Märchen

Hallo,

ich habe hier vor kurzem schon mal eine Frage zum Thema „Märchen“ gestellt. Da meine Prüfung immer näher rückt, möchte ich euch noch einmal um Hilfe bitten.
Ich hoffe, es fühlt sich niemand belästigt, wenn ich so viele Fragen auf einmal stelle……es braucht auch nicht jeder alle Fragen zu beantworten :smile:.

Also, ich habe zu oben genanntem Thema ca. 25 Volksmärchen, 8 Kunstmärchen und 5 Märchen aus 1001 Nacht gelesen sowie diverse Sekundärliteratur (z.B. Lüthi, Freund, Mayer / Tismar, …).
Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich zwar viel, aber trotzdem immer wieder dasselbe gelesen habe und daher nicht gut genug vorbereitet bin. Um neue Literatur zu suchen, ist es nun leider zu spät. Mein Prüfer hat mir keine Literatur vorgeschlagen, aber mit meinen Angaben war er soweit zufrieden.
Trotzdem ist es ja leider so, dass in einer Prüfung nie genau das gefragt wird, was man gelesen hat. Kann mir daher vielleicht jemand ein paar Tipps geben oder mir ein paar Transferfragen nennen, die von den Prüfern gerne gestellt werden? Abgrenzung zu anderen Gattungen, Bezug zur Romantik, Geschichte des Märchens ist mir soweit klar.

Was sollte ich über die Märchen aus 1001 Nacht wissen? Habe zwar welche gelesen, aber in der Sekundärliteratur nicht viel dazu gefunden.

Könnte mir vielleicht auch jemand bei der Beantwortung der folgenden Fragen behilflich sein?

  • „Was ist an dem Märchen XYZ typisch für ein Kunstmärchen“?

–> Worauf muss ich hier bei der Beantwortung (unabhängig vom speziellen Märchen) achten? Als erstes würden mir hier Merkmale einfallen, die im Volksmärchen nicht vorkommen. Ich würde es sozusagen zu diesem abgrenzen. Dann würde ich noch sagen, dass das Kunstmärchen einen Autor hat und schriftlich festgehalten wurde. Reicht das??

  • „Warum spielt das Märchen ,Die Nachtigall’ in China?“

–> Diese Frage wurde mal in einer Prüfung gestellt und ich weiß darauf leider keine Antwort.

  • "Würden Sie das Kunstmärchen ‚das Mädchen mit den Schwefelhölzern‘ (bzw. ein anderes Märchen mit tragischem Ende) im Grundschulunterricht behandeln?

–> Hier bin ich mir nicht ganz sicher. Dass Grausamkeiten im Märchen (z.B. Großmutter wird aufgefressen) für die Kinder nicht schlimm sind, weiß ich, aber wie sieht es aus, wenn die Hauptperson am Ende stirbt?
Würde man hier eher mediale Adaptionen verwenden?

Für weitere Tipps und Anregungen bin ich sehr dankbar!!! Vor allem auch im Bereich Didaktik (ich studier(t)e Lehramt für Grundschule).

Vielen herzlichen Dank!

Hi,

zur chinesischen Nachtigall habe ich Folgendes gefunden:

„Im reichen Schaffen des dänischen Dichters Hans Christian Andersens bilden zweifellos seine Märchen, die den Weltruhm des Autors begründet haben, den Schwerpunkt. In ihnen vereinte er Elemente des Volksmärchens und des romantischen Kunstmärchens. „Ich greife eine Idee auf, die für Ältere gedacht ist - und erzähle sie dann den Kindern, während ich daran denke, dass Vater und Mutter oft zuhören, und ihnen muss man etwas für den Verstand geben.“ Das weltbekannte Märchen von der Nachtigall geht auf einen der ältesten Topoi chinesischer Poesie zurück. Es schildert, wie am Hof des Kaisers von China eine echte Nachtigall schließlich doch über das künstliche Spielwerk siegt: ein ebenso unterhaltsames wie rührendes Gleichnis vom Sieg der Liebe über den Tod und dem Triumph der lebendigen Schöpfung über alles Menschenwerk.“

unter diesem Link: http://www.ndrkultur.de/ndrkultur_pages_std/0,2513,O…

Vielleicht hilft es Dir ja ein Stück weit weiter?!

