Massive Schluckstörung

Liebe Experten,

meine Mutter (fast 75) leidet unter zunehmenden Schluckstörungen. Schon vor Jahren verschluckte sie sich beim Essen immer wieder. Dann räusperte sie sich beim Essen ständig. Ihr Gewicht ging auch stetig zurück. Bei der letzten ärztlichen Untersuchung wurde nur festgestellt, dass sie zu dünn, aber ansonsten (bis auf ein altbekanntes Krampfaderleiden an den Beinen) soweit gesund ist - ihre Schluckprobleme hat sie dort offenbar weitgehend verschwiegen bzw. nicht näher untersuchen lassen. Ihre Schilddrüse ist lt. Arzt in Ordnung.

Gestern sahen wir uns zum ersten Mal seit längerer Zeit wieder und ich musste mit Entsetzen feststellen, dass sich ihr Zustand weiter massiv verschlechtert hat. Sie hat weiter abgenommen, ist inzwischen klapperdürr und sieht ziemlich fertig aus. Sie ist inzwischen kaum noch in der Lage, normal zu essen. Sie hält beim Essen einen großen Stapel Servietten/Taschentücher bereit und spuckt große Teile ihres Essens wieder aus, nachdem sie dieses zwar kauen, aber offenbar nicht schlucken konnte. Es sah für mich so aus, als bliebe ihr das Essen regelrecht im Hals stecken, bevor sie es dann wieder herauswürgte. Es war jedenfalls eine Qual, ihr beim Essen zuzusehen.

Beim Mittagessen (für sie nur weiche Knödel mit Soße und Bohnen) ließ sie etwa 95% des Essens unangetastet - den Rest würgte sie wieder heraus. Den Kuchen, den es später gab (sie aß Zupfkuchen mit Streuseln!) konnte sie mit Sahne erstaunlicherweise recht gut essen. Beim Abendbrot aß sie pure Leberwurst und nagte am Brot allenfalls etwas herum.

Ich habe mich im Internet über Schluckstörungen ausführlich informiert und dort zahlreiche tolle Tipps gefunden. Das Problem ist nur folgendes: Meine Mutter will über das Thema weder richtig reden noch sich helfen lassen. Sie reagiert entweder ausweichend oder aggressiv. Zum Arzt geht sie sowieso nur im äußersten Notfall und weigert sich natürlich auch jetzt, sich untersuchen zu lassen, weil die Untersuchungen lästig oder unangenehm sein könnten und sie womöglich operiert werden müsste. Mein Vater unterstützt sie leider dahingehend sehr. Er ist quasi ihr Sprachrohr und akzeptiert ihre Weigerung, sich helfen zu lassen. Mein Eindruck ist auch, dass er sich die ganze Angelegenheit schönredet. Er meint, sie würde ja viel mehr essen als er (wieso nimmt sie dann so ab?) und das Ganze sei eine Form von Bulimie.

Ähnlich ist es übrigens auch bei einem anderen gesundheitlichen Problem: Meine Mutter hat mittlerweile einen starken Buckel. Mein Vater hat das als Osteoporose „diagnostiziert“, untersucht oder gar behandelt wird meine Mutter aber nicht (könnte ja unangenehm sein). Als sie wegen ihrer (zuvor jahrzehntelang unbehandelten) Krampfadern jedoch vor einiger Zeit wenige Male leichte venöse Blutungen hatte, fuhren sie spätabends bzw. frühmorgens in die Notaufnahme.

Meine Frage ist nun folgende: Ich kann sie ja nicht dazu zwingen, sich untersuchen oder behandeln zu lassen, auch wenn ihr Zustand zunehmend bedrohlich wird. Absehbar ist für mich jedoch, dass das so nicht mehr lange gutgehen kann. Was würden denn passieren, wenn sie z.B. aufgrund akuter Probleme (Verschlucken oder Schwächeanfall wg. Untergewichts) notärztlich behandelt oder gar ins Krankenhaus eingeliefert würde? Eine Patientenverfügung hat sie vermutlich nicht. Da würde sie doch wohl notfalls künstlich ernährt werden - da sie sonst ja soweit gesund ist, würde man sie doch wohl kaum einfach so verhungern lassen, nur weil sie keine Lust auf eine Behandlung hat, oder?

Wie ihr seht, mache ich mir große Sorgen um meine Mutter, vor allem, weil sie keine Hilfe will.

Über Antworten und Tipps freue mich sehr. Vielen Dank!

Liebe Grüße
Gwen

Hallo Gwendolyn,

Ich habe mich im Internet über Schluckstörungen ausführlich
informiert und dort zahlreiche tolle Tipps gefunden. Das
Problem ist nur folgendes: Meine Mutter will über das Thema
weder richtig reden noch sich helfen lassen. Sie reagiert
entweder ausweichend oder aggressiv. Zum Arzt geht sie sowieso
nur im äußersten Notfall und weigert sich natürlich auch
jetzt, sich untersuchen zu lassen, weil die Untersuchungen
lästig oder unangenehm sein könnten und sie womöglich operiert
werden müsste.

