Manche Lügen leben ewig: Berufsverbot

Manche Lügen und Fälschungen leben ewig und haben weitreichende Folgen, z.B. die Konstantinische Schenkung.
Ich möchte auf 2 Lügen aufmerksam machen, von denen die zweite auch hier durch das Brett geistert.
LÜGE 1: Die DDR als Wirtschaftsmacht Nr. 5 in der Welt.
Die ganzen 70er und 80er Jahre durch konnte man in den westdeutschen Medien immer und immer wieder hören und lesen, die DDR sei die fünftstärkste Wirtschaftsnation der Erde und läge damit immerhin vor den Briten. Neulich habe ich beim Aufräumen ein GEO-Heft DDR gefunden, wo das so wortwörtlich drin stand.
Wenn man mal nachbohrt woher diese Positionierung kommt stößt man auf eine Liste der UNO, die auf der Selbsteinschätzung (!!!) der damaligen Regierungen beruhte. Und da hatte die DDR-Führung eben beschlossen, dass das Bruttosozialprodukt der DDR so und so hoch sei und es den „Ossis“ -welch Triumph des Sozialismus!- besser ginge als den Briten (immerhin Mutterland des Kapitalismus). Nun hatte die DDR ja im Westen unglaublich viele Anhänger und Freunde und so entstand der Mythos von der Wirtschaftsmacht DDR, den die PDS mit ihrem Gejammer über die planmäßige Zerstörung der DDR-Wirtschaft durch die Treunhandanstalt bis heute propagandistisch ausschlachtet.
Wer jemals (zu deren Lebzeiten) in der DDR (insbes. in der Provinz) war und nicht völlig Marx-hörig, dem war klar, dass das von Anfang an totaler Blödsinn war - so als würde man Rumänien zur führenden Nation in der Computer-Branche erklären.
Es wird Zeit, dass mal mit dieser Lüge aufgeräumt wird!
LÜGE 2: Berufsverbote. Ja, es gab in (West-)Deutschland Berufsverbote, und zwar als Maßregel nach den §§ 70, 61 Nr. 6 des Strafgesetzbuches. Danach kann das Gericht jemandem, der eine Straftat unter Ausnutzung seines Berufes begangen hat, dem Verurteilten die Ausübung dieses Berufs oder Gewerbes für die Dauer von 1 bis 5 Jahren verbieten. Es dürfte wohl allgemeine Ansicht sein, dass das eine sinnvolle Maßnahme zum Schutz der Bürger ist.
Daneben gab es den sog. Radikalenerlaß, der Aktivisten von bestimmten verfassungsfeindlichen Parteien vom öffentlichen Dienst fernhalten sollte. Das ist ja nun kein Berufsverbot, da niemand diese Leute an der Ausübung ihres Berufes gehindert hat. Sie sind halt bloß nicht vom Staat eingestellt worden.
Diese Regelung, ob sie nun politisch klug war oder nicht, wurde von der DDR und ihren Fans im Westen zu einer gnadenlosen Hetze gegen die Bundesrepublik Deutschland, gerade auch im Ausland, benutzt. Damals traf ich ein paar Schweden im Urlaub hier, die als einziges von Deutschland das „Berufsverbot“ kannten und den Eindruck hatten, eine Art Gestapo würde die antifaschistisch gesonnene Bevölkerung damit terrorisieren. (Viele, viele Jahre später kam dann heraus, dass es in Schweden ein viel rigoroseres Berufsverbot gegen Kommunisten gegeben hatte, bloß eben im Geheimen, während die Deutschen -ehrlich, aber doof- den Radikalen den Verwaltungsrechtsweg eröffnet hatten.)
In der Tat war die Zahl der von dem angeblichen Berufsverbot betroffenen recht gering, unter anderem deshalb, weil es nur Aktivisten von DKP, NPD etc. betraf, also Leute die bei Wahlen für diese Parteien kandidierten, Führungspositionen innehatten.
Am Ende war dann eigentlich nur noch dieser legendäre Briefträger übrig, übrigens ein hoher DKP-Funktionär, der von der DDR als so eine Art Vorführ-Berufsverbots-Opfer unterhalten wurde.
Nach dem Ende der DDR haben sich dann folgende Entwicklungen ergeben: Erstens hat der Europäische Gerichtshof diese Praxis für illegal erklärt, die Betroffenen sind -soweit ich weiß- vom Staat entschädigt worden, darunter auch der verhinderte Briefträger. Zweitens hat sich herausgestellt, dass DKP-Anhänger jahrelang wichtige Post der dt. und US-Geheimdienste in die DDR
geschickt haben, und zwar ganz einfach dadurch, dass sie die Sendungen in den Verteilerzentren in die Postsäcke für die DDR warfen und die Stasi, die ja den gesamten Postverkehr aus dem Westen gescannt (und nebenbei mehrere Millionen Mark daraus unterschlagen) hat, hat diese vermeintlichen Irrläufer dann eingesammelt. Ein einfacher „Briefträger“ kann also sehr wohl dem Staat erheblichen Schaden zufügen!
Drittens ist nach dem Ende der DDR entdeckt worden, dass die DKPler in der Bundesrepublik Deutschland eine paramilitärische Guerilla-Organisation unterhielten, die im Spannungsfall im Hinterland Sabotageakte und Anschläge verüben sollte. Darunter waren auch Leute, die sich jahrelang als Opfer des Berufsverbots präsentierten!
mfg frank

zum thema „berufsverbot“:

es ist ja auch vollkommen verstaendlich. wenn jemand in der gefahr steht irgendjemanden zu schaden, sollten man ihn davon hindern. ob es nun der pizzabaecker ist, der tbc hat, oder der alkoholkranke busfahrer oder eben der „radikale“ (ob links ob rechts, jedenfalls nicht auf dem boden der fdgo stehend) im oeffentlichen dienst. mir macht es auf jedenfall auch sinn.
Desweiteren hat sich in diesem land ja auch niemand darueber beschwert, dass bekennenden scientologen es (zumindest in bayern) verwehrt wurde in den oeffentlichen dienst zu treten (m.E. auch zu recht).

viele Gruesse
Raoul

Zweitens hat sich herausgestellt, dass
DKP-Anhänger jahrelang wichtige Post der dt. und
US-Geheimdienste in die DDR
geschickt haben, und zwar ganz einfach dadurch, dass sie die
Sendungen in den Verteilerzentren in die Postsäcke für die DDR
warfen und die Stasi, die ja den gesamten Postverkehr aus dem
Westen gescannt (und nebenbei mehrere Millionen Mark daraus
unterschlagen) hat, hat diese vermeintlichen Irrläufer dann
eingesammelt. Ein einfacher „Briefträger“ kann also sehr wohl
dem Staat erheblichen Schaden zufügen!

Ich lach’ mich tot!

Ein Geheimdienst, der seine Post mit der (damaligen) Deutschen Bundespost versendet. Dafür gehört ein Berufsverbot ausgesprochen.

Elmar

LÜGE 2: Berufsverbote. Ja, es gab in (West-)Deutschland
Berufsverbote, und zwar als Maßregel nach den §§ 70, 61 Nr. 6
des Strafgesetzbuches.

Und? Wo ist da die Lüge?

Mit freundlichen Grüßen,

A. Tillmann

Lügen haben kurze Beine
Hallo Frank

LÜGE 1: Naja, die hat doch nicht wirklich irgendjemand geglaubt, oder ? Obwohl, was Exportzahlen angeht, war die DDR nicht schlecht, im Vergleich mit anderen „Ostblockstaaten“ sogar spitze. Nur hatten die Leute im eigenen Land da natürlich herzlich wenig davon. Ich glaube, es war vor der Wiedervereinigung einfacher, in der BRD ein Bügeleisen zu kaufen, das in der DDR hergestellt wurde, als in der DDR.

