Maklerpflichten

Hallo Fachleute,

bei vielen vermeintlichen Schnäppchen stellt sich (hoffentich früh genug) heraus, dass die Sache einen Haken hat.

Ist ein Makler eigentlich verpflichtet, solche Dinge anzusprechen?

Beispiel: der Besitzer mehrerer Wohnungen in einem Mehrparteienhaus ist pleite und bleibt Hausgeld und Nebenkosten schuldig, die auf die anderen Parteien und den potentiellen Käufer umgelegt werden. Muss der Makler das dem Interessenten mitteilen?

Gruß,
Andreas

Moin,

Muss der Makler das dem
Interessenten mitteilen?

nein, warum sollte er?
Er hat die Aufgabe, Käufer und Verkäufer zu vermitteln. Mehr nicht.

Gandalf

Das ist Unsinn. Die Haftpflichtversicherungen für Makler sind so hoch wie kaum in einer anderen Branche. Natürlich kann der Makler in Regress genommen werden, wenn er wichtige Dinge verschweigt.

In deinem Beispiel wäre es sogar extrem fahrlässig, gehören doch die Eigentümerversammlungsprotokolle VOR JEDEM Kauf einer Wohnung oder einer nach WEG geteilten Immobilie unbedingt vom Käufer geprüft.

In den Protokollen (min. die 3 letzten zeigen lassen) steht so manches drin, z.B. auch, ob einzelne Parteien seit Jahren gerichtlich streiten und die Atmosphäre im Haus vergiften, ob die Rücklagen hochgesetzt werden müssen, weil das Dach der Wohnanlage dringend saniert werden muss und die Rücklagen nicht reichen, etc.

Aber auch, wenn der Makler davon weiß, dass z.B. ein Schaden am Dach eines Hauses existiert und dies verschweigt, kann er hinterher zur Rechenschaft gezogen werden.

Noch ein heißer Tip: Die meisten Eigentümer schätzen ihre Immobilie aus rein emotionalen Gründen weitaus höher ein, als sie tatsächlich wert ist. Deshalb sind die meisten Immobilien, die von privat angeboten werden, zu teuer. Die Eigentümer locken zwar mit dem Argument, man spare die Maklercourtage, das nutzt nur nichts, wenn man nach der Ersparnis immer noch 10% mehr zahlen muss.

Makler sind bemüht, Immobilien realistisch anzubieten, um die Immobilie in überschaubarer Zeit zu verkaufen. Wenn ein Haus erstmal 6 Monate auf dem Markt immer wieder inseriert wird und dann reduziert werden muss, bekommt der Eigentümer am Ende weniger, als wenn das Haus innerhalb vonb 3 Monaten von Anfang an zum erzielbaren Preis veräußert worden wäre.

Viele Grüße,

Nina

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Hallo Nina!

Noch ein heißer Tip: Die meisten Eigentümer schätzen ihre
Immobilie aus rein emotionalen Gründen weitaus höher ein, als
sie tatsächlich wert ist. Deshalb sind die meisten Immobilien,
die von privat angeboten werden, zu teuer.

Danke. Ich habe mir hier deswegen schon mehrfach den Mund fusselig geredet, wenn mal wieder der Vorschlag kam, unbedingt von privat zu kaufen, weil das ach so viel günstiger ist … Jetzt fühle ich mich nicht mehr ganz so allein.

Liebe Grüße,
Max

volle Zustimmung
und deshalb gibt es auch den § 34c der Gewerbeordnung.

Sonst würde es noch mehr windige Hunde in der Branche geben und die ordentlich arbeitenden Makler hätten irgendwann das Nachsehen.

Christian

Danke. Ich habe mir hier deswegen schon mehrfach den Mund
fusselig geredet, wenn mal wieder der Vorschlag kam, unbedingt
von privat zu kaufen, weil das ach so viel günstiger ist …
Jetzt fühle ich mich nicht mehr ganz so allein.

Wer jemals längere Zeit versucht hat ein Haus zu kaufen, weiß es dann spätestens auch, wenn ihm treuherzige Eigentümer ihre „fast neue Topimmobilie“ (Baujahr 1965, letzte Renov. Heimwerker 1985, Fenster „schon Kunsstoff“) zum Preis eines Neubaus + X verkaufen wollen :smile:

Ich habe ein Mal ein Haus besichtigt mit einem Streifen Rasen vor der Terrasse und einem Traumblick auf den Kühlturm des AKW Biblis.

Die Eigentümer, ein älteres Ehepaar, haben mich, mit Blick auf eine Reihe Rosen am Ende des Rasenstreifens gefragt, ob ich schoneinmal so etwas Schönes gesehen habe.

Sie haben in dem seit 40 Jahren nicht renovierten Haus ihr Leben verbracht, die Kinder großgezogen, Freundschaften mit den Nachbarn geschlossen und sich wohlgefühlt.
Wer einmal solchen Leuten, oft in monatelangen Gesprächen, klar macht, dass ihr Haus 30% weniger Wert ist, als sie glauben und dass der Blick auf ein Atomkraftwerk ganz sicher den ein oder anderen, sagen wir, verschreckt, der weiß, wie viel Arbeit in den Gesprächen mit Eigentümern steckt und wie schwierig es ist, diesen die Realität nahe zu bringen.

Das Makeln fehlt mir, ich merke es immer wieder.

Viele Grüße zurück,

Nina

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Hallo!

Sie haben in dem seit 40 Jahren nicht renovierten Haus ihr
Leben verbracht, die Kinder großgezogen, Freundschaften mit
den Nachbarn geschlossen und sich wohlgefühlt.

Kaufe nie von privat, hat mein Vater immer gesagt, der 30 Jahre Makler war. Aber es gibt auch den umgekehrten Fall. Ein Haus, schon etwas baufällig, seit Monaten angeboten wie Sauerbier. Keiner will es haben. Und plötzlich kommt einer, der ist begeistert. So schönes Haus … so ein schöner Garten … „Das erinnert mich an zu Hause, meine Eltern hatten auch so einen großen Birnbaum im Garten …“

Gruß,
Max