Mangelnde Soziale Kompetenz oder Phobie?

Hallo zusammen,

ich bin 26 Jahre alt, Student und habe gerade einen 9monatigen Auslandsaufenthalt in den USA begonnen, was für mich gerade eine komlett neue Erfahrung bedeuted, speziell im zwischenmenschlichen Bereich.
Da ich Moment ziemlich hilflos bin, wende ich mich an dieses Forum. Ich habe schon die Suchfunktion genutzt, um im Archiv zu forschen, habe auch nützliche Sachen gefunden, bin aber sehr unschlüssig darüber, ob ich das Richtige herausgefunden habe.

Mein Problem ist folgendes: Komme ich in eine Gruppe neuer Menschen, erlebe ich einen extremen Druck, unbedingt unterhaltsam zu sein, eine sprühende Konversation zu entfachen oder wenigstens etwas Witziges zu sagen. Ich kann mich in diesen Momenten selbst nicht ertragen. Dieser (Erfolgs)Druck ist natürlich extrem hinderlich, ich verhalte mich verkrampft und am Ende sage ich gar nichts, neue Kontakte entstehen somit nur schwerlich.

Ich habe einen Artikel online gefunden, unter http://www.panikattacken.at/soziale_phobie/sozialpho… und ihn mal unter die Lupe genommen, es sind ein paar Fragen zur Selbsthilfe enthalten. Meine Antworten fasse ich mal kurz zusammen:

Meine Befürchtungen in diesen Situationen klingen ungefähr so: ich werde nicht ankommen, Unsinn reden, ich bin den anderen nicht gewachsen und wirke sehr unsympatisch.
Begleiterscheinungen sind Anspannung und dazu ein mulmiges Gefühl im Magen. Oftmals ertappe ich mich bei Gedanken wie: ‚also mein Freund XYZ macht immer das und das und kommt damit super an‘. Gewissermaßen andere kopieren; dann versteife ich mich auf solche Gedankengänge und spontane Reaktionen sind so quasi ausgeschlossen.
Hört sich übel an, oder? Ist es auch… ich fühl mich wirklich unwohl dabei, vor allem ist nicht normal!

Was ich in diesen Situationen dann mache, ist entweder gar nichts zu sagen. Oder ich versuche mich dazu zu zwingen, etwas zu sagen, dass kommt aber total, ich sage mal, ‚falsch‘ bzw. ‚unecht‘ rüber, da ich halt sehr verkrampft bin. Das ist das Schlimmste daran: ich sehe den anderen Leuten dann an, wie sie sich innerlich wundern: Was labert er?? Das verschlimmert natürlich die Lage und so geht es weiter…
Passiert das Ganze auf einer Party, gehe ich bspw. häufig zur Bar, um aus dieser angespannten Situation herauszukommen, in der ich fremde Leute ansprechen ‚muss‘ und nicht weiß, wie. Aktives Versuchen, mich zu entspannen, einfach NUR zu entspannen, funktioniert nicht wirklich.

Wenn ich diesen Artikel unter obiger url richtig verstanden habe, klingt das soweit astrein nach „Sozialer Phobie“, also die Angst vor der schlechte Beurteilung durch andere.
Ich muss aber jetzt ein großer ABER geben: ich habe auch Leute hier kennengelernt, mit denen ich sehr gut auskomme. Ich hatte auch schon viel Spaß hier. Sobald aber Leute nicht 100%ig auf meiner Wellenlänge sind, kommt diese spezielle und sehr lästige Drucksituation heraus. Speziell, wenn diese Leute sehr unterhaltsame Zeitgenossen sind und viele andere begeistern können. Ich habe dann die Befürchtung, nicht mithalten zu können und meide sie.
Klingt das immer noch nach Sozialer Phobie?

Ich will hier ein konkretes Beispiel geben, was mir persönlich sehr zugesetzt hat.
Es geht um einen Autoausflug, wir waren zu fünft im Auto. 2 der Insassen haben sich prächtig verstanden und sich fast die ganze Zeit unterhalten. Die anderen beiden, ein Paar, waren eher still. Ich saß am Steuer. Nichts Schlimmes, oder? Normale Situation…
Ich aber war die ganze Zeit unter Druck, irgendetwas zu sagen, habe mich auf diesen Druck fixiert, und - genau, gar nichts gesagt, und war dazu ziemlich angespannt und sehr wortkarg. Die Atmosphäre ist jetzt nach dem Trip ziemlich im Eimer, das Paar ist sehr irritiert von meinem Verhalten. Ich war mir im Auto die ganze Zeit über bewusst, dass es total abwegig ist, solch einen Druck zu verspüren. Ich kann aber nicht abschalten, ich schaffe es noch nicht mal, mich zu entkrampfen.

