Makler verkauft dubiose Reitanlage

Hallo,
Im Mai 2008 Kauf einer Reitanlage mit 65 Stellplätzen, voll belegt. Laut Exposee des Maklers: Soforteinstieg ohne Kapitalrisiko. Makler erstellt auch das Investitionskonzept u.a. zur Vorlage bei der finanzierenden Bank. Das Investitionskonzept ist maßgebend für den Kauf und die Fianzierung. Bei einer mündlichen Bauvoranfrage bezüglich behindertengerechter Ferienzimmer (ca. 4 Monate nach Kauf)teilen Bürgermeister,Ortsbaumeister und Kreisbaumeister bei einem vor-Ort-Termin dem Käufer mit, dass Teile der Anlage keine Nutzungsänderungsgenehmigug und Teile gar keine Baugenehmigung haben. Erstaunlich, da die Anlage seit jahrzehnten besteht und über die jahre sukzessive gewachsen ist. Also alles illegal, die Herren wußten dies und haben es über Jahre zugelassen.Der Käufer klagte auf Kaufrücktritt womit eine schlimme Zeit begann. Großer Schock beim Versuch die fehlenden Genehmigungen nachträglich zu erhalten: laut einer Stellungnahme des Landwirtschaftsamtes steht der Hof im Wasserschutzgebiet weswegen es für lediglich 11 Boxen eine Genehmigung gäbe, für weiter 20 Stellplätze nur nach Erfüllen der Auflagen was eine hohe Investition voraussetzt. Der Makler hatte das Wasserschutzgebiet in der Spalte seines Investitionskonzeptes als Normalgebiet deklariert. Der Geschäftsführer der Immobilienfirma für die der Makler tätig ist gibt an, alle Unterlagen zur Objektvermittlung nach den Vorgaben des Verkäufers erstellt zu haben, der Verkäufer gibt zwischenzeitlich an, dass der Makler über alles informiert war.Demnach wurden die fehlenden Genehmigungen verschwiegen. Es entstand ein finanzieller Schaden von ca. 300000€. Der Käufer hat alles verloren und ist auf Unterstützung angewiesen. Die Immobilienfirma ist ein halbstaatliches Imperium, ein Rechtsstreit wäre nur mit einem sehr guten Anwalt möglich. Dazu fehlen die finanziellen Mittel. Es gibt sicherlich keine guten Anwälte die mit PKH oder Erfolgshornorar arbeiten. Wahrscheinlich ist die einzige Möglichkeit damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Oder? Vielen Dank im Voraus.

Hier muss sich der Käufer die Frage gefallen lassen, warum er all diese Angaben des Maklers nicht VOR dem Kauf geprüft hat.

Bei einer sicher nicht unerheblichen Investitionssumme sollte das selbstverständlich sein. Für jeden Fernseher-Kauf liest man heutzutage Testberichte und Vergleiche - aber bei einem Immobiliengeschäft in so einer Größenordnung wird nichts geprüft?

Auf Angaben eines Maklers sollte man sich als Käufer NIEMALS verlassen. Dann passiert nämlich genau das Beschriebene: der Makler behauptet, die Angaben so vom Verkäufer bekommen zu haben. Der Verkäufer behauptet, er hätte alles richtig an den Makler weitergegeben. (Im Übrigen findet sich in Makler-Exposés eigentlich immer ein dezenter Hinweis, dass für die Angaben keine Haftung übernommen wird.)
Vertrauen kann man nur den Daten, die man selbst überprüft hat.

Was soll das ‚An-die-Öffentlichkeit-Gehen‘ denn bringen? Dass dann auch wirklich jeder Privatsender-Gucker weiß, wie dusslig sich der Käufer angestellt hat und wie schön er da über den Tisch gezogen wurde?

Wenn hier überhaupt noch jemand helfen kann, dann ein Fachanwalt.

