Man will immer das, was man nicht kriegen kann

Liebe Experten,

ob bei Dingen oder Menschen, warum ist das so?

Ich kenne es von mir und auch anderen. Eine Freund
sagte: „Sobald ich etwas oder jemanden „haben“ kann,
ist sofort das Interesse erloschen.“

Am Seltsamsten erlebe ich dieses Phänomen im Moment mit
einer anderen Frau. Immer, wenn einer von uns jemanden
Neues kennenlernt, bricht bei dem anderen die große Liebe
aus. Ohne diese anderen Menschen streiten wir uns bloß.

Ich versteh mich schon selbst nicht mehr und halte es für
ein sehr dummes Spiel. Trotzdem fühlt es sich jedesmal sehr überzeugend und echt an.

Was ist das? Und gibt es dafür eine plausible, psychologische
Erklärung?

Vielen Dank für euren Rat!

Liebe Experten,

oder Laien…

Mein Gott, wie oft habe ich mich das auch schon gefragt! Mir kommt es
nämlich auch wie ein dummer trick der Natur vor, der uns das Leben
nur schwerer macht.

Allerdings bin ich bei meinen Überlegungen zu folgendem Schluss
gekommen:
Wieso sollten wir das wollen, was wir haben können? Das haben wir ja
praktisch schon. Wenn wir nicht nach dem streben, was uns weniger gut
erreichbar scheint, entwickeln wir uns ja nicht vorwärts.

Zugegeben, ein bisschen fies ist es beim Haben-Wollen von Menschen
schon. Aber wär ja auch dumm, wenn man im Leben an nichts mehr
arbeiten könnte.

Judy

Lieber Patrick,

Ich kenne es von mir und auch anderen. Eine Freund
sagte: „Sobald ich etwas oder jemanden „haben“ kann,
ist sofort das Interesse erloschen.“

hm, kann ich von mir so nicht sagen, zumindestens nicht so kategorisch.

Gandalf

hallo patrick,

also ich als nichtexperte meine mal, was du da beschreibst ist eine art verselbständigung negativen ausmasses.
das man nach mehr strebt oder „besserem“ ist sicher in einem bestimmten maße normal. ein besserer job, eine schönere wohnung…
doch das maß und die ausprägung sowie die gründe sind für mich hier eher entscheident über positiv und negativ.

sagen wir mal - jemand ohne ausbildung hat keinen job - anstatt klein anzufangen meint er - unter einem managerposten legt er gar nicht los - das ist ein streben nach höherem ohne den weg zu gehen der notwendig wäre, um nur ansatzweise je in die nähe zu rücken.

jeder würde sofort sagen - der spinnt doch*g

was nun menschen und beziehungen und sog. lieben betrifft - so hatte ich irgendwann mal das bild im kopf - stell 10 männer hin - man hätte immer etwas gefunden was man auszusetzen gehabt hätte - auch wenn alle toll gewesen wären optisch und auch charakterlich - der eine trägt schuhe die einem nicht gefallen, der nächste hat einen hammerdaumen, der nächste hat im verhältnis zu wenig bauchmuskeln, eine helle stimme…

ich denke, man will immer dann etwas anderes, wenn man noch gar nicht so genau weiss was man denn will - evtl maximal weiss, was man denn nicht will - aber selsbt daran habe ich so meine zweifel. auch vermute ich, dass man übersich selbst noch nicht so wirklich bescheid weiss wenn man nicht weiss woran man erkennt was einen glücklich macht. .
kenne ich meine wahren bedrüfnisse nicht, wie soll ich dann wissen was gut für mich ist und was nicht so wirklich? - und wenn man eben noch nicht wirklich liebt in dem sinne der nichtaustauschbarkeit.
aber in einer gruppe ists glaube ich noch schwerer, dynamik und so:wink:

in einer gruppe von menschen denen es ähnlich geht kann das sicher eine art hysterie auslösen, ohne dass sich die personen darüber im klaren sind. im aussen zu suchen was man im inneren nicht findet ist scheinbar der einfachste weg… aber eben nur scheinbar…

mir kommt im abstand von vielen jahren dieses verhalten kindlich bzw. verspätet noch immer unreif vor - als ob du am tisch sitzt und immer gerade das essen willst, was dein gegenüber isst - obwohl du eben noch die stulle unbedingt wolltest.
will dein gegenüber nun aber einen anderen belag - magste deinen auch nimmer - einfach weil es hier wohl um die angst davor geht etwas zu verpassen und in dem alter orientiert man sich gerne an anderen.