Und sowas passiert dauernd, es ist sehr anstrengend. Ich fange schon an, solche Trips zu meiden, obwohl ich weiß, dass das genau das Falsche ist.

Ist das Soziale Phobie oder habe ich einfach nur eine Macke, dass ich nicht zwischen Leuten unterscheiden kann, die ich mag bzw. mit denen ich nicht auf einer Wellenlänge bin? Ich bin gewissermaßen ratlos.

Interessant ist noch, wieder dem obigen Artikel zufolge, warum ist mir mein angestrebtes Verhalten (beliebt bei jedermann, im Mittelpunkt), so wichtig?
Folgende Antworten habe ich herausgearbeitet: ich habe ein unbändiges Verlangen nach mehr Freundschaft, und danach, unbeschwerter zu leben, frei von diesem Druck. Das aber verursacht anscheinend gerade den Druck. Bin ich in einer Situation, wo es einfach darauf ankommt, ‚eine gute Zeit zu haben‘, überfordert mich das und obig Beschriebenes passiert.
Deswegen mein Verdacht: einfach nur mangelnde soziale Kompetenz? Fehlende Erfahrung im Umgang mit solchen Situationen?

Ich bin mir jedenfalls ziemlich sicher, dass Stichpunkte wie Selbstsicherheit oder sogar Selbstliebe eine wichtige Rolle spielen. Nimmt man sich selber an und wird sich sein eigener Freund, dann passiert dasselbe mit den Leuten, die man in seinem Umfeld trifft. Und, entsprechend einiger Recherche im Internet, kann ich davon durchaus mehr vertragen. Habt ihr ev. Ratschläge dies betreffend?

Mann, das ist viel Text. Vielen vielen Dank schonmal für alle Anworten und Ratschläge! Ich hätte jedenfalls nicht geschrieben, wäre es nicht ein großes, aktuelles und vor allem nerviges Problem…

Viele Grüße,
Frank

Hi Frank,

ich könnte ne Menge zu Deinem Problem schreiben, werd ich aber nicht :smile: Auf Deine beschriebenen Probleme kann man nur in einem halben Buch oder eben sehr kurz antworten. Denn ein Teil Deiner Verkramftheit besteht im drüber Nachgrübeln.

Versuch besser nicht das ganze hochwissenschaftlich anzugehen. Ebenso rate ich von esoterischer Hilfe ab. „Postive Denken“ etc. funktioniert nämlich in den meisten Fällen kontraproduktiv (mehr Druck).

Ein praktischer Tip wäre: Versuche Situationen zu schaffen, in denen Du mit beiden Gruppen von Menschen zusammen bist; die mit denen Du auf einer Wellenlänge bist und eben die anderen. Das schafft mit der Zeit Sicherheit.

Darüber hinaus ist professionelle Hilfe sinnvoll, sprich Psychotherapie (leider besteht in Deutschland noch eine antiquierte Einstellung zu Therapie: „Sowas haben nur Verrückte und Totalversager nötig“).

Du wirst in Foren und allgemein im Internet ne Menge gut gemeintes BlaBla hören. Leider sind die Tips i.d.R. von Menschen, die Dein Problem nicht haben, es daher nicht nachempfinden können und zudem fachlich kaum qualifiziert sind. Das hört sich sicher erstmal sehr pessimistisch an. Aber Du kannst Dir ne Menge Zeit und unangenehme Situationen ersparen wenn Du Deine Lage 100% Ernst nimmst und nicht als kleines Wehwechen abtust. D.h. such Dir einen fachlich qualifizierten Menschen, mit dem Du das Problem besprechen kannst. Da Du Dein Problem bereits präzise beschreiben kannst, verspricht das den schnellsten und auch sichersten Erfolg.

Alles Gute
Markus

Hallo Frank,

lassen wir mal das Krankenheitenraten beiseite, das führt hier zu nichts, weil
das Internet nicht der richtige Ort dafür ist. Was Du beschreibst, läßt aber
darauf schließen, daß Du ein paar tiefsitzende Grundüberzeugungen davon hast,
wie „man“ (-> Du) sich unter Menschen verhalten muß, damit „man“ (-> Du)
ankommst. Damit setzt Du Dich gehörig unter Druck. Du fängst an, das Verhalten
anderer Dir gegenüber auf der Basis Deiner Grundüberzeugungen negativ zu
beurteilen: „Mann, was denken die jetzt über mich. Die denken bestimmt: ‚Der
labert einen Scheiß‘“. Daraufhin versuchst Du umso verkrampfter anzukommen,
glaubst aber trotzdem nicht, es zu schaffen. Es kommen weitere
Katastrophengedanken hinzu und fertig ist die Spirale aus Streß, Angst und
negativen Gedanken.

Ob Dein Verhaltensmuster bereits Krankheitswert hat, weiß ich nicht. Ich halte
nichts davon, daß Du Dir von Hobbypsychologen Diagnosen und
Therapieempfehlungen geben läßt. Ich möchte Dir aber ein Buch empfehlen:

http://www.amazon.de/gp/product/3407220235/ref=sib_r…

Hier kannst Du sehr schön nachlesen, wie sehr es Menschen belasten kann, zu
glauben, sie müßten sich auf eine bestimmte Art verhalten, damit sie
angenommen, gemocht, geliebt, respektiert werden.

Beste Grüße

Oliver

MOD: Link korrigiert

Vielen Dank fürs Antworten!

ich könnte ne Menge zu Deinem Problem schreiben, werd ich aber
nicht :smile: Auf Deine beschriebenen Probleme kann man nur in
einem halben Buch oder eben sehr kurz antworten. Denn ein Teil
Deiner Verkramftheit besteht im drüber Nachgrübeln.

Ja, das ist mir klar, das dieses Nachdenken etwas sehr hinderliches ist. Aber das ich kann eben nicht: Abschalten. Das ist es, was mir so zu schaffen macht. Es passiert einfach, und ich bin gewissermaßen wehrlos.

Darüber hinaus ist professionelle Hilfe sinnvoll, sprich
Psychotherapie (leider besteht in Deutschland noch eine
antiquierte Einstellung zu Therapie: „Sowas haben nur
Verrückte und Totalversager nötig“).

Ok, das Problem ist, das ich gerade in den Staaten bin; so etwas kostet hier ein Vermögen & meine Auslandsversicherung deckt sowas nicht. Ich werde für die Dauer wohl allein damit zurecht kommen müssen.

Aber Du kannst Dir ne Menge Zeit und unangenehme Situationen
ersparen wenn Du Deine Lage 100% Ernst nimmst und nicht als
kleines Wehwechen abtust.

Das ist der Fall. Ich bin mir nur über die Herangehensweise im Unklaren.
Aber, was auf jeden Fall bei mir gegeben ist: eine unglaubliche Motivation das zu schaffen. Ich sehe das als eine Art schlechte Angewohnheit, die man loswerden muss, wie z.B. Rauchen.

Und findest Du nicht, dass Punkte wie Selbstsicherheit ein guter Start sind? Ich brauche irgendeine Art Anker, etwas woran ich arbeiten kann…

Viele Dank!
Frank

Darüber hinaus ist professionelle Hilfe sinnvoll, sprich
Psychotherapie (leider besteht in Deutschland noch eine
antiquierte Einstellung zu Therapie: „Sowas haben nur
Verrückte und Totalversager nötig“).

Ok, das Problem ist, das ich gerade in den Staaten bin; so
etwas kostet hier ein Vermögen & meine Auslandsversicherung
deckt sowas nicht. Ich werde für die Dauer wohl allein damit
zurecht kommen müssen

…würd mich mal interessieren was eine psychoanalysestunde in den
usa kostet…nebenbei gesagt bist du natürlich der ideale patient
dafür was die voraussetzungen (leidensdruck, introspektionsfähigkeit
usw.)anbelangt und was natürlich auch die prognose als sehr gut
erscheinen läßt.
viele grüße nashorn

Hallo Markus,

ich könnte ne Menge zu Deinem Problem schreiben, werd ich aber
nicht :smile: Auf Deine beschriebenen Probleme kann man nur in einem
halben Buch oder eben sehr kurz antworten. Denn ein Teil Deiner
Verkramftheit besteht im drüber Nachgrübeln.

vielleicht eine Frage dazu: gibt es denn ein Buch, was darüber schreibt? Oliver hat mir zwar schon etwas empfohlen, ein Buch über Depressionen. Das ist in Englisch hier sogar erhältlich und ich überlege, es mal zu lesen. Aber, ich bin mir sicher, keine Depression zu haben, die Symptome einer solchen sind viel schlimmer als was ich gerade erlebe (erhebliche soziale Isolation, tagelang nichts tun können, unendliche Traurigkeit etc.)

