abschaltet, da gibt es diverse und die funktionieren prima.
Dabei aber dann : Auf den Stuhlgang achten, es kann zu böser Verstopfung kommen, vorsorglich dann einen „Weichmacher“ verschreiben lassen und einnehmen.

Nicht den Anspruch stellen, viel Kraft haben zu müssen. Das ist sich selbst gegenüber unfair. Da ist eine sehr schwere Krankheit und obendrauf noch eine echt giftige Behandlung. Woher soll da Kraft kommen ? Kraft kommt wieder wenn (was ich euch wünsche!) die Chemo hilft , der Tumor besiegt wird und die Gesundung einsetzt. Leistungsdruck an dieser Stelle ist keine gute Idee.

Nach den ersten 1,2 Tagen des Chemo-Zyklus (die man getrost im Bett verbringen darf wenn man mag) so gut wie möglich hoch ohne sich zu überfordern. Vielleicht sogar ein bisschen trainieren, aber nicht die Kräfte aufbrauchen, die werden noch benötigt.

Psychische und emotionale Unterstützung sind „nicht unwichtig“ : Das Ganze ist schwer auszuhalten und schwer zu verarbeiten. Man lebt mit Todesangst und Extrembelastung und will vielleicht gleichzeitig die liebenden Angehörigen nicht damit belasten.

Last but not least :
Mal mit dem Onkologen sprechen - gibt es die Möglichkeit zur körperlichen Stärkung und Kräftigung während der Behandlung ? Wie kann die aussehen ?

Gibt es eine psychoonkologische Beratung in der Nähe, Unterstützung für die Angehörigen? Vielleicht eine Selbsthilfegruppe ? Klar : dein Mann ist der Kranke aber du leidest mit, machst dir Sorgen. Es ist keine Schande, wenn du auch an dich selber dabei denken musst, auch du wirst Kraft brauchen um deinem Mann zur Seite zu stehen. Tu dir Gutes ohne schlechtes Gewissen !

Es gibt sehr gute Ratgeber : „die blauen Ratgeber“, die ihr von der deutschen Krebshilfe oder über euren Arzt beziehen könnt. Zur Frage der Erkrankung selbst, aber auch als Info und Hilfen für Angehörige. Schau doch mal auf die Internetseite der deutschen Krebshilfe nach, vielleicht findest du dabei etwas Hilfreiches.

Ich wünsche dir, deinem Mann und deiner Familie Glück und Durchhaltevermögen, gute Ärzte und baldige Besserung ! Kopf hoch und sorge gut für dich.

Grüße !

Hallo!

Deine Frage kann ich leider nicht beantworten. Aber kennst du diese Seite http://www.krebs-kompass.org/ ? Dort kann man sich als Betroffener sehr gut austauschen und bekommt Rat.

Alles Gute!

Ilse

Hallo

zu den guten Anmerkungen der Banditin noch einen Zusatz:

Das Verkraften der Chemos hat auch Einiges mit dem Kopf zu tun!

Ihr werdet sicherlich auch aus dem Umkreis diverse Meinungen dazu gehört haben, und ein nicht unbeträchtlicher Teil vertritt die Ansicht, Chemo sei etwas ganz Fieses, pures Gift, und mit Heilsteinen, Entmagnetisirern unter dem Bett und richtigen Tees können man sein Problem auch lösen… Wenn man mit dieser negativen Einstellung die Chemos über sich ergehen lässt, dann sind die vielbeschriebenen negativen Nebenwirkungen nicht weit weg…

Klar ist Chemo Gift - aber es ist im Vorfeld sehr genau auf den behandelnden Körper abgestimmt und auf den Tumor eingestellt.
Da laufen also seitens des Onkologen etliche Voruntersuchungen des Blutes und Knochenmarks.

Wenn es dann soweit ist, dann sollte man die Chemos als positiv ansehen, weil sie helfen!
Der Onkologe legt üblicherweise am Anfang die Anzahl der Zyklen fest, und somit ist die Chose dann abseh- und berechenbar.

Wenn die Sache aussichtslos wäre, würde der Onkologe gar keine Chemos verordnen, und ich habe auf meinem Weg einige Menschen kennengelernt, die darum gebettelt haben, Chemos zu bekommen…

Jeder Gang zur Chemo ist somit ein Schritt auf dem Weg zur Gesundung, und wenn man mit dieser Einstellung hingeht, dann verträgt man es auch besser!
Man freut sich quasi auf den nächsten Termin und den Übernächsten, denn nach der letzten Sitzung gibt es eine große Abschlussunter-suchung, und wenn der Radiologe dann was von „Remission“ murmelt, dann wisst ihr, dass ihr es geschafft habt…
Und da der Onkologe die Chemos angesetzt hat, stehen die Chancen sehr gut, dass es so passieren wird!

Alles Gute
Hummel

Hallo !

Ich möchte noch etwas ergänzen :

Bilder im Kopf und in der Vorstellung können hilfreich sein.
Ich persönlich habe mir vorgestellt, wie die Bestandteile der Chemo die Tumorzellen freundlich, aber bestimmt und mit Nachdruck aus meinem Köroer komplimentieren. Andere Betroffene hatten andere Bilder, oft z.B., wie die Chemo die Tumorzellen quasi kriegerisch vernichten. Das macht jede® wie es ihm entspricht.
Entscheidend ist, das

  1. Der Kopf beschäftigt ist mit etwas Positivem und daher die Aufmerksamkeit und Wahrnehmung nicht so stark auf Elend, Übelkeit und Schwäche liegt.
  2. Die Kraft der „Sich - selbst erfüllenden Proheizeiung“ wahrscheinlich positive Unterstützung leistet - ein bekannter psychologischer Effekt, den der Mensch nun mal hat und nutzen kann.

Herzlichen Gruß !