darf man oder kann man Blutplasma spenden (durch Plasmapherese) wenn man zur Zeit Marcumar oder ein anderes blutverdünnendes Medikament einnimmt?
Scheinbar herrscht auch bei vielen Ärzten und Spendezentren da unterschiedliche Meinungen. Einige sagen ja, es ist möglich als Sonderspender, andere wiederum sagen nein. Ich jedoch kenne 2 Fälle die Blutverdünner einnehmen und Plasma spenden.
Ich hoffe Sie können mir diesbezüglich etwas Klarheit verschaffen.
bei diesem Punkt bin ich überfragt, Transfusionsmedizin zählt nicht zu den Fächern, in denen ich über solch detaillierte Sachverhalte Auskunft geben könnte.
Ich vermute jedoch, dass das eine Entscheidung ist, die die Spendezentren eigenverantwortlich treffen müssen. Letztlich sind hier Faktoren des Spenderschutzes wie auch der Weiterverwendung des Plasmas einzubeziehen. Leider kenne ich hierzu keine Studiendaten, jedoch sollte ein Transfusionsmediziner dazu Auskunft geben können.
Um Ihre Frage zu beantworten, ist es zunächst einmal wichtig, die Wirkungsweise von Marcumar einerseits und die Funktion (bzw. den Sinn) einer Plasmaspende andererseits zu erklären. Lassen Sie mich kurz auf diese beiden Punkte eingehen:
Marcumar ist ein Inhibitor (d.h. ein „Hemmer“) des Enzyms Vitamin-K-Epoxid-Reduktase, was dazu führt, dass weniger reduziertes Vitamin K als Co-Faktor für das Enzym γ-Glutamylcarboxylase zur Verfügung steht. Hierdurch werden die Blutgerinnungsfaktoren II, VII, IX und X (sprich: 2, 7, 9 und 10) nur teilweise carboxyliert. Dies führt dazu, dass diese Faktoren nicht mehr richtig funktionieren - die Blutgerinnung wird erschwert.
Eine Plasmaspende ist wichtig bei Verbrauchskoagulopathien, Leberinsuffizienz und vielen anderen Krankheitsbildern, bei denen ein lebensgefährlicher Mangel an Gerinnungsfaktoren auftreten kann.
Hier wird deutlich, wieso Plasmaspenden eines marcumarisierten Patienten i.d.R. unbrauchbar sind: Die wichtigen Gerinnungsfaktoren sind nur unzureichend vorhanden!
Eine Spende von Erythrozyten oder Thrombozyten ist jedoch durchaus möglich - auch dies liegt jedoch im Ermessen des jeweiligen Spendezentrums.