Makler und Verhandlungen

Hallo Experten,
wir möchten ein Haus kaufen, das wir schon länger im Blick haben. Wir haben aber mit dem Makler noch nicht über Preise gesprochen.Jetzt möchten wir ihm ein Angebot machen, dass 20% unter dem ausgewiesenen Preis liegt.

Bekannte haben uns geraten, ein schriftliches Angebot zu machen, und diesem Angebot ein Finanzierungsplan beizulegen.
Frage 1)
Ich möchte das aber eigendlich nicht; was geht es ihn an, wie ich das Haus finanziere. Wenn es zur Unterschrift kommt, kann er ja die Verträge mit der Bank sehen, um sicherzugehen, dass wir das Geld haben, oder?

Frage 2)
Zum Thema „verhandlungsstrategie“: Ich finde es immer doof, wenn rumgepokert wird. Ist es schlau, zu sagen wir wollen 20% weniger aus diesen oder jenen Gründen zahlen? Oder sollte man tatsächlich bei 30% oder so anfangen… hmhm

Ihr merkt, das Ganze ist mit großer Unsicherheit verbunden und die Fragen sind wahrscheinlich so pauschal zu beantworten, aber ein paar Tips von Profis wären echt super …

Schönen Dank im Vorraus
Ruwi

Hallo,

ich habe noch nie ein schriftliches Angebot bei einem MAkler gemacht.
Meist sind die Preise so kalkuliert, dass erheblicher Verhandlungsspielraum besteht. Nutze ihn.

Man möchte sich schon irgendwo in der Mitte treffen. Kennst du dich mit Poker aus?

Das mit der Bank sollte vor allem Dich interessieren. Nimm nicht die erste beste, sondern vergleiche. Es lohnt sich wirklich. Glaube nichts, es sei denn, du hast es schwarz auf weiß.

Gruß

Peter

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Hallo Peter,
vielen Dank für Deine wertvollen Tips. Werde jetzt vermehrt an meinem Poker-Face vorm Spiegel arbeiten :smile:
Ruwi

Hallo Ruwi,

Bekannte haben uns geraten, ein schriftliches Angebot zu
machen, und diesem Angebot ein Finanzierungsplan beizulegen.

warum denn so was?!
Verhandelt wird mündlich, denn alles schriftliche ist eh unverbindlich, weil Immokauf der notariellen Form bedarf, sprich ohne Notar kein rechtsgültiger Vertrag!

Frage 1)
Ich möchte das aber eigendlich nicht; was geht es ihn an, wie
ich das Haus finanziere. Wenn es zur Unterschrift kommt, kann
er ja die Verträge mit der Bank sehen, um sicherzugehen, dass
wir das Geld haben, oder?

Es braucht niemand von der ‚Gegenseite‘ einen Vertrag mit der Bank sehen, es hat ihnen zu reichen, wenn sie fristgerecht ihr Geld kriegen.

Frage 2)
Zum Thema „verhandlungsstrategie“: Ich finde es immer doof,
wenn rumgepokert wird. Ist es schlau, zu sagen wir wollen 20%
weniger aus diesen oder jenen Gründen zahlen? Oder sollte man
tatsächlich bei 30% oder so anfangen… hmhm

Das kann man nicht pauschal beantworten.
Aber laß Dich nicht von Argumenten wie ‚Wir haben aber noch viele andere Interessenten‘ etc. beeindrucken.
Wenns stimmt, hast Du Pech gehabt, wenn es nicht stimmt, hast Du Dich ins Bockshorn jagen lassen.

Nun bin ich wahrlich kein Profi, aber ich hab selber ein Haus gekauft und bei ettlichen Freunden/Bekannten/Verwandten mitgekriegt, wie so was abgeht.

Noch ein Tip zur Finanzierung.
Ich hab mir damals die Adressen von rund einem Dutzend Banken rausgesucht, zwei Tage Urlaub genommen, Termine abgemacht und die Banken abgeklappert. Dann die besten drei Angebote genommen und diese Banken noch mal mit den Angeboten der anderen konfrontiert.
Es ist erstaunlich, was dann plötzlich geht.
Ich hab dabei ‚zufälligerweise‘ beim Kramen in meiner Tasche einen Stapel mit Visitenkarten anderr Banken fallen lassen und zwar so, daß der Mensch es sehen mußte :wink:
Aber es wirkt.

