Macht Reichtum geizig?

Hallo

Ich habe beobachtet, dass manche Leute, die sehr gut verdienen, viel davon sprechen, wie sie Geld sparen können (Sonderangebote, Rabatte, Steuern) usw. und dass sie teilweise Scheißjobs tun, die ihnen keinen Spaß machen, nur um viel zu verdienen. Wenn man erstmal angefangen hat, gut zu verdienen, dann will man noch viel mehr, so scheint es. Die, die wenig verdienen (für ein anständiges Leben ausreichend), haben diese Ambition eher nicht.
Dieser Mechanismus (in einem aktuellen Buch als Dagobert-Dilemma bezeichnet) ist auch schon aus Märchen und sonstiger Folklore und eben von Dagobert Duck bekannt. Dann scheint da wohl etwas Wahres dran zu sein.
Was mich jetzt interessiert:
Glaubt ihr auch an diesen Zusammenhang?
Wurde er schon einmal wissenschaftlich nachgewiesen?
Wenn es ihn gibt: Was sind die psychologischen Mechanismen dahinter? Warum sind Menschen so?

Ich habe von einer Untersuchung gelesen, die folgendes feststellte:
Menschen werden egoistisch, sobald sie an Geld denken.
Zwei Gruppen sollten frei assoziierte Sätze aufschreiben, die eine ohne Vorgabe, die andere mit der Bedingung, dass die Sätze irgendwie mit Geld zu tun haben. Danach kam jemand und bat um eine Spende. Die Gruppe mit den Geld-Sätzen spendete signifikant weniger.

Gruß, Tychi

Hi Tychi,

das ist, glaube ich, viel einfacher: Nur der, der etwas hat, kann Angst haben, etwas zu verlieren. Abgesehen davon: Wer nicht zufrieden sein kann, der wird nie genug haben.

Ich habe in meinem Leben zeitweise ordentlich Geld verdient, meistens mehr, als ich gebraucht habe. Von dem, was übrig war, ist so manches an ein Kinderhilfswerk (TdH) geflossen. Das macht jedenfalls mehr Spaß als sich zu verkopfen, wie man an der Steuer vorbeikommt.

Gruß Ralf

Hi Tychi,
(so schnell trifft man sich wieder :smile:)

Ich habe exakt die gleiche Beobachtung/ Erfahrung gemacht. Die Menschen mit viel Geld sind geizig, die armen Menschen großzügig.
Ich könnte mir vorstellen, dass das damit zu tun hat,
dass arme Menschen zum einen nachvollziehen können, was es heißt, kein Geld zu haben oder in Not zu sein. Häufig sind sie selbst auf andere angewiesen, oder zumindest bekommt man als „armer Mensch“ häufig mal ne Einladung oder oder… Ich denke, die meisten Menschen geben das dann auch gerne zurück.
Ein weiterer Punkt ist wohl die Lebensphilosophie, die damit in Zusammenhang steht. Die meisten ärmeren Menschen haben andere Werte als die von Macht und Reichtum. Häufig sind es zwischenmenschliche Werte, die diesen Menschen wichtig sind. Beispiele: ich selbst :smile:, Irland vor 20 Jahren und Irland heute, die ehemalige DDR, südamerikanische Länder, Kuba etc etc - überall dort, wo es nicht viel Reichtum gibt/ gab, oder wo er nicht wichtig ist, gehen die Menschen zwischenmenschlich ganz anders miteinander um. Mit dieser Lebenseinstellung geht dann einher, dass der Mensch gerne gibt (da nicht das Geld sondern der Mensch bzw. das Zwischenmenschliche das Wichtigste im Leben ist).
Soviel zu der ärmeren Bevölkerung.
Was die Reichen betrifft, so kenne ich nur einen reichen Menschen, meine Millionärs-Großtante (die mich enterbt hat), von der aus ich meine Theorie aufbaue.
Bei ihr zählt nicht, wie es einem geht, ob man glücklich ist, ob man Freunde hat, nein, es ist nur wichtig, ob und was man arbeitet und ob und was die Freunde arbeiten. Sie ist nicht nur geizig, sondern auch noch gierig.
Ihr Weltbild ist, dass jeder viel arbeiten sollte, um viel Geld zu verdienen. Das ist (ihr) das Wichtigste auf der Welt. Und wem Geld so wichtig ist, der gibt doch nichts her!- ist doch klar, oder?
Grüße, jeanne

Hallo

Ich habe beobachtet, dass manche Leute, die sehr gut
verdienen, viel davon sprechen, wie sie Geld sparen können
(Sonderangebote, Rabatte, Steuern) usw. und dass sie teilweise
Scheißjobs tun, die ihnen keinen Spaß machen, nur um viel zu
verdienen.

