Machen Ebay & Trödelmärkte die Wirtschaft kaputt?

Hallo,

ein Freund von mir, regt sich ständig darüber auf, dass z. B. Ebay die sozio-ökologisch verwantwortliche Marktwirtschaft zerstört. Da ich nun desöfteren bei Ebay kaufe und verkaufe, möchte ich nun unbedingt wissen, ob er Recht behält.

Werden Unternehmen anhand solcher „Verbrauchermärkte“ eigentlich stark benachteiligt?

Für eine Klarstellung bin ich sehr dankbar.

Gruß,
Oliver

ein Freund von mir, regt sich ständig darüber auf, dass z. B.
Ebay die sozio-ökologisch verwantwortliche Marktwirtschaft
zerstört. Da ich nun desöfteren bei Ebay kaufe und verkaufe,
möchte ich nun unbedingt wissen, ob er Recht behält.

Werden Unternehmen anhand solcher „Verbrauchermärkte“
eigentlich stark benachteiligt?

Hallo Oliver,

Trödelmärkte mit dem Verkauf überwiegend gebrauchter Waren von Privat an Privat sind seit Urzeiten ein Wirtschaftszweig, dessen Geldfluß am Fiskus vorbei läuft, dessen Kontrolle aber weder möglich noch lohnend oder auch nur durchsetzbar wäre.

Ebay ist die moderne Form des Trödelmarkts. Über Ebay werden weltweit jährlich Waren im Wert von 12 Mrd $ gehandelt. Für Ebay ist das sehr viel, gemessen am Welthandelsvolumen geht solche Zahl prozentual in den letzten Nachkommastellen und im Rundungsfehler unter.

„Sozio-ökologisch verwantwortliche Marktwirtschaft“ - ein interessant klingendes, hohles Schlagwort. Wenn eine Wirtschaft mit z. B. der Handelsplattform Ebay ein Problem hätte, wäre es ein Webfehler der Marktwirtschaft. Welche Probleme sollten das wohl sein? Wie dargestellt, ist das Ebay-Volumen in Relation zur Gesamtwirtschaft verschwindend. Abgesehen von einigen verbiesterten Bedenkenträgern kann man in Ebay z. Zt. nur einen Farbtupfer mit Spaßfaktor im Handelsgeschehen sehen. Die Betonung liegt dabei auf „zur Zeit“. Man stelle sich vor, das bisherige Handelsvolumen von Ebay steigt. Tut es ganz gewiß. Man stelle sich vor, der Anteil fabrikneuer Waren vom Händler an den Endabnehmer steigt. Tut er auch ganz sicher. Man stelle sich weiter vor, daß der gesamte Internet-Handel national und grenzüberschreitend expandiert. Auch das geschieht und zwar mit enormen Wachstumsraten. Da ist nichts mit sozio-öko-bla-bla… Da entzieht sich schlicht ein erhebliches und steigendes Handelsvolumen der staatlichen Kontrolle, sprich: Steuerausfälle.

Ebenso wie die längst nicht mehr kontrollierbare Verbreitung von Wissen und Informationen, entzieht sich zunehmend ein Teil des weltweiten Handels der Kontrolle. Für die Anbieter ist der Zugriff zum Markt einfacher geworden, ebenso hat der Nachfrager unmittelbaren Zugriff auf weltweite Angebote. Nicht weiterentwickelt hat sich indes die staatliche Bürokratie. Da brüten dann schon mal gleichzeitig 3 Bedienstete des örtlichen Zollamts über einem Paket aus USA, dessen Inhalt und Wert sie absolut nicht beurteilen können und wo es außer Absender, Empfänger und Angabe des Versicherungswertes der Post rein nichts gibt. Keine Rechnung, keinen Satz Zollpapiere, allenfalls noch ein Brief…Dear Wolfgang…

Das Internet ist ein zutiefst freiheitliches Medium - Informationen aller Art, ungefiltert, unzensiert, weltweit für jedermann zugänglich. Kein Wunder, daß in diesem freiheitlichen Medium freiheitliche Handelsformen gedeihen. Nur Bürokraten bereitet das Sorgen. Das aber ist kein Problem von Ebay und allen am Internet Beteiligten, sondern allein ein Problem der Bürokraten. Die arbeiten immer noch wie anno dunnemal (siehe Zollamt) und fordern unter allen erdenklichen Vorwänden eine Kontrolle des Mediums. Den „Blockwarten fürs Internet“ bei solchen Versuchen auf die Finger zu schlagen, sollte das Bestreben sein, statt den Internet-Handel zu problematisieren.

Gruß
Wolfgang

Hallo,

Werden Unternehmen anhand solcher „Verbrauchermärkte“
eigentlich stark benachteiligt?

