Hallo an alle Experten warum ist der Begriff Machtergreifung falsch? Die Nationalsozialisten bezeichneten den Tag an dem Hitler zum Reichskanzler gewählt wurde als Machtergreifung bzw als nationalistische Revolution. Was ist nun korrekt Machtergreifung oder Machtübertragung?
Gruß
Ryo
Probiers mal mit „Machtübernahme“. Die NSDAP hat schließlich die zunächst die demokratischen Mittel instrumentalisiert, bevor sie sie nach dem Machterhalt (und bereits vorgreifend tlwse.) gezielt demontiert haben.
Andreas
Hi!
Die Nationalsozialisten bezeichneten den Tag an dem
Hitler zum Reichskanzler gewählt wurde als Machtergreifung bzw
als nationalistische Revolution.
Hitler wurde von Hindenburg zum Reichskanzler ernannt, getreu der Weimarer Verfassung, die u.a. festlegt, dass dieser nicht, wie von dir erwähnt, „gewählt“ wird, sondern eben vom Reichspräsidenten ernannt. Erst von diesem Moment an konnten Hitler und seine Partei direkt Einfluss auf das politische Tagesgeschäft nehmen, so dass der 30. Januar als der entscheidende Tag im Übergang von Weimarer Republik zum Nationalsozialismus gewertet wird. In wie weit einerseits die Vorgeschichte der WR dieses Resultat schon unumgänglich machte, andererseits erst durch die politische Gleichschaltung Ende März ´33 von einer „Machtübernahme“ gesprochen werden kann (nicht vergessen, dass Hitler durch eine Koalition regierte, zunächst keine alleinige Macht innehatte), ist natürlich fraglich, deswegen ist der einzelne Tag (30. Januar 1933) nicht überzubewerten, sondern eher Kernpunkt einer Selbstdarstellung durch die Nationalsozialisten, daher auch die offensichtliche Begriffsverfälschung.
Weiterführende Literatur findest du bei LeMO vom deutschen historischen Museum, eine sehr schöne Übersichtseite für die letzten 200 Jahre deutsche Geschichte. Für dich wäre relevant:
http://www.dhm.de/lemo/html/nazi/innenpolitik/etabli…
hoffe, geholfen zu haben
the_digger
Hallo Ryo,
in den ersten Jahrzehnten der BRD sprach öffentlich nur von „Machtergreifung“. Mit diesem Begriff wurde eine bestimmte Wahrnehmug dieses Ereignisses geschaffen - wenn auch der Begriff von den Nazis selber schon verwendet wurde.
Macht-Ergreifung suggeriert, daß hier jemand die Macht „ergriffen“ hätte gegen jemandes Willen, also die armen Deutschen von so einer Art Naturkatastrophe heimgesucht wurde.
In den letzten 15 Jahren kam dann eher der Begriff „Machtübertragung“ oder „Machtübernahme“ auf, der deutlich machen sollte, daß hier keine Naturkatastrophe stattgefunden hat, sondern demokratisch legitimiert Hitler an die Macht kam.
Viele Grüsse
Iris
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Hallo,
es stimmt eigentlich Beides.
Die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler war als solches erst einmal ein verfassungsmäßiger Akt - daran gibt es nichts zu deuteln.
Aber die NSDAP hatte nicht die absolute mehrheit - Hitler war auf eine Koalition angewiesen - und das konnte ihn natürlich nicht zufrieden stellen.
Und damit begann dann der 2. Teil - der Staatsstreich. Nach dem Reichstagsbrand lies Hitler einfach die Mandate der KPD für ungültig erklären (das war rechtlich gar nicht drin normalerweise) und ein Teil der SPD-Abgeordneten war auch schon verhaftet, als Hitler dann das Ermächtungsgesetz im Reichstag durchpeitschen lies.
Er kam auf legalem Wege an die Regierung - ein nicht geringer teil des deutschen Volkes hat ihn gewählt und gewollt. Das ist Tatsache.
Aber das war dann eigentlich auch schon das einzige Legale dabei.
Gernot Geyer