Lutherdeutsch - heutiges Deutsch

Das Lutherdeutsch hat die Form wie sie im Englischen zu sehen ist:
He will play xxx and xxx and xxx.
Luther würde ebenso schreiben:
Er wird spielen xxx und xxx und xxx

Im heutigen umgangssprachlichen Deutsch sieht’s nicht selten so aus:
Er wird xxx machen und xxx machen ja und xxx machen.
es gibt dann noch
ist, ist, sind, sind, kann, kann, sein, sein… Sätze
Denn die meisten Menschen reden ohne den kommenden Inhalt des Satzes zu überschauen. Beenden einen Satz im selben Moment, in dem ihnen noch etwas einfällt. Dann kommen diese „Wortwiederholungen“ zustande. Im Gedicht hieße das vllt. Epiphora. Wie hieße dieses „Phänomen“ der Wortwiederholungen in der Prosa dann?
Außerdem;
wie kam diese „Satzbauänderung“ in der deutschen Sprache zustande?
Wer entschied das? Das Volk andere Einflüsse?
Obwohl doch angeblich Luthers Deutsch so viel Einfluss auf die deutsche Sprache hatte…
Oder war Luther gar nur ein Einzelner und alle Sprachen anders?
Warum wird das Hilfsverb jetzt am Ende des Satzes geschrieben, ebenso aber auch die trennbaren Verben getrennt?
Luther:
„So leget ab alle Bosheit und allen Betrug und Heuchelei und Neid[…]“
heute:
„So leget alle Bosheit und allen Betrug und Heuchelei und Neid ab […]“

Wer natürlich heute so sprechen würde:
Ich werde spielen Fußball, Tennnis und Volleyball.
Man würde es als komisch empfinden, aber auch eigentlich nur, weil wir es so gewöhnt sind und damit aufwuchsen. Zumindest würde es doch wohl diese Wortwiederholungen so nicht geben. Warum hat man es also nicht behalten/übernommen? Vielleicht gibt es auch Vorteile der Satzklammern „wird…sein“, vielleicht fällt ja jemanden eins ein.

Danke schon mal für alle Antworten!

Hallo!

Das Lutherdeutsch hat die Form wie sie im Englischen zu sehen
ist:
He will play xxx and xxx and xxx.
Luther würde ebenso schreiben:
Er wird spielen xxx und xxx und xxx

Nach meinem Kenntnistand ist das eine altere Syntax, wie sie sich auch in deutschen Varietäten wie dem Jiddischen erhalten hat. Schon zu Luthers Zeiten bestanden mE beide Möglichkeiten. Viele Stilisten (Reiners, Schneider) empfehlen die ältere Syntax empfehlen, da dadurch eines der großen Problem der deutschen Sprache - nämlich die Satzklammer - elegant umschifft wird. Lange Satzklammern machen einen Text schwer verständlich, durch das Ausklammern von Satzgliedern in das Nachfeld (also hinter das Prädikat) können lange Klammern vermieden werden.

wie kam diese „Satzbauänderung“ in der deutschen Sprache
zustande?

Einer Theorie zufolge durch Interlinear-Übersetzungen aus dem Lateinischen, und das schon im Mittelalter. Wo das lateinische mit Partizipien arbeitet, würde man im Deutschen eigentlich einen Nebensatz machen, das Prädikat findet sich häufig am Satzende - bei einer „wörtlichen“ übersetzung werden diese Merkmale ins Deutsche übernommen. So enstand in den Schreibstuben das Kanzleideutsch, das sich dann im Laufe der Jahrhunderte ausgebreitet hat - ganz einfach auch deshalb, weil die Verschriftlichung von den Kanzleien ausging.

Im Prinzip wäre es auch für Luther naheliegend gewesen, den Kanzleistil zu verwenden. Die Bedeutung seiner Texte besteht auch darin, eben das nicht getan zu haben.

Vielleicht
gibt es auch Vorteile der Satzklammern „wird…sein“,
vielleicht fällt ja jemanden eins ein.

Nein, eigentlich nicht. Für die deutsche Sparche mit ihrem geteilten Prädikat taugt diese Syntax eigentlich nicht.

Gruß,
Max

deutsche Satzklammer bis zur Unverständlichkeit?

Vielleicht
gibt es auch Vorteile der Satzklammern „wird…sein“,
vielleicht fällt ja jemanden eins ein.

Nein, eigentlich nicht. Für die deutsche Sparche mit ihrem
geteilten Prädikat taugt diese Syntax eigentlich nicht.

Ich denke, da hast du Recht.

Also ich komme zum Ergebnis, dass die deutsche Sprache die Satzklammer in der extended(verlängerten) Version anbietet.
Dass das Subjekt des Nebensatzes sich bis zum Unverständnis weit von seinem Prädikat entfernen kann. Aber nie sollte!
Es bis auf eine unverständliche Spielerei nichts weiter her gibt.
Wer so schreibt, gehört eh erschossen. Ich habe da manch irres Beispiel gesehen…(http://www.wunderland-deutsch.com/post/Im-Klammergri…)

Ansonsten hat die Kurzversion der Satzklammer die Möglichkeiten eines Aufbaus von Spannungsbogen und einer hinausgeschoschobenen Negation. Was wiederum helfen kann, die Aufmerksamkeit uvm. zu erhöhen. Das wären z.B. Vorteile.

Die Lösung für den längeren Satz mit vielen Subjektbeschreibungen in den Nebensätzen wäre also die lutherische Satzklammer. Die ja eigentlich keine ist, da dass Prädikat zusammenbleibt. Bei trennbaren Verben kein Problem :
Also anstatt so:
„Die Koffer waren gepackt, und er reiste , nachdem er seine Mutter,(zig Beschreibungen folgen), ab.“
lutherisch so:
„Die Koffer waren gepackt, und er reiste ab nachdem er seine Mutter,(zig Beschreibungen folgen).“

Bei Hilfsverben schon vllt. ein Problem, da es sich komisch liest, anhört nicht unbedingt - zumindest in diesem Beispiel:
„Er wird kommen zu dir, zu mir und zu ihm“
jedoch
„Er wird morgen gegangen sein zu Aldi, Lidl, Rewe, Edeka…“
sich schon seltsamer anhört, finde ich jedenfalls :smiley: