Magersucht

Hallo,

die Tochter meiner Cousine ist immer noch Magersüchtig, seit mehr als 6 Jahren.
Meine Mum sagte im Herbst war sie etwas „voller“, aber nun ist sie wieder nur Haut und Knochen und schaut mit ihren 26 Jahren aus wie 70.

Vor ein paar Jahren hab ich mit meiner Cousine telefoniert, raus kam nix dabei, sie hat nur geweint. Meine Tante blockt auch, sie kann das Elend ihrer Enkeltochter nicht mehr ertragen.

Meine Meinung: Der Vater des Mädels hat sich, als sie noch sehr klein war, den Strick genommen. Meine Cousine hat sich daraufhin an ihre Tochter geklammert, lässt sie nicht los. Das Mädel ist hochintelligent, hat ein 1er Abitur hingelegt.
Aber: sie schafft den Absprung von zu Hause nicht, da sich die Mutter lange Jahre an die Tochter klammerte passiert das inzwischen auch andersrum, die Tochter klammert an die Mutter und geht kaputt dabei. Ein Studium in einer entfernten Stadt hat das Mädel nach ca. 6 Wochen wegen Heimweh abgebrochen.
Das Mädel ist in ärztlicher Behandlung, leider erfahre ich nur wenig und nur durch dritte, aber ich vermute mal stationäre Behandlung, die sie dringend bräuchte wird sie ablehnen wegen Heimweh, oder anders gesagt Mama fehlt dort.

Was tun??
Alles was ich weiss erfahre ich von meiner Mum. Ich selbst wohne 350km entfernt.

Das Mädel feiert keinen 30. Geb. wenns so weitergeht.
Wie kann ich helfen?

Fragt mich wenn irgendwas unklar ist.

Danke schon mal.
Kati

Hallo,

das, was man hier hat, ist eine klassische Mutter/Tochter Konstellation. Beide sind in scheinbarer Abhänigkeit des anderen bzw werden die Ängste und Nöte der Mutter auf die Tochter projeziert, die wiederum mit Magersuch reagiert.

Es gehört (für beide) eine professionelle Psychotherapie eingeleitet. Von alleine werden die beiden sich nicht helfen können.

So weit, so kurz.

GDA

Danke schon mal für die schnelle Antwort.

das, was man hier hat, ist eine klassische Mutter/Tochter
Konstellation. Beide sind in scheinbarer Abhänigkeit des
anderen bzw werden die Ängste und Nöte der Mutter auf die
Tochter projeziert, die wiederum mit Magersuch reagiert.

Es gehört (für beide) eine professionelle Psychotherapie
eingeleitet. Von alleine werden die beiden sich nicht helfen
können.

Das ist mir eigentlich klar, doch wie und das ist die entscheidende Frage kann man dort helfen, bzw wie klar machen das dies notwendig ist?

Das Mädel war mal kurzzeitig vor Jahren in psycho Behandlung, die Mutter begreift absolut nicht, dass sie das auch braucht.

Oma und Opa sind total von der Rolle und wissen auch nicht weiter.
Alle Wohnen in einem Doppelhaus.

Gruß
Kati

Also wie man denen das begreiflich macht wird das große Problem werden.
Auf alle Fälle müssen die beiden voneinander getrennt werden.

Ich überlege gerade wie ich das machen würde, wenn ich in deiner Haut stecke. Ich denke, ich würde mir Hilfe und Unterstützung von dem Rest der Familie holen. Wenn das nicht fruchtet, dann sich an den SPD (=sozialpsychiatrischen Dienst) wenden. Den gibt es in jeder größeren Stadt und steht beratend für solche Fälle hinter einem und sagt, was zu tun wäre.

Eventuell könnte man über die Eigengefährdung gehen. Es ist nicht einfach zuzusehen, wie jemand daran zugrunde geht und man nichts machen kann.

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Hallo Kati!

Erstmal ein Lob an Dich, dass Du Dir so liebevolle Gedanken um eine mögliche Lösung machst.

Grade Magersüchtige werden oft mit einem „iss doch endlich“ noch mehr in die Enge getrieben.

Eine gute Freundin von mir ist ebenfalls magersüchtig, und das schon bestimmt 15-20 Jahre lang.

Was ihr (außer einer laaangen und wöchentlichen Therapie, bzw. stationären Therapien) geholfen hat, war ein stabiler Freundeskreis und letztendlich auch Antidepressiva.
Da gibt es seit einiger Zeit welche, die nicht dick machen, das ist für Essgestörte ganz ganz wichtig!

