Hallo,
als Marokko-Experten, würdet ihr mir sehr weiterhelfen, wenn ihr
mir folgende Frage beantworten könntet.
Kurze Vorgeschichte:
Ich wohne für die nächsten zwei Wochen in Brüssel
in einem Haus, das einem Marokkaner gehört.
Er lässt mich dort für umsonst wohnen.
Als Dankeschön, würde ich ihm und seiner Familie (Frau; Sohn ca.
10 Jahre alt) gern was schenken, aber ich weiss eben nicht was.
Geld hat er wie Heu, also nix materielles, eher etwas
symbolisches, und da ich über diesen Kulturkreis absolut nichts
weiss, schreibe ich euch an, mit der Bitte, ob ihr mir dabei
weiterhelfen könntet.
Also, was könnte ich Sam und seiner Familie schenken?
Gerne Mehrfachnennungen!
Vielen Dank für eure Mühen!!!
Grüße,
Josh
Hallo Joshua,
selber kein Experte in großbürgerlicher marokkanischer Kultur, hab ich meine Kollegin Fatia gefragt, die selbige etwas über 20 Jahre lang nicht am eigenen Leib, aber als Zaungast aus dem Proletariat erlebt hat.
Diese bestätigt natürlich als erstes meine Vermutung, dass es sehr schwer ist, hier etwas zu raten, wenn man den zu Beschenkenden nicht kennt.
Macht dann darauf aufmerksam, dass insbesondere bei betuchten Leuten der älteren Generation die Nacht-Mahlzeiten im Ramadan (der eben begonnen hat) sehr ausführlich und festlich begangen werden und hier jede Art von Confiserie - je feiner und aufwendiger desto besser - als Geste „ich denke dran, dass für Dich ein besonderer Monat ist“ erfreut angenommen wird.
Während allerdings genau diese Geste bei jemandem, der den Ramadan eher religiös als nur traditionell begreift, ein heftiger Affront sein kann (für Fatia selber erinnert der Ramadan u.a. daran, dass nicht jeder und nicht immer alles hat).
Ferner erzählt Fatia, dass es beim städtischen Großbürgertum - ebenfalls vor allem bei älteren Semestern - eine gewisse Affinität zur Salonkultur der französischen Bourgeoisie gibt. Wo im Salon eine Vitrine oder dergleichen steht, die prächtigen nutzlosen Gegenständen vorbehalten ist - welche nicht so sehr selber beschafft als eben per Gastgeschenk gegenseitig verehrt werden. Sowas wie Fayencen, Messingarbeiten, Kristallglas, angeschliffene Edelsteine … Dinge, die aus der Sicht Mitteleuropa 2004 wie grässlicher Kitsch wirken, können da je nach Empfänger wohl einige Freude bereiten. Auch hier gibts allerdings Fettnäpfchen - zur Sicherheit sollten gegenständliche Darstellungen insbesondere von Lebewesen (die fröhliche Schäferin in Porzellan, oder eine Kuckucksuhr) und auch Gefässe für alkoholhaltige Getränke (Maßkrug) vermieden werden, wenn man nicht genau weiß, wie es der Beschenkte mit den Regeln hält.
Schöne Grüße
MM