Marien Auroren

Liebe Experten,

in einem Buch von 1791 steht die „Lebensgeschichte der Gräfin Marien Auroren“. Sie heißt also eigentlich Maria Aurora. Wie kommt es zu dieser seltsamen Beugung (ist das der Fachausdruck?) Hat das mit dem „a“ am Schluss zu tun?
Wurden nur Frauennamen gebeugt?
Fragen über Fragen. Bin gespannt auf Antworten.

Gruß, Frank

Lieber Frank,

allen (:wink:) Namen wurden einst gebeugt (Beugung oder Deklination) bzw. dekliniert.
Das ist inzwischen unüblich. Wie ja auch die alten Dativ- und fast alle Genitivendungen der Maskulina verschwunden sind.

Aber in der älteren Literatur ist es noch fast überall zu finden, so bis 1900.
Viele solche deklinierten Namen findet man bei Wilhelm Busch:

Z. B. Akkusative:
Hier sieht man Bruder Franz und Fritzen
zu zweit in einer Wanne sitzen.

Helenen ihre Uhr ist zehn.

Auch Nachnamen:

Mit einem Satze saß
Der Frosch an Nolten seiner Nas.

Also wie bereits besprochen:
Madame Knoppen ist in Wochen. (hier dürfte eigentlich kein Akkusativ stehen)

Oder Genitive:

Adelens Spaziergang

Auf seine Hörner nimmt der Bock
Adelens Krinolinenrock

Fort damit und in die Ecke
Unter Onkel Fritzens Decke!

Schon faßt einer, der voran,
Onkel Fritzens Nase an.

Und auch Dativ:

Allgemein von Mund zu Munde (auch das ist ein Dativ)
Geht die ahnungsvolle Kunde,
sozusagen ein Gemunkel,
Daß im Garten, wenn es dunkel
Julchen Knopp, mit Försters Fritze (Dativ)
Heimlich wandle oder sitze.

Wobei man bei Busch oft den Verdacht hat, dass es das als Stilmittel einsetzt, siehe die falsche Form „Knoppen“.

Aber auch bei Goethe gibt es das:

Man fürchtete um Lottens Leben uvam.

Wir hatten also die Endungen:

Akkusativ: -n
Dativ: -e
Genitiv: -ns

So, das ist Fritzens Beitrag.

Frankens Dank! owT
.

Lieber Fritz,

Also wie bereits besprochen:
Madame Knoppen ist in Wochen. (hier dürfte eigentlich
kein Akkusativ stehen)

hm … ich glaube, das ist gar kein Akkusativ. Ich kenne mich mit der Üblichkeit weiblicher Nachnamens-Anwendung im 19. Jh. und im Umfeld Wilhelm Buschs natürlich nicht perfekt aus.

Aber: es war und ist bei mir zu Hause zum Teil heute noch üblich, die Ehefrau eines Herrn Kopp als „die Koppin“ zu bezeichnen. Ich könnte mir also denken, dass Busch, der sicherlich auch noch die Reimlautung im Hinterkopf hatte, Madame Koppen analog benamst hat.

Grüße aus Franken
Angelika

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Liebe Angelika,

Aber: es war und ist bei mir zu Hause zum Teil heute noch
üblich, die Ehefrau eines Herrn Kopp als „die Koppin“ zu
bezeichnen.

Das kenne ich auch noch aus eigener Erfahrung und deshalb halte ich diese Deutung auch für möglich.

„Madame Knoppen“ könnte also auch aus „Madame Knoppin“ entstanden sein.

Beste Grüße Fritz