worum gehts denn dann in dem fall - um den belag? darum das zu haben was andere haben? und warum? - …nun tausch mal den belag aus mit einer frau:wink:

ich denke aber, man kann lernen diese verhaltensweise von der aussenwelt loszulösen bis zu einem gewissen maß. sonst wäre ja niemand glücklich und zufrieden mit dem was er ist, hat, bekommt und geben kann.

wobei es ja hier nicht ums geben sondern ums bekommen geht…

ich meine sicher keine faulen kompromisse und rede auch nicht von resignation. im nachherein betrachtet glaube ich pers., dass ich in der phase die deinem beispiel nicht unähnlich ist, dass ich einfach in einer ausprobierphase der längeren art war die ausgeufert ist in eine richtung die mir heute gar nicht mehr gefällt.

falls ich ob der frühen stunde gedanklich nicht auf dem holzweg bin,
mangelt es aus meiner sicht an „etwas“ in einem selbst und das etwas besteht aus mehrern „punkten“.

halbwache grüsse

nina

schlichte Grundüberlegung
Hallo Patrick

ihr seid in einem Wettstreit, und Menschen wetteifern nun einmal. Derjenige, der das Spielchen gewinnt, ist grösser-stärker-schöner-geschickter-schneller-schlauer-klüger oder sonstwas, einfach Sieger.

Der Ausweg lautet: fragen, was man denn von dieser „grossen Liebe“ hätte.
Es mag schön sein, zu siegen, aber was hat man von just diesem Preis? Ich glaube, Du solltest Dir klar werden, wie wenig Du davon hast.

Versuche, Dir vorzustellen, Du könntest eigentlich jede Frau haben und Deinen Freund ohnehin besiegen. Dann kannst Du Dir die Frage stellen, wieviel Dir die betreffende Frau verglichen mit anderen Frauen wert ist. Du könntest dann erkennen, ob es sich wirklich um Deine grosse Liebe handelt bzw. wie weit sich ein Kampf lohnt.

Dass Ihr, Dein Freund und Du, wetteifert, mag an sich schon einen Sieg wert sein, aber warum nicht „um einen Nussgipfel Karten spielen“ statt „um eine Frau wetteifern“?

Möglicherweise wird Dein Freund es als seinen Sieg verbuchen wollen, wenn Du nicht in diesem Fall schon wieder gegen ihn ankämpfst.

Du könntest Dir aber sagen: Ein Sieg lohnt sich nicht, denn ich habe geprüft, wie gross meine Liebe wirklich ist und ob sie wirklich erwidert wird, und ich habe befunden, dass sie so gross nicht ist und so sehr nicht erwidert wird.

Gewiss, das Mädchen gibt den Kranz dem Sieger, aber es gibt im Leben Besseres, wofür es zu kämpfen lohnt, als eine „grosse“ Liebe, die keine ist.

Such ruhig den Wettstreit mit Deinem Freund, aber nicht immer um das Gleiche, findet andere Spiele zum Wetteifern, und dann ist das auch nicht mehr so belastend. Vielleicht sollte es auch nicht immer der gleiche Freund sein, vielleicht ist Eure Freundesbeziehung zu verbraucht, dann täten Dir zusätzliche neue Freunde gut.

Such Dir die grosse Liebe, die es wert ist, und die findest Du nicht durch das Erobern von möglichst vielen Frauen, sondern durch das Erkennen, ob eine, die Du wirklich lieben kannst, Dich auch wirklich lieben kann.

Gruss
Mike

Angst vor dem Glücklichsein?