Alles Gute
Jana

Warum China (mögliche Antworten)?
Hallo,

  • „Warum spielt das Märchen ,Die Nachtigall’ in China?“

mögliche Antworten (ich weiß es auch nicht)

  • für ein Märchen benötigt man eine „märchenhafte Welt“, neben der unbestimmten Vergangenheit bietet sich China an, das in Europa immer schon mit bestimmten Assoziationen verknüpft war: z. B. märchenhaft reicher, mächtiger Kaiser eines riesigen, kunstfertigen Volkes
  • Andersen schöpfte aus bestimmten Quellen, die auch bereits „China“ enthalten oder knüpft an andere Geschichten über „China“ an
  • "Würden Sie das Kunstmärchen ‚das Mädchen mit den
    Schwefelhölzern‘ (bzw. ein anderes Märchen mit tragischem
    Ende) im Grundschulunterricht behandeln?
    –> Hier bin ich mir nicht ganz sicher. Dass Grausamkeiten
    im Märchen (z.B. Großmutter wird aufgefressen) für die Kinder
    nicht schlimm sind, weiß ich, aber wie sieht es aus, wenn die
    Hauptperson am Ende stirbt?

Stimmt, ein Märchen, in der die Identifikationsfigur für das zuhörende oder lesende Kind stirbt, würde ich in der Grundschule nicht verwenden oder wenn, dann höchstens in einem speziellen Zusammenhang: z. B. Thema „Armut“ vor 150 Jharen. Ich würde das Märchen dann aber so „sachlich“ erzählen, dass die Kinder sich nicht direkt mit dem sterbenden Kind identifizieren und ihnen vor dem Erzählen schon sagen, dass in diesem traurigen Märchen das Kind stirbt!
Gruß!
Christian

Das Mädchen mit den Schwefelhölzern
Hallo,

Warum solltest Du es nicht in der GS behandeln? BTW: Bei uns in Polen ist dieses Märchen (neben ‚Schneekönigin‘, ‚Die kleine Meerjungfrau‘, etc.) Pflichtlektüre in der 3. Klasse.

Die Schule soll Kindern schließlich nicht nur Mathe- oder Chemie-Wissen, sondern auch ethische Grundsätze und den Grundgedanken der praktischen Humanität vermitteln; und nicht zuletzt: sie soll die Kinder auf das reale Leben vorbereiten und sie für die Probleme der realen Welt sensibilisieren…

In der realen Welt sterben nun einmal tagtäglich Millionen von Kindern durch die Ignoranz, Profitgier oder schlicht Gefühlskälte.

In der realen Welt kann man nicht sagen ‚och, brauchst nicht traurig sein - das Märchen ist in Wirklichkeit gar nicht erfroren - ist ja nur ein Märchen‘.

In der realen Welt gibt es nicht immer ein Happy End.

Viele Grüße & viel Glück für Deine Prüfung

Renee

Weitere mögliche Erklärung (China)
Hallo,

  • „Warum spielt das Märchen ,Die Nachtigall’ in China?“

mögliche Antworten (ich weiß es auch nicht)

In China gilt die Nachtigall nicht nur als Symbol der Poesie sondern auch als das der Weisheit. Wenn man dann auch noch berücksichtigt, daß Andersen von deutschen Dichtern fasziniert war und Lessings ‚Die Nachtigall und die Lerche‘ ins Spiel bringt… Siehst Du die Parallele? Es geht in beiden Fällen um Einsicht, die in gewisser Form Weisheit ist.

Grüße

R.

Tod im Grundschulunterricht
Hallo,

Die Schule soll Kindern … auch ethische Grundsätze und den
Grundgedanken der praktischen Humanität vermitteln; und nicht
zuletzt: sie soll die Kinder auf das reale Leben vorbereiten
und sie für die Probleme der realen Welt sensibilisieren…
In der realen Welt sterben nun einmal tagtäglich Millionen von
Kindern durch die Ignoranz, Profitgier oder schlicht
Gefühlskälte.

Dem stimme ich im Prinzip zu. Man darf Kinder nicht „in Watte packen“, sondern muss sie auf die Realität vorbereiten, wie du sagst. Aber: Man darf sie auf keinen Fall mit so massiven Dingen wie dem Tod allein lassen! Ihnen einfach nur das Schreckliche der Realität vorknallen führt nur dazu, dass sie entweder total abstumpfen (dies tut das Fernsehen viel massiver als wir uns klarmachen) oder von Ängsten heimgesucht werden, die sie nicht verarbeiten können! Und damit ist nichts gewonnen, sondern sogar viel verloren! Also: Realität ja, auch mit Schrecklichem, aber so, dass das Kind es „verdauen“ kann. In geeigneten Portionen, mit vielen Möglichkeiten, zu fragen und zu verarbeiten. Und - wenn es der Lehrperson irgend möglich ist - mit dem Glauben an das Gute und Schöne im Leben!
Gruß!
Christian

Viele Grüße & viel Glück für Deine Prüfung

Renee

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Hallo Christian,

als Grundschullehrer kennst Du natürlich das Märchen…

Man darf Kinder nicht „in Watte
packen“,

Pah! Meine Rede…

Aber: Man darf sie auf keinen Fall mit so massiven
Dingen wie dem Tod allein lassen!

