Hallo,
an manchen Tagen bin ich wohl etwas psychologischer drauf, verzeiht mir dass ich heute mal ganz direkt raus bin.
Die Frage der künstlichen Ernährung ist ganz klar die Frage, ob ihr eure Mutter aufgrund Nahrungsmangel in kurzer Zeit sterben lassen wollt, oder ob sie als quasi Komapatientin eventuell noch Jahrelang weiterleben soll.
Das ist letztlich die Frage nach Sterbehilfe/Euthanasie.
Wäre Deine Mutter noch äußerungs- und entscheidungsfähig, dann hätte sie das Recht eine PEG zu verweigern und in absehbar kurzer Zeit zu sterben.
Nun muss letztlich der Arzt entscheiden welche Maßnahme im vermuteten Interesse eurer Mutter liegt. Da er dazu wahrscheinlich kaum Informationen hat, , was denn wohl dem Willen der Patientin entsprechen könnte, außer die Einschätzung der Angehörigen wird diese wohl den Ausschlag geben, obwohl Ihr formal hier keine Entscheidungsgewalt habt (es sei denn es läge eine entsprechende Verfügung eurer Mutter vor).
Die Gretchenfrage bleibt in solchen Fällen immer wieder, wer denn nun die Situation als sinnlos und unerträglich empfindet bzw. empfinden würde. Die Angehörigen oder Patient selbst.
Oft sind es auch vor allem die Kinder, die es nicht ertragen ihre Eltern so hilflos zu sehen. Das ist aber was anderes, als dass die Patienten dies selbst so empfinden. Da muss man sich zur selbstkritik zwingen und vielleicht auch mal mit einem Psychologen/Seelsorger sprechen.
Fünf Schlaganfälle hört sich natürlich dramatisch an, aber damit ist auch nach vier Wochen noch nicht gesagt, dass es keine Verbesserung mehr geben kann und das tatsächlich nichts mehr mitbekommen wird. Es gibt ja z. B. auch das sog. Locked-In-Syndrom bei dem der Patient von außen wie ein Wachkomapatient wirkt, er aber bei vollem Bewusstsein ist. Wahrscheinlich wird man aber festgestellt haben, welche Hirnalreale betroffen sind und die Ärzte werden Prognosen machen können. Darum seid ihr als Ängehörige hier umgekehrt wesentlich auf die Einschätzung der Situation durch die Ärzte angewiesen.
Eine solche geteilte Verantwortung bietet natürlich auch einen Weg sich von Schuldgefühlen zu distanzieren. Der Arzt sagt sich, es war ja Wille der Angehörigen, diese wiederum können sagen, der Arzt hat ja gesagt das sei aussichtslos.
Das Argument der Patient würde ohnehin nichts mehr mitbekommen geht hier allerdings ethisch leicht nach hinten los. Wenn er nämlich gar nicht mehr leidet und gar nichts mehr mitbekommt, wo wäre denn dann das unerträgliche Leiden und wo die Sinnlosigkeit, wenn die Frage nach dem Sinn gar nicht mehr gestellt werden kann?
Es geht wie gesagt nur um ein sinnloses Leiden des Patienten, nicht um eures.
Das hört sich nun vielleicht sehr hart an, darum zum Schluss noch ein Schlag auf die andere Seite. Manche Menschen haben das „Pech“, dass ihre inneren Organe einfach nicht aufgeben, dann wäre verhungern der einzige legale Ausweg. Liegt erst mal eine PEG gibt es diesen Ausweg nicht mehr.
Mein Rat wäre zum Schluss: zunächst noch mit nasogastralen Sonden zu arbeiten. Die können aufgrund der Reizung der Schleimhäute nicht dauerhaft eingesetzt werden, aber damit würdet ihr zumindest noch einige Wochen bis Monate gewinnen, um mit der Situation fertig zu werden und sicher zu sein, dass wirklich keine Besserung mehr eintritt.
Da diese Sonden in kurzen Abständen getauscht werden, kann man dann immer noch sagen: „Jetzt hört auf“.
Gruß
Werner