Hallo,
Du hast vollkommen recht.
Geschlechtsneural erziehen geht eh kaum.
Ich habe als Kind gern gebastelt, auch mit Hämmern, Sägen und Holz, ebenso gern mit Farbe und Papier und den abgenutzten Legosteinen meines älteren Bruders. Habe Viecher gemocht und war, als Landkind, eher robust als Mädchenhaft. Trotzdem hat auch mich eine Barbiephase erwischt, die allerdings vor allem mein Interesse am Nähen geweckt hat.
Ich habe Geologie studiert, bin jetzt allerdings seit 13 Jahren Trödelhändlerin (ein interessantes Gebiet ohne Grenzen).
Ich habe eine Sohn (12) und eine Tochter (11). Mein Sohn ist in mancher Hinsicht jungenuntypisch - kein Fußball, überhaupt wenig Sport, nicht rüpelhaft oder laut. Dafür liest er viel, schreibt auch mal was, spielt komplizierte Computerspiele wie Anno 1504 und gerne Gesellschaftsspiele und ist recht hilfbereit.
Jungentypisch ist dagegen sein logisches Denken und sein Talent zu Strategiespielen - ich habe selbst bei Mühle, dass ich immerhin schon 40 Jahre länger kann als er, kaum noch eine Chance mehr gegen ihn.
Meine Tochter hatte ihre Rosaphase, ihre Barbiephase und hat jetzt die Klamotten-, Musik- und Chatphase. Sie ist viel typischer Mädchen, als ich es je war und vorgelebt habe.
Nix Strategie oder Logik, Schule ist ein Desaster.
Aber auf kommunikativer und emotionaler Ebene meinem Sohn um Jahre oder Jahrzehnte voraus.
Frag mich keiner, wos herkommt, kann eigentlich nur der Rest der Welt sein oder die Gene. Der Vater war ja auch eher ein logischer Typ, ähnlich meinem Sohn. Er ist vor 1,5 Jahren gestorben, hat also schon viel Einfluß auf unsere Tochter gehabt, aber eben auch in ganz andere Richtungen.
So gesehen ist mir klar, dass die Ausstattung des Babyzimmers nicht den Menschen macht. Aber die Einstellung der Eltern ev. schon. Und wenn deren Einstellung schon vor der Geburt rosarot mit Märchengestalten bevorzugt, macht das auf mich den Eindruck, als würde es für dieses Mädchen noch schwieriger werden, sich klischeeunabhängig zu orientieren.
Gruß, Anne