Das ist richtig - nichts anderes habe ich gesagt.

Ihnen einfach nur das
Schreckliche der Realität vorknallen führt nur dazu, dass sie
entweder total abstumpfen (dies tut das Fernsehen viel
massiver als wir uns klarmachen) oder von Ängsten heimgesucht
werden, die sie nicht verarbeiten können!

Es geht nicht ums ‚Vorknallen der Realität‘, aber Kinder sehen nun einmal fern und bekommen die schreckliche Realität mit. Die Herausforderung für die Pädagogen ist nun natürlich, den Kindern das, was passiert ist, altersgerecht zu erklären und für sie da zu sein, wenn sie Fragen haben oder ihre Ängste äußern möchten.

Also: Realität ja, auch
mit Schrecklichem, aber so, dass das Kind es „verdauen“ kann.

Aber ja doch! Wobei auch das eine Herausforderung ist… In dieser Hinsicht beneide ich Euch Lehrer nicht. Erwachsene müssen so etwas auch erst einmal verdauen…

Viele Grüße

Renee

Hallo!

Erstmal vielen Dank für eure Antworten. Erschien mir alles einleuchtend. Ich habe vor kurzem übrigens irgendwo gelesen, dass das Märchen „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ in „Bausteine Deutsch“ zu finden sei und in der Grundschule auf jeden Fall behandelt werden kann / soll / darf. Über die Art, wie es behandelt werden soll, stand allerdings nichts dabei. Aber ich denke, wenn ich mich an eueren Antworten orientiere, bin ich sicherlich auf dem richtigen Weg.
Falls jemand sonst noch einen heißen Tipp rund ums Thema Märchen hat, ruhig raus damit :smile:
Danke an alle…

Hallo,

Warum solltest Du es nicht in der GS behandeln? BTW: Bei uns
in Polen ist dieses Märchen (neben ‚Schneekönigin‘, ‚Die
kleine Meerjungfrau‘, etc.) Pflichtlektüre in der 3.
Klasse.

Die Schule soll Kindern schließlich nicht nur Mathe- oder
Chemie-Wissen, sondern auch ethische Grundsätze und den
Grundgedanken der praktischen Humanität vermitteln; und nicht
zuletzt: sie soll die Kinder auf das reale Leben vorbereiten
und sie für die Probleme der realen Welt sensibilisieren…

Ich finde nicht, dass das Mädchen mit den Schwefelhölzern als real bezeichnet werden kann. Ich habe das damals von meiner Oma vorgelesen bekommen und dieses Märchen hat mich lange belastet. Da wird Tod auf einer emotionalen Ebene transportiert, die ein Kind noch gar nicht von der realen Erfahrung trennen kann, es wird nicht sensibilisiert sondern beschwert. Ein Kind, das Tod bereits erleben musste, bekommt außerdem völlig unnötig erneut einen Schmerz auferlegt

Gruß Maid

Hallo Maid,

Das, was Du schreibst, klingt sehr bitter… Kann es sein, daß Dich das Märchen so sehr belastet hat, weil Du keine Möglichkeit hattest, Dich mit dem Tod auseinanderzusetzen? Außerdem finde ich schon, daß sich das Märchen durchaus kindgerecht mit dem Thema Tod auseinandersetzt - sicher, nicht jeder glaubt an den Himmel, aber gegen die liebevollen Arme der Granny wird keine Kultur und Religion dieser Welt etwas zu sagen haben.

Du darfst auch nich vergessen, daß das Märchen achtzehnhundertnochwas geschrieben wurde - damals war der Tod für Kinder noch selbstverständlich. Die Großeltern lebten größtenteils unter einem Dach mit ihren Enkeln und starben auch dort. Die Mütter starben bei der Geburt. Das Geschwisterchen wurde bisweilen durch eine blöde Kinderkrankheit dahin gerafft. Kurzum: Der Tod gehörte zum Leben…

Ich für meinen Teil finde Bücher wie ‚Sara, die kleine Prinzessin‘ von Burnett wesentlich belastender, weil sie deutlich machen, wie verdammt hilflos ein Kind sein kann.

Viele Grüße

Renee