Hi, ich habe die Erfahrung gemacht, dass Leute, die ziemlich wenig Ged haben, dankbar davon sprechen: »Die größten Wohltäter der Menschheit sind nicht Jesus oder Mohammed sondern die Gebrüder Aldi.« Notiert auf dem Aldi-Parkplatz in Hessisch Oldendorf aus dem Munde eines augenscheinlich nicht sehr wohlhabenden Rentners.

Wenn man erstmal angefangen hat, gut zu verdienen,
dann will man noch viel mehr, so scheint es.

Das halte ich für einen durchaus sinnvollen Ansatz.

Die, die wenig verdienen (für ein anständiges Leben ausreichend), haben diese
Ambition eher nicht.

Der Wunsch wird schon da sein, denke ich, aber vielleicht gibt es auch so eine Art von realistischer Einschätzung der eigenen Möglichkeiten?

Dieser Mechanismus (in einem aktuellen Buch als
Dagobert-Dilemma bezeichnet) ist auch schon aus Märchen und
sonstiger Folklore und eben von Dagobert Duck bekannt. Dann
scheint da wohl etwas Wahres dran zu sein.
Was mich jetzt interessiert:
Glaubt ihr auch an diesen Zusammenhang?

Ich glaube nicht. Auch Leute ich und du streben nach mehr Geld. Jedenfalls ich.

Wurde er schon einmal wissenschaftlich nachgewiesen?
Wenn es ihn gibt: Was sind die psychologischen Mechanismen
dahinter? Warum sind Menschen so?

Ich denke, das ist ziemlich einfach: Geld eröffnet Möglichkeiten, die man ohne Geld einfach nicht hat.

Ich habe von einer Untersuchung gelesen, die folgendes
feststellte:
Menschen werden egoistisch, sobald sie an Geld denken.
Zwei Gruppen sollten frei assoziierte Sätze aufschreiben, die
eine ohne Vorgabe, die andere mit der Bedingung, dass die
Sätze irgendwie mit Geld zu tun haben. Danach kam jemand und
bat um eine Spende. Die Gruppe mit den Geld-Sätzen spendete
signifikant weniger.

Wieso wundert dich das? Wer ans Geld denkt, hat in erster Linie sein eigenen Volumen vor Augen. Wenn man durch Befragung zuvor auf das Thema Geld fokussiert wird, wird man sicher weniger freigiebiger sein als wenn man durch die Befragung zuvor auf hungernde Kinder im Sudan sensibilisiert wurde.

Gruß, Helmut

Hallo,

vielleicht hat es auch damit zu tun, wie man Zufriedenheit definiert?

Wobei „viel“ ja auch relativ ist. Wo „sehr viel“ ist, da stehen die Bittsteller sicher auch Schlange.

Im vorletzten Jahr war ich mit einem gemeinnützigen Jugendprojekt auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin. Gegenüber verkauften zwei Obdachlose eine Zeitschrift der Treberhilfe. Einer der Beiden unterhielt sich eine ganze Zeit lang mit unseren Mädels, fand, dass sei eine wirklich gute Sache und spendete etwas. Er überredete dann noch seinen Kollegen, doch auch etwas zu spenden.

Ich hatte wirklich einen Kloß im Hals, als ich diese Szene beobachtete.

Aber ich glaube, Tychi, Dir ging es weniger um die Spendenfreudigkeit als eher um die Einstellung zum Geld. Je mehr, desto mehr „Raffzahn“? Beobachtet habe ich das auch, verallgemeinern möchte ich das aber nicht.
Es gibt auch solche, die Spass daran haben, das Geld auszugeben.

