Marcumar UND Vit. K?

Hallo,

mein Vater muss wegen seiner Thrromboseneigung in den Beinvenen Marcumar nehmen. Derzeit hat er mal wieder diffuse Schmerzen, deren Ursache noch abgeklärt werden muss (könnten auch rheumatische Beschwerden sein). In dem Zusammenhang wurde jetzt festgestellt, dass sein INR-Wert zu niedrig ist.

INR - Ist: 1,6
INR - Soll: 2,5 - 2,6

Laut ärztlicher Anweisung soll er nun ein anderes Einnahmeregime für Marcumarr befolgen, um den Wert in den nächsten Tagen nach oben zu bekommen. Soweit erstmal ok.

ABER: Die Ärztin hat ihm gleichzeitig Vit. K zur oralen Einnahme (Ampullen) verschrieben.

Hier verstehe ich die Welt nicht mehr, da Vit. K ja der Gegenspieler zu Marcumar ist. Gibt es irgendeinen Sachverhalt, bei dem bei zu niedrigem INR-Wert die Marcumareinnahme erhöht und gleichzeitig Vit.K gegeben wird?

Meine Mutter wird heute im Verlauf des Tages selber nochmal in eigener Sache bei der Ärztin vorstellig und die Sache dann natürlich auch ansprechen. Aber ich wäre nebenher schon dran interessiert, eine Erklärung zu bekommen, wenn denn ein Fachkundiger mitliest.

Danke schon mal
Barbara

Hallo,

ABER: Die Ärztin hat ihm gleichzeitig Vit. K zur oralen
Einnahme (Ampullen) verschrieben.

die Ärztin hat deinem Vater das Vit. K nicht für den momentanen Zustand verschrieben.
Es ist gedacht für den Fall, daß der INR-Wert irgendwann einmal ungewollt zu hoch liegen sollte.

Ich bin auch Marcumar Patient und mein Arzt verschreibt mir seit Jahren Vit. K Tropfen, die ich im Keller in meiner Hausapotheke stehen habe.
Immer wenn die Tropfen abgelaufen sind, gibt der Arzt mir unaufgefordert ein neues Rezept für die Tropfen. Bis jetzt habe ich sie noch nicht benötigt.

Alle vier Wochen wird mir in der Frühe Blut genommen und bis zum Nachmittag ist der INR-Wert vom Labor bestimmt. Dann rufe ich bei dem Arzt in der Praxis an.
Würde der INR-Wert zu hoch liegen, würde mir der Arzt am Telefon sagen, wie viele Tropfen Vit. K ich nehmen soll.

Nebenbei bemerkt erachte ich die Soll-Spanne von

INR - Soll: 2,5 - 2,6

als zu eng.
Ich hatte schon INR-Werte zwischen 2,1 bis 3,5. Der Mittelwert über zwei Jahre liegt bei ca. 2,4.

Gruß

Tankred

Hi,

meine Eltern nehmen seit Jahren Marcumar, meine Mutter sehr viel länger als mein Vater. Bis dato hat keiner von beiden von der Ärztin jemals prophylaktisch Vit. K für die Notfallapotheke verschrieben bekommen.

Außerdem behauptet mein Vater, er soll es nehmen. Was aber, um die Wahrheit zu sagen, eventuell vielleicht möglicherweise daran liegen könnte, dass mein Vater was durcheinander gebracht hat. Wir haben schon mehrfach festgestellt, dass er Begebenheiten manchmal sehr verschwirbelt wiedergibt. Auszuschließen wäre ein Missverständniss also nicht.

Was den einzustellenden Wert betrifft: Beide Eltern haben sich bisher recht gut auf enge Bereiche einstellen lassen. Ein, zwei 0,1 Einheiten rauf oder runter sind natürlich ok, da hast du recht. Aber über 3,0 soll er bei beiden keinesfalls liegen.

Danke jedenfalls für den Hinweis, dass das Vit. K vielleicht für den Notfall verschrieben wurde. Wir werden dem selbstverständlich nachgehen.