Viel Glück

Gandalf

noch n Tipp

kennst du das Spiel „guter Bulle - böser Bulle“?

nimm deinen Partner mit und macht vorher aus, dass der Eine das Haus toll, der Andere aber überhaupt nicht! mag.

du sagst „schau mal hier wie schön“ und der Partner sagt, die „Farbe/Fliesen/Küche o.ä. (was gerade passt)ist sche**“, die will ich nicht" - „aber Schatz“ - „vergiss Schatz, wenns soviel Geld kostet soll es mir gefallen“ - „sollen wir es deshalb lassen?“ - „klar, es gibt noch andere Häuser, weisst du noch das in …(lass dir n Ort in der Nähe einfallen)?“ - „Ja, das hat dir besser gefallen?“ - „Ja, und billiger wars auch“

und achte darauf, dass der Makler das alles mitkriegt…

der Partner sagt dann „lass uns gehen“ - du sollst mal sehen wie der Makler hinter euch herrennt - und dann kommt das erste Angebot - man nimmt NIE das erste Angebot…

hab keine Sorge wegen „lügen“ - ein Makler wird es dir nicht übel nehmen, wie man lügt kennen die und können es auch besser

bei der zweiten! Besichtigung nimmst du dann nen Freund mit, den du als Architekten (oder Handwerksmeister) vorstellst - wenns jetzt Räume gibt, die der Makler dir „sind nicht so wichtig, haben wir ja letztes Mal schon gesehen; wie gehts der wehrten Frau…?“ nicht mehr gern zeigen will - Achtung! und der Freund natürlich auch " ne zu teuer, da hab ich was besseres für dich" - „echt?“ - „klar in (s.o), hast du Zeit, dann fahrn wir gleich hin“ - „Ja, aber dieses hier?“ - „Ne“. jetzt kommt idR in zweidrei Stunden das zweite Angebot des Maklers (per Tel) - jetzt hast du ihn wo du ihn hinhaben willst

LG
Ralf

Zum Thema „verhandlungsstrategie“: Ich finde es immer doof,
wenn rumgepokert wird. Ist es schlau, zu sagen wir wollen 20%
weniger aus diesen oder jenen Gründen zahlen? Oder sollte man
tatsächlich bei 30% oder so anfangen… hmh

Hallo,

ich bin zur Zeit selber auf Haussuche, und habe mir mittlerweile auch einiges angeschaut. Was ich eigentich nur sagen kann ist, dass es tatsächlich teilweise erheblichen Spielraum gibt. Den kann man erst dann ertasten, wenn man über durchschnittliche Grundstücks- und Immobilienpreise informiert ist. Einfach „pauschal“ 20 % Abschlag einzufordern, halte ich für wenig erfolgversprechend. Wenn man dem Makler aber den Eindruck vermittelt, dass es begründet ist, weil das Grundstück nur diesen und nicht jenen Wert hat usw., dann lenken die meistens schneller ein.

Preisfrage: Ja woher weiß ich denn, wieviel Wert das Gebäude hat? Infos darüber bekommst du von dem zuständigen „Gutachterausschuss“. Die werten die Kaufverträge der letzten Jahre aus, und haben einen guten Überblick über die Marktpreise. Teilweise veröffentlichen die diese Statistiken kostenlos, teilweise sind Auskünfte gebührenpflichtig (ca. 30-200€).

Darüber hinaus empfehle ich zwei Bücher:

  • „Kauf eines gebrauchten Hauses“ von der Verbraucherzentrale empfehlen (10 €, ISBN 3-938174-05-6 Buch anschauen). Hier wird für Laien einfach und gut erklärt, auf was man bei Besichtigungen zu achten hat, und viele weitere nützliche Basics. Obwohl ich Bauingenieur bin, habe ich trotzdem noch einiges dazulernen können.

  • „Wertermittlung von Immobilien und Grundstücken“ (ISBN 3-448-06004-6 Buch anschauen). Auch dieses Buch ist einfach geschrieben, sodass auch ich als „Finanzmuffel“ es verstanden habe. Eine CD mit einem Programm zur Immobilienbewertung ist auch dabei.

Mit diesem Wissen im Hintergrund fühle ich mich dem Makler gegenüber viel sicherer und kann einfacher einschätzen, welcher Preis gerechtfertigt ist.

Zum Thema Makler muss ich als Bauingenieur, der doch ein wenig Fachwissen mitbringt, sagen, dass die wirkich oft einen Stuss erzählen. Einer wollte uns sogar weiss machen, dass man einen feuchten Keller mit ein bisschen Farbe wieder hinkriegt. Also nicht alles glauben, was die erzählen. Am besten jemanden vom Fach mitbringen, bevor es Ernst wird, selbst wenn dieser Fachmann was kostet. Immernoch besser, als wenn man hinterher böse Überraschungen erlebt.