Im übrigen fange ich gerade an, die zweite Millionen anzusparen … weil ich die erste nicht voll bekommen habe :wink:

Liebe Grüße
usch

oje drambeldier,

das passiert mir jetzt schon zum zweiten Mal, dass ich mich eigentlich ganz hinten einreihen wollte und meine Antwort an Dich richte.

Ich hoffe, Du kannst mir das verzeihen? Ich gelobe Besserung :wink:

Liebe Grüße
usch

Hallo Tychi,

meine Beobachtung ist, daß Charaktereigenschaften durch Geld verstärkt werden.

Geizhälse werden noch geiziger, Großzügige großzügiger.

Ich kenne einen wirklich reichen Menschen, den ich noch nie über Geldsorgen habe lamentieren hören, der aber jährlich eine nicht unerhebliche Summe Geldes stiftet, um Ausbildungseinrichtungen zu unterstützen.

Bei Studienkollegen hab ich nach Antritt der ersten Stelle ähnliches erlebt.
So richtig reich waren wir dann zwar nicht, aber die Charakterverstärkung habe ich ähnlich erlebt.

Gandalf

Hallo Tychi,

Deine Annahmen über reich = (oft) geizig dürften zutreffen. Das erkläre ich mir so:

  • Es gibt Menschen, die aufgrund ihrer Mentalität einfach dazu neigen, Geld anzuhäufen und zusammenzuhalten. Die Psychoanalyse hat dazu eine Theorie, nach der diese Menschen eine bestimmte Kindheitsphase nicht wirklich gut bewältigt haben und daher ein wenig darin steckengeblieben sind. Das ist die sog. anale Phase, ich glaube, so um das 2. Lj, es geht dabei um die Beherrschung des Stuhlganges, damit zusammenhängend auch um Macht. Es läuft auf eine symbolische Entsprechung Geld (beim Erwachsenen) = Scheiße (beim Kleinkind) hinaus. Es heißt auch, diese Menschen würden ansonsten durch einen Hang zur Zwanghaftigkeit auffallen. Nun ist dieses psychoanalytische Denken nicht Jedermanns Sache, und inwieweit obige Theorie durch Studien gestützt ist, weiß ich nicht. Mir erscheint es jedoch plausibel.

  • Weißt Du von den Menschen, die Du kennst und wo Du solche Zusammenhänge zwischen Reichtum und Geiz beobachtet hast, ob sie früher einmal durch längere Zeit wirklichen Mangel an Geld hatten? Ich könnte mir vorstellen, daß diese dann später, wenn sie die Möglichkeit haben, an Geld zu kommen, besonders gierig werden, sozusagen kompensatorisch.

  • Dazu paßt vielleicht auch, daß es in manchen Berufen extreme Einkommensunterschiede zwischen Berufsanfängern und einigen Arrivierten gibt (z. B. Ärzte, Juristen).

  • Es gibt vielleicht noch einen mehr trivialen Grund: Erben oder Gewinnen ist nicht so häufig, wer zu Geld kommen will, muß sich normalerweise darum bemühen, wer es vermehren will, muß sich auskennen und sich damit beschäftigen. Diese Beschäftigung wird zwangsläufig zu einem Teil des Lebens. Vielleicht prägt das mit der Zeit den Menschen, er nimmt wahr, daß sein Geld mehr wird, das wird zu einem wichtigen Erfolg, er kennt sich dabei aus, wo er sparen kann, warum sollte er dann etwas spenden, etwas verschenken? Vielleicht erzeugt Geld in diesem Fall eine besondere Distanz zu anderen Menschen.

Grüße,

I.

Hallo Tychi,

ich denke, dass es Idomeneo gut getroffen hat. Man hört immer wieder von Lottomillionären, die mit ihrem Geld recht großzügig umgehen und bald wieder arm sind.
Um auf konventionelle Weise sehr reich zu werden und es auch zu bleiben, sind bestimmte Chraraktereigenschaften und Verhaltensmuster von Vorteil. Zweier dieser Charaktereigenschaft sind Geiz und Gier.
Selbst mit normalen Einkommen lässt sich bei sparsamer Lebensführung innerhalb einiger Jahrzehnte ein kleines Vermögen aufbauen.

