ja nur aus dem fiat
also man begründet diesen Sonderstatus aus einer Überlegung
heraus und nicht mit einem Bibeltext?
Ja. Das ist auch ein alter Streit zwischen Reformierten und Katholiken. Ich erlaube mir, kurz anzufügen, dass einem die Schrift nicht von selber zufliegt, sondern dass man sich hinbegeben und sie lesen muss. Genauso aber kann man auch auf die Überlieferung hören bzw. hat auch die Überlieferung Gewicht, dann nämlich, wenn sie vom Heiligen Geist kommt. Der Rest (bspw. ob die Marienverehrung Sinn macht oder nicht) ist theologisch unbegründet.
Steht irgendwo [in der Bibel] : „Maria fuhr in den Himmel
auf“ ?
Nein.
In der Offenbarung des Johannes ist auch die Rede von einer
Frau, die mit der Sonne bekleidet war, den Mond unter ihren
Füssen hatte und um das Haupt eine Krone von zwölf Sternen
hatte, auch in ihr wird Maria erblickt. (Offb 12)
Steht
das irgendwo? gibt es einen Hinweis?
Oder ist das wiederrum eine Überlegung abseits der Bibel?
Nein, weder noch, sondern aufgrund der Bibel. Maria ist es, die das Kind gebiert, das das Böse überwindet. Also ist Maria wohl die Frau.
Es sind also durchaus biblische Stellen vorhanden, allerdings
werden sie zur Begründung des Lehrsatzes benutzt und machen
nicht selbst dessen Aussage.
ja genau. Und wo kommt dann der Lehrsatz her?
Aus der Tradition, aber übereinstimmend mit der Schrift.
Maria war dem Herrn von
Anfang bis zum Ende treu, und auch nach der Auferstehung war
sie Ihm stets im Gebet nahe.
Apg 1,14 „Diese alle waren stets beieinander einmütig im Gebet samt den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern (=Verwandten und Freunden).“
Soweit ich weiß wird über die Maria recht wenig gesprochen in
der Bibel. Wird sie denn außerhalb der Evangelien erwähnt?
Vielleicht in den Apostelbriefen?
Nein, nur in der Apostelgeschichte, an der erwähnten Stelle. Sie wird in der Tat in der Bibel sehr wenig erwähnt, allerdings ergibt sich nach allem das Bild eines Menschen mit besonderer Sendung. Bedeutsam ist hiefür auch die Deutung der Prophetenschriften des Alten Testamentes, so wie sie von der Theologie gewöhnlich vorgenommen wird, wonach Jes 7,14 („Siehe, eine junge Frau wird schwanger…“) von Maria erzähle.
Man nimmt an, dass Maria als Kind unbefleckt empfangen wurde,
als Mensch keine Sünde begangen hat und „beim Entschlafen die
Welt nicht verlassen“ hat, wie der Wortlaut der alten
östlichen Liturgie sagt.
also das mit dem unbefleckt empfangen wird ja biblisch
begründet. Aber wo steht, dass sie keine Sünde begangen hat
oder beim Entschlafen die Welt nicht verlassen hat?
Es bedürfen diese Dinge alle drei zunächst einmal der christlichen Deutung. Warum soll man die Deutung bezüglich des ersten Sachverhaltes nicht auch auf das spätere Leben der Maria ausdehnen? Die „immaculata conceptio“ wurde gerade im Blick auf das spätere Leben Mariens von der Kirche formuliert und hätte in Bezug auf ein kurzes Ereignis, ohne Bezug auf das ganze spätere Leben der Mutter Gottes, keinen Sinn.
Sie schöpft allerdings ihre ganze Kraft aus Christus und ist
daher Mensch und nicht Gott. Sie hat Teil an Seinem
Erlösungswerk wie alle Menschen, die Ihm anhangen, und sie hat
es nicht selbst vollbracht.
Dies ist wiederum auch biblisch begründet, man erkennt in
ihrem Leben, so wie es in der Bibel kurz erwähnt ist, eine
Erstlingsstellung, aber ohne eigenes Tun, sondern im Empfangen
der Gnade Gottes
woran erkennt man den ihre Erstlingsstellung? Ich meine Texte,
die wirklich auf die Maria zutreffen.
Man erkennt sie an der zeitlichen Abfolge: Wer ist zuerst mit Jesus in Berührung gekommen? Wer hat Ihm den Auftrag gegeben, mit Seiner Wundertätigkeit auf der Hochzeit zu Kana zu beginnen, und damit die Offenbarung Jesu ausgelöst? Wer hat seit Seiner Geburt mit Ihm Verbindung gehabt bis nach der Auferstehung?
Man kann sich dabei fragen, was die Motive der Kirche sind,
sich so stark daran zu halten. Die Antwort lautet:
ausserbiblische Überlieferung und Volkstraditionen. Es ist
nicht auszuschliessen, dass da und dort auf der Welt die
Marienverehrung direkt oder indirekt den Kult heidnischer
Göttinnen abgelöst hat.
dem würde ich zustimmen.
Dass sie eine Sonderstellung unter den Menschen als deren
Vorbild hat, ist aus der Bibel (insbesondere Lk 1)
nachzuvollziehen.
woran kann man das denn nachvollziehen? Nur am fiat, es werde?
Ja, nur schon am fiat. Gefestigt kann das aber allenfalls werden durch das Magnificat („Meine Seele preist die Grösse des Herrn,…“) in Lk 1, 46-55, die Auslösung der ersten Wundertat Jesu (Jesus sprach: „Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“ Da sagte sie zu den Dienern: „Was Er euch sagt, das tut.“) in Joh 2,5 und das Mitgehen auf dem Kreuzweg bzw. Verharren beim Kreuz (nebst anderen, die dieses taten).
Aber es gibt doch
bestimmt viele weitere gottesfürchtige Personen […]
Kann ich also behaupten, dass die heutige Stellung Marias
nicht aus der Bibel […] ist?
Ja. Sie ist nicht allein aus der Bibel so, wie sie ist. Man muss daher berücksichtigen, dass sie nicht selber die eigene Gnade gibt, sondern die Gnade v e r m i t t e l t. Daher ist es auch fragwürdig, sie anzubeten oder von Anbetung Mariens zu reden. Man unterscheidet die Verehrung von der Anbetung. Wir verehren Maria als gottesfürchtige Frau, aber wir beten sie nicht an, wir beten nur Gott an. Dagegen erflehen wir aber ihre Fürbitte beim Herrn.
Gruß
David
Gruss
Mike