Barbara

Hallo,
Hallo, .

… In dem Zusammenhang wurde jetzt festgestellt, dass sein INR-Wert zu niedrig ist.

INR - Ist: 1,6

Das ist ein etwas erhöter Normwert, Richtung therapeutischer Bereich.

INR - Soll: 2,5 - 2,6

Der therapeutische Breite liegt mit Sicherheit höher als 0,1 und tiefer als 2,5, bzw. höher als 2,6. (2 - 3,5)

Die INR wird zur Lenkung und zur Verlaufskontrolle einer Antikoagulation mit Vit.-K-Antagonisten eingesetzt.

ABER: Die Ärztin hat ihm gleichzeitig Vit. K zur oralen Einnahme (Ampullen) verschrieben.

Da ist vlt. ewas falsch verstanden worden…oder ich fehlinterpretiere jetzt etwas!?
Vit.K wird dem Pat. i. d. R. als Bedarfs medikament für „Notfälle“ mitgegeben, etwa bei/für Blutungen…

Hier verstehe ich die Welt nicht mehr, da Vit. K ja der Gegenspieler zu Marcumar ist. Gibt :es irgendeinen Sachverhalt, bei dem bei zu niedrigem INR-Wert die Marcumareinnahme :erhöht

Nur zum Verständnis: Der INR-Wert verhält sich zum Quick-Wert umgekehrt proportional.
Der zu niedrige INR-Wert erfordert also eine Erhöhung der Marcumar Einnahme, weil damit sich der Quickwert verringert und in den therapeutischen Bereich 2,4 erhöht wird.
Und gleichzeitig soll Vit.K gegeben werden?
Das macht eben keinen Sinn und ich vermute, da ist etwas informativ quer gelaufen…!?

Danke schon mal
Barbara

Bitte u. Gruß
rolli

… mehr auf http://w-w-w.ms/a5g5mw

Und gleichzeitig soll Vit.K gegeben werden?
Das macht eben keinen Sinn und ich vermute, da ist etwas
informativ quer gelaufen…

Eben, den sinnvoll ist das bisher nicht. Auch die neueste Aussage meines Vaters bringt wenig erhellendes. Er meint nun, dass in den nächsten Tagen „irgendsoeine Blutwertuntersuchung“ gemacht werden soll, weswegen er das Vit. Ka nehmen soll, zusätzlich zum Marcumar. Auch das ergibt im Moment keinen Sinn.

Leider hat mein Mutter es heute nicht zum Arzt geschafft. Also wird es wohl erst morgen eine Aufklärung geben.

Barbara

Wie in den vorherigen Antworten schon gesagt, die Vitamin K Ampullen sind nur als Notfallmedikament gedacht für den Fall von Blutungen etc. bei leichter Überdosierung.
Das kann man im Beipackzettel unter Punkt 3.3 nachlesen.
http://www.apotheken-umschau.de/do/extern/medfinder/…

Deine Eltern verstehe ich aber ehrlich gesagt nicht. Bei so einer wichtigen Sache, die enorme gesundheitliche Folgen haben kann, wartet man doch nicht ab, bis man mal Zeit hat zum Arzt zu gehen. Da fragt man in der Apotheke oder in der Arztpraxis sofort nach. Wenn man nicht hingehen kann, ruft man an!

Deine Eltern verstehe ich aber ehrlich gesagt nicht. Bei so einer wichtigen Sache, die enorme gesundheitliche Folgen haben kann, wartet man doch nicht ab, bis man mal Zeit hat zum Arzt zu gehen. Da fragt man in der Apotheke oder in der Arztpraxis sofort nach. Wenn man nicht hingehen kann, ruft man an!

Du hast vollkommen recht, kennst aber meinen Vater nicht. Der bockt, wenn man ihn drauf anspricht, gerade wie ein 3jähriger rum und ist absolut nicht einsichtig. Es hat heute eine mittlere Ehekrise um das Thema gegeben.
Meine Mutter ist selber mit ihren eigenen gesundheitlichen Problemen so stark belastet, dass sie einfach nicht sofort hüpfen kann, auch wenn sie die Notwendigkeit wie hier sieht. Zum Glück ist sie inzwischen soweit, dass sie zuerst an sich denkt und heute konnte sie sich halt nicht mehr auch noch um diese Angelegenheit kümmern.