Nicht jeder, der reich ist, ist auch geizig, aber reiche Menschen sind aus obigen Gründen überproportional geizig und es fällt auch stärker auf.

Gruß
Carlos

Moin, usch,

so bleibst Du wenigstens in Erinnerung :smile:))

Gruß Ralf

ist der papst pole!
.

Hallo, Tychi,
‚nicht zwangsläufig‘ möchte ich Deine Frage beantworten.

Aber, um ein Vermögen zusammen zu bekommen braucht es eine gewisse Geisteshaltung, bestimmte Verhaltensweisen, zu denen unter anderem auch gehört, dass man mit Geld sehr bewusst und sparsam umgeht. Wie wir alle wissen verfestigen sich Verhaltensweisen, je länger sie praktiziert werden. So wird ein Mensch, der sein Leben lang geknausert hat und jeden Pfennig dreimal umgedreht hat, nicht plötzlich seine Gewohnheiten ablegen, auch wenn er über mehr Geld verfügt, als er während seiner restlichen Lebenszeit ausgeben kann.

Andererseits wird jemand, der bisher „von der Hand in den Mund“ lebte, nicht von heute auf morgen sparsam wirtschaften können, bloss weil ihm ein Vermögen zugefallen ist. Beispiele, vom Lottomillionär bis zum reichen Erben, gibt es genug.

Ein altes Sprichwort sagt über Vermögen: „Der erste erwirbts, der zweite erhälts, der dritte verdirbts“. Eine Weisheit, die man oft genug beobachten kann.

Gruß
Eckard

Hi Tychi,

an den von Dir genannten Zusammenhang glaube ich nur bedingt. Es mag Menschen geben, die so handeln. Es gibt aber auch eine große Zahl von Menschen die ihr Geld mit „guter“ Arbeit verdient haben und es auch gerne ausgeben.

In meinem kleinen Reisebüro habe ich einige Kunden die im Jahr zwischen € 50.000,-- und € 100.000,-- ausgeben. Sie haben eine versorgte Familie und genug, um es in aller Ruhe aufbrauchen zu können. Die gleichen Leute engagieren sich extrem in verschiedenen sozialen Projekten und meine reichste Kundin steht regelmäßig auf dem Flohmarkt und verkauft Reisesouveniers um das Geld (um ein mehrfaches aus dem Geldbeutel aufgestockt) an ein Kinderhilfswerk zu spenden.

Ich persönlich gehöre zu den gut verdienenden, viel arbeitenden Menschen die man so als unteren Mittelstand einstufen dürfte. Ich lebe gern, gebe gern Geld aus. Allderings habe ich mich mit einem großen Kredit verschuldet den ich abzahlen muss. Und wenn er abbezahlt ist, werde ich deswegen die Raten nicht verschleudern sondern an meine Altersvorsoge denken. Das ist rationell und in meinen Augen auch sinnvoll, hat aber nichts mit Dagobert oder Geiz zu tun.

Allerdings denke ich, dass die Kriegsgeneration (z.B. meine Eltern) aus ihrer Erfahrung und Geschichte heraus, immer noch einen starken „Sparinstinkt“ hat. Meine Eltern würden NIE in ein richtiges Feinschmeckerlokal gehen und ihr Auto ist 12 Jahre alt, obwohl sie sich locker ein neues leisten könnten. Das hat aber schlichtweg etwas mit ihrer Lebenserfahrung zu tun.

Unterm Strich denke ich, dass die „reichen, geizigen“ Menschen halt besonders auffallen, genauso wie diejenigen, die ihre Kohle zum Fenster rauswerfen. Beiden ist der Deutschen Neid sicher :smile:

Bye
Rolf

nein owT

Yep. Geiz macht i.A. reich. owT
owt

Hi Tychi,

Du gehst bei „Reichtum“ automatisch von einem finanziellen / materiellen Reichtum aus. Ist es denn nicht auch Reichtum gesund an Körper, Geist und Seele zu sein oder z.B. seine Lebenszeit so verleben zu können wie man es gerne möchte?