LÜGE 2:
Daneben gab es den sog. Radikalenerlaß, der Aktivisten von
bestimmten verfassungsfeindlichen Parteien vom öffentlichen
Dienst fernhalten sollte. Das ist ja nun kein Berufsverbot, da
niemand diese Leute an der Ausübung ihres Berufes gehindert
hat. Sie sind halt bloß nicht vom Staat eingestellt worden.

Dies ist definitiv falsch. Nach Angaben der GEW gab es bis 1980 136 Entlassungen aufgrund des Radikalenerlasses. Wieviele gar nicht erst eingestellt wurden, werden wir wohl nie erfahren. Und dass es Berufe gibt, die nur im öffentlichen Dienst (bzw. Beamtentum) ausgebildet und benötigt werden, dürften jedem bekannt sein.

Diese Regelung, ob sie nun politisch klug war oder nicht,
wurde von der DDR und ihren Fans im Westen zu einer
gnadenlosen Hetze gegen die Bundesrepublik Deutschland, gerade
auch im Ausland, benutzt.

Das ist eine subjektive Wertung.

Damals traf ich ein paar Schweden im

Urlaub hier,

wohl nicht sehr repräsentativ, oder ? :smile:

während die

Deutschen -ehrlich, aber doof- den Radikalen den
Verwaltungsrechtsweg eröffnet hatten.)

mit welchen Aussichten auf Erfolg ?

In der Tat war die Zahl der von dem angeblichen Berufsverbot
betroffenen recht gering, unter anderem deshalb, weil es nur
Aktivisten von DKP, NPD etc. betraf, also Leute die bei Wahlen
für diese Parteien kandidierten, Führungspositionen
innehatten.

Weist du, wieviele Leute davon betroffen waren, in dem sie z.B. gar nicht erst eingestellt wurden ? Kennst du einen Fall, wo ein NPD-Mensch davon betroffen war ?

Immerhin gab es bis 1980 (wieder nach GEW) 11000 Verfahren, 2200 Disziplinarverfahren und wie erwähnt 136 Entlassungen aufgrund des Radikalenerlasses.

Erstens hat der Europäische Gerichtshof diese Praxis

für illegal erklärt,

Das war 1995, trotzdem gibt es immer noch zwei Bundesländer, in denen der Radikalenerlass nicht abgeschafft wurde, merkwürdig oder ?

die Betroffenen sind -soweit ich weiß-

vom Staat entschädigt worden, darunter auch der verhinderte
Briefträger.

Da weist du mehr als ich. Quelle ?

Zweitens hat sich herausgestellt, dass

DKP-Anhänger jahrelang wichtige Post der dt. und
US-Geheimdienste in die DDR
geschickt haben,

*lach*
wie sah denn so ein Brief aus, Adresse: Dt. Geheimdienst, Absender: CIA und umgekehrt ? *hmmmpf*

Drittens ist nach dem Ende der DDR entdeckt worden, dass die
DKPler in der Bundesrepublik Deutschland eine paramilitärische
Guerilla-Organisation unterhielten, die im Spannungsfall im
Hinterland Sabotageakte und Anschläge verüben sollte. Darunter
waren auch Leute, die sich jahrelang als Opfer des
Berufsverbots präsentierten!

Das ist eine interessante Behauptung. Quelle ?

Gruss
Marion

Ich lach’ mich tot!

Ein Geheimdienst, der seine Post mit der (damaligen) Deutschen
Bundespost versendet. Dafür gehört ein Berufsverbot
ausgesprochen.
Elmar

Hallo Elmar!
Jede Bürokratie zettelt größere Papierkriege an, so auch die Geheimdienste. Daher ist es schon aus Kapazitätsgründen gar nicht möglich, alle Akten durch Kurier zu verschicken. Im übrigen besteht Geheimdienstarbeit zum größten Teil aus dem Sammeln von scheinbar unwichtigen Details: Wer wird befördert, wer wird versetzt, wer bekommt eine Abmahnung, wer klagt gegen den Diensthern, wer geht zu welchem Arzt? All das sind Ansatzpunkte um z.B. Agenten zu werben. Und das MfS war darin ja sehr erfolgreich! Was soll eine Behörde, und sei es der BND oder MAD denn mit dem ganzen Papierkram machen??? Natürlich wird das Zeug mit der Post geschickt.
Übrigens verschicken auch Juweliere ihre Diamanten ganz simpel mit der Post, denn im Schnitt ist die Verlustquote der Post minimal!
mfG frank

Hallo! Ich wollte darauf hinweisen, dass ein juristischer Fachbegriff, weil er so schön gruselig klingt, für etwas anderes benutzt wurde. Tatsächlich hat der Staat aber niemandem den Beruf „verboten“ sondern lediglich bestimmte Leute nicht eingestellt! Wenn ich mich als Justiziar bei DaimlerChrysler bewerbe und nicht genommen werde dann verhängt DaimlerChrysler kein „Berufsverbot“ über mich! Niemand hat die DKP- oder NPD-Aktivisten daran gehindert, z.B. bei UPS, GermanParcel, DPD und und und „Briefträger“ zu werden! Niemand hat diese Leute daran gehindert, Lehrer an einer privaten Schule zu werden. Es gibt sogar jede Menge Lokführer bei privaten Eisenbahnen in Deutschland. Von Berufsverbot kann also keine Rede sein!
Einzige Ausnahmen: Richter, Polizist, Soldat - hier wirkt sich eine Nicht-Anstellung beim Staat im Ergebnis wirklich wie ein Berufsaverbot aus.
mfg frank

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Frank

LÜGE 1: Naja, die hat doch nicht wirklich irgendjemand geglaubt, oder ? Obwohl, was Exportzahlen angeht, war die DDR nicht schlecht, im Vergleich mit anderen „Ostblockstaaten“ sogar spitze. Nur hatten die Leute im eigenen Land da natürlich herzlich wenig davon. Ich glaube, es war vor der Wiedervereinigung einfacher, in der BRD ein Bügeleisen zu kaufen, das in der DDR hergestellt wurde, als in der DDR.

Gruss
Marion

Hallo Marion!
Da muß ich Dich aber leider enttäuschen! Die DDR hatte gerade hier im Raum Köln/Bonn unglaublich viele Anhänger und Fans.
Ich kann mich an genügend Diskussionen erinnern, wo mich Leute ernsthaft davon überzeugen wollten, dass die DDR das bessere Deutschland sei, dass die DDR nicht nur antifaschistisch, sondern auch ökologisch und ökonomisch ganz weit vorn läge, dass es den Arbeitern in der BRD per saldo besser ginge als im Westen.
Und die Sache mit dem ökonomischen Erfolg der DDR stand früher jedes Jahr mehrmals in der Zeitung. Das alte GEO-Heft „DDR“ erwähnte ich ja schon.
Der Erfolg der DDR im Export beruhte allein auf Dumping, d.h. der Quelle-Katalog war voll mit DDR-Erzeugnissen (díe bis zur Einführung der Mikro-Elektrik auch bei Haushaltsgeräten gar nicht so schlecht waren, z.B. Kameras!), die alle zu Preisen unter den Erzeugungskosten (z.B: Öl-Preis!) verschleudert wurden. Wohin das am Ende führt haben wir ja miterlebt.
Kurz gesagt: Ich kann Usbekistan oder Kasachstan in Kürze zur weltweit führenden Export-Nation machen, wenn ich Endprodukte, die mich in der Erzeugung 100 US-$ kosten, für 50 US-§ verschleudere. Es ist bloß die Frage wie lange ein Staat sowas durchhält!
mfg frank

Hallo,

zur 1. Lüge:

Ja, jeder der in der leibhaftigen DDR war, dürfte über eine solche Behauptung den Kopf schütteln. Da fällt mir nur der Witz von der japanischen Delegation auf DDR-Besuch ein. Frage: Was hat ihnen an unserem Land am besten gefallen? Antwort: Die Museen. Pergamon, Robotron…

Zur Lüge 2:

Die Diskussion geht IMHO am Wesentlichen vorbei. Natürlich konnten die Betroffenen irgendeiner Beschäftigung nachgehen, das steht ausser Frage. Was sie nicht konnten, ist den „Beruf“ Beamter wählen; in Angesicht der Vorteile, die der Beamtenstatus mit sich brachte (bringt), sicherlich ein schwerwiegender Eingriff in die Persönlichkeitsrechte. Dies traf 1.250 Menschen, die aufgrund der Regelanfrage beim Verfassungsschutz nicht in den Staatsdienst übernommen wurden; 256 Menschen wurden aus dem selben Grund aus dem Staatsdienst entlassen.
Weiterhin sollte man bedenken, dass z. B. ein zwischen 1972 - 1976 (offizielle Laufzeit des Radikalenerlasses) entlassener Postbote (der damals Postbeamter war) keine Möglichkeit hatte, seinen erlernten/gewählten Beruf weiter auszuüben. Die Post hatte damals das Monopol auf sämtliche Brief- und Paketzustellungen; die von Dir genannten Privatunternehmen sind erst seit Mitte der 80er Jahre in Deutschland zugelassen. In Übrigen ist es doch ein gelinder Unterschied, ob ich Fahrer bei UPS mit reichlich geringer Bezahlung oder Beamter auf Lebenszeit mit BAT-Tarif bin, oder? Ähnliches gilt wohl auch für Lehrer. Was soll ein Lehramtsbewerber Latein auf einer privaten Schule? Nicht zu vergessen ebenfalls: der gesamte Öffentliche Dienst - also von der Müllabfuhr bis hin zum Bundesverfassungsgericht - war für die Betroffenen sowohl im Beamten- wie auch im Angestelltenverhältnis gesperrt. Das kommt einem Berufsverbot doch schon ziemlich nahe.

Interessant übrigens, dass Bundeskanzler Schröder seine Examensarbeit 1969 genau über dieses Thema geschrieben hatte. Er legte darin dar, dass die blosse Mitgliedschaft in einer nicht verbotenen Partei keinesfalls ein Berufsverbot rechtfertige.

Selbst wenn der Europäische Gerichtshof dieses Verfahren als ungesetzlich eingestuft hat, ist der Radikalenerlass heute noch in Bayern und Baden-Würtemberg in Kraft. Es ist auch nicht nur der berühmte Briefträger übrig. In Tübingen versucht z. B. ein Lehrer, nach 23 Jahren wieder in den Staatsdienst zurückzukommen etc.

Gruss
Peter

Dies ist definitiv falsch. Nach Angaben der GEW gab es bis
1980 136 Entlassungen aufgrund des Radikalenerlasses. Wieviele
gar nicht erst eingestellt wurden, werden wir wohl nie
erfahren. Und dass es Berufe gibt, die nur im öffentlichen
Dienst (bzw. Beamtentum) ausgebildet und benötigt werden,
dürften jedem bekannt sein.

aber diese entlassungen gab es nur im oeffentlichen dienst. und dieses argument mit „wieviele gar nicht erst eingestellt wurden“ zaehlt nicht. denn 1) wurden ja nur bekannte aktivisten einer partei entlassen bzw. nicht eingestellt (in deutschland gibt es ja immer noch geheime wahlen) und 2) jde firma hat zwischen mehreren bewerben zu wählen, sind die jetzt auch ein verbrecherregime?

Diese Regelung, ob sie nun politisch klug war oder nicht,
wurde von der DDR und ihren Fans im Westen zu einer
gnadenlosen Hetze gegen die Bundesrepublik Deutschland, gerade
auch im Ausland, benutzt.

Das ist eine subjektive Wertung.

nein. lies mal ddr zeitungen aus der zeit…

Weist du, wieviele Leute davon betroffen waren, in dem sie
z.B. gar nicht erst eingestellt wurden ? Kennst du einen Fall,
wo ein NPD-Mensch davon betroffen war ?

soviele leute koennen nicht betroffen gewesen sein, da es soviele aktivisten in diesen parteien garnicht gibt, und von denen auch nicht soviele in den oeffentlichen dienst wollen. ich kenn mehrere faelle wo ein npd aktivist davon betroffen war (oder hast du schonmal einen beamten mit glatze und springerstiefel gesehen?)

Immerhin gab es bis 1980 (wieder nach GEW) 11000 Verfahren,
2200 Disziplinarverfahren und wie erwähnt 136 Entlassungen
aufgrund des Radikalenerlasses.

Erstens hat der Europäische Gerichtshof diese Praxis

für illegal erklärt,

Das war 1995, trotzdem gibt es immer noch zwei Bundesländer,
in denen der Radikalenerlass nicht abgeschafft wurde,
merkwürdig oder ?

noe. find ich voellig in ordnung. ich moechte nicht, dass menschen von meinem staat bezahlt werden, die diesem staat an die waesche wollen…

gruesse
Raoul

Ok, alles klar (o.T.)
.

Spednaz (oder so…)
Frank hat recht.

Drittens ist nach dem Ende der DDR entdeckt worden, dass die
DKPler in der Bundesrepublik Deutschland eine paramilitärische
Guerilla-Organisation unterhielten, die im Spannungsfall im
Hinterland Sabotageakte und Anschläge verüben sollte. Darunter
waren auch Leute, die sich jahrelang als Opfer des
Berufsverbots präsentierten!

Das ist eine interessante Behauptung. Quelle ?

Es gab in der DDR richtige Ausbildungslager für Saboteure etc. Diese Leute nennt man Spednaz (das ist wohl eine russische Abkürzung - ich weiß nicht, ob ich sie richtig geschrieben habe). Das besondere dabei ist, dass diese Leute nicht als Agenten tätig sidn, wodurch sie vielleicht auffallen könnten.

Sie sind sog. „Schläfer“, die erst auf ein bestimmtes Stichwort eine bestimmte Handlung vollziehen. DB-Beamte waren eine gute Zielgruppe für dieses Verfahren, weil die NATO-Logistik wesentlich auf die Eisenbahn abgestellt war. Da brauchte es im Kriegsfall nur mal eine falsch gestellte Weiche…

Natürlich waren auch Sprengstoffanschläge vorgesehen. In den Listen, die sich die CIA unter den Nagel gerissen hat, werden sicher auch diese Agenten verzeichnet sein. Auch bei der Gauck-Behörde ist in dem Zusammenhang einiges aufgetaucht.

Buch zum Thema:

„Einsatzkommandos an der unsichtbaren Front“
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3861531836

Gruß,
Andreas

Hallo Andreas
:
: Es gab in der DDR richtige Ausbildungslager für Saboteure etc.
: Diese Leute nennt man Spednaz (das ist wohl eine russische
: Abkürzung - ich weiß nicht, ob ich sie richtig geschrieben
: habe). Das besondere dabei ist, dass diese Leute nicht als
: Agenten tätig sidn, wodurch sie vielleicht auffallen könnten.
:
: Sie sind sog. „Schläfer“, die erst auf ein bestimmtes
: Stichwort eine bestimmte Handlung vollziehen. DB-Beamte waren
: eine gute Zielgruppe für dieses Verfahren, weil die
: NATO-Logistik wesentlich auf die Eisenbahn abgestellt war. Da
: brauchte es im Kriegsfall nur mal eine falsch gestellte
: Weiche…

Das es so etwas gegeben hat, ist mir klar. Nur: die Behauptung von Frank ging ja dahin, dass
diese Leute sich aus Parteimitgliedern der DKP rekrutierten. Wäre das nicht etwas zu dämlich ?
Es hätte sich doch jeder ausrechnen können, dass gerade DKPler unter besonderer
Beobachtung stehen würden.

Ich empfinde es in diesem Zusammenhang übrigens schon fast als Ironie des Schicksals wenn man bedenkt, dass der gleiche Kanzler, der die Einführung des Radikaltenerlasses zu verantworten hat, letztendlich durch einen „Ost-Maulwurf“ seinen Hut nehmen musst, nur saß dieser nicht im Post- sondern im Kanzleramt. :smile:

Gruss
Marion

Hallo Raoul

aber diese entlassungen gab es nur im oeffentlichen dienst.
und dieses argument mit „wieviele gar nicht erst eingestellt
wurden“ zaehlt nicht. denn 1) wurden ja nur bekannte
aktivisten einer partei entlassen bzw. nicht eingestellt

vielleicht ist es dir nicht bekannt, aber das Recht einer Partei anzugehören, für sie zu kandidieren etc. ist eines der demokratischen Grundrechte (solange diese Partei nicht verboten ist). Wenn dieses Recht jemandem nicht zugestanden wird (z.B. einem Lehrer oder Postboten) ohne dass er dadurch riskiert seinen Job zu verlieren dann könnte man das u.U. als eine Einschränkung dieses demokratischen Grundrechts werten. Siehst du das nicht ?

(in

deutschland gibt es ja immer noch geheime wahlen)

*hmmmpf* ja und ?

und 2) jde

firma hat zwischen mehreren bewerben zu wählen, sind die jetzt
auch ein verbrecherregime?

Soweit ich weiss, darf keine Firma einen Bewerber allein aufgrund seiner Parteizugehörigkeit entlassen.

Diese Regelung, ob sie nun politisch klug war oder nicht,
wurde von der DDR und ihren Fans im Westen zu einer
gnadenlosen Hetze gegen die Bundesrepublik Deutschland, gerade
auch im Ausland, benutzt.

Das ist eine subjektive Wertung.

nein. lies mal ddr zeitungen aus der zeit…

Mit „subjektiver Wertung“ meine ich, es ist subjektiv, dies als „Hetze“ zu bezeichnen.

(oder hast du schonmal einen beamten mit glatze und

springerstiefel gesehen?)

Es geht beim Extremistenerlass weder um Frisur noch um Fussbekleidung Raoul. Im Übrigen kenn ich viele Beamte mit Glatze :smile:

Das war 1995, trotzdem gibt es immer noch zwei Bundesländer,
in denen der Radikalenerlass nicht abgeschafft wurde,
merkwürdig oder ?

noe. find ich voellig in ordnung. ich moechte nicht, dass
menschen von meinem staat bezahlt werden, die diesem staat an
die waesche wollen…

ach Raoul, du hast es nicht verstanden, gell ?
Jeder, der aufgrund des Radikalenerlasses in einem dieser beiden Bundesländer seinen Job verlieren würde, könnte vor dem europäischen Gerichtshof erfolgreich dagegen klagen. Was soll das also noch ?

Immerhin hat mich die Diskussion um den Radikalenerlass damals zu der Entscheidung gebracht, nie einen Beruf zu erlernen, in dem ich vom Wohlwollen des Staates abhängig bin, um diesen auch ausüben zu können, oder mir ein Parteibuch zuzulegen.
Und ich will niemandem an die Wäsche. Ich bin ein überzeugter Befürworter der Demokratie.

Gruss
Marion

Hallo Frank :smile:

Da muß ich Dich aber leider enttäuschen! Die DDR hatte gerade
hier im Raum Köln/Bonn unglaublich viele Anhänger und Fans.
Ich kann mich an genügend Diskussionen erinnern, wo mich Leute
ernsthaft davon überzeugen wollten, dass die DDR das bessere
Deutschland sei, dass die DDR nicht nur antifaschistisch,
sondern auch ökologisch und ökonomisch ganz weit vorn läge,
dass es den Arbeitern in der BRD per saldo besser ginge als im
Westen.

