Hans Delbrücks Rekonstruktion
Hi!
- Der Bote hat seine Aufgabe erfüllt. Das 2.000 Mann starke Hilfskontingent der Spartaner traf am Tage nach der Schlacht bei Marathon ein. Die Perser hatten über eine Woche mit dem Angriff auf die Stellung der Athener gewartet. Vielleicht war es die Nachricht vom Anmarsch der Spartaner, die den Entschluß zum Angriff auslöste.
Irgendwie habe ich diesen Teil deiner Nachricht nicht
verstanden. Die Perser warteten mit ihrem Angriff auf die Stellung der Athener. Dann kam die Nachricht von Anmarsch der Spartaner. Das löste den Angriff aus - den der Perser oder den der Athener?
Meines Wissens haben die Athener (plus Verstärkung aus Platäa) angegriffen, ohne auf die Ankunft der Spartaner zu warten (der Bote traf erst nach Kampfbeginn auf dem Schlachtfeld ein).
Hans Delbrück hat sich in den 1880er Jahren ausführlich mit der Rekonstruktion des Verlaufs der Schlacht von Marathon befaßt; die Schrift heißt „Perser- und Burgunderkriege“.
a) Beide Heere waren etwa gleichstark. Wären die Perser überlegen gewesen, dann hätten sie nur ihre Truppen teilen müssen - während eine Abteilung die Athener bei Marathon festhielt, hätte die andere Athen selbst angegriffen. Nach Herodot waren es 9.000 Athener Hopliten und 1.000 aus Plataiai (was mir für diesen kleinen Ort zuviel erscheint). Die Perser mögen auch 10.000 Mann gewesen sein, darunter 4-500 Reiter.
Man bedenke aber: Die Athener waren wehrpflichtige Handwerker, Bauern oder Fischer, die Perser waren Berufssoldaten. Normalerweise ist ein Berufsheer einer Wehrpflichtarmee stark überlegen.
b) Jedes Heer hatte eigentümliche Stärken und Schwächen. Die Athener waren Nahkämpfer zu Fuß, die in geordneter Formation kämpften (der Phalanx), während die Perser Reiter und Bogenschützen waren. Eine Phalanx mitten auf dem Acker an den Seiten oder hinten von Reitern angegriffen muß stehenbleiben und erliegt den Bogenschützen. Kommen die Athener dagegen geschlossen an das persische Fußvolk heran, ohne oder bevor die Reiter eingreifen können, sind die Perser verloren.
c) Also saßen beide Seiten fest; keiner war eindeutig überlegen. Die Nachricht vom Anmarsch der Spartaner mußte die PERSER zum Angriff verleiten; warum sollten die Athener angegriffen haben, bevor die Verstärkung da war? Die Perser mußten es eben riskieren, ehe der Feind noch stärker wurde.
d) Die Perser kamen also und schossen. Die athenische Phalanx unterlief die Pfeile, und als die Nahkämpfer auf Speerlänge heranwaren, da waren die Schützen verloren. Das Gefecht erstreckte sich über acht Stadien vom Eingang zum Vrana-Tal an der Ebene von Marathon (wo das Athener Heer zu Anfang gestanden hatte) bis zum Soros, dem Grabhügel der Gefallenen, der durch Nachgrabung tatsächlich als Bestattung von ca. 200 Personen erwiesen wurde.
e) Man hört dann noch etwas von einem Kampf bei den Schiffen, aber nichts von Gefangenen und auch nichts von erbeuteten Pferden.
Alles klar?