„Arm ist nicht der, der wenig hat, sondern der, der nie genug bekommen kann.“ Arabische Sprichwort

Hallo

Ich habe beobachtet, dass manche Leute, die sehr gut
verdienen, viel davon sprechen, wie sie Geld sparen können
(Sonderangebote, Rabatte, Steuern) usw. und dass sie teilweise
Scheißjobs tun, die ihnen keinen Spaß machen, nur um viel zu
verdienen. Wenn man erstmal angefangen hat, gut zu verdienen,
dann will man noch viel mehr, so scheint es. Die, die wenig
verdienen (für ein anständiges Leben ausreichend), haben diese
Ambition eher nicht.

Interessant wäre zu wissen wie deren „anale Phase“ war. Kann ja auch sein, dass manche Generationen vermehrt ein Thema haben, z.B. weil sie in einer Zeit aufwuchsen in der eine übertriebene Sauberkeitserziehung als richtig vermittelt wurde.

Zwar fällt mir auf, dass wer hat, mehr informiert wird oder sich auch mehr selbst informiert wie er das was er an (finanziellen) Reichtum hat halten bzw. auch noch vermehren kann. Das sehe ich jedoch nicht als reich macht geizig an.

Ich denke das ist etwas das wir in vielen Bereichen unseres Lebens finden können. Nehmen wir mal Freizeitbeschäftigungen, die gar keinen finanziellen Wert haben müssen. Menschen suchen das was sie mögen oder gar lieben auch zu be-wahren und teils nach Möglichkeit auch zu vermehren. Das kann die Sammlung alter Tassen sein, ein Reitpferd, die Kinder…

Da gibt es dann legale und illegale Wege z.B. Geld zu halten und zu mehren. Je mehr an z.B. Hab und Gut vorhanden ist, desto mehr können auch die Betrugsmöglichkeiten anwachsen. Wer etwas hat, kann auch clever bis hinterlistig versuchen seine Habe zu halten.

Manche Menschen können mit ihrem Geld nicht umgehen und verlieren (wieder) alles. Andere Menschen widerum legen es selbst gut an oder haben entsprechende Berater, die für sie es gut anlegen. Menschen können verschwendungssüchtig, geizig und angemessen zugleich mit ihrem Hab und Gut umgehen. Manche Menschen sind zu sich selbst sehr großzügig und anderen gegenüber sehr geizig. Manche Menschen schmeißen beispielsweise eine Fete im fünfstelligen Bereich und geben dann dem Catering ein Trinkgeld von 5,00 EUR. :smile:)

Es kommt drauf an was Geld für den einzelnen Menschen bedeutet und wie er damit umgeht, denke ich. Für manche Menschen mag Geld eine Ersatzbefriedigung darstellen und sie suchen damit eigenes, fehlendes Selbstwertgefühl zu kompensieren. Einher gehen mögen damit auch mehr oder minder diffuse Ängste das Geld (wieder) zu verlieren, weil man befürchtet es nicht zu verdienen etwas zu verdienen bzw. zu haben. Da kann die Angst vor Verarmung Menschen geizig werden lassen.

Doch selbst wer diverse Statussymbole hat und finanziell reich ist, doch gar keine oder kaum Zeit hat um von seinem finanziellen Reichtum einen Nutzen zu haben. wie reich kann so ein Mensch schon sein? Ich möchte das gerne ganzheitlicher sehen. Z.B. (finanzieller / materieller) Reichtum ist erst dann wirklich was wert, wenn ein Mensch das Leben das er lebt zumeist auch gerne und mit Zufriedenheit erfüllt lebt. Reichtum (ganz allgemein) ist umso wertvoller, in je mehr Lebensbereichen eines Menschen er vorhanden ist und wirkt.

Dieser Mechanismus (in einem aktuellen Buch als
Dagobert-Dilemma bezeichnet) ist auch schon aus Märchen und
sonstiger Folklore und eben von Dagobert Duck bekannt. Dann
scheint da wohl etwas Wahres dran zu sein.
Was mich jetzt interessiert:
Glaubt ihr auch an diesen Zusammenhang?
Wurde er schon einmal wissenschaftlich nachgewiesen?
Wenn es ihn gibt: Was sind die psychologischen Mechanismen
dahinter? Warum sind Menschen so?