Das kann ich ja fast nicht glauben, zumindest was das ökonomische angeht. Da hat doch ein Tagesbesuch in Ostberlin gereicht, um zu sehen, was diesbezüglich da los war, oder nicht ? Man hatte dort doch schon Probleme, sein paar Mark Umtauschgeld loszuwerden.

Der Erfolg der DDR im Export beruhte allein auf Dumping, d.h.
der Quelle-Katalog war voll mit DDR-Erzeugnissen (díe bis zur
Einführung der Mikro-Elektrik auch bei Haushaltsgeräten gar
nicht so schlecht waren, z.B. Kameras!), die alle zu Preisen
unter den Erzeugungskosten (z.B: Öl-Preis!) verschleudert
wurden. Wohin das am Ende führt haben wir ja miterlebt.

Ja klar, aber die DDR war eben wie die meisten Ostblockstaaten auf Devisen angewiesen, um z.B. Öl zu importieren. Dass die Weststaaten diese Marktmacht ausgenutzt haben, kann man ja nicht der DDR anlasten, oder ? Ich wette, die hätten ihre Bügeleisen auch lieber im eigenen Land verkauft. Durch diese „terms of trade“ werden heutzutage übrigens immer noch zig Länder in Armut gehalten.

liebe Grüsse
Marion

Das es so etwas gegeben hat, ist mir klar. Nur: die
Behauptung von Frank ging ja dahin, dass
diese Leute sich aus Parteimitgliedern der DKP rekrutierten.
Wäre das nicht etwas zu dämlich ?
Es hätte sich doch jeder ausrechnen können, dass gerade
DKPler unter besonderer
Beobachtung stehen würden.

War aber so. Als ‚Funktionär‘ der Friedensbewegung anfang der 80’er war ich verschiedentlich zu Gast bei internen Veranstaltungen der DKP. Bei einem mehrtägigen Seminar, Thema ‚Die DKP in der Friedensbewegung‘ o. ä., wurde es abends auf ein Mal gespenstisch. Während die meisten Teilnehmer sich zu einem Bier zurückzogen, aufgrund des guten Wetters im nahegelegenen Wald, tauchten andere Teilnehmer überraschend in Tarnuniformen auf und begannen mit Wehrsportübungen.
Fragen dazu wurden ignoriert, Diskussionen abgewürgt.

Kurz nach Ende der Tätärää 90 oder 91 brachte der SPIEGEL Licht in die Sache: tatsächlich hatte die DKP, unbemerkt von westl. Geheimdiensten, eine eigene Militärorganisation (MO) aufgebaut, deren Mitglieder in der DDR militärisch insbes. für die Durchführung von Sabotageakten gedrillt wurden. Da die Online-Archive des SPIEGEL nur zwei Jahre zurückreichen, kann ich keine direkte Quelle nennen. Die einzige Quelle hierzu im Internet habe ich unter http://members.tripod.de/thcfranke/dokmord.htm gefunden.

Kurz nach Ende der Tätärää 90 oder 91 brachte der SPIEGEL
Licht in die Sache: tatsächlich hatte die DKP, unbemerkt von
westl. Geheimdiensten, eine eigene Militärorganisation (MO)
aufgebaut, deren Mitglieder in der DDR militärisch insbes. für
die Durchführung von Sabotageakten gedrillt wurden.

Du meinst, das mitten in den Zeiten des kalten Krieges Bundesbürger (mit DKP Parteibuch) unbemerkt vom MAD über die Grenze zwischen BRD und DDR hin und herhüpfen konnte, um in der DDR militärisch ausgebildet zu werden ? Während zur gleichen Zeit die Behörden immerhin so genau über die Linke Szene informiert waren, das sie entscheiden konnten, wen sie in den Staatsdienst lassen und wen nicht ?

Allein…mir fehlt der Glaube…
Jaja, ich weiss, aber wenn man zwei schier unglaubliche Geschichten hört muss man sich dafür entscheiden, welche von beiden denn noch am unglaubwürdigsten klingt.

Gruss
Marion