Vielen Dank!
Frank

Hat jemand ähnliche Erlebnisse?
Hallo zusammen,

hat denn jemand ähnliche Probleme gehabt bzw. hat sie gerade aktuell? Ich bin sehr an einem „Erfahrungsaustausch“ interessiert, weil mich dieses Problem ziemlich nervt und ich mehr als motiviert bin, es anzugehen. Dafür brauche ich aber ein paar Anhaltspunkte bzw. bin sicher, auch welche liefern zu können.

Wer Interesse hat, kann gern mailen: [email protected]

Grüße,
Frank

Hallo Frank!

Ich kenne zwei Leute, die unter sozialer Phobie leiden. Beide hatten große Schwierigkeiten, in die Uni zu gehen. (Fehlten die meiste Zeit und bekamen ihre Scheine nur aufgrund vieler Gespräche mit den Profs…) Sie tun sich schwer damit, auf Feten zu gehen bzw. fühlen sich prinzipiell sehr unwohl bei größeren Menschenansammlungen, am liebsten vermeiden sie diese von vorneherein.
Da dein Problem erst seit deinem USA-Aufenthalt zutage tritt, bin ich mir recht sicher, dass du keine soziale Phobie hast.

ich bin 26 Jahre alt, Student und habe gerade einen 9monatigen
Auslandsaufenthalt in den USA begonnen, was für mich gerade
eine komlett neue Erfahrung bedeuted, speziell im
zwischenmenschlichen Bereich.

Du kommst in ein neues Land, in dem die Menschen anders denken, eine komplett andere Kultur haben, etc… - ich finde es absolut logisch und naheliegend, dass das einen, wenn man nicht gerade ein 100% aufgeschlossener Typ ist (und das sind wir Deutschen selten), erstmal verunsichert. Gerade den Amerikanern wird nachgesagt, dass sie ein sehr freundliches, offenes Wesen haben, dass es dann jedoch häufig schwierig ist, eine persönlichere, intensivere Beziehung zu ihnen aufzubauen. Ich zitiere mal aus der „Psychologie heute“ : „Die Kultur, in der man aufgewachsen ist, prägt nicht unwesentlich das Sozialverhalten. Zum Beispiel wann und wieso man lächelt. In deutsch-amerikanischen Kontakten prallen unterschiedliche Verhaltensmodelle aufeinander - der deutsche Anlasslächler trifft auf den amerikanischen Kontaktlächler. …“. Wobei das unterschiedliche Lächeln wohl noch das geringste Problem ausmacht bzgl. der Verschiedenheit der Kulturen.
Was ich dir raten würde, ist, dich um einen Austausch mit anderen Deutschen zu bemühen, die in den USA sind oder waren, die die gleiche oder eine ähnliche Erfahrung machen/ gemacht haben. Ich nehme an, das sind nicht wenige?!?
Eine Therapie für dieses Problem sehe ich wirklich nicht als nötig an!! In meinen Augen wirkst du völlig gesund, nur derzeit etwas überfordert mit dieser Situation. Und eben da du überfordert wirkst, gehe ich davon aus, dass dieses Problem neu für dich ist. Daher leidest du m.E. weder an einer sozialen Phobie noch an mangelnden sozialen Kompetenzen!!

Komme ich in eine Gruppe neuer
Menschen, erlebe ich einen extremen Druck, unbedingt
unterhaltsam zu sein, eine sprühende Konversation zu entfachen
oder wenigstens etwas Witziges zu sagen. Ich kann mich in
diesen Momenten selbst nicht ertragen. Dieser (Erfolgs)Druck
ist natürlich extrem hinderlich, ich verhalte mich verkrampft
und am Ende sage ich gar nichts, neue Kontakte entstehen somit
nur schwerlich.

Ich kenne das gut! Ganz ehrlich! (Zum Glück aus der Vergangenheit)
Klar kann man sich in solchen Momenten selbst kaum ertragen, weil man ja nicht mehr man selber ist. Und jeder will gemocht werden. Und ich gehe mal davon aus, dass die meisten Menschen gemocht werden möchten als der, der sie sind und nicht der, den sie vorspielen zu sein. Wenn du versuchst, wie dein Freund zu sein, der gut ankommt, dann nützt das deswegen wenig, weil die Menschen merken, dass es bei dir nicht echt ist.
Ich erzähle dir ein Beispiel von mir:
Es gelang mir noch nie, oberflächige Gespräche zu führen. Es gab Zeiten in meinem Leben, in denen ich sehr darunter litt. Fühlte mich häufig ausgegrenzt bzw. hatte den Eindruck, dass ich mich selber ausgrenze, und fühlte mich irgendwie auch als „Spielverderber“. Also sagte ich mir, ich übe das, ich eigne mir an, oberflächige Gespräche zu führen. Und ich begann in Situationen, in denen die Leute zum Beispiel irgendwelche Anekdoten aus ihrem Leben zum besten gaben, auch einfach mal zu erzählen. Da ging es mir wie dir: Die Leute schauten mich an wie ein Auto. Und meinst du, irgendjemand sei mal auf mich eingegangen? Nein! Ich dachte, das ist ja echt komisch, dass die anderen Leute sich über solche Themen unterhalten und ich ernte nur blöde Blicke.
Naja, bis ich dann drauf kam, dass das wohl daran liegen muss, dass ich nicht echt bin in dem Moment. Die Leute merken das. Ich hab´s noch nicht genau raus gefunden, warum, aber vielleicht sowas wie „Herzensblut“ (falls du mit dem Begriff etwas anfangen kannst?), das dann fehlt bei dem, was man erzählt.
Seitdem ich das akzeptiert habe, dass ich nun einmal nicht in der Lage zu oberflächigen Gesprächen bin, hat sich mein Umfeld von alleine dahingehend aussortiert, dass ich nur noch Leute kennenlerne, bei denen ´ne persönliche Komponente in ihren Erzählungen vorhanden ist.
Vielleicht bringt´s dir ja auch was, wenn ich dir erzähle, dass ich zwei Seiten in mir habe, eine aufgeschlossene, charmante, lustige und eine introvertierte, stille, ernste. Und mit der zweiten Seite habe ich jahrelang gehadert. Fand es sehr nervig, wenn ich z.B. auf ein schönes Fest eingeladen war und ich setzte mich in eine Ecke auf einen Stuhl, hatte keine Lust auf Menschen, keine Lust zum Tanzen, wollte nur in Ruhe meinen Gedanken nachhängen. Habe so manche Träne über diese Seite verschüttet, weil ich den Eindruck hatte, sie verbaut mir so vieles und ich ja auch das Wissen hatte um die andere Seite, die beliebte…
Dann habe ich durch Glück an einer Übung teilgenommen, durch die es mir gelang, das Positive meiner introvertierten Seite wahrzunehmen. Plötzlich war sie ein Teil von mir mit 100%iger Daseinsberechtigung. Und nun ist es völlig ok für mich, wenn sie da ist. Und interessanterweise kommt sie viel seltener, seitdem ich sie akzeptiert habe.

Was ich in diesen Situationen dann mache, ist entweder gar
nichts zu sagen. Oder ich versuche mich dazu zu zwingen, etwas
zu sagen, dass kommt aber total, ich sage mal, ‚falsch‘ bzw.
‚unecht‘ rüber, da ich halt sehr verkrampft bin. Das ist das
Schlimmste daran: ich sehe den anderen Leuten dann an, wie sie
sich innerlich wundern: Was labert er?? Das verschlimmert
natürlich die Lage und so geht es weiter…

meiner Wellenlänge sind, kommt diese spezielle und sehr
lästige Drucksituation heraus. Speziell, wenn diese Leute sehr
unterhaltsame Zeitgenossen sind und viele andere begeistern
können. Ich habe dann die Befürchtung, nicht mithalten zu
können und meide sie.

Bist du sicher, dass es die Befürchtung ist, nicht mithalten zu können oder ist es vielleicht einfach so, dass du so nicht bist?
Auch: Warum machst du dir Druck, wenn andere nicht auf deiner Wellenlänge sind? Auf kurz oder lang findet man immer Menschen auf der gleichen Wellenlänge.
Im Ausland ist das halt ne ganze Ecke schwieriger.

Puh, da stehen noch so viele Dinge, auf die man eingehen könnte, aber ich lass es hiermit mal gut sein.
Nochmal zusammenfassend: Ich finde dich völlig normal. Denke dran, dass du nicht in gewohnter Umgebung bist, sondern in einer dir völlig neuen Kultur.
Hört sich an wie blöd dahingeschwätzt, aber versuch´s einfach, dich zu lassen, wie du bist, auch wenn du unsicher, verkrampft, schweigsam oder sonstiges bist. Das bist du in diesem Moment und das ist ok so. Und vielleicht hast du ja sogar das Glück, dass „es“ dich verlässt, wenn du dich mit dieser Seite annimmst.

Eine gute Zeit dir,
liebe Grüße,
jeanne

Hallo Frank,

vielleicht eine Frage dazu: gibt es denn ein Buch, was darüber
schreibt? Oliver hat mir zwar schon etwas empfohlen, ein Buch
über Depressionen. Das ist in Englisch hier sogar erhältlich
und ich überlege, es mal zu lesen. Aber, ich bin mir sicher,
keine Depression zu haben,

ich habe Dir das Buch nicht empfohlen, weil ich glaube, daß Du Depression hast und weil es ein Buch über Depression ist. Ich habe Dir das Buch vielmehr empfohlen, weil darin die Entwicklung und die Auswirkungen von gewissen unangemessenen Grundüberzeugungen gut beschrieben werden und ich glaube, daß der Leistungsdruck, unter dem Du zu stehen scheinst, auf solche Überzeugungen zurückzuführen sein könnte. Möglicherweise erkennst Du einige der dort beschriebenen Grundüberzeugungen, die Becks Patientinnen und Patienten beschreiben, an Dir wieder oder Du kannst mit der Beschreibung zumindest bei Dir solche entdecken. Manchmal platzt dadurch der Knoten.

Solche Grundüberzeugungen kommen nicht nur bei Depression vor, sondern bei einer Reihe von anderen Störungen, z.B. bei sozialer Phobie. Im übrigen sind soziale Phobie und Depression oft miteinander kombiniert. Ich schreibe Dir das nur, damit Du siehst, daß das Thema psychische Störungen zu komplex ist, als daß Du Dich durch ein paar Klicks durch ein paar Webseiten selbst diagnostizieren könntest.

Die Grundüberzeugungen kommen - das ist wichtig - auch bei Menschen vor, die nicht an einer psychischen Störung leiden. Insofern ist meine Empfehlung unabhängig davon, unter welchen Begriff man Deine Problematik fassen könnte.

Grüße

Oliver

Hallo Frank

Ich bin eher der extrovertierte Typ und erlebe meine Mitmenschen genau entgegengesetzt wie du. Du denkst, dass alle dich doof finden und ich denke, dass alle mich toll finden. Beide Wahrnehmungen sind nicht realistisch, der Vorteil meiner Wahrnehmung ist aber, dass mir der Umgang mit anderen Menschen Spaß macht. Ich bin also keiner, der deine Erfahrungen am eigenen Leib erlebt. Trotzdem kann ich dir vielleicht ein paar Ratschläge geben.
Nummer 1: Dein Problem ist kein Blödsinn, sondern es ist echt, d.h. du solltest tatsächlich daran arbeiten. Du bist schon dabei. Gut.
Nummer 2: Deine Fähigkeit zur Selbstanalyse, die du hier schon ganz gut angedeutet hast, wird dir helfen. Leider ist sie aber auch Teilursache deiner Probleme.
Nummer 3: Du verfängst dich immer in denselben Gedankenkreisen (Was wenn, die mich doof finden? Was soll ich nur sagen? Ich muss witzig sein!) Hier musst du einen Ausweg finden. Das geht aber nicht von heute auf morgen. Psychotherapie ist eine gute Idee, nur im Moment wohl nicht machbar, weil du im Ausland bist (außer du bist reich und bezahlst sie selbst). Die bei deinen Problemen passende Therapieform wäre wohl die kognitive Verhaltenstherapie (widersprecht mir, wenn das nicht stimmt). Brauchbare Bücher hierzu sind „Im Gefühlsdschungel“ von Stavemann oder so und „Vernunft und Emotion“ von Schwarz. Besonders ersteres wird dir eine Hilfe sein, denn es enthält viele Beispiele, die auf dein Problem passen. Wo du die in den USA kriegst, weiß ich nicht.

Ansonsten kannst du dir ja mal diese Artikel durchlesen
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…
Dies sind meine Beiträge zur Lösung von ähnlichen Problemen wie dem deinen (Inhalt ist anders, Form ist ähnlich).

Hier habe ich mal etwas zur KVT geschrieben:
http://www.fasala.com/testi/kvt.htm
Das gibt dir eine Orientierung, mit welchen Methoden man deinem Problem beikommen kann.

Ich muss hinzufügen, dass ich kein Fachmann bin. Ich gehe aber von den selbstregulierenden Kräften des Forums aus, d.h. wenn ich Unsinn schreibe, dann bleibt er nicht unwidersprochen stehen.

Gruß, Tychi

Hallo Frank.

Ich halte auch nichts von „Psychotherapie übers Internet“. Das mag auch daran liegen, dass ich Psychotherapeut (approbierter Verhaltenstherapeut) bin und meine Patienten schon lieber life vor mir sitzen habe :o)
Soziale Phobie klingt , ließt man Deine Anfrage schon ganz gut. Ein solche Phobie entspringt der Furcht vor prüfender Betrachtung durch andere Menschen und geht meist mit einem vermiderten Selbstwertgefühl einher. Wenn Du dich jetzt wunderst, warum Du dieses Problem mit Menschen, mit denen Du 100% auf gleicher Wellenlänge schwimmst nicht hast könnte man es damit versuchen zu erklären, dass Du vielleicht bei diesen nicht das Gefühl hast, Dich erst einmal beweisen zu müssen. Du wirst schneller bzw. von Vorne herein als Gleichgesinnter oder Experte anerkannt und entgehst damit den angstmachenden, prüfenden Blicken schneller. Die Situation entspannt sich somit auch schneller und Du fühlst Dich schneller als ein Teil der Gruppe.

Mein Tipp … such Dir einen guten Verhaltenstherapeuten … setzt Dich ihm Aug in Aug gegenüber und dann bearbeite das Problem.

MfG Matthias

Hallo Tychi,

ich wünschte dein ‚Problem‘ zu haben :smile:

Deine Beschreibungen decken sich sehr mit meinen eigenen Analysen und Festellungen. Ich habe heute mir mal ein Buch in der Bibo teilweise durchgelesen, Titel „Social Anxiety Disorder“ also Soziale Phobie und kam mir danach wie ein Geistesgestörter vor -> Weil ich mir selbst genau diese Analyse aufgedrückt habe und wohl ein bisschen übertrieben bzw. mich innerlich schon als „problembehaftet“ abgestempelt hatte.
Generelle Soziale Phobie drückt sich in der Angst aus, allgemein in vielen sozialen Situationen Druck zu empfinden, z.B. bei Vorträgen. Ich hatte schon ein paar und ich hatte keine nennenswerten Anzeichen. Wie Jeanne schrieb, haben Betroffene Probleme, z.B. zum Prof zu gehen und ihn nach etwas Einfachem zu fragen. Damit habe ich aber auch kein Problem. Wenn überhaupt, habe ich das wohl nur in Ansätzen. (selbst wenn ich falsch liege - ist auf jedenfall eine gute Motivation…)

Jedoch hat mir das Konzept der kognitiven Therapie und der Konfrontationstherapie gefallen, eine Art Schritt-für-Schritt Herantasten an das Problem, also erst in „ein wenig“ brenzligen Situationen sich daran gewöhnen und dann „den Schwierigkeitsgrad steigern“ (das wäre Konfrontation) und auf der anderen Seite jede mögliche Situation dahingehend auswerten, auf dass ich immer hinterfrage: „Warum war das so schlimm? Was wolltest du erreichen? Wieso ist es schlimm, dies nicht zu schaffen?“ etc.

Ich schreibe all das, damit mich ev. jemand berichtigt, falls ich auf der falschen Spur bin.

Vielleicht noch eine Frage, obwohl ich glaube, dass sie zu allgemein und auch zu persönlich ist. Hattest Du jemals Phasen, in der du nicht der Mensch von heute warst bzw. Wie hast Du das gelöst/geändert?

Vielen Dank,
Frank

hallo frank,

ich habe versucht dir eine mail zu senden, leider ist das nicht gelungen - kann das an deiner mailadresse liegen? mail mir doch bitte mal was - ne leere mail langt - dann kann ich dir die fertige mail als „antwort“ senden.

gruss
nina