Ich denke, es hängt auch mit der Zeit zusammen in der wir leben. Geld begleitet uns in unserer Gesellschaft von der Wiege bis zur Bahre. Nix ist kostenlos. Parallel dazu haben wir einen ziemlichen Werteverlust und Wertewandel. Die Zeit ist schnelllebig und Menschen müssen flexibler werden. Z.B. dass Menschen künftig mehrere Ausbildungen und vermehrt Fortbildungen machen müssen, um am Arbeitsmarkt eine Chance zu haben, das ängstigt viele Menschen. Überdies krankt unsere Gesellschaft. Manche Menschen mögen aus Angst und Unsicherheit heraus, aus einer inneren Leere heraus, an äußeren Dingen zu orientieren bzw. festzuhalten, z.B. Schönheitsoperationen oder das Streben nach Geld, Macht und Einfluß.

Interessant wäre mal z.B. Menschen die so gerne berühmt werden wollen zu fragen, weswegen sie das wollen? Was fehlt hier an Liebe, Anerkennung…?

Ich habe von einer Untersuchung gelesen, die folgendes
feststellte:
Menschen werden egoistisch, sobald sie an Geld denken.
Zwei Gruppen sollten frei assoziierte Sätze aufschreiben, die
eine ohne Vorgabe, die andere mit der Bedingung, dass die
Sätze irgendwie mit Geld zu tun haben. Danach kam jemand und
bat um eine Spende. Die Gruppe mit den Geld-Sätzen spendete
signifikant weniger.

Wäre interessant zu wissen, wie die finanzielle Situation dieser Versuchsgruppen ausgesehen hat. War sie gleich oder war die eine Gruppe auch in der Tat betuchter? Eine mögliche Erklärung könnte sein, dass wenn Menschen die sich ihr Geld hart erarbeiten müssen, sich in Momenten in denen sie sich dies vor Augen führen, z.B. weil sie Sätze mit Geld formulieren müssen, auch weniger geben können / wollen.

Um nun auf Deine Frage nochmal zu kommen: nein, Reichtum macht nicht zwingend geizig. Bzw. ein Reichtum ist auch (sich) schenken zu können.

Mit was geht ein Mensch sparsam bzw. geizig um und weshalb? Was steckt dahinter? Der schlimmste Geiz ist mit sich selbst zu geizen. :smile:

Gruß, Tychi

Ciao,
Romana

Hallo Tychi,

ich zweifele etwas an der Verallgemeinerung. Und zwar alleine aus dem Grund heraus, dass Du mehrere Dinge definieren müsstest.

a) Was heißt sehr gut verdienend? Absolut zur allgemeinen Gesellschaft oder relativ zum eigenen Freundeskreis? Mancher Millionär sieht ziemlich arm aus, wenn er sich mit Milliardären versucht zu umgeben. D.h. wenn ich versuche, einen höheren Status vorzugaukeln als ich habe, dann muss ich zwangsläufig bei allem nicht statusgebendem sparen:wink:

b) Was ist „Geiz“?
Es gibt Vermögende, die sparen an allem.
Es gibt Vermögende, die sparen an allem, was ihnen nicht selbst direkt nutzt.
Es gibt Vermögende, die sparen an allem, was ihnen direkt nutzt, sind aber sozial sehr freigiebig.
Es gibt Vermögenden, die geben das Geld mit vollen Händen in jede Richtung aus.
Ist es Geiz, sein Geld permanent anderen zum arbeiten zu geben und zu riskieren (sprich investieren)?

Vielleicht noch eine Abschweifung zu mir: Ich verdiene seit Jahren überdurchschnittlich. Weiterhin werde ich - vorausgesetzt meine Eltern machen nicht noch irgendeinen Blödsinn - zur Erbengeneration gehören, d.h. im Prinzip könnte ich vermutlich aufhören zu arbeiten oder zumindest einen Job annehmen, der deutlich weniger beanspruchend ist als meiner. Ebenso könnte ich deutlich mehr Geld ausgeben als bisher.
Mache ich aber nicht, da ich gerne - so sehr ich über meinen Job heule - in meinem Job gefordert werde, was allerdings in der Regel auch einem überdurchschnittlichen Gehalt entspricht. Und von der Einstellung her empfinde ich physischen Besitz als Last und lehne jede Außendarstellung von Vermögensstatus entschieden ab (und fahre z.B. mit einem 9 Jahre alten Corsa rum, mehr brauche ich aber nicht).

