Macht und psychische Störung

Es gibt ja Menschen die aus Ihrer Position ein gewisses Machgefühl ziehen, um damit Ihr Selbstwertgefühl zu stabilisieren.
Kann es sein das Menschen in hohen Positionen von psychischen Störungen betroffen sind, die jetzt so ohne weiteres nicht zu erkennen sind, aber sobald die Macht und der Einfluss weg wäre, die Leute in ein tiefes Loch fallen würden?
Ich habe den Eindruck das viele Top Manager, extrem viel arbeiten, um daraus ihre Stärke zu ziehen, und diese Stärke oder auch Macht können sie gar nicht mehr abgeben, weil sonst ihr Weltbild zusammenbrechen würde. Wieso arbeitet eigentlich jemand mit einem Jahresgehalt von sagen wir 20 Millionen Euro jedes Jahr weiter, weil er doch diese Priviliegien, diese Macht, diese Einflussnahme in der Gesellschaft geniesst, und daraus eine gewisse Befriedigung zieht.
Würde die Macht aber entzogen, wäre dieser Mensch in einem Tief.
Haben vielleicht Menschen in hohen Positionen eine Art von psychischer Störung, oder kann man sie als gänzlich gesund ansehen?

Hallo harwin,

m. E. kann Deine Fragestellung bestenfalls auf irgendwelche küchen- oder pseudo-psychologischen Erklärungsmuster zurückgreifen bzw. diese zutage fördern.

Ich denke, dass Menschen - unabhängig von der Position - sehr verschieden sind und mir erschließt sich derzeit kein Beweis bzw. Indiz, warum das bei sog. Top-Managern anders sein sollte. Viele dieser Typen erwarten, ja fordern von (ihren) Arbeitnehmern Risikobereitschaft und Verzicht - spätestens seit der aktuellen Krise wissen wir, dass auch und besonders diese Top-Leute die eigene Absicherung für ganz wichtig erachten und keinesfalls und nie drauf verzichten würden . . . Selbst bei ihrer vermeintlichen mentalen Stärke (bzgl. Risikobereitschaft und Stressresistenz) ist nun belegt, dass viele dieser selbsternannten Arbeitsplatzschaffer bezügl. eigener Risiken absolute Schisser sind, die Trotz verstellbarem Hosenbund und Gürtel zusätzlich Hosenträger brauchen.

Ich erachte es als eine Art göttliche Gerechtigkeit, wenn Leute mit mehreren Mio. Vermögen und Jahreseinkommen angeblich wöchentlich 60 und mehr Stunden arbeiten - ihre erbberechtigte Verwandschaft mag es ihnen danken.

Ich denke da eher an ein Interview mit einem anerkannten Psychologen, der festgestellt hat dass einige dieser Personen an psychischen Störungen leiden. Der Personenkreis hat sich nicht außschließlich auf Top Manager bezogen, sondern auch auf Medienstars, Politiker etc.

Oft leiden solche Leute an Neurosen und ggf. an Borderline Störungen.
Es gibt wohl verschiedene Typen.
Einerseits sehe ich tagtäglich Top Manager mit einem sechsstelligen Jahresgehalt schon vor 8 Uhr in der Arbeit, und meistens gehen dieser erst spät Abends zwischen 20 und 22 Uhr nach Hause. Die andere Sache ist, dass diese Manager die Anforderungen die sie an sich selbst stellen auf die Mitarbeiter übertragen die allerdings wesendlich weniger verdienen und vielleich auch gar nicht solche Ambitionen haben.

z. B. in diesem Artikel beschrieben:

http://www.ftd.de/unternehmen/gesundheitswirtschaft/…

Hallo harwin,

ich bezweifle nicht, dass es diesbezüglich „Auffältigkeiten“ geben kann - ja, halte es sogar für normal: die derzeitige Krise rüttelt letztlich an den Grundfesten dieser Kapitalismus-Jünger. Denen bricht zurzeit alles weg und da wundert es mich nicht, dass einige von denen - natürlich schnelle, teure und diskrete - Hilfe in Anspruch nehmen (müssen).

Für mich belegt das eher, dass auch bei diesen Typen erst der leidensdruck hoch genug sein muss, bevor die psychologische Hilfe überhaupt akzeptieren. Und selbst dabei gilt noch, dass der Preis der Hilfe die vermeintliche Wichtigkeit des Patienten wiederspiegeln muss.

Einerseits sehe ich tagtäglich Top Manager mit einem
sechsstelligen Jahresgehalt schon vor 8 Uhr in der Arbeit, und
meistens gehen dieser erst spät Abends zwischen 20 und 22 Uhr
nach Hause.

