Mathe-Studium unter den Voraussetzungen?

Huhu!

Ich mache mich gerade auf den Weg, das Studieren in Angriff zu nehmen, Ziel ist dabei Lehramt Sek. II, Germanistik und dann eben die Sache mit dem Zweitfach:

Zur Diskussion steht Mathe, weil es mich reizt, weil es mir Spaß macht, wenn ich es verstehe, weil ich sehr schnell verstehe, weil ich Abstraktion liebe, weil es eindeutig ist.

Dagegen steht aber, dass ich ohne Abi an die Uni komme, mir also der Oberstufenstoff fehlt (Von LK-Niveau dementsprechend ganz zu Schweigen) und dass es mich wütend macht, wenn ich es nicht sofort verstehe. Letzteres kenne ich aus anderen Bereichen, Bio z.B., nicht. Da lese ich etwas ein mal und dann bleibt es für zehn Jahre im Kopf, bei Mathe ist das Gelernte chronisch nach einer Woche wieder weg und will erneuert werden - das ist es, was mich so agressiv dabei macht, das kenne ich sonst von mir nicht.

Mein Liebster (selbst viel Mathe studiert) sagt immer, ich sei die geborene Mathematikerin und müsse unbedingt Mathe studieren. Jetzt bin ich so hin- und hergerissen.
Mein Herzchen, meine Abenteuerlust und der Wunsch, an etwas beißen zu müssen, sagen ja, mein Verstand sagt, dass ich ein zu hohes Risiko eingehe.

Was sagt Ihr dazu?

Mücke

P.S. Schulisch Mathe war so:

  • Grundschule: mit Begeisterung Klassenbeste

  • Gymnasium 5. - 6. schwäschelnd

  • 7.-11. Note 5 im Abo und mich als hoffnungslosen Fall akzeptiert

  • 6 Jahre später: 1/2 Jahr Abendgymnasium, Einstieg in 11.2, Note 2

Hallo

Das ist mal eine Fragestellung. Prinzipiell glaube ich, dass dir niemand hier eine eindeutige Antwort auf deine Frage geben kann. Ich will dir aber trotzdem einige Denkanstöße geben.

Prinzipiell kann man sagen, dass niemand weiß, was Mathematik wirklich ist, es sei denn er hat sich damit mal ausführlich beschäftigt, also hat es studiert. Selbst Oberstufenmathematik im LK geht nur bedingt über „Rechnen“(Viele Menschen halten das für „Mathematik“) hinaus. Da du jedoch einen Freund hast, der selbst Mathematik studiert (Ich hoffe du meinst Diplom-Mathematik und nicht Mathematik für Ingenieure oder so), dürfte dass eigentlich nichts neues für dich sein. Mein Tipp wäre, dass du dir von ihm mal die Bücher für Lineare Algebra I und Analysis I geben lässt, und einfach mal vorn anfängst zu lesen. Wenn du damit absolut nichts anfangen kannst und dich auch nicht damit beschäftigen willst, dann lasse es lieber. Ansonsten spricht eigentlich nichts dagegen es nicht wenigstens zu versuchen. Keine Sorge, die anderen (Lehrämter) verstehen es in den meisten Fällen auch nicht sofort, aber es sollte ein Wille da sein, sich damit zu beschäftigen (ist ja scheinbar auch gegeben).

Für ein Gymnasial-Mathestudium spricht natürlich noch, dass du damit auch bessere Job-Aussichten hast, als wenn du jetzt z.b. noch Geschichte oder Sozialkunde zu Deutsch dazu nimmst. Dies sollte aber bitte nicht der einzige Grund sein, sich für das Fach zu entscheiden. Es ist echt hart. (Die Abgängerzahlen in den ersten beiden Semestern sprechen für sich!!!)

Ansonsten geh doch einfach mal in die Uni und versuch einen Termin bei dem Prof. zu bekommen, der für die L3 Lehrerbildung zuständig ist. Der kann dir dann genaueres sagen.
Sich jetzt noch in eine Vorlesung zu setzten die eine „2“ im Namen hat (Analysis 2, Lineare Alg. 2…) ist ziemlich sinnlos, da dich das höchstens frustrieren dürfte. Du kannst aber zumindest den obigen Prof . oder Lehramtsstudenten (oder auch das Vorlesungsverzeichnis) fragen, ob es Zweitsemesterveranstaltungen gibt, die du dir einfach mal anschaun kanst, ohne dass dafür eine andere Vorlesung Voraussetzung ist.

