Hallo zusammen,
ich bin 26 Jahre alt, Student und habe gerade einen 9monatigen Auslandsaufenthalt in den USA begonnen, was für mich gerade eine komlett neue Erfahrung bedeuted, speziell im zwischenmenschlichen Bereich.
Da ich Moment ziemlich hilflos bin, wende ich mich an dieses Forum. Ich habe schon die Suchfunktion genutzt, um im Archiv zu forschen, habe auch nützliche Sachen gefunden, bin aber sehr unschlüssig darüber, ob ich das Richtige herausgefunden habe.
Mein Problem ist folgendes: Komme ich in eine Gruppe neuer Menschen, erlebe ich einen extremen Druck, unbedingt unterhaltsam zu sein, eine sprühende Konversation zu entfachen oder wenigstens etwas Witziges zu sagen. Ich kann mich in diesen Momenten selbst nicht ertragen. Dieser (Erfolgs)Druck ist natürlich extrem hinderlich, ich verhalte mich verkrampft und am Ende sage ich gar nichts, neue Kontakte entstehen somit nur schwerlich.
Ich habe einen Artikel online gefunden, unter http://www.panikattacken.at/soziale_phobie/sozialpho… und ihn mal unter die Lupe genommen, es sind ein paar Fragen zur Selbsthilfe enthalten. Meine Antworten fasse ich mal kurz zusammen:
Meine Befürchtungen in diesen Situationen klingen ungefähr so: ich werde nicht ankommen, Unsinn reden, ich bin den anderen nicht gewachsen und wirke sehr unsympatisch.
Begleiterscheinungen sind Anspannung und dazu ein mulmiges Gefühl im Magen. Oftmals ertappe ich mich bei Gedanken wie: ‚also mein Freund XYZ macht immer das und das und kommt damit super an‘. Gewissermaßen andere kopieren; dann versteife ich mich auf solche Gedankengänge und spontane Reaktionen sind so quasi ausgeschlossen.
Hört sich übel an, oder? Ist es auch… ich fühl mich wirklich unwohl dabei, vor allem ist nicht normal!
Was ich in diesen Situationen dann mache, ist entweder gar nichts zu sagen. Oder ich versuche mich dazu zu zwingen, etwas zu sagen, dass kommt aber total, ich sage mal, ‚falsch‘ bzw. ‚unecht‘ rüber, da ich halt sehr verkrampft bin. Das ist das Schlimmste daran: ich sehe den anderen Leuten dann an, wie sie sich innerlich wundern: Was labert er?? Das verschlimmert natürlich die Lage und so geht es weiter…
Passiert das Ganze auf einer Party, gehe ich bspw. häufig zur Bar, um aus dieser angespannten Situation herauszukommen, in der ich fremde Leute ansprechen ‚muss‘ und nicht weiß, wie. Aktives Versuchen, mich zu entspannen, einfach NUR zu entspannen, funktioniert nicht wirklich.
Wenn ich diesen Artikel unter obiger url richtig verstanden habe, klingt das soweit astrein nach „Sozialer Phobie“, also die Angst vor der schlechte Beurteilung durch andere.
Ich muss aber jetzt ein großer ABER geben: ich habe auch Leute hier kennengelernt, mit denen ich sehr gut auskomme. Ich hatte auch schon viel Spaß hier. Sobald aber Leute nicht 100%ig auf meiner Wellenlänge sind, kommt diese spezielle und sehr lästige Drucksituation heraus. Speziell, wenn diese Leute sehr unterhaltsame Zeitgenossen sind und viele andere begeistern können. Ich habe dann die Befürchtung, nicht mithalten zu können und meide sie.
Klingt das immer noch nach Sozialer Phobie?
Ich will hier ein konkretes Beispiel geben, was mir persönlich sehr zugesetzt hat.
Es geht um einen Autoausflug, wir waren zu fünft im Auto. 2 der Insassen haben sich prächtig verstanden und sich fast die ganze Zeit unterhalten. Die anderen beiden, ein Paar, waren eher still. Ich saß am Steuer. Nichts Schlimmes, oder? Normale Situation…
Ich aber war die ganze Zeit unter Druck, irgendetwas zu sagen, habe mich auf diesen Druck fixiert, und - genau, gar nichts gesagt, und war dazu ziemlich angespannt und sehr wortkarg. Die Atmosphäre ist jetzt nach dem Trip ziemlich im Eimer, das Paar ist sehr irritiert von meinem Verhalten. Ich war mir im Auto die ganze Zeit über bewusst, dass es total abwegig ist, solch einen Druck zu verspüren. Ich kann aber nicht abschalten, ich schaffe es noch nicht mal, mich zu entkrampfen.
Und sowas passiert dauernd, es ist sehr anstrengend. Ich fange schon an, solche Trips zu meiden, obwohl ich weiß, dass das genau das Falsche ist.
Ist das Soziale Phobie oder habe ich einfach nur eine Macke, dass ich nicht zwischen Leuten unterscheiden kann, die ich mag bzw. mit denen ich nicht auf einer Wellenlänge bin? Ich bin gewissermaßen ratlos.
Interessant ist noch, wieder dem obigen Artikel zufolge, warum ist mir mein angestrebtes Verhalten (beliebt bei jedermann, im Mittelpunkt), so wichtig?
Folgende Antworten habe ich herausgearbeitet: ich habe ein unbändiges Verlangen nach mehr Freundschaft, und danach, unbeschwerter zu leben, frei von diesem Druck. Das aber verursacht anscheinend gerade den Druck. Bin ich in einer Situation, wo es einfach darauf ankommt, ‚eine gute Zeit zu haben‘, überfordert mich das und obig Beschriebenes passiert.
Deswegen mein Verdacht: einfach nur mangelnde soziale Kompetenz? Fehlende Erfahrung im Umgang mit solchen Situationen?
Ich bin mir jedenfalls ziemlich sicher, dass Stichpunkte wie Selbstsicherheit oder sogar Selbstliebe eine wichtige Rolle spielen. Nimmt man sich selber an und wird sich sein eigener Freund, dann passiert dasselbe mit den Leuten, die man in seinem Umfeld trifft. Und, entsprechend einiger Recherche im Internet, kann ich davon durchaus mehr vertragen. Habt ihr ev. Ratschläge dies betreffend?
Mann, das ist viel Text. Vielen vielen Dank schonmal für alle Anworten und Ratschläge! Ich hätte jedenfalls nicht geschrieben, wäre es nicht ein großes, aktuelles und vor allem nerviges Problem…
Viele Grüße,
Frank
Auf Deine beschriebenen Probleme kann man nur in einem halben Buch oder eben sehr kurz antworten. Denn ein Teil Deiner Verkramftheit besteht im drüber Nachgrübeln.