Das ist ihr gutes Recht.
Wenn sie nicht untersucht/behandelt werden will dann ist das so.

Mein Vater unterstützt sie leider dahingehend
sehr. Er ist quasi ihr Sprachrohr und akzeptiert ihre
Weigerung, sich helfen zu lassen. Mein Eindruck ist auch, dass
er sich die ganze Angelegenheit schönredet.

Das ist sein Recht.
Vermutlich redet er es sich schön, weil er sich denken kann dass es nicht gut aus geht, aber er liebt seine Frau und akzeptiert ihren Wunsch nach „Nichtbehandlung“.
Um das zu ertragen redet er sich die Sache schön. Verständlich.

Ähnlich ist es übrigens auch bei einem anderen
gesundheitlichen Problem: Meine Mutter hat mittlerweile einen
starken Buckel. Mein Vater hat das als Osteoporose
„diagnostiziert“, untersucht oder gar behandelt wird meine
Mutter aber nicht (könnte ja unangenehm sein).

Kann durch Osteoporose sein oder durch einen Morbus.
Wenn sie es nicht wissen/behandeln lassen will ist auch das ihr Recht.

Meine Frage ist nun folgende: Ich kann sie ja nicht dazu
zwingen, sich untersuchen oder behandeln zu lassen, auch wenn
ihr Zustand zunehmend bedrohlich wird. Absehbar ist für mich
jedoch, dass das so nicht mehr lange gutgehen kann.

Ja, du kannst sie nicht zwingen. Überreden ja. Aber nicht zwingen.
Außer du bist ihr Vormund, aber das ist ein ganz anderes Kaliber jemand „entmündigen“ zu lassen.

Was würden denn passieren, wenn sie z.B. aufgrund akuter Probleme
(Verschlucken oder Schwächeanfall wg. Untergewichts)
notärztlich behandelt oder gar ins Krankenhaus eingeliefert
würde?

Wenn der Notarzt gerufen wird (fraglich ob sie das deinem Vater „erlaubt“) dann kommt es natürlich darauf an was denn vorliegt. Wenn sie sich massiv verschluckt hat und am ersticken ist wird ihr geholfen, klar.
Ist sie schwach wird der Arzt eine Anamnese machen und deine Mutter/dein Vater ihm sagen dass das schon lange so ist, es nicht abgeklärt wurde und sie es nicht abklären lassen möchte und nicht ins Krankenhaus will.
Das hat der Arzt zu akzeptieren.
Vermutlich muss sie etwas unterschreiben dass sie aufgeklärt wurde und dann gut.

Eine Patientenverfügung hat sie vermutlich nicht.

Frag sie doch, wenn sie keine hat biete ihr an eine zu Formulieren.

Da würde sie doch wohl notfalls künstlich ernährt werden - da sie
sonst ja soweit gesund ist, würde man sie doch wohl kaum
einfach so verhungern lassen, nur weil sie keine Lust auf eine
Behandlung hat, oder?

Krass gesagt schon.
Wenn sie bei Bewusstsein ist und sagt dass sie nicht künstlich ernährt werden will muss sich auch das KH daran halten.
Ist sie bewusstlos wird man deinem Vater nahelegen sie künstlich zu ernähren -wenn er sagt dass sie das nicht will wirds schwierig, theoretisch muss sich daran dann auch gehalten werden.

Wie ihr seht, mache ich mir große Sorgen um meine Mutter, vor
allem, weil sie keine Hilfe will.

Natürlich machst du dir Sorgen, ich würde durchdrehen wenn ich sehe wie meine Mutter vor mir zugrunde geht und ich nicht helfen darf!

Aber auch meine Mutter hätte dieses Recht und selbst wenn mir das Herz bräche müsste ich es akzeptieren.

Du kannst nur versuchen in Ruhe mit ihr zu reden.
Sag ihr dass du Angst hast dass sie bald stirbt weil sie nicht richtig ißt und du das nicht möchtest. Du hörst dann ja was sie sagt.
Wenn es wirklich ihr Wunsch ist dann sterben zu dürfen, dann formuliert das schriftlich, damit im Notfall ihrem Wunsch entsprochen wird (auch wenn das das letzte ist was DU willst).

Ich wünsche dir ganz viel Kraft.

LG
Trashi

Hallo Trashi,

vielen Dank für deine Antwort!

Wenn der Notarzt gerufen wird (fraglich ob sie das deinem
Vater „erlaubt“) dann kommt es natürlich darauf an was denn
vorliegt.