Gruß florestino

Hallo Florestino,

bedingt gebe ich Dir recht. Nur geht es hier nicht um verschwiegene Baumängel sondern um einen seit jahrzehnten bestehenden Reiterhof der verkauft wurde und als solcher nicht genutzt werden kann. Außer der Gemeinde, die den illegalen Bau im Wasserschutzgebiet zugelassen hat und dem zuständigen Kreisbaumeister sowie dieser Immobilienfirma (halbstaatlich, spezialisiert auf landwirtschaftliche Objekte)gab es als Reaktion nur absolutes Entsetzen, auch von Ämtern. Die Aussage eines Sachverständigen: „Ich kenne die Immobilienfirma sehr gut, dass denen soetwas passiert“. Klar hilft hier nur ein spezialisierter Fachanwalt. Es liegt ja auch neuerdingst die Aussage des Verkäufers vor. Es fehlen nur die finanziellen Mittel für einen Anwalt. Es ist das Bedürfnis vieler damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Sicherlich lieber im seriösen Bereich.

Gruß Heike Andrea

Hi,

Aussage des Verkäufers vor. Es fehlen nur die finanziellen
Mittel für einen Anwalt. Es ist das Bedürfnis vieler damit an
die Öffentlichkeit zu gehen. Sicherlich lieber im seriösen
Bereich.

selbst bei einem Fachanwalt sollte ein erstes Beratungsgespräch kostenlos bzw. sehr kostengünstig sein. Das Geld ist sicherlich gut angelegt und der kann ggf. recht schnell ermitteln ob es Sinn macht dagegen vorzugehen.

Weiterhin: Wenn schon Klage erhoben wurde: was ist denn daraus geworden? Wurde dieses ohne Anwalt gemacht?

Und zur Öffentlichkeit: Klar ist das eine ganz tolle Geschichte für die Regenbogenpressen - nur was bringts? Ein Teil der Zuschauer werden so reagieren wie oben, ein Teil wird denken wie schrecklich und der Rest hat es nach 2 Min. vergessen. Weiterhin denke ich, dass so ein Vorgehen nicht sonderlich förderlich für einen etwaig laufenden Prozess ist…

Grüße

Hallo Wolfgang,
dem jetzigen Anwalt ist die Sache zu „heiß“. Er möchte auch nicht mit PKH arbeiten. Durch die jetzt erst getätigte Aussage des Verkäufers ist es ein klarer Sachverhalt nur ist die Immobilienfirma ein starker Gegner. Im Aufsichtsrat sitzen u.a. ein Bankdirektor, ein Ministerialdirektor, ein Ministerialrat, der Vizepräsident des Landesbauernverbandes u.s.w… Auch der Präsident der landwirtschaftlichen Buchstelle die das Investitionskonzept des Maklers überprüft und überarbeitet hat. Mit einem privaten Immobilienunternehmen wäre es sicherlich bereits zu einer außergerichtlichen Einigung gekommen.
Die Anwältin davor hatte 5000€ Vorkasse erhalten, kurz danach wollte sie schon wieder Geld ohne viel geleistet zu haben. Es gibt wenige seriöse, wirklich gute Anwälte.
Der bisherige Rechtsstreit wurde mit einem Vergleich beendet. Der Verkäufer hinterlegte einen Teil des Kaufpreises als Bürgschaft für den Käufer bei der Bank. Die Bank konnte durch die Kündigung der Kredite auf diese Bürgschaft zurückgreifen. Zum Glück für den Käufer. Der Prozeß hätte noch weitere 2 Jahre gedauert. So lange hätte der Käufer den Hof bewirtschaften und erhalten müssen was physisch, psychisch und finanziell nicht möglich war. Durch die fehlenden Genehmigungen konnten ganze Stallungen nicht genutzt werden was die Einnahmen enorm verringerte, im Gegenzug stiegen die Ausgaben durch Anwaltskosten etc… Eine Investorin ist abgesprungen.
Die Öffentlichkeit deshalb weil alles eine Mischung aus Amtspflichtverletzung, Schlamperei und sicherlich auch Korruption ist.
Der Bürgermeister ist ein guter Freund zum Verkäufer. Es wurde wissentlich gegen den Umweltschutz verstoßen indem über Jahre die Auflagen zur Großtierhaltung in einem Wasserschutzgebiet ignoriert wurden und noch einige andere Dinge. Ein soziales Projekt (u.a. mit einer Abteilung der Deutschen Kinderkrebshilfe) konnte nicht durchgeführet werden.
Aber Du hast recht, es sollte auf keinen Fall in einem drittklassigen Sender gezeigt werden.
Danke. Grüße