Warum, um Himmels Willen sollte man Angst davor haben, glücklich zu sein? Gute Frage, aber es gibt durchaus ein paar mögliche Antworten (gesammelt von mir und den Menschen, mit denen ich enger zu tun habe)

  • das Gefühl, nicht zu genügen
  • die Angst, andere finden einen nur so lange interessant, wie man noch neu ist. Sobald der andere einen länger kennt, fürchtet man, daß er das eigentliche wahre, abstoßende Ich kennenlernt, das man selbst nicht mag (ohne zu erkennen, daß es so abstoßend eigentlich gar nicht ist…)
  • Angst davor, sich selbst verleugnen zu müssen in einer engen Beziehung (weil man Schwierigkeiten damit hat, Grenzen zu ziehen)
  • Angst vor dem Verlassenwerden (deshalb läßt man sich lieber gar nicht auf eine tiefe Beziehung ein, sondern begnügt sich mit Verliebtheit)
  • Angst davor, daß das Glück nicht anhält (kann ja sein, aber es deshalb nicht genießen, sozusagen vorbeugend, ist doch irgendwie auch bescheuert, nicht )
  • das Gefühl, Glück nicht verdient zu haben
  • Und und und – die Liste läßt sich sicher noch länger fortsetzen. Was davon für Dich bzw. Deine Freundin zutrifft, oder was Dir sonst noch einfällt, mußt Du natürlich selbst entscheiden. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, daß diese Angst meist der Kern des Problems ist, vielleicht hilft Dir dieser Gedanke ja ein wenig weiter…

Angela

Nicht der Freund!
Hey Mike,

Das Zitat war nur von dem Freund (Eigentlich einer Freundin,
aber ich wollte eben genau dieses Mißverständnis vermeiden,
der Spruch, wäre von der Frau, mit der ich mich im Gefühls-
chaos befinde.) und meinen weltgrößten Trennungsschmerz habe
ich nicht, weil hier jemand um ein und die selbe Frau wetteifert.

Den Typ, mit dem sie sich gerade vergnügt, kenne ich gar nicht.
(Weiss lediglich, dass er sehr nett ist. - Das sind sie immer…)

Patrick

hi patrick

Am Seltsamsten erlebe ich dieses Phänomen im Moment mit
einer anderen Frau. Immer, wenn einer von uns jemanden
Neues kennenlernt, bricht bei dem anderen die große Liebe
aus. Ohne diese anderen Menschen streiten wir uns bloß.

ich glaube, das nennt man auch das arschloch-prinzip. wenn du begehrt sein willst, dann zeig dem anderen, dass dich andere begehren.

gruss
coco

Hallo…

dazu: Wisst ihr, was ich komisch finde?
(So ein bisschen kenne ich das nämlich auch…)

Bei Katzen ist das nicht so.
Ich habe einen Kater, den ich klasse finde. Ich sehe, dass er nicht besonders toll schön ist - schön, aber eben ganz normal schön. Er macht Faxen und ist süß, aber andere Kater sind vielleicht süßer oder schlauer oder schöner. Das interessiert mich absolut nicht die Bohne und ich denke auch nie darüber nach, ob ich ihn evtl loswerden möchte, damit ich einen besseren Kater finde.

Das mit dem Wollen, was man nicht kriegen kann - ob sich das ausschließlich auf Statussymbole bezieht (was Partner ja leider manchmal auch sein können :frowning: )? Es muss doch irgendwie hauptsächlich mit der Eigenaufwertung zu tun haben - - ??

Grüße
Malna

entschluldige den Fehler
Hallo Patrick

sorry für meine Dummheit, in dem Fall nervt sie Dich also mit einem andern, bzw. will Dir vordemonstrieren, dass das Leben auch ohne Dich weitergeht.

Dann wird sie Dir entweder nochmals eine Chance geben oder sie ist Dich nicht wert.
Wenn sie Dir nochmals eine Chance gibt, kann das heissen, dass Du viel für diese Chance tun musst, bzw. ihr zeigen musst, wieviel sie Dir wert ist, schön brav werden usw. wird wohl angesagt sein; der Grund, „warum wir so sind“, ist dann einfach der, dass wir uns nicht so sehr lieben, wie wir gerne geliebt werden möchten.

