Marathon

Hallo zusammen,

ich schaue gerade ZDF Marathon - Der lange Lauf nach Athen.
und habe eine einfache Frage. Vielleicht gibts darauf ja auch eine einfache Antwort.

Da wurde von Seiten der Griechen ein Läufer losgeschickt, weil man dringend Hilfe von Sparta gegen die Perser brauchte.

Wenn es denn so dringend war, warum schickte man einen Läufer los und keinen Reiter?

Viele Grüsse
Merit

Hallo,

Wenn es denn so dringend war, warum schickte man einen Läufer
los und keinen Reiter?

A: Vielleicht hatten sie keine Pferde mehr

oder

B: Ein Läufer, der am Ende den Löffel abgibt, macht sich natürlich besser.

oder

C:

Über solche Distanzen kann es schon vorkommen, dass ein Läufer schneller ist,
denn vor einiger Zeit gab es mal ein Wettrennen zwischen einem Läufer und einem Pferd, allerdings über 80km, da hat der Läufer gewonnen.

CU

Axel

Hallo, Merit,

nicht Hilfe zu holen, rannte der Läufer los, sondern um die Kunde des Sieges der Griechen über die Perser möglichst rasch nach Athen zu bringen.

Er rannte also los, kam in Athen auf der Agora (Marktplatz) an, schrie: „Nänikamen“ (Wir haben gesiegt!) und verstarb.

Pferde deshalb nicht, weil die Griechen zu der Zeit noch keine Kalaverie hatten.

Gruß Fritz

Da ich jetzt mehr Zeit habe, das

„Nänikamen“ (Wir haben gesiegt!)

in griechischen Buchstaben:

Νηνικαμεν!

Hallo Merit,

die Antwort kam auch im Film vor. Da wurde gesagt, das Pferde auf langen Läufen nicht so effektiv wie Menschen sind. Über kurze Strecken sind sie ja natürlich besser, aber auf dem 210 km Lauf soll der Mensch besser gewesen sein.

Ich kann das zwar nicht nachvollziehen, aber so war es im Bericht.

@Fritz: Es ging hier um einen anderen Lauf. Um den nach Sparta um Hilfe zu holen. Danach gab es einen Lauf nach Athen um die Athener zu warnen das die Perser nun nach Athen segeln. Und dann erst kam der Lauf nach Marathon. Bei dem hast Du recht.

olli

Moin, moin, Fritz,

Ich kann leider keine griechischen Buchstaben auf meinem Computer, aber es heißt dennoch: Nänikäkamen.
Erstaunlich, daß ein Läufer nach 42 km immer noch das Reduplikationsperfekt beherrschte - die Griechen hätten in der PISA-Studie haushoch gewonnen.

Dennoch: eine angenehme, warme Nacht - Rolf

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Nänikäkamen.

Νηνικηκαμεν!

Es war wohl wirklich zu warm!

Danke!

Wenn du willst, verrate ich dir, wie man griechische Buchstaben im Netz schreibt.

Gruß Fritz

Hallo !

Die Wettkämpfe in Olympia gab es schon seit dem 8. Jahrhundert v. Chr.
In den Jahrhunderten vor Marathon gab es auch Wettkämpfe mit Pferden. Pferderennen und Wagenrennen waren während der Spiele normal.

Es gab aber keine Poststationen in Griechenland, wie später in Europa und den USA, wo man die Pferde wechseln konnte. Ein Pferd ist längst nicht so ausdauernd und kletterfähig wie ein Mensch, also nahm man kein Pferd. Man konnte die Botschaft nicht mal an andere Personen weitergeben, weil es kein einheitliches Griechenland gab. Es waren Stadtstaaten. Man konnte nicht dem Läufer voraus telegrafieren : da kommt gleich ein Läufer, löst ihn ab!! Dieser Läufer war auf sich gestellt, er lief teilweise durch feindliches Land. Nur er konnte die Botschaft weitergeben. Er lief teilweise auf Gelände, welches für Pferde nicht begehbar war. Ein Pferd wäre sehr schnell zusammengebrochen und dann hätte der Bote weiterlaufen müssen.
Also schickte man gleich einen Läufer.

mfgConrad

Der Marathonläufer ist eine Legende

Hallo zusammen,

Guten Tag alle miteinander,

ich schaue gerade ZDF Marathon - Der lange Lauf nach Athen. und habe eine einfache Frage. Da wurde von Seiten der Griechen ein Läufer losgeschickt, weil man dringend Hilfe von Sparta gegen die Perser brauchte. Wenn es denn so dringend war, warum schickte man einen Läufer los und keinen Reiter? Viele Grüsse Merit