Hallo Ruwi,

die Tipp´s, welche Du dis dato erhalten hast sind eigentlich nicht unbedingt viel wert. Ich möchte hier Niemanden angreifen, habe aber in etwa gelesen, „verhandelt wird nur mündlich, oder erstmal unten anfangen“,etc.

Bitte kurz weiterlesen, es geht um Dein Geld, nicht um das Geld der Ratgeber.

1.) Wir arbeiten als Makler (soll heissen Vermittler) nur mit schriftlichen Kaufpreisangeboten. Ohne macht es selten Sinn für uns.

2.) Ohne Finanzierungsbestätigung einer Bank gehen wir nicht zum Notar. Diese Vorgehensweise beinhaltet eine gewisse (nicht abschliessende Sicherheit für Käufer und Verkäufer). Es gibt Nicht´s schlechteres, als wenn eine FINA platzt: Wer trägt die bis dahin entstandenen Kosten?

3.) Wenn Du Mann oder Frau genug bist und eine FINA in einer gewissen Höhe hast, mach Dir Gedanken, was Dir „DAS“ Objekt wert ist und dieses Angebot gibst Du, bei uns eben schriftlich, ab.

4.) Alles was danach passiert ist entweder „Fair“ oder „Teppichhandel“.

5.) Und im Allgemeinen, ist der Makler lediglich Vermittler und nicht Verkäufer: Soll heissen: Der Makler macht keine Verkaufspeise. „Nur Angebot und Nachfrage regeln den Markt“.

Kurzes Beispiel: Wir hatten ein Haus bewertet für 60 T€ ( War den Eigentümern „Viel“ zu wenig, ca. 9 Monate haben Sie es als Privatanbieter versucht, anschl. Anruf bei uns. Nach den ersten Besichtigungen ein „Teppichhandelangebot“ über 45T€, in der Zwischenzeit (3 Wochen) zwei weitere Angebote über 60T€.

Wir haben Mittwoch Beurkundung für 62T€ , wobei 2T€ auf die EBK fallen.
Für uns also eine Punktlandung.

Der erste Bieter hat sein Angebot innerhalb von 3 Wochen von 45T€, über 50T€, dann 55t€,auf 60t€ erhöht. Dieser wird das Objekt nicht erwerben. Er ist weder für uns als Makler, als auch für die Verkäufer glaubwürdig.

Soll heissen: Teppichhändler können Teppiche erwerben, auf dem Immobilienmarkt werden sie es bei guten Maklern nicht weit bringen.

Also weiter viel Spass oder angenehmen „Handeln“.

Ach Ja, nehmt Euch einen Sachverständigen dazu, der kostet zwar Geld, aber besser heute 1.000 € ausgegeben als 30 Jahre ne´ Geldschleuder am Hals und evtl. privat nicht mehr glücklich werden.

Leider hab´ich nicht so oft die Zeit hier reinzuschauen, wir arbeiten nebenbei noch, aber wenn Du/Ihr Fragen habt, werdet Ihr alle Angaben finden. Weiterhin viel Glück.

MfG

Bernd

Stand der Dinge
Liebe Experten,
erstmal vielen Dank für die vielen Tips! Besonders die Literaturtips waren super, Danke TeeJay!!

Nun zum Stand der Dinge. Ich werde im Laufe der Woche mit einem befreundeten BauIng und ´mit dem Makler noch mal durchs Haus gehen.

Danach, und wenn ich den Brief der Brandkasse gesehen habe, kann ich beurteilen, was das Haus wert ist! Ein paar Dinge sind für uns wirklich wertmindernd, obwohl mir mehrfach bestätigt wurde das der Preis realistisch ist.

Von mir aus kann der Makler dann auch ein schriftliches Angebot von mir bekommen.

Ein paar Worte an Bernd: Du hast sicher Recht mit dem was Du schreibst, aber die Maklerzunft ist ja auch Mitauslöser dieses „Tepichhandelns“.

Wir hatten bis jetzt bei JEDEM Makler kein gutes Gefühl, da bei uns diese typischen Verkaufstricks angewendet wurden, zum Beispiel: JEDER Makler hat sich immer erstmal meine Frau geschnappt und in schillernsten Farben die Immo angepriesen. Oder Mängel werden einfach runtergespielt. Sowas nervt total!!

Da hat man dann nicht gerade das Gefühl, gut aufgehoben zu sein. Bestimmt sind nicht alle Makler so, aber es ist nicht allein der Verkäufer, der die Teppichhändler- Stimmung aufkommen lässt.

Also nochmal Danke für Eure Statements…
Ruwi