Wenn sie Dir aber wegen dem Bisschen Streit endgültig davonläuft, vergiss nicht nachzulesen unter dem
Link: http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…

Gruss
Mike

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Man will immer das, was man nicht kriegen kann
Hallo Patrick,

ich glaube, manchmal trifft man Menschen, von denen wir nur dann glauben wir sind in sie verliebt, wenn sie mit einem anderen zusammen sind. Der einzige Kick, den wir verspüren ist genau der Moment kurz vor der (Rück)Eroberung und dann verpufft das Gefühl in ein blasses Nichts.

Erst wenn wir zufrieden sind mit dem der morgens neben uns liegt, und froh sind, wenn er abends mit uns einschläft - und es uns kalt lässt, dass es noch viele andere Menschen auf der Welt gibt die zu haben sein könnten - dann ist es Liebe !

lg, Angela

Hi,

Ich denke, dass das daran liegt, dass Menschen immer nach der Perfektion suchen. Aber wie wir alle wissen, gibt es nichts was perfekt ist. Wenn man diese Perfektion nicht besitzt, dann sucht mit dem „das, was man noch nicht hat“ etwas zu verändern, was einen Schritt Richtung Perfektion weiterbringt.

MfG
Chingy

Dass man immer genau das haben will, was im Innern vorm geistigen Auge baumelt, scheint daran zu liegen, dass die Natur diesen Drang als „Survival-Gen“ noch mehrere Jahrhunderte mit ins zukünftige Erbgut weiter mit schleppen will - da es sich schlichtweg als effizient erwiesen hat, sich als Gattung Mensch rein evolutionär zum Klassenstreber zu entwickeln. Die Evolution klont sich also im gewissen Sinne selbst zu einer (zumindest visuellen „verbesserten“ Version) Generation für Generation weiter, indem sie versucht, immer perfekter zu werden (wobei es gerade die Fehler und Macken sind, die die Sinnexistenz doch gerade interessant machen). Der Hang zum Taube-auf-dem-Dach-Ziel ist eines, was überlebensfähiger macht. Etwas, was noch nicht entdeckt ist, zu bekommen, länger dafür zu kämpfen und auch so einiges an Ungemach dafür in Kauf zu nehmen - das macht den weiteren Schritt, den Fortschritt ja gerade interessant. Etwas, wozu es sich zu überleben lohnt (und sei es noch so unüberwindbar). Viele haben ein solches Ziel im Kopf und bei vielen schlummert es irgendwo in der hintersten Ecke des Synapsenkellers, um durch einen kurzen Kick, einen Reiz wieder entstaubt und aufpoliert zu werden. Es lebt in der nächsten verbesserten „Programmvariante“, stets zugeschnitten auf die aktuellen Bedürfnisse weiter. So ist es zwar schön zu träumen, aber noch lange nicht, muss ein Traum zu verwirklichen, auch schön sein. Hier kommt der Geselle Entscheidungsfinder nun ins Spiel und trifft die auf die aktuelle Lebenssituation günstigste Entscheidung, dem Hang, immer dem, was man nicht kriegen kann, nach zu laufen, oder schon zwei Schritte weiter im Voraus gegangen zu sein, die „Nebenwirkungen“ schon bei näherer Betrachtung der „Taube“ vorauszuahnen. Von daher war dieser Drang, instinktive Entscheidungen treffen zu können, schon immer wichtig - der Wunsch, das haben zu wollen, was man nicht kriegen kann, ließ den ersten Menschen nach einem Stock greifen, um damit die Ameisen aus dem Erdloch zu fangen. Er unterschied sich vom Tier, weil er eine Idee hatte, die er Wirklichkeit werden ließ. Wann auch immer der Mensch das in wahnwitzigen Ideen auszuleben versuchte, ging es schief. Das ist im Kleinen manchmal auch nicht anders :wink: