Manuell oder was?

hallo wiedermal,

ein ausdruck, bei dem sich bei mir regelmäßig die fußnägel einrollen, ist: „händisch“.
würde mir nie über die lippen kommen, aber höre ich gelegentlich. allerdings nie in der hochsprache, sprich literatur.
ist obengenannter begriff nur eine sprachliche entgleisung, oder bin ich nur wiedermal etepetete?

danke schon mal
strubbel
d:o)

links-
oder rechtshändisch, lieber Strubbel?

kratzfüßige Krüße,
moin, manni

Oh, Stubbel,

ein ausdruck, bei dem sich bei mir regelmäßig die fußnägel
einrollen, ist: „händisch“.

Wenn alles Unbekannte, Unvertraute, Ungewohnte bei dir solche Reaktionen hervor hervorruft, …

Ein oberdeutscher, mehr in der Schweiz und Österreich gebrauchter Ausdruck mag den „Reichsdeutschen“ seltsam vorkommen, aber doch nicht gesundheitsgefährdend.:wink:

Die Schweizer Offiziersmesser werden alle noch „händisch“ gefertigt, darum sind sie von so hoher Qualität.

Und der dicke Duden bietet:

_hän|disch (südd., österr. ugs.): mit der Hand; manuell: eine Arbeit h. ausführen; (EDV Jargon:smile: eine Korrektur h. ausführen.

© Duden - Deutsches Universalwörterbuch 2001_

Gruß Fritz

Nabend zusammen!
Ich finde das Wort auch ganz schrecklich. Und da wir ja schon mal beim Thema sind: Wie schreibt man eigentlich händeln? Ich meine das Wort, das manche Menschen vom Englischen „handle“ bzw. „handling“ ableiten zu müssen glauben. Beim Partizip hörts bei mir dann wirklich auf. Gehändelt? Da denke ich immer an Georg Friedrich. Gehandlet? Ja wohl kaum. Gehandelt? Das ist ja wohl was anderes.

Bislang weigere ich mich oder nehme die Georg-Friedrich-Version. Was meint Ihr?

Gruß
Aia

Handle me with care!
Haia, Aia,

für mich gibt es das von dem Englischen „to handle“ übernommene händeln nicht. Der Gebrauch DIESES Verbs ist meiner Anschicht nach eine Notzucht der Sprache, nicht das gut deutsche „händisch“.

Wohl aber kenne ich das schwäbische 1) „händeln“ meist „händla“ gesprochen.
Dazu gibt es 2) „die Händel“ (Plural), 3) „Händelei“, 4) „händelhäftig“
mit den Bedeutungen: 1) streiten, 2) Streit, Rauferei, 3) andauernde Streiterei, 4) streitsüchtig.

Gruß Fritz

Auweia, Fritz,

und was mache ich nun? Ich kann nicht wie Du einfach die Augen vor diesem Problem zumachen und sagen, daß nicht sein kann, was nicht sein darf, denn mich erwischts des öfteren berufsmäßig (gehöre ich doch in meinem Erwerbsleben zur Zunft der Tastatur-Akrobatinnen und habe dort immerhin einen Ruf zu verlieren). Ich habe Entscheidungen zu treffen, Mann. Muß ich das wieder mit meinem Gefühl.

Aber gut, daß wir mal drüber gesprochen haben.

Gruß
Aia

Vorschlag

und was mache ich nun? Ich kann nicht wie Du einfach die Augen
vor diesem Problem zumachen und sagen, daß nicht sein kann,
was nicht sein darf, denn mich erwischts des öfteren
berufsmäßig (gehöre ich doch in meinem Erwerbsleben zur Zunft
der Tastatur-Akrobatinnen und habe dort immerhin einen Ruf zu
verlieren).

Hallo Aia,

wie wäre es denn, wenn du dieses „Unwort“ durch das altbekannte deutsche Wort „handhaben“ ersetzt?
Ehrlich gesagt, käme es mir nicht in den Sinn, jedes dummtrendige Wort, das irgendwelche ach so originellen Sprachschlamper benutzen, auch noch zu schreiben. Ne, da bleib ich gerne konservativ.
Und im übrigen frage ich mich, welchen Ruf man denn zu verlieren Gefahr läuft, wenn man nicht jede Modetorheit mitmacht?

Gruß
Uschi

Sehe ich auch so!
Wie Uschi mache ich da einfach nicht mit.

Sowas schreib ich nicht, und ich sag es auch nicht.
Und wenn einer mit mir so redet, so frage ich freundlich und nett zurück mit den deutschen Wörtern: handhaben, bewältigen, vorgehen behandeln etc. je nachdem, was am besten passt.
Das geht auch bei anderen unnötigen Fremdwörtern.

Da ernte ich manchmal schiefe Blicke, aber damit kann ich leben.

Gruß Fritz

Tja, Aia,

und was mache ich nun?

Durch andere Worte ersetzen? In meiner Branche (Werbung) ist „händeln“ sozusagen Standard. Projekte werden gehändelt und Abläufe und …

Bisher hat sich keiner beschwert, dass ich andere Begriffe verwende, Deutsche oder Fremdworte, die den jeweiligen Satz sinnvoll ergänzen, wie: organisieren, umgehen, behandeln, angehen, realisieren, erledigen, abwickeln, führen, durchführen …

salut

gernot

Ehrlich gesagt, käme es mir nicht in den Sinn, jedes
dummtrendige Wort, das irgendwelche ach so originellen
Sprachschlamper benutzen, auch noch zu schreiben. Ne, da bleib
ich gerne konservativ.
Und im übrigen frage ich mich, welchen Ruf man denn zu
verlieren Gefahr läuft, wenn man nicht jede Modetorheit
mitmacht?

Das kann ich Dir sagen, liebe Uschi,

ich bin Sekretärin. Ich habe - auch wenn Du es Dir vielleicht nicht vorstellen kannst - nicht zu entscheiden, ob einer meine dummtrendigen Chefs sprachschlampt oder nicht. Im Sekretärinnen-Berufsleben ist das so: Chef diktiert, Tippse schreibt. Tippse macht Verbesserungsvorschlag, Chef sagt, prima nachgedacht, aber wir bleiben doch beim Dummtrendigen Sprachschlampigen.

Und deshalb meine Frage. Sie steht also immer noch im Raum.

Damit ist aber zumindest Deine Frage nach Ruf und Modetorheit beantwortet, oder?

Gruß
Aia

Wie Uschi mache ich da einfach nicht mit.

Sowas schreib ich nicht, und ich sag es auch nicht.

Na, Ihr seid mir vielleicht witzig. Ich sende einen beruflichen Hilfeschrei und Euch fällt ein, daß ich nicht mitmachen soll. Wirklich gut, das. Bißchen lebensfern nur.

Ich warte gutgelaunt und nicht ganz ohne Hoffnung, daß mir jemand sagt, wie ich das SCHREIBEN soll. Nicht UMGEHEN. Das kann ich selber. Ist aber nicht gefragt.

(Lehrer!!!)

Danke
Aia

Hallo Aia,

im Naserümpfen über das schöne englische Wort „to handle“ sind wir uns ja wohl alle einig. Um die Karre aus dem Dreck zu ziehen hilft aber vielleicht ein Blick in den Duden.

Gehandlet? Ja wohl kaum. Gehandelt? Das
ist ja wohl was anderes.

Und doch muß man es wohl so schreiben „gehandelt“, gesprochen mit ä, im Gegensatz zu gehandelt (mit gesprochenem a) wenn es um den Kuhhandel geht.
Denn das meint der Duden dazu:

²han|deln [] [engl. to handle] (Jargon): handhaben, gebrauchen; verfahren: mir ist egal, wie du das handelst.

© Dudenverlag

Bislang weigere ich mich oder nehme die
Georg-Friedrich-Version. Was meint Ihr?

Georg Friedrich ist damit meiner Meinung nach aus dem Rennen.

Gruß
Roland

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Hallo Roland,

dann weiß ich jetzt Bescheid. Danke

Gruß
Aia

hallo fritz,
nochmals vielen dank, einen kommentar bez. de süddeutschen spar ich mir, sonst holt uschi wieder die peitsche raus.

strubbel
d;o)

Hallo Aia,

ich bin Sekretärin. Ich habe - auch wenn Du es Dir vielleicht
nicht vorstellen kannst - nicht zu entscheiden, ob einer meine
dummtrendigen Chefs sprachschlampt oder nicht.

Ich kann es mir vorstellen. Ich kenne das sogar ziemlich genau aus meinem Job. Schreibseminare und Textcoachings mit Sekretärinnen und/oder Chefs bringen jedesmal genau dieses Problem zu Tage.

Ich denke, es gibt mehrere Möglichkeiten, die aber natürlich alle wieder von der Laune deines Chefs abhängen:

  • Jedesmal Hinweis auf Lesbarkeit des Textes, in einer Form, wo er sich unterstützt und nicht kritisiert fühlen kann.

  • Das Wort in Anführungszeichen (und eventuell auch ohne Umlaut ä) schreiben. Dann ist sein Wille erfüllt und der Leser erkennt, dass das Wort bewusst gewählt ist.

  • Deinen Chef für ein Text-Seminar oder -Coaching interessieren. Motto: „Leserorientiert schreiben“ - wie erreicht er seine Kommunikationspartner mit seinen Briefen und E-Mails besser. Oder ihm ein Buch zum Thema schenken?

I Sekretärinnen-Berufsleben ist das so: Chef diktiert, Tippse
schreibt. Tippse macht Verbesserungsvorschlag, Chef sagt,
prima nachgedacht, aber wir bleiben doch beim Dummtrendigen
Sprachschlampigen.

Finde ich ziemlich engagiert, wenn die Tippse dennoch weiter Vorschläge macht. Manche Chefs sind einfach resistent gegen gute Vorschläge ihrer Mitarbeiterinnen. Andere tauen auf, wenn sie in anderer Form gebracht werden. (Fast jeder Chef hat ein Herz …)

Salut

gernot

Hallo Aia,

ich würde das Ganze so „händeln“ :wink:

  1. meinen Chef darauf hinweisen, dass es dieses Wort im Deutschen gar nicht gibt.
  2. wenn er trotzdem auf seiner Verwendung besteht, ihn fragen, wie er’s denn
    gerne hätte (geschrieben meine ich natürlich, ähem).
    Gruß
    Bolo2L

dann aber bitte ‚manülle‘!
Hi Strubbel,

händisch heißt „von Hand (gefertigt)“. Was ist daran schlecht? Und was ist an „manuell“ schöner oder besser, außer dass der Mensch halt ein Gewohnheitstier ist?

Gruß Ralf

Guten Morgen, Fritz,

da gäbe es auch noch die Handhabung und das Handhaben, aber damit riskieren wir, als alte Zausel beschimpft zu werden.

Gruß Ralf

Hei Bolo,

ich würde das Ganze so „händeln“ :wink:

  1. meinen Chef darauf hinweisen, dass es dieses Wort im
    Deutschen gar nicht gibt.
  2. wenn er trotzdem auf seiner Verwendung besteht, ihn fragen,
    wie er’s denn
    gerne hätte (geschrieben meine ich natürlich, ähem).

Ja, so muß ich es wohl machen. Ein wirklich salomonischer Vorschlag. Danke.

Aia

hallo wiedermal,

ein ausdruck, bei dem sich bei mir regelmäßig die fußnägel
einrollen, ist: „händisch“.

Finde ich auch komisch. Obwohl es doch irgendwie originell klingt… Mir ist „haendisch“ bisher aber nur in Oesterreich untergekommen, wenn ich mal im Skiurlaub war, und mir irgendwelche Schilder, Zeitungsartikel, oder sonstwas aufgefallen sind. Aus Deutschland kenne ich „haendisch“ nicht.

Jan