Männerfreundschaft auf dem Prüfstand

audiatur et altera pars
guten tag,

ich bin erstaunt, daß es noch anderen so ergeht wie mir.

Ich glaube, Varianten dieser Geschichte, vielleicht oft weniger krass
ausgeprägt, könnten Viele hier erzählen.
Was mich nachdenklich macht, ist das einbahnstrassenartige daran,
sowohl in den Geschichten als auch hier im Forum:
Es schreibt niemand, dass er selbst sich mal so verhalten hat wie
dein Kumpel, welche Gründe er hatte, wie er das damals empfand und
später im Rückblick sieht. Hier wäre es sehr interessant, wenn es
denn ginge, die „andere Seite“ zu hören - audiatur et altera pars.

Wie auch aus den Beiträgen hier ersichtlich, handelt es sich um ein
(in unserer Zeit) nicht seltenes Phänomen. Das müsste sich ja in der
Literatur, auch der wissenschaftlichen, niedergeschlagen haben.
Was wissen die Experten dazu zu sagen ?

Servus
Nescio

Hallo arroganter Wurm,
interessant zu lesen der Beitrag. Wahrscheinlich befinde ich mich in der Position, den Dein Freund eingeht. Meine Freundschaft begann in der neunten Klasse, ab Zivizeiten (die der Scheißjugo natürlich schwänzte :smile: bin ich weggezogen, aus Hessen nach NRW, danach BaWü zum studieren, jetzt mit Freundin 100km von ihm entfernt hängengeblieben.
Es ist ein ewiges auf- und ab was die Nähe zwischen uns beiden angeht. Momentan liegt seine Masterthesis seit 2 wochen ungelesen in meinem Briefkasten, smalltalk wenn wir (letztens bei Silvester) aufeinandertreffen, Nettigkeiten wenn zufällig ICQ an ist mehr nicht.
Ich bin mir aber sicher, dass es in 2-3 wochen wieder anders aussieht: Er bekommt die korrigierte Version bei einem Bierchen in die Hand gedrückt, es werden wieder beide auf den aktuellen Stand des Lebens gebracht und das hält wieder max. wenige Monate bis ich wieder in meinem Schneckenhaus wohne…
Und du wirst lachen: Mitte letzen Jahres wurde eine handfeste Depri bei mir festgestellt :smile: Medikamente hab ich keine Lust, hoffe durch Abschluss des Studiums, Welpe im Haus und guter Job in Aussicht selbst wieder Aufwind zu bekommen.

Das schwerste an der Situation ist es dem anderen das klar zu machen. Es hat NIX mit Dir zu tun, was Dein Freund abzieht… Mach genauso weiter wie Du es bisher gehandhabt hast: Nicht drängen, nicht das Interesse verlieren, nicht nachtragend sein. Und nicht zuviel Mitleid/Sorgen durchklingen lassen, dafür bin ich meinem Freund immer noch dankbar!

gruß
jartul

cool - danke und * :smile:) owt.
.

Hi Jartul,

es liest sich interessant und noch mehr gut, wenn man vermittelt bekommt, man ist nicht Schuld. Und das mag auch in einigen Fällen so sein, doch ich finde durch Schweigen geht mehr kaputt als durch ein Ansprechen der empfundenen Problematik.

Wenn es dem arrogant_wurm ein Bedürfnis ist dies zu thematisieren, weil es ihn beschäftigt, seine Lebensenergie bindet, ihm Probleme macht, so hat er natürlich auch das Recht und meines Erachtens sogar die Pflicht dies zu thematisieren.

Natürlich steht völlig außer Frage, dass er nicht mit Druck arbeiten soll, wobei manchmal etwas Nachdrücklichkeit, ein z.B. Aufrütteln, hilfreich sein kann. Es kommt halt immer drauf an.

Mir ist es lieber, wenn Dinge mal an- und ausgesprochen werden, denn es besteht durchaus auch die Möglichkeit, dass es (zusätzlich) auch an einem liegt. Es hat meines Erachtens immer mit beiden zu tun, jeder hat seinen aktiven oder passiven, seinen bewußten oder unbewußten Anteil, am Geschehen.

Offenes An- und Aussprechen mag manch einen Menschen erstmal auf Dinge hinweisen, die ihm gar noch nicht bewußt sind, die er möglicherweise auch gar nicht sehen mag, oder die er anders sieht. Und darüber kann man sich dann ja austauschen.

Ich finde, man sollte es sich auch wert sein und den Wert einer Freundschaft auch dadurch anzeigen, dass man sich um sie bemüht und bereit ist, „Beziehungsarbeit“ zu leisten.

Ciao,
Romana