Massies

Hallo!
Es geht mir um die Frage, wie Menschen mit dieser Störung (ordnungslos, Sammelwut auch von Flohmarktmüll und alten Prospekten, mit Anzeichen von häuslicher Verwahrlosung) geholfen werden kann. (Durch bloßes Zureden offensichtlich nicht.)
Ist man als Außenstehender dazu überhaupt in der Lage oder muss erst vom Betroffenen unter Leidensdruck professionelle Intervention angefordert werden?
Könnte man helfen, wenn man wüsste, von welchen Fehlentwicklungen diese Störung sich herleitet?
Dank&Gruß!
Hannes

Messies
Hallo Hannes,

manchmal glaube ich, ich habe selbst etwas von einem Messie.

Wenn du es richtig schreibst, kannst du auch bei Wikipedia etwas darüber finden.

http://de.wikipedia.org/wiki/Messie-Syndrom

Gruß Gernot

Hallo Hannes,

ich kann leider nur beitragen was NICHT hilft (vielleicht hilft Dir das ja auch etwas weiter):
gut zureden hilft nicht - meist sind sie im Gespräch einsichtig können aber das was Du sagst nicht praktisch umsetzen und das Ergebnis ist, dass beide (Du und der Messie) das Gefühl des Versagens haben. Das gleiche gilt für Aufräumaktionen - bringt gar nichts!

Ich glaube (!) dass folgendes hilft (kann es aber nicht wirklich bestätigen, da mir vorher schon die Puste ausgegangen ist und ich mich verkrümelt habe:
Gemeinsam mit dem Messie einen Plan aufstellen. In einer großen Ausmistaktion gemeinsam die Wohnung entrümpeln und danach folgt die richtige Arbeit: klare Regeln aufstellen wie weitergelebt wird und am besten alles mit Etiketten beschriften: z.B. nur max. 20 Blatt Papier auf dem Schreibtisch, von jedem Produkt nur max. 2 Sorten (z.B. Marmelade, Putzmittel, Badeöl), nie mehr als so und so viel von allem was in der Wohnung ist. Den Müllcontainer zum besten Freund deklarieren und die klare Regel aufstellen: erst etwas neues kaufen, wenn das alte alle ist und wenn das Neue ins Haus kommt, das Alte wegwerfen oder verschenken.
Gebrauchsgegenstände und Prospekte, die ein Jahr lang nicht gebraucht wurden: weg damit.
„Simplify your life“ ist ein Buch, was recht gute Tips gibt (auch für Nicht-Messsies).

Viele Grüße

Hi Hannes,

schau’ Dich mal auf dieser Seite um:

http://www.messies-selbsthilfe.de/

Gruß,

Anja

Messies - ‚Ursachen‘ Frage
Tag.

Frage von mir als Nichtmediziner, aber an mehreren fachfremden Dingen Interessierter: Also die „Aufeinanderkombinationen“ und einfach die ganze (grundsätzliche) Art des Problems gibt mir ein bißchen Rätsel auf :wink: Ist ein Betroffener ein Nutzlos (?)-Sammler; und Art und Konstruktion (sorry, dass mir kein besseres Wort einfällt) von manchen Ansammlungen von seinen ergatterten Gegenständen lassen einfach kein „ordentliches“ Sammeln zu, auch wegen der langen Zeitdauer, während der er sich in Zukunft anschicken wird, diese Dinge zu sammeln, und die „Größe“ der Gegenstände läßt sich ebenfalls schwerlich ordentlich sammeln? So daß ein Messie sozusagen ein Sammler ist, der „Schwiergkeiten“ hat, ein System sinnvoll anzuwenden? Oder (gewissermaßen Möglichkeit 2) ist die ganze Problematik ganz tief tiefenpsychologisch?

Sollte ich mit meiner Frage Schmarrn gefragt haben, ersuche ich Euch um einen Tritt in den Hintern :wink:

Michael

Mein Dank an euch alle, die ihr geantwortet habt!
Hannes!