Solche „Spinner“ kenne ich sogar mit ziemlich miesem Gehalt . . . Die glauben tatsächlich, das ein Projekt ohne sie nicht klappen kann oder dass die Firma pleite macht, wenn sie nicht da sind . . .

Die andere Sache ist, dass diese Manager die
Anforderungen die sie an sich selbst stellen auf die
Mitarbeiter übertragen die allerdings wesendlich weniger
verdienen und vielleich auch gar nicht solche Ambitionen
haben.

Zudem zählen die bsiweilen Besuche mit Kunden in Restaurants, Bars und Edel-Bordellen zu ihrer Arbeitszeit dazu - das machen die natürlich nie für sich, sondern für die Sicherheit der Arbeitsplätze der anderen. Wenn die aktuelle Krise schon jetzt einen positiven Effekt hat, so ist es der Beleg, dass in diesen Etagen (Einkommensklassen) Sagen, Denken und Tun überhaupt nichts miteinander gemein haben müssen!

Hallo Harwin,

meine These dazu ist die folgende:

Menschen mit einem Minderwertigkeitsgefuehl wollen dieses unterdruecken indem sie sich selbst und anderen beweisen dass sie besonders toll sind - daraus ziehen sie ihre Motivation und solange sie erfolgreich sind und von anderen bewundert werden koennen sie ihre (eingebildeten) Defizite in anderen Bereichen damit kompensieren und fuehlen sich selbstsicher.

Wenn dann die Sublimation nicht mehr funktioniert kommt das Minderwertigkeitsgefuehl zurueck.

Gruss

Desperado

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Es gibt ja Menschen die aus Ihrer Position ein gewisses
Machgefühl ziehen, um damit Ihr Selbstwertgefühl zu
stabilisieren.

Tag auch,

ich wünschte, es gäbe reichlich Menschen, die in ihren Positionen „Machgefühle“ entwickeln.
Mir gibt es in gewissen Positionen zu viele Leute, die nicht das Gefühl haben, etwas „machen“ zu müssen.

Der Vieux

Bei so einem schönen Verschreiber musste ich das loswerden.

Hallo Harwin,

vielleicht trifft auf manche Menschen in hohen Positionen die antisoziale Persönlichkeitsstörung zu.

Zitat aus Fiedler (1999), Persönlichkeitsstörungen:

So dürften … auch auf eine Reihe von zumeist höchst angesehenen Politikern einzelne, wenn nicht gar die meisten der angegebenen ICD-10-Kriterien der „dissozialen Persönlichkeitsstörung“ zutreffen, und zwar als Kompetenzen, die sie benötigen, um sich gegenüber ihren ebenfalls „dickfelligen“, „vordergründig rationalisierenden“, „andauernd reizbaren“ und „wenig empathischen“ Kollegen mit „geringer Frustrationstoleranz“ angemessen („aggressiv“) durchsetzen zu können. Und bei Offenbarwerden einer von ihnen gezeigten „Mißachtung sozialer Norman, Regeln und Verpflichtungen“ ist im Politikermilieu auch die „Unfähigkeit zum Erleben von Schuldbewußtsein“ nicht gerade selten beobachtbar.

In diesem Zitat sind in Anführungszeichen die ICD-10-Kriterien enthalten.

„Politiker“ kann man sicherlich durch Personen in anderen hohen Positionen ersetzen.

Und an anderer Stelle bei Fiedler:

Es ist genau diese Furchtlosigkeit ein „besonderer Stoff, aus dem die Helden und die antisozialen Persönlichkeiten sind“.

Grüße,

I.

Moin,

vielleicht ist dieses Buch ja interessant für dich:

„Die Neurosen der Chefs. Die seelischen Kosten der Karriere.“ von Hesse und Schrader, ISBN: 3492222293 Buch anschauen

Gruß
Marion

Hi,

eines meiner Lieblingssprichworte lautet: „Jeder ist seines Glückes Schmied“. Warum sind wir keine Manager geworden und verdienen auch 20 Millionen im Jahr? Entweder, weil wir es nicht wollen oder nicht können oder beides. Ich kann mich der Hetzjagt gegen Manager - vor allem jetzt angesichts der Finanzkrise - nur bedingt anschließen. Hinter dieser Kritik versteckt sich meiner Meinung nach zu einem großen Teil auch so eine Art Sozialneid. Es geht meist weniger um die Sache.

LG Rolo