Hallo Stucki
Ich habe doch nicht behauptet, dass die katholische Kirche keine (z.T. sehr ausgeprägten) antijudaistischen Strömungen hatte, die auch heute noch unterschwellig immer wieder auftauchen, trotz der Handlungen der Päpste Johannes XXIII und Johannes Paul II. Nur dürfte in einer Erzkatholischen Gegend der Einfluss Luthers eher gering gewesen sein.
Aber ich wollte dies nicht weiter vertiefen, da ich kein Standardwerk über Antijudaismus/Semitismus schreiben wollte und es in der Fragestellung wohl nur marginal von Bedeutung ist.
Im übrigen ist Hitklers rassischer, eliminatorischer Antisemitismus dem Christlichen Glauben im Kern fremd. Egal, ob es sich um Evangelische oder Katholische handelt.
Naturgemäß ist Luther durch seinen Antijudaismus mit ein
Wegbereiter für Antisemitismus in der evangelischen Kirche
gewesen, …
Wie gesagt, er war schon da, Luther hat ihn sicher verstärkt,
das kann man nicht entschuldigen, auch wenn Luther sich wohl
mit Entsetzen von dem, was die Nazis dann viel später taten,
abgewendet hätte.
Nur als Hinweis… Vor Luther gab es keine Evangelischen Kirchen im engeren Sinne… man könnte höchstens die Waldenser und die Utraquisten als Vorläufer ansehen, aber die Verbindungen sind imho nicht sehr ausgeprägt. (Mit dem Thema kann man auch ein paar Regalmeter füllen)
Das Problem liegt darin, dass gerne die gerade Verbindung „Luther - Hitler“ gezogen wird, um damit einen lange vorgezeichneten „Deutschen Sonderweg“ bezüglich Antisemitismus zu belegen. Zuletzt hat das ja Goldhagen mit seinem wirklich miserablen Werk versucht.
Ich halte das für Quatsch, weil es die fundamentalen Unterschiede zwischen dem Christlichen Antijudaismus und dem im Kern Neopaganen Antisemitismus negiert.
Zusammenhänge existieren, aber nicht die Zwangsläufigkeit der Ereignisse.
Gruß
Mike
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Hallo Mike
Ich habe doch nicht behauptet, dass die katholische Kirche keine (z.T. sehr
ausgeprägten) antijudaistischen Strömungen hatte, …
Ich wollte Dir natürlich nichts unterstellen! Nur einfach diskutieren, Meinungen austauschen, schärfen usw.
… die auch heute noch unterschwellig immer wieder
auftauchen, trotz der Handlungen der Päpste Johannes XXIII und
Johannes Paul II.
Ja, sicher, sollte man auch anerkennen. Aber ich habe da eine ziemlich harte Meinung über die christliche Kirche (prot., kath., was immer): Nach Ausschwitz ist nichts anderes mehr möglich!
Das Problem liegt darin, dass gerne die gerade Verbindung
„Luther - Hitler“ gezogen wird, …
Nein, das halte ich auch für unzulässig. Solche Linienzieherei gibt’s ja in vielen Formen: Friedrich d.Gr. - Bismarck - Hitler, Wagner - Hitler u.a. Man vergewaltigt da die „Vorgänger“.
Es bleibt aber, dass viele gegen die Menschlichkeit, wie sie durchaus auch schon in der Bibel beschrieben ist, auf krasseste Weise verstoßen haben und damit eben doch - unbewusst! - zu „Steigbügelhaltern“ wurden.
… um damit einen lange
vorgezeichneten „Deutschen Sonderweg“ bezüglich Antisemitismus
zu belegen. Zuletzt hat das ja Goldhagen mit seinem wirklich
miserablen Werk versucht.
Ja, er ist ja auch von so gut wie allen Historikern, die sich ausführlich mit dem 3. Reich beschäftigt haben, verissen worden.
Etwas o.T.: Was ist eigentlich heute mit Goldhagen? Hat er seinen Lehrstuhl bekommen?
Gruß, Stucki
Hallo Nescio,
ich bin gewiß kein großer Nietzsche-Freund, aber …
Aber ?
… aber ein kleiner 
Kann man da wirklich noch in Kategorien wie Antisemit,
Anti-Antisemit denken?
Nein, ach woher! Heute, nach „Auschwitz“, schon gar nicht.
Sind wir tatsächlich „nach Auschwitz“ oder „in Auschwitz“, im Auschwitz-Zeitalter, wie Agamben dies sieht?
Aber das nur by the way
Da läuft der Diskurs immer in die Irre.
Ich wollte nur […]
einen Lit.-Hinweis geben.
Das ist ja der Sinn des Forums
Viele Grüße
franz
Hallo Mike
Ich habe doch nicht behauptet, dass die katholische Kirche keine (z.T. sehr
ausgeprägten) antijudaistischen Strömungen hatte, …
Ich wollte Dir natürlich nichts unterstellen! Nur einfach
diskutieren, Meinungen austauschen, schärfen usw.
Der Einfluss des Christentums im Allgemeinen und der Christlichen Kirchen im besonderen auf die Entwicklung des Antidingsbums ist interessant, aber sehr komplex…
… die auch heute noch unterschwellig immer wieder
auftauchen, trotz der Handlungen der Päpste Johannes XXIII und
Johannes Paul II.
Ja, sicher, sollte man auch anerkennen. Aber ich habe da eine
ziemlich harte Meinung über die christliche Kirche (prot.,
kath., was immer): Nach Ausschwitz ist nichts anderes mehr
möglich!
Ich habe da so meine Zweifel, ob die „Auschwitz-Zentrierung“ für eine reelle, sachliche Geschichtsbetrachtung des Themenkomplexes Antijudaismus-Antisemitismus ein günstiger Ausgangspunkt ist.
Z.B. hatte die Judenverfolgung unter den Römern ganz andere Motive als die Mittelalterliche Judenverfolgung… und die wiederum andere als die Judenverfolgung der NS-Zeit.
Aber das gehört so schön langsam ins Geschichtsbrett.
Es bleibt aber, dass viele gegen die Menschlichkeit, wie sie
durchaus auch schon in der Bibel beschrieben ist, auf
krasseste Weise verstoßen haben und damit eben doch -
unbewusst! - zu „Steigbügelhaltern“ wurden.
Tja…
Das wirklich gefährliche ist nicht die ausgefeilte, überlegte Bösartigkeit der Einzelnen, sondern die ganz simple, unüberlegte Schlechtigkeit, die durch simples „Unterlassen“ entsteht.
Etwas o.T.: Was ist eigentlich heute mit Goldhagen? Hat er
seinen Lehrstuhl bekommen?
Meines Wissens nicht, seine HP ist inaktiv, sein nächstes Buch über die Kath. Kirche und der Holocaust ist es noch schlimmer ergangen als seinem ersten Buch… es wurde von der Fachwelt einfach ignoriert.
Laut Wikipedia ist er als Freier Schriftsteller tätig.
Gruß
Mike