Hi Tychi,
Du gehst bei „Reichtum“ automatisch von einem finanziellen / materiellen Reichtum aus. Ist es denn nicht auch Reichtum gesund an Körper, Geist und Seele zu sein oder z.B. seine Lebenszeit so verleben zu können wie man es gerne möchte?
„Arm ist nicht der, der wenig hat, sondern der, der nie genug bekommen kann.“ Arabische Sprichwort
Hallo
Ich habe beobachtet, dass manche Leute, die sehr gut
verdienen, viel davon sprechen, wie sie Geld sparen können
(Sonderangebote, Rabatte, Steuern) usw. und dass sie teilweise
Scheißjobs tun, die ihnen keinen Spaß machen, nur um viel zu
verdienen. Wenn man erstmal angefangen hat, gut zu verdienen,
dann will man noch viel mehr, so scheint es. Die, die wenig
verdienen (für ein anständiges Leben ausreichend), haben diese
Ambition eher nicht.
Interessant wäre zu wissen wie deren „anale Phase“ war. Kann ja auch sein, dass manche Generationen vermehrt ein Thema haben, z.B. weil sie in einer Zeit aufwuchsen in der eine übertriebene Sauberkeitserziehung als richtig vermittelt wurde.
Zwar fällt mir auf, dass wer hat, mehr informiert wird oder sich auch mehr selbst informiert wie er das was er an (finanziellen) Reichtum hat halten bzw. auch noch vermehren kann. Das sehe ich jedoch nicht als reich macht geizig an.
Ich denke das ist etwas das wir in vielen Bereichen unseres Lebens finden können. Nehmen wir mal Freizeitbeschäftigungen, die gar keinen finanziellen Wert haben müssen. Menschen suchen das was sie mögen oder gar lieben auch zu be-wahren und teils nach Möglichkeit auch zu vermehren. Das kann die Sammlung alter Tassen sein, ein Reitpferd, die Kinder…
Da gibt es dann legale und illegale Wege z.B. Geld zu halten und zu mehren. Je mehr an z.B. Hab und Gut vorhanden ist, desto mehr können auch die Betrugsmöglichkeiten anwachsen. Wer etwas hat, kann auch clever bis hinterlistig versuchen seine Habe zu halten.
Manche Menschen können mit ihrem Geld nicht umgehen und verlieren (wieder) alles. Andere Menschen widerum legen es selbst gut an oder haben entsprechende Berater, die für sie es gut anlegen. Menschen können verschwendungssüchtig, geizig und angemessen zugleich mit ihrem Hab und Gut umgehen. Manche Menschen sind zu sich selbst sehr großzügig und anderen gegenüber sehr geizig. Manche Menschen schmeißen beispielsweise eine Fete im fünfstelligen Bereich und geben dann dem Catering ein Trinkgeld von 5,00 EUR.
)
Es kommt drauf an was Geld für den einzelnen Menschen bedeutet und wie er damit umgeht, denke ich. Für manche Menschen mag Geld eine Ersatzbefriedigung darstellen und sie suchen damit eigenes, fehlendes Selbstwertgefühl zu kompensieren. Einher gehen mögen damit auch mehr oder minder diffuse Ängste das Geld (wieder) zu verlieren, weil man befürchtet es nicht zu verdienen etwas zu verdienen bzw. zu haben. Da kann die Angst vor Verarmung Menschen geizig werden lassen.
Doch selbst wer diverse Statussymbole hat und finanziell reich ist, doch gar keine oder kaum Zeit hat um von seinem finanziellen Reichtum einen Nutzen zu haben. wie reich kann so ein Mensch schon sein? Ich möchte das gerne ganzheitlicher sehen. Z.B. (finanzieller / materieller) Reichtum ist erst dann wirklich was wert, wenn ein Mensch das Leben das er lebt zumeist auch gerne und mit Zufriedenheit erfüllt lebt. Reichtum (ganz allgemein) ist umso wertvoller, in je mehr Lebensbereichen eines Menschen er vorhanden ist und wirkt.
Dieser Mechanismus (in einem aktuellen Buch als
Dagobert-Dilemma bezeichnet) ist auch schon aus Märchen und
sonstiger Folklore und eben von Dagobert Duck bekannt. Dann
scheint da wohl etwas Wahres dran zu sein.
Was mich jetzt interessiert:
Glaubt ihr auch an diesen Zusammenhang?
Wurde er schon einmal wissenschaftlich nachgewiesen?
Wenn es ihn gibt: Was sind die psychologischen Mechanismen
dahinter? Warum sind Menschen so?
Ich denke, es hängt auch mit der Zeit zusammen in der wir leben. Geld begleitet uns in unserer Gesellschaft von der Wiege bis zur Bahre. Nix ist kostenlos. Parallel dazu haben wir einen ziemlichen Werteverlust und Wertewandel. Die Zeit ist schnelllebig und Menschen müssen flexibler werden. Z.B. dass Menschen künftig mehrere Ausbildungen und vermehrt Fortbildungen machen müssen, um am Arbeitsmarkt eine Chance zu haben, das ängstigt viele Menschen. Überdies krankt unsere Gesellschaft. Manche Menschen mögen aus Angst und Unsicherheit heraus, aus einer inneren Leere heraus, an äußeren Dingen zu orientieren bzw. festzuhalten, z.B. Schönheitsoperationen oder das Streben nach Geld, Macht und Einfluß.
Interessant wäre mal z.B. Menschen die so gerne berühmt werden wollen zu fragen, weswegen sie das wollen? Was fehlt hier an Liebe, Anerkennung…?
Ich habe von einer Untersuchung gelesen, die folgendes
feststellte:
Menschen werden egoistisch, sobald sie an Geld denken.
Zwei Gruppen sollten frei assoziierte Sätze aufschreiben, die
eine ohne Vorgabe, die andere mit der Bedingung, dass die
Sätze irgendwie mit Geld zu tun haben. Danach kam jemand und
bat um eine Spende. Die Gruppe mit den Geld-Sätzen spendete
signifikant weniger.
Wäre interessant zu wissen, wie die finanzielle Situation dieser Versuchsgruppen ausgesehen hat. War sie gleich oder war die eine Gruppe auch in der Tat betuchter? Eine mögliche Erklärung könnte sein, dass wenn Menschen die sich ihr Geld hart erarbeiten müssen, sich in Momenten in denen sie sich dies vor Augen führen, z.B. weil sie Sätze mit Geld formulieren müssen, auch weniger geben können / wollen.
Um nun auf Deine Frage nochmal zu kommen: nein, Reichtum macht nicht zwingend geizig. Bzw. ein Reichtum ist auch (sich) schenken zu können.
Mit was geht ein Mensch sparsam bzw. geizig um und weshalb? Was steckt dahinter? Der schlimmste Geiz ist mit sich selbst zu geizen. 
Gruß, Tychi
Ciao,
Romana