Tja, und so freut sich mein Banker bzw. die Spendenempfänger:wink:
Bin ich geizig? Für viele auf den ersten Blick wahrscheinlich schon. Auf den zweiten wäre vermutlich so mancher verwundert, für was ich bereit bin Geld auszugeben, auch wenn es auf den ersten Blick nicht sichtbar wird.

Grüße
Jürgen

Danke euch allen, die ihr mir zu einer differenzierteren Sichtweise verholfen habt. Das soll jetzt kein Schlusspunkt sein. Weitere Antworten sind willkommen.
Mir ist noch dieser Aspekt eingefallen: Ich gebe für manche Dinge gerne Geld aus und für andere höchst ungern und zwar unabhängig davon wie teuer die Dinge sind oder wie viel Geld ich habe. Z.B. reise ich furchtbar gern und bezahle dafür jährlich einen beträchtlichen Teil meines „Vermögens“. Das tut mir gar nicht weh. Aber bei Fahrscheinen für öffentliche Verkehrsmittel, die dann noch nicht mal kontrolliert werden, nervt mich jeder Euro, den ich dafür ausgebe. Reparaturen sind auch eine der schmerzhaftesten Ausgaben, die ich mir denken kann, denn am Ende hat man nur weniger Geld und sonst hat sich gar nichts geändert (verglichen mit dem Zeitpunkt als das Gerät noch funktionierte). Auch Kleidung mag ich nicht gerne kaufen.
Ich könnte verallgemeinernd sagen, dass ich dort gerne bezahle, wo die Ausgabe mein Leben bereichert, d.h. für Erlebnisse bezahle ich gerne. Für materiellen Besitz bezahle ich nicht gerne (Bücher und ab und zu ein technisches Gerät ausgenommen). Es wäre mir auch ein Graus, ein Auto zu besitzen, weil das für mich nichts weiter als ein teurer Gebrauchsgegenstand ist.

So ist es vielleicht bei den meisten Menschen: Unabhängig davon, wie viel sie besitzen, geben sie für manches gern und für anderes ungern Geld aus. Wenn nun einer viel Geld besitzt und man sieht ihn bei Aldi einkaufen, dann denkt man vielleicht vorschnell, dies müsse ein reicher Geizhals sein. in Wahrheit findet er es aber einfach nur bescheuert für Lebensmittel viel zu bezahlen und vielleicht schmeißt er für andere Sachen das Geld zum Fenster raus.
Es ist letztlich nur Geschmackssache.

Bei manchen ist es auch einfach Gewohnheit: Sie haben als Student wenig Geld gehabt, mussten vielleicht sogar jobben, und haben sich daran gewöhnt, billig zu wohnen und billig zu essen. Nach dem Studium finden sie einen gut bezahlten Job, der ihnen vielleicht 3500-4000 netto pro Monat einbringt. Aber sie brauchen das Geld dann gar nicht und leben billig wie vorher. Das hat mit Geiz nichts zu tun. Sie legen das Geld gewinnbringend an, denn man kann ja nie wissen.

Gruß, Tychi

Hi!

Was haltest du davon die Frage umzuformulieren? Macht Geiz reich?

Ich denke da an Reiche, die ihr Geld mühsam erarbeitet haben, wären sie so reich geworden wenn sie nicht schon immer sparsam gewirtschaftet hätten?

Grüße
Dusan

Hallo Dusan

Was haltest du davon die Frage umzuformulieren? Macht Geiz
reich?

Ich denke da an Reiche, die ihr Geld mühsam erarbeitet haben,
wären sie so reich geworden wenn sie nicht schon immer sparsam
gewirtschaftet hätten?

Klar. Das stimmt natürlich auch. Ursache und Wirkung können hier auch die Rollen tauschen.

Gruß, Tychi