Ich habe ihr z.B. ganz ruhig gesagt, dass ich wahrnehme, dass sie wieder hungert bzw. excessiv Sport betreibt, und dass ich mir Sorgen um sie mache. Weil ich sie liebhabe und es mir wehtut zu sehen, wie sie vor unseren Augen verschwindet.

Das geht aber - vermute ich - nur, wenn man einen engen Kontakt hat und offen reden kann.
Unter 4 Augen, versteht sich.

Wenn Du zu dem Mädchen einen guten Draht hast, dann ruf sie an oder lade sie zu Dir ein.
Wichtig ist, dass die junge Frau weiß, dass sie für Dich wertvoll ist.

Aber das alles so auf die Entfernung einzuschätzen, ohne die Details zu kennen, wird schwierig werden. Womöglich wird Deine Sorge als Einmischung verstanden, darauf solltest Du auch gefasst sein.

Ich wünsche Dir und der jungen Frau alles Gute,
Angelika

Hallo,

die, an die ich mich wenden würde, wäre die Mutter des Mädchens ohne dessen Beisein. Diese würde ich mit der Wahrscheinlichkeit konfrontieren, dass ihre Tochter sterben wird, wenn sie als Mutter nicht erkennt, dass hier dringend psychotherapeutische Hilfe angesagt ist - und zwar primär für sie als Mutter.

Sie muss ihren Teil an der krankmachenden Konstellation auflösen, wenn sie zumindest ein paar wichtige Vorzeichen ändern will, damit ihr Kind sich möglicherweise retten kann.

Schöne Grüße,
Jule

stimmt, also das geht ja nun wirklich nicht, dass die Betroffenen selbst eintscheiden, ob sie eine Pschotherapie ( oder gar Psychopharmaka ) wollen oder nicht.

Also wenn die Außenstehenden ( und somit Unbeteiligten ) mehrheitlich der Meinung sind, dass Tochter und/oder Mutter das brauchen, dann muss man das zur Not auch gegen deren Willen machen.

Genauso mit dem Essen. Wenn wir es in diesem Land mal nicht mehr schaffen, einen Menschen gegen seinen Willen zwangszuernähren … wo kommen wir denn da hin. Das Mädel kann doch mit 26 gar nicht abschätzen, welche Konsequenzen der Hungertod für sich und andere haben kann !

kopfschüttelnde Grüße

Eric

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Vielen Dank
Vielen Dank allen die geantwortet haben.

Vermutlich wird der Weg über den sozialpsychatrischen Dienst der Beste sein.
Meine Mum macht sich nächste Woche auf den Weg dorthin, in der Hoffnung dass zuerst mal die Mutter und die Oma des Kindes Beratung suchen. Leider sind beide total hilflos und wissen nicht was sie tun sollen. Dies ist auch der Grund warum meine Mum sich versucht einzuschalten, ich kann leider nur telefonisch Unterstützung anbieten.

Vielen Dank nochmal!
Ein schönes Wochenende allen
Kati

Hallo Angelika,

Das geht aber - vermute ich - nur, wenn man einen engen
Kontakt hat und offen reden kann.
Unter 4 Augen, versteht sich.

Den engen Kontakt hab ich leider nicht, früher als Kind hatte ich zur Mutter Kontakt, war meine Lieblingscousine, aber der hat sich verloren nachdem die Mutter den Freund und Vater des Kindes kennengelernt hatte. Nach dessen Tod hat sich meine Cousine total zurückgezogen und nur noch für das Kind gelebt. Das Mädel war damals 4 oder 5 Jahre alt. Im gleichen Zeitraum bin ich zu Hause weggezogen und habe selbst eine Familie gegründet. Somit war der Kontakt ausser Anrufen zum Geburtstag eigentlich null.

Wenn Du zu dem Mädchen einen guten Draht hast, dann ruf sie an
oder lade sie zu Dir ein.

Siehe oben leider nicht.

Aber das alles so auf die Entfernung einzuschätzen, ohne die
Details zu kennen, wird schwierig werden. Womöglich wird Deine
Sorge als Einmischung verstanden, darauf solltest Du auch
gefasst sein.

Letzteres ist gut möglich, deswegen tel. ich nur mit meiner Mum. Sie hat einen sehr guten Draht zur Oma. (Mums Cousine)

Ich wünsche Dir und der jungen Frau alles Gute,
Angelika

Vielen Dank!
Ein schönes Wochenende
Kati