Ich bitte, den Boten der Athener an die Spartaner (mit der Bitte um Verstärkung) und den „Marathonläufer“ (der die Siegesnachricht nach Athen bringt und dann sofort stirbt) auseinanderzuhalten:

  1. Der Bote hat seine Aufgabe erfüllt. Das 2.000 Mann starke Hilfskontingent der Spartaner traf am Tage nach der Schlacht bei Marathon ein. Die Perser hatten über eine Woche mit dem Angriff auf die Stellung der Athener gewartet. Vielleicht war es die Nachricht vom Anmarsch der Spartaner, die den Entschluß zum Angriff auslöste.

  2. Der „Marathonläufer“ ist eine Legende:
    a) Herodot (dessen Bericht über Marathon: 6, 112ff.) berichtet überhaupt nichts von einer Siegesbotschaft nach Athen.
    b) Ein Historiker Herakleides aus Pontos (dessen Nachricht darüber in Kap. 3 der Schrift des Plutarch „Ob die Athener im Kriege oder in der Weisheit berühmter seien“ erhalten ist), Herakleides aus Pontos weiß von einem Krieger Thersippos aus Eroia, der die Nachricht von der Schlacht bei Marathon nach Athen brachte - aber nicht, daß der Krieger sofort danach gestorben sei.
    c) Plutarch (fast 600 Jahre nach den Ereignissen!) ist (meines Wissens) der erste, der vom Tod des Sieges-Melders schreibt. Er sagt im Kap. 3 der erwähnten Schrift, „die meisten erzählen“, ein Mann namens Euklees sei vom Schlachtfeld noch in der Rüstung (!) nach Athen gerannt, dort an der ersten Türschwelle zusammengebrochen, habe ausgerufen „freut euch, auch wir freuen uns“ [chairete, kai chairomen] und sei gestorben.
    d) Wer zuerst die Lesart hat „Freut euch, wir haben gesiegt“ oder nur „Wir haben gesiegt“, weiß ich nicht.

Der Marathonläufer nimmt also erst Jahrhunderte nach der Schlacht Konturen an - obwohl er doch immense Aufmerksamkeit hätte erregen müssen.

  • Django -

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo !

Der Marathonläufer nimmt also erst Jahrhunderte nach der
Schlacht Konturen an - obwohl er doch immense Aufmerksamkeit
hätte erregen müssen.

Von wem? Vom Rest der Welt? Den gab es nicht. Ausserdem war es doch nichts Weltbewegendes, wenn ein Bote eine Botschaft überbringt. Das war damals so üblich und es gab hunderte von Ereignissen/Nachrichten, die von Läufern überbracht wurden. Immense Aufmerksamkeit erregte der Sieg der Athener. Da war der Lauf eines Boten nichts!!!
Der Lauf des Boten wurde erst in der Neuzeit zum Ereignis, durch den Marathonlauf bei den Olymp. Spielen der Neuzeit!

mfgConrad

Hi!

  1. Der Bote hat seine Aufgabe erfüllt. Das 2.000 Mann starke
    Hilfskontingent der Spartaner traf am Tage nach der Schlacht
    bei Marathon ein. Die Perser hatten über eine Woche mit dem
    Angriff auf die Stellung der Athener gewartet. Vielleicht war
    es die Nachricht vom Anmarsch der Spartaner, die den Entschluß
    zum Angriff auslöste.

Irgendwie habe ich diesen Teil deiner Nachricht nicht verstanden.
Die Perser warteten mit ihrem Angriff auf die Stellung der Athener.
Dann kam die Nachricht von Anmarsch der Spartaner. Das löste den Angriff aus - den der Perser oder den der Athener?

Meines Wissens haben die Athener (plus Verstärkung aus Platäa) angegriffen, ohne auf die Ankunft der Spartaner zu warten (der Bote traf erst nach Kampfbeginn auf dem Schlachtfeld ein).

Hast du andere Quellen, die von einem Angriff der Perser sprechen?

Grüße
Heinrich

Hans Delbrücks Rekonstruktion

Hi!

  1. Der Bote hat seine Aufgabe erfüllt. Das 2.000 Mann starke Hilfskontingent der Spartaner traf am Tage nach der Schlacht bei Marathon ein. Die Perser hatten über eine Woche mit dem Angriff auf die Stellung der Athener gewartet. Vielleicht war es die Nachricht vom Anmarsch der Spartaner, die den Entschluß zum Angriff auslöste.