Keineswegs, denn auch Unternehmen haben die Möglichkeit, bei EBay anzubieten. Es gibt sogar eine „professional“-Abteilung, wo Industriegüter, beispielsweise Produktionsanlagen, gehandelt werden können.

EBay schließt zunächst niemanden aus, jeder darf „mitspielen“. Wo soll also hier der Nachteil sein?

Daher ist die These, Plattformen wie EBay würden der Wirtschaft schaden, ungefähr genauso wahr wie die Behauptung, Flohmärkte oder Hausmessen würden Arbeitsplätze kosten.

Grüße,

Mathias

Hallo Oliver,

warum sollten sie?
Trödelmärkte sowieso nicht, da ihre Größenordnung zu gering ist.
Internet-Versteigerungen sind alleine eine andere Methode der Preisfeststellung. Auch in der Industrie setzen sich diese Methoden langsam durch (in der Automobil- (Zuliefer-) Industrie ist es bereits eine absolute Normalität)

Trotzdem sind die selben Firmen mit den selben Produkten vertreten. Dass natürlich der Markt transparenter wird, ist klar, das führt natürlich zu tendenziell niedrigeren Preisen und zu einer Reduzierung von Anbietern, aber das ist der Lauf der Welt im Moment und sicher nicht wirtschaftsvernichtend, sondern Teil der Wirtschaft.
Nichts desto trotz ist immer noch bei höherwertigen Produkten der Preis nicht alles…

Grüße
Jürgen

teilweise - zum Glück!
Hi Oliver,

grundsätzlich muß man bei Ebay unterscheiden. Einerseits machen die sicher ein Geschäft mit Gebrauchtwaren. Die richtige Knete geht aber doch sicher mit den Neuwaren über den Laden. Wenn man sieht, wieviele Bewertungen die professionellen Anbieter haben… Erst kürzlich habe ich eine Kaffeemaschine für 800 Euro dort gekauft (100 Euro billiger als im Laden). Da kommt mehr Provision zusammen als bei den paar Pfennigen für gebrauchte Schuhe! Bevor ich etwas kaufe, schaue ich jetzt meistens erst mal zu Ebay.

ein Freund von mir, regt sich ständig darüber auf, dass z. B.
Ebay die sozio-ökologisch verwantwortliche Marktwirtschaft
zerstört.

Tja - wenn die sozio-ökologisch verantwortliche Marktwirtschaft darin besteht, kleine und unrentable Betriebe / Händler zu erhalten, dann spielt auch Ebay dabei eine Rolle. (Aber was genau meint Dein Freund damit?) Und dazu natürlich auch Amazon, Opodo, AutoScout24, Cosmos Direkt, Consors und alle anderen Internetanbieter. Die Frage ist aber, ob das nicht gut ist. Wer braucht noch 100 Apotheken, 3 Buchläden und 30 Reisebüros in einem Kaff wie Bayreuth? Wer Service will, soll dafür wie früher bezahlen, wer ihn nicht braucht, soll den Preisvorteil weitergegeben bekommen. Das unterstütze ich. Aufpassen muß der Servicebetrieb, daß die Beratung nicht dort geholt und das Produkt woanders gekauft wird. Aber das ist seine Aufgabe, sich da etwas auszudenken.

Pauschal zu sagen, daß es auf die paar Euro nicht ankommt, die bei Ebay umgesetzt werden, halte ich für falsch. Ich glaube zwar nicht an den Internethandel (insbesondere bei hohen Versandkosten), aber man darf nie eine evtl. zukünftige Entwicklung vernachlässigen. Das hat die Musikindustrie bei mp3 auch gedacht…

Die Trödelmarkt-Abteilung von Ebay geht natürlich in eine andere Richtung. Klar, früher wurden zb. Autozubehör oder gebrauchte Bücher und Klamotten neu gekauft, weil es zu umständlich war, die gebrauchten Teile zu finden. Heute wird das immer einfacher (auch wenn es früher schon Schrottplätze und second-hand-shops gab). Und klar, daß dann eben der Neuwarenindustrie der entsprechende Konsum fehlt. Allerdings denke ich, daß die wenigsten Menschen im großen Stil alte Klamotten, Schuhe, Bücher, CDs etc. haben wollen. Das ist doch eher ein Zeitvertreib. Der Luxus des Neukaufens läßt sich wohl kaum ausrotten. Und letztlich bleibt das Geld ja im System, noch dazu meistens im Inland - der Verkäufer der alten Ware kann sich dann von dem Verkaufserlös etwas Neues leisten.

Kurz - die Trödelabteilung von Ebay halte ich für wenig tragisch, die Neuproduktabteilung dagegen für extrem positiv, wenn ich ihr auch keine große Zukunft voraussage. Was kann Internet, was ein ordentlich nach modernen Grundsätzen geführtes Geschäft nicht könnte? Und umgekehrt, was kann dagegen ein Geschäft?

ciao,
erik