Wenn es wirklich ernst wird, wird sie sicher einer Behandlung zustimmen. Ihre Krampfadern hat sie ebenfalls jahrzehntelang nicht untersuchen lassen und immer davon geredet, dass sie bestimmt irgendwann an einer Thrombose oder geplatzten Ader stirbt. In meiner Kindheit hörte ich von ihr öfter den Satz: „Nimm dir einen Schlüssel mit, falls ich tot bin, wenn du wiederkommst.“

Als sie dann lange Zeit später tatsächlich mal eine kleine Menge Blut verloren hat, war die Panik groß und es wurde sofort die Notaufnahme aufgesucht, wo dann nur festgestellt wurde, dass die Blutung bereits vorbei war. Anschließend wurde dann auch endlich die Notwendigkeit eingesehen, sich behandeln zu lassen.

Letztlich hat meine Mutter nämlich vermutlich viel zu große Angst davor, wirklich zu sterben.

Einerseits befürchte ich, dass sie sich durch ihre Uneinsichtigkeit in einen immer schlechteren Zustand bringt, der dann ihre Chancen im tatsächlichen Notfall stark reduziert. Hätte sie Schmerzen oder würde etwas in ihrem Hals feststecken, würde sie bestimmt Hilfe wollen - aber nur solange, bis es ihr wieder besser geht. Dann ginge das Spiel von vorne los.

Andererseits ärgert mich diese Einstellung auch. Ich kenne meine Mutter im Prinzip nicht anders als angeblich schrecklich krank. Sie musste immer wie ein rohes Ei behandelt werden. Als ich als Kind mal an ihr hochsprang (wohl um sie zu drücken), sagte sie mir, dass ihre Mutter wegen so etwas gestorben sei. Fakt ist aber, dass meine Mutter bis heute keinerlei Medikamente benötigt, seltenst zum Arzt geht und offenbar auch (bis auf die genannten Dinge) keine Beschwerden hat. Körperlich ist sie weitgehend gesund.

Auch aus diesem Grund regt mich das Ganze furchtbar auf. Sie ist eigentlich gesund, bringt sich aber aus Uneinsichtigkeit selbst in einen immer schlimmeren Zustand, der dann irgendwann doch behandelt werden muss. Wir machen uns Sorgen um sie, aber mit Worten erreichen kann man sie nicht, da sie dann abwiegelt oder aggressiv wird.

Eine wirklich schwierige Situation.

Nochmals vielen Dank für deine Antwort!

Liebe Grüße
Gwen

Servus Gwendolyn,

vielleicht hilft ja erstmal ein Präparat, das bei Mundtrockenheit genommen werden kann:

http://www.ellviva.de/Gesundheit/Glandosane-Wirkstof…

Mehr erfährst Du hier:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=t…

Vielleicht kannst Du Deine Mutter daran erinnern, dass der Streuselkuchen mit Hilfe der Sahne ganz gut ‚gerutscht‘ ist.

Gruß

Kai Müller

Hallo Kai,

vielen Dank für deine Antwort. Leider ist meine Mutter äußerst uneinsichtig und würde sich vermutlich weigern, etwas einzunehmen. Trotzdem vielen Dank für den Tipp!

Viele Grüße
Gwen

hallo

trinkt deine mutter zum essen?..oder hat sie mal „gelernt“, dass das nicht gut ist.
http://www.welt.de/gesundheit/article12026153/Ist-Tr…

das ist eigentlich der einfachste und unauffälligste trick bei beschwerden mit dem schlucken und hat nichts mit „irgendwas einnehmen“ zu tun.

Beim Mittagessen (für sie nur weiche Knödel mit Soße und
Bohnen)

knödel sind von eher pappig-klebriger konsistenz und rutschen nicht gut, lösen sich trotz sosse nicht breiig auf sondern bleiben „stückig“ und sind ohne trinken nicht gut zu schlucken.

Den Kuchen, den es später gab (sie
aß Zupfkuchen mit Streuseln!) konnte sie mit Sahne
erstaunlicherweise recht gut essen.

gab es dazu kaffee/tee? dann hätte das getränk den kuchen und die streusel zu einer gleichmässigen masse aufgelöst, die leichter runterrutscht.

Problem ist nur folgendes: Meine Mutter will über das Thema
weder richtig reden noch sich helfen lassen. Sie reagiert
entweder ausweichend oder aggressiv.

ohne viel worte ein glas wasser für jeden zum essen reichen?
eventuell locker erklären, dass das trinken nicht die verdauung beeinträchtigt? mit „gutem“ beispiel vorangehen?

gruss
dots

Hallo Dots,

vielen Dank für deine Antwort.

Meine Mutter trinkt zu jedem Essen etwas - ich habe sie aber trotzdem beim Essen dazu aufgefordert, noch mehr zu trinken. Ich glaube aufgrund früherer Beobachtungen, dass sie insgesamt über den Tag gesehen zu wenig trinkt. Da ich aber 100 km entfernt von ihr wohne, kann ich ihre Trinkmenge leider nicht kontrollieren. Leider zeigt sie auch keine Einsicht.

Viele Grüße
Gwen