Marktplatz

Hallo,
kann mir einer die genaue Bedeutung des marktplatzes im Mittelalter und heute sagen?
vielen Dank im voraus!
mfg
-Arne-

Hallo Arne!
Der Marktplatz war (ähnlich dem antiken Forum) das Herz der Stadt - ohne den Markt gäbe es die meisten Städte nicht. Zur mittelalterlichen Stadt gehörten vier Dinge: Mauern, Stadtbrief, Rat (und damit auch Rathaus) und Markt.
Was heute einfach reiner Verkaufsplatz ist, war damals Ort der Rechtssprechung (der Pranger stand am Rathaus, dieses wiederum meistens am Markt, dazu kommt die ausgeklügelte Marktordnung, daher war der Markt oft sogar ein eigener Rechtsbezirk der Stadt!) der Information (nicht nur wegen Klatsch und Tratsch der sprichwörtlichen Marktweiber, sondern auch weil die Händler natürlich weit rumkamen und die heutige Rolle der Zeitungen übernahmen, und dann gab´s da natürlich noch den Stadtschreiber, der am Markt öffentliche Bekanntgaben ausrief), und des Selbstverständnisses der Stadt. Repräsentative Bauten wurden mit Vorliebe am Markt errichtet.
Die Bauern der Umgebung kamen zum Markt in die Stadt, zu den Wochenmärkten, die jede Woche an einem bestimmten Wochentag stattfanden, nach Waren geordnet. Händler und Kaufleute von weiter her kamen meistens zu festen Terminen, ein-, zwei- oder mehrmals (das waren die „Jahrmärkte“). Daher war der Markt für die meisten mittelalterlichen Städte das, was heute die Industriegebiete sind: Haupteinnahmequelle. Jedes Fuhrwerk, das durch die Tore wollte, musste zahlen, jeder Händler, der einen Stand aufbauen wollte auch, dazu gab es Stapelrechte (durchziehende Händler MUSSTEN ihre Waren eine bestimmte Zeit lang anbieten) und das Geld, das „nebenher“ in der Stadt hängenblieb, in den Wirtshäusern, Kneipen, im Puff oder in den Kirchen (jeder Puff musste von der Kirche UND der Stadt genehmigt werden, oft plädierte die Kirche sogar für die Einrichtung eines Puffs, um einerseits die Strassenstrichs abzuschaffen und zweitens -ganz interessant!- den „jungen Männer die Gelegenheit zu bieten, sich vor der Ehe abzureagieren und zu trainieren“ (in freier neuhochdeutscher Übersetzung). Deshalb ist es gar nicht so falsch, Puff und Kirche in Nachbarschaft zu erwähnen :smile:

Sorry für die Abschweifung.
VG
Christian