Irgendwie habe ich diesen Teil deiner Nachricht nicht
verstanden. Die Perser warteten mit ihrem Angriff auf die Stellung der Athener. Dann kam die Nachricht von Anmarsch der Spartaner. Das löste den Angriff aus - den der Perser oder den der Athener?
Meines Wissens haben die Athener (plus Verstärkung aus Platäa) angegriffen, ohne auf die Ankunft der Spartaner zu warten (der Bote traf erst nach Kampfbeginn auf dem Schlachtfeld ein).

Hans Delbrück hat sich in den 1880er Jahren ausführlich mit der Rekonstruktion des Verlaufs der Schlacht von Marathon befaßt; die Schrift heißt „Perser- und Burgunderkriege“.

a) Beide Heere waren etwa gleichstark. Wären die Perser überlegen gewesen, dann hätten sie nur ihre Truppen teilen müssen - während eine Abteilung die Athener bei Marathon festhielt, hätte die andere Athen selbst angegriffen. Nach Herodot waren es 9.000 Athener Hopliten und 1.000 aus Plataiai (was mir für diesen kleinen Ort zuviel erscheint). Die Perser mögen auch 10.000 Mann gewesen sein, darunter 4-500 Reiter.
Man bedenke aber: Die Athener waren wehrpflichtige Handwerker, Bauern oder Fischer, die Perser waren Berufssoldaten. Normalerweise ist ein Berufsheer einer Wehrpflichtarmee stark überlegen.

b) Jedes Heer hatte eigentümliche Stärken und Schwächen. Die Athener waren Nahkämpfer zu Fuß, die in geordneter Formation kämpften (der Phalanx), während die Perser Reiter und Bogenschützen waren. Eine Phalanx mitten auf dem Acker an den Seiten oder hinten von Reitern angegriffen muß stehenbleiben und erliegt den Bogenschützen. Kommen die Athener dagegen geschlossen an das persische Fußvolk heran, ohne oder bevor die Reiter eingreifen können, sind die Perser verloren.

c) Also saßen beide Seiten fest; keiner war eindeutig überlegen. Die Nachricht vom Anmarsch der Spartaner mußte die PERSER zum Angriff verleiten; warum sollten die Athener angegriffen haben, bevor die Verstärkung da war? Die Perser mußten es eben riskieren, ehe der Feind noch stärker wurde.

d) Die Perser kamen also und schossen. Die athenische Phalanx unterlief die Pfeile, und als die Nahkämpfer auf Speerlänge heranwaren, da waren die Schützen verloren. Das Gefecht erstreckte sich über acht Stadien vom Eingang zum Vrana-Tal an der Ebene von Marathon (wo das Athener Heer zu Anfang gestanden hatte) bis zum Soros, dem Grabhügel der Gefallenen, der durch Nachgrabung tatsächlich als Bestattung von ca. 200 Personen erwiesen wurde.

e) Man hört dann noch etwas von einem Kampf bei den Schiffen, aber nichts von Gefangenen und auch nichts von erbeuteten Pferden.

Alles klar?

  • Django -
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Von Herodot

Der Marathonläufer nimmt also erst Jahrhunderte nach der Schlacht Konturen an - obwohl er doch immense Aufmerksamkeit hätte erregen müssen.

Von wem? Vom Rest der Welt? Den gab es nicht. Ausserdem war es doch nichts Weltbewegendes, wenn ein Bote eine Botschaft überbringt. Das war damals so üblich und es gab hunderte von Ereignissen/Nachrichten, die von Läufern überbracht wurden. Immense Aufmerksamkeit erregte der Sieg der Athener. Da war der Lauf eines Boten nichts!!!
Der Lauf des Boten wurde erst in der Neuzeit zum Ereignis, durch den Marathonlauf bei den Olymp. Spielen der Neuzeit!

Diese Argumentation widerlegt sich selbst. Wenn die Tatsache des Botenlaufs so gleichgültig ist, wieso hält sich dann die Erinnerung an diese Tatsache so lange unabhängig von schriftlicher Überlieferung?
Der Historiker Herodot hat in den 460er Jahren v.u.Z. alles notiert, was ihm über den Verlauf der Perserkriege erzählt wurde. Der Botenlauf fehlt. Erst 600 Jahre später wird sogar der Name des Boten genannt. Woher?

  • Django -