Luxation

Hallo,

wollte mal wissen was man bei einer „habituellen Luxation des Kiefergelenks beidseitig“ medizinisch machen kann?
Gibt es da eine operative Lösung oder nur so etwas wie eine Schiene, die man lange tragen muß?

Danke

Hallo Parmaschinken,

eine habituelle Luxation des Kiefergelenks beidseitig bedeutet, dass Du in der Lage bist Dein Kiefergelenk auszurenken, ohne äussere Einwirkung, das heißt ohne Gewalt oder Krafteinwirkung von aussen.

Die einzig sinnvolle Therapie ist tatsächlich die Schienentherapie in Verbindung mit qualifizierter Physiotherapie und umfassender Aufklärung über die in Deinem Fall verantwortlichen Umstände.

Eine chirurgische Therapie gibt es zwar theoretisch, wird aber von keinem seriösen Funktionstherapeuten (so nennen sich die Zahnärzte, die sich schwerpunktmässig mit dem Kiefergelenk befassen) aufgrund der völlig unbeherrschbaren Folgen eines chirurgischen Eingriffs am Kiefergelenk empfohlen.

Gruß
Gero

Hallo Gero,

danke schon mal für deine Antwort.
Welche Schiene wäre dann sinnvoller, eine für den Oberkiefer oder eine für den Unterkiefer?
Welche Fachrichtung wäre dann bei der Physiotherapie sinnvoll?
Und was für eine Aufklärung?

Gruß

Gibt es da eine operative Lösung oder nur so etwas wie eine
Schiene, die man lange tragen muß?

Servus,

sei froh, dass Du jetzt lebst! Ich hab’ in den 60gern noch meinem Chirurgiechef an der LMU assistiert, wenn er mit dem Elektrokoagulationsgerät auf der Gelenkbahn ‚Schlaglöcher‘ gekokelt hat, in der Hoffnung, dass die Patienten dann den Mund lieber zu lassen. Diese Hoffnung ging dann auch in Erfüllung :-0

Nein - die ‚blutigen‘ Methoden sind (mit wenigen Ausnahmen) glücklicherweise verlassen worden - wwegen Erfolglosigkeit. Die verschiedenen Schienen verfolgen durchaus rehabilitative Ziele. Sportler tragen ja auch, nach einer Sportverletzung ihre Orthesen nicht für den Rest ihres Lebens.

Dabei ist im letzten Jahrzehnt der physiotherapeutisch/manipulative Ansatz wichtig geworden, auch verschiedene Wege zur Stress-Verarbeitung (als Kausaltherapie!) müssen gegangen werden, weil die Kiefergelenkerkrankungen zum großen Teil nicht mechanistisch gelöst werden können.

‚Pain dysfunction syndrome‘, 'splint’und ‚therapy‘ wären Suchworte, die bei der Websuche wahre Antwortlawinen auslösen.

Vielleicht hilft Dir - wenn Du Dir die Zeit nehmen willst - dieser Link ein bißchen weiter:

http://www.dental.uni-greifswald.de/abteilung/kons/p…

Gruß

Kai Müller

Servus Gero,

ich hab’ meine Antwort geklopft, ohne gesehen zu haben, dass Du schon reagiert hattest. Deswegen kam es zu dieser ‚synergistischen‘ Bearbeitung des Themas.

Gut, dass wir uns so einig sind, oddr?

Gruß

Kai Müller

Hallo Parmaschinken,

(ich muss ja zugeben, dass ich mich schwer tue, jemanden mit einer Lebensmittelbezeichnung anzusprechen, vielleicht verrätst Du uns bei Gelegenheit doch Deinen Vornamen)

Welche Schiene wäre dann sinnvoller, eine für den Oberkiefer oder eine für den Unterkiefer?

Das ist völlig egal, eine Unterkieferschiene wird normalerweise vom Patienten besser toleriert. Man wählt im Regelfall die Art der Schiene nach der Zahl der fehlenden Zähne aus, das heißt die Schiene wird für den Kiefer hergestellt, in dem mehr Zähne fehlen. Alle anderen Gründe für eine Ober- oder Unterkieferschiene sind nur rein dogmatisch.

Welche Fachrichtung wäre dann bei der Physiotherapie sinnvoll?

Osteopathie, craniosacrale Therapie, manuelle Therapie. Sprich mal mit Deinem Physiotherapeuten, ob er/sie sich gut mit diesem Bereich auskennt. Die meisten werden so ehrlich sein und ihre Grenzen auch eingestehen. Niemand kann für alles ein Experte sein.

Und was für eine Aufklärung?

Das ist ein ganz weites Feld und macht in meiner Praxis mindestens die Hälfte der gesamten Behandlung aus.

Es ist leider kaum möglich darauf hier im Einzelnen einzugehen, aber um das Thema mal anzureissen: Die wichtigste Komponente ist die Erklärung möglicher psychosomatischer Ursachen. Die allermeisten Patienten mit Kiefergelenkproblemen stehen unter teilweise erheblichem Stress. Ohne díe dadurch bedingte ständig erhöhte Muskelspannung knirscht man nämlich nicht mit den Zähnen.

Wie gesagt, ein sehr weites Feld, welches ich nur ganz oberflächlich anreissen kann, ohne Dich persönlich zu kennen.

Gruß
Gero

Hallo Kai,

kein Grund sich zu entschuldigen.

Ich bin ja froh, dass wir wieder einmal einer Meinung sind.

Das gilt übrigens auch für Deine anderen Statements in diesem Brett gestern, denen ich mich mit jeweils einem Sternchen bewaffnet voll inhaltlich nur anschliessen kann.

Gruß
Gero