Es ist eine vertrackte Situation und für Außenstehende nicht so ganz leicht zu erklären. Meine Eltern sind halt nicht mehr die jüngsten und speziell mein Vater wird zunehmend sonderlich.

Barbara

Bei der Dauerprophylaxe der Tiefvenenthrombose mit Marcumar ist der INR Bereich 2,0-3,0, wenn nicht spezielle Zusatzrisiken gegeben sind. 1,6 ist also zu niedrig. Vit K ist als Antidot gedacht für den Fall, dass schwerere Blutungen auftreten. Das kann man aber niemals zu Hause entscheiden, sodass die Aufbewahrung eines Antidots zu Hause keinen Sinn macht.
Udo Becker

hi

Deine Eltern verstehe ich aber ehrlich gesagt nicht. Bei so
einer wichtigen Sache, die enorme gesundheitliche Folgen haben
kann, wartet man doch nicht ab, bis man mal Zeit hat zum Arzt
zu gehen.

das ist eine andere Generation ! Da sind Ärzte und Apotheker noch Halbgötter in weiß oder anderen Farben, die hat man nicht mit so Unwichtigkeiten wie Krebs, Atemnot, Blinddarmdurchbruch oder Quick-werten belästigt… schon gar nicht unter der Woche oder am Wochenende *Augenverdreh*

gruß Hex

Hallo,

Da sind Ärzte und Apotheker noch Halbgötter

nun sind gerade meine Eltern so gar nicht gläubig. Aber mein Vater stur, uninteressiert und überhaupt ist das alles lästig. Das er überhaupt mit Marcumar angefangen hat ist eines der größten Wunder…

Barbara

Des Rätsels Lösung
Hallo,

meine Mutter hat es endlich geschafft, beim HA anzurufen und ist nun völlig erschüttert, weil sie es nicht früher gemacht hat.

Die Ärztin hat meinem Vater vor 2 Tagen erklärt, er möge das embolex, welches nach seiner Aussage noch in ausreichenden Mengen im Hause sei, 2x täglich prophylaktisch spritzen, an selben Tag bitte sofort nach Ankunft daheim die erste Spritze. Von Vit. K war niemals die Rede, verschrieben hat sie es ihm auch nie. Kommende Woche sollen dann weitere Untersuchung zur Ursache seiner Beschwerden im Bein vorgenommen werden.

Auf dem 100 Metern von der Arztpraxis bis zum Medizinschrank hat er alles, was besprochen wurde, vergessen, die Vit.K-Packung gesehen und blind zugegriffen und nach Packungsanweisung eingenommen. Immerhin hat er sich noch gewundert, dass es oral genommen wird, denn die Erklärung mit dem Spritzen hatte er noch im Kopf.

Meine Mutter und ich überlegen nun, wie in Zukunft ähnliche Missverständnisse verhindert werden können. Die Klöpse, die sich mein Vater in zunehmendem Maße leistet, sind mit allgemeiner Schusseligkeit nicht mehr erklärbar. Aber das ist dann ein anderes Thema, über das ich im Brett Älterwerden nachhaken werde :frowning:.

Danke fürs Lesen und danke für die Antworten. Wir waren also doch auf dem richtigen Gedankenweg mit unseren Bedenken.

Barbara

Hallo Barbara,

Meine Mutter und ich überlegen nun, wie in Zukunft ähnliche
Missverständnisse verhindert werden können. Die Klöpse, die
sich mein Vater in zunehmendem Maße leistet, sind mit
allgemeiner Schusseligkeit nicht mehr erklärbar.

Da bleibt wohl nur die Variante, wie man das auch sonst bei dementen Patienten macht.
Der Arzt muss solches der Betreuungsperson mitteilen.

MfG Peter(TOO)