Hallo,
vielleicht kann mir hier jemand einige tips geben, wie ich meinen mann dazu bekomme zum zahnarzt zu gehen.
er hat wirklich eine schlimme spritzenphobie und vor dem zahnarzt hat er auch mehr als normale angst.
ich weiss das es spezialisierte ärzte gibt, hypnose und co., allerdings: wir leben auf dem land, der nächste spezialist ist dementsprechend weit weg, hypnose ist ihm nicht sicher genug.
einen schneidezahn hat er schon verloren, immer wieder zahnschmerzen und schluckt eine schmerztablette nach dem anderen.
ich weiss wirklich nicht was ich noch sagen oder tun könnte…
liebe grüsse
…nicole…
Hi,
ich empfehle dir folgende Seite:
http://www.zahnarzt-angst-hilfe.de
Du kannst ja dort im Forum mal selbst lesen oder schreiben. Vielleicht mag ja dann auch mal dein Mann dort lesen.
MfG
Chris
Hallo Nicole,
ohne die Bereitschaft deines Mannes da selber ran zu gehen, geht leider gar nichts.
Eventuell seid ihr da schon in einer festen ritualisierten Auseinandersetzung mit immer gleich verteilten Rollen gefangen. Du mütterlich-besorgt, er kindlich-trotzig. Diese Strategie hat in der Sache bisher nichts vorangebracht, also kannst du auch genauso gut aussteigen und ihn auf seine Eigenverantwortung seinen Körper betreffend verweisen. Kann sein, dass ihn das zunächst sehr sauer macht und er dich der Interesse- und Lieblosigkeit bezichtigt aber dann den Ruck in Richtung Selbstverantwortlichkeit einleitet. Es bringt gar nichts, wenn DU nach Lösungsmöglichkeiten suchst und er sie eine nach der anderen mit fadenscheinigen Ausflüchten vom Tisch wischt. Darüber kann er noch einige Zähne verlieren, sich mit Schmerzen rumplagen und einiges an Schmerzmitteln einwerfen. Sag ihm einfach, dass du bereit bist ihn mit allen Mitteln zu unterstützen, wenn ER nach Lösungen sucht und lass das Thema ansonsten fallen.
Falls er aber schon an dem Punkt ist, das Problem anzugehen, kann er (mit deiner Unterstützung) eine Menge tun:
- er sollte genau hinschauen, was ihm Angst macht (was genau an den Spritzen, der Einstich, der Druck, oder die ganze Behandlungssituation, bestimmte andere Instrumente, Angst vor Schmerzen, Angst vorm Ausgeliefert-Sein, Angst vor Autoritäten…
- wenn er da mehr Klarheit hat, kann er daran gehen diese Dinge systematisch zu entschärfen
- er kann eine Hitliste aufstellen, was er auf gar keinen Fall aushalten kann und was noch so gerade eben.
- er kann sich überlegen, was ihm die Situation erleichtern würde (z.B. deine Begleitung)
- er sollte in jedem Fall ein Vorgespräch vereinbaren, wo es nur um das Kennen lernen und Besprechen des Behandlungsverlaufs geht
- er kann dort klare Absprachen treffen, z.B. über die Möglichkeit, die Behandlung jederzeit unterbrechen zu können
Generell hilft es das Problem in viele Einzelschritte zu unterteilen und die abzuarbeiten und sich über jeden Etappensieg ausgiebig zu freuen:
Termin machen (für einige tatsächlich das Hauptproblem)
Vorgespräch
ersten Termin nur zur „Bestandaufnahme“
Planung der einzelnen Behandlungsetappen usw.
Es gibt noch die Möglichkeit einer Behandlung unter Vollnarkose, wird aber nicht in jedem Fall von der Kasse übernommen (oder bei Erwachsenen gar nicht mehr?) Für einige ist das eine Lösung, für andere ist die Vorstellung aber ein noch größerer Horror.
Hypnose ist im Übrigen tatsächlich nicht die Lösung für alle Zahnarzt-Phobiker. Sich hypnotisieren zu lassen, wehrlos, irgendwie „gesteuert“ zu sein ist für einige sehr beängstigend. Und die Angst mitten in der Behandlung plötzlich „aufzuwachen“ und hilflos große Schmerzen zu erleiden, tritt z.B. auch bei dem Gedanken an Vollnarkose auf.
Vielleicht sieht die Lösung aber auch ganz anders aus. Bei einigen Phobien kann es erstmal so sein, dass der Schaden durch eine unterlassene Behandlung geringer eingeschätzt wird als eine Behandlung mit dem Risiko mit überwältigenden Ängsten überflutet zu werden. Das sind aber wirklich Extrembeispiele, die sich ohnehin meist schon in psychotherapeutischer Behandlung befinden.
Das wäre dann mein Tipp zum Schluss:
Wenn alles nicht funktioniert, einen Psychotherapeuten aufsuchen und mit dem zusammen das Ganze durchziehen.
Viel Glück und Erfolg und alles Gute,
Anna
Hi,
Es gibt noch die Möglichkeit einer Behandlung unter
Vollnarkose, wird aber nicht in jedem Fall von der Kasse
übernommen (oder bei Erwachsenen gar nicht mehr?) Für einige
ist das eine Lösung, für andere ist die Vorstellung aber ein
noch größerer Horror.
Das ist nur bedingt eine Lösung, da es keine Konfrontation ist. Plötzlich ist alles wieder ganz, aber der nächste besuch beim ZA noch immer ein Horror.
Hypnose ist im Übrigen tatsächlich nicht die Lösung für alle
Zahnarzt-Phobiker. Sich hypnotisieren zu lassen, wehrlos,
irgendwie „gesteuert“ zu sein ist für einige sehr
beängstigend. Und die Angst mitten in der Behandlung plötzlich
„aufzuwachen“ und hilflos große Schmerzen zu erleiden, tritt
z.B. auch bei dem Gedanken an Vollnarkose auf.
Ja, Hypnose ist nicht die Lösung für alle Phobiker, aber wie stark die Angst vor Kontrollverlust (der absolut nicht gegeben ist) ist, kommt auch ganz auf das Vertrauen zum ZA an.
Hypnosezahnärzte finden sich unter:
http://www.dgzh.de/frameset-patient.htm
MfG
Chris
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Hallo Chris,
ja, ich gebe dir vollkommen Recht, eine Vollnarkose ist keine Lösung, die die Phobie bearbeitet.
Sie kann aber unter bestimmten Umständen, wenn die Zahnprobleme schon starke Auswirkungen auf die gesamte Befindlichkeit (psychisch und physisch) haben oder auch soziale Beziehungen beeinträchtigen, trotzdem dringend angeraten sein.
Auch in dem Punkt Vertrauen zum Zahnarzt stimme ich dir vollkommen zu. Ohne Vertrauen zum Zahnarzt wird es schwierig. Dazu muss der Patient aber überhaupt erstmal Kontakt aufnehmen, um z.B. Hintergrundwissen über die Wirkungsweise der Hypnose überzeugend vermittelt zu bekommen.
Der Austausch mit anderen Betroffenen, z.B. über das von dir genannte Forum, ist da eine gute Möglichkeit sich der Sache langsam zu nähern.
Viele Grüße,
Anna