Hallo Hannes,
ich glaube, die Messies-Geschichte hängt auch viel mit Verlust-Ängsten zusammen. Diese Menschen haben sicherlich schon die Erfahrung gemacht, wenn ich etwas wegwerfe, brauche ich das evtl. dann später doch noch! Und weiß ich dann, ob ich es mir nochmal kaufen kann? Ob ich Geld dazu habe? Also festhalten.

Und dann ist der Überblick auf einmal weg, es türmt sich und dann setzt Geborgenheit ein: man hat ja alles!

Viele von uns kennen evtl.das Phänomen: betriebsblind zu sein. Man sieht nur das, was man sehen will und außenrum nehme ich nicht wahr. zB. das Küchenwaschbecken ist piccobello geputzt und blitzt, aber der Herd und die Anrichte stehen vor Dreck.

Und alle diese Schwächen und schlechten Angewohnheiten zusammen ergeben mit einer bestimmten seelischen Labilität das Messie-Syndrom.

Sind das nicht oftmals Menschen, die allein leben? Ginge es denen evtl. besser, wenn sie Familie hätten, Aufgaben erledigen müßten?

Gruß Elke

Hallo Hannes,

habe 14 Jahre mit einem „Messie“ zusammengelebt und treffe beruflich Menschen mit Wahrnehmungsstörungen. Oft hatte ich den Eindruck, dass beides miteinander zu tun hat. Meiner Meinung nach ist auch ein Zusammenhang mit nicht integrierten Reflexen wie z. B. dem „Moro-Reflex“ evtl. nicht ganz auszuschließen. Traumatisierungen in der Kindheit können nach meinen ganz persönlichen Erfahrungen evtl. ebenfalls mit zu den Ursachen gezählt werden.
Ich habe mir lange den Mut meines Partner gewünscht, gemeinsam mit mir auf die Suche nach einer wertfreien Diagnose zu gehen. Doch fühlte sich mein Partner stigmatisiert und hatte die Hoffnung aufgegeben, Hilfe erhalten zu können.
Und was hilft? Z.B. auch alles, was uns gut tut: Verständnis, Akzeptanz, Toleranz,Liebe, Humor…und dann der medizinische Teil.
Liebe Grüße

Ich glaube (!) dass folgendes hilft (kann es aber nicht
wirklich bestätigen, da mir vorher schon die Puste ausgegangen
ist und ich mich verkrümelt habe:
Gemeinsam mit dem Messie einen Plan aufstellen. In einer
großen Ausmistaktion gemeinsam die Wohnung entrümpeln und
danach folgt die richtige Arbeit: klare Regeln aufstellen wie
weitergelebt wird und am besten alles mit Etiketten
beschriften: z.B. nur max. 20 Blatt Papier auf dem
Schreibtisch, von jedem Produkt nur max. 2 Sorten (z.B.
Marmelade, Putzmittel, Badeöl), nie mehr als so und so viel
von allem was in der Wohnung ist. Den Müllcontainer zum besten
Freund deklarieren und die klare Regel aufstellen: erst etwas
neues kaufen, wenn das alte alle ist und wenn das Neue ins
Haus kommt, das Alte wegwerfen oder verschenken.
Gebrauchsgegenstände und Prospekte, die ein Jahr lang nicht
gebraucht wurden: weg damit.
„Simplify your life“ ist ein Buch, was recht gute Tips gibt

Ich denke , das mit Büchern geht nur bei Nicht-Messies, denn wenn sie dieses „Training“ absolvieren könnten, wären sie ja keine Messies geworden. „Abtrainieren“ ist sehr oberflächlich und nicht von Dauerhafter Wirkung, weil es versucht, das Symptom einfach wegzudrücken. Da ist die Abwehr des Messies stärker :smile:. Das Ansammeln von Sachen sollte man nicht nur als Krankheit sondern auch mal als Bewältigungsversuch (freilich als sperrigen) auffassen. Der Messie hat Angst vor dem Wandel und möchte durch sein Horten das Hier und Jetzt „bewahren“. Vielleicht hat er Angst davor, weil ihm das wegwerfen bewußt macht, dass Zeit vergeht und er so deutlicher spürt, dass sein Leben verinnt, ohne dass er es gelebt hat. Hier liegt der Schlüssel. Warum macht jemandem der Wandel Angst?
Warum möchte jemand das Alte konservieren?