Schau einfach mal.
Ich kann dir nur sagen, Mathe mach Spaß zu unterrichten (hab schon Praktika hinter mir) aber das Studium ist hart. Ich war in der Oberstufe allerdings auch nicht unbedingt eine Leuchte.

Ich hoffe ich konnte dir etwas weiterhelfen

Xabbu

Hallo Xabbu,

ja, so in etwa erhoffte ich mir Beiträge hier, denn

dass
dir niemand hier eine eindeutige Antwort auf deine Frage geben
kann

ist mir natürlich auch klar. Es geht auch mehr um neue Gedankenanstöße außerhalb der Subjektivität meiner besseren Hälfte.

Dass Rechnen und Mathe nicht dasselbe ist, das trichtert mir mein Freund auch immer ein. Ich weiß also, was Mathe nicht ist, aber dennoch nicht, was es ist. Wie ich (vom Verstand her) finde, eine schlechte Voraussetzung, genau das, wovon man nicht weiß, was es ist, zu studieren.

Ich hoffe du meinst
Diplom-Mathematik und nicht Mathematik für Ingenieure oder
so

Äh, jein. Doch eigentlich ist er Ingenieur, aber er hat im sowjetischen Russland studiert, da war das etwas ganz anderes als heute hier. Er lässt fragen, welche Themengebiete im gymnasialen Lehramtsstudium Mathe durchgenommen werden (ein paar Schlagwörter würden reichen).

Mein
Tipp wäre, dass du dir von ihm mal die Bücher für Lineare
Algebra I und Analysis I geben lässt, und einfach mal vorn
anfängst zu lesen.

Hehe, die stehen da im Regal, ich hab mich bisher nicht getraut :smile: Aber eigentlich hast Du Recht, wär es das naheliegendste.

Ansonsten spricht eigentlich nichts dagegen
es nicht wenigstens zu versuchen.

Also wenn ich aufgeben würde, müsste ich ein neues Zweitfach von vorne anfangen und den Gedanken finde ich katastrophal, da ich ohnehin jetzt schon 29 bin. Oder gibt es immernoch Mittel und Wege in der Regelstudienzeit fertig zu werden?

Für ein Gymnasial-Mathestudium spricht natürlich noch, dass du
damit auch bessere Job-Aussichten hast, als wenn du jetzt z.b.
noch Geschichte oder Sozialkunde zu Deutsch dazu nimmst. Dies
sollte aber bitte nicht der einzige Grund sein, sich für das
Fach zu entscheiden.

So Lebensmüde bin ich auch nicht!

Es ist echt hart. (Die Abgängerzahlen in
den ersten beiden Semestern sprechen für sich!!!)

Genau das macht mir so Angst. Wenn ich sehe, was für Leute da scheitern…

Ansonsten geh doch einfach mal in die Uni und versuch einen
Termin bei dem Prof. zu bekommen, der für die L3 Lehrerbildung
zuständig ist.

Ist mir immer etwas unangenem, vielbeschäftigte Leute mit so einem Kram zu belästigen. So empfinde ich das zumindest.

Ich kann dir nur sagen, Mathe macht Spaß zu unterrichten

Oh ja, das glaub ich. *seufz*

Ich danke Dir für Deine Worte, tut gut, mal etwas von jemandem zu lesen, der direkt Erfahrung damit hat!

Mücke

Hallo.

Dass Rechnen und Mathe nicht dasselbe ist, das trichtert mir
mein Freund auch immer ein. Ich weiß also, was Mathe nicht
ist, aber dennoch nicht, was es ist. Wie ich (vom Verstand
her) finde, eine schlechte Voraussetzung, genau das, wovon man
nicht weiß, was es ist, zu studieren.

Mathematik ist (angeblich) die Ansammlung des Trivialen.
Aber mit solchen Trivialitäten lassen sich ganze Bücher füllen: ISBN 3528131314 Buch anschauen

Mein
Tipp wäre, dass du dir von ihm mal die Bücher für Lineare
Algebra I und Analysis I geben lässt, und einfach mal vorn
anfängst zu lesen.

Also ein wenig Lektüre über die praktische Anwendung dieser Sorte Mathematik kann da natürlich nicht schaden :wink:

Es ist echt hart. (Die Abgängerzahlen in
den ersten beiden Semestern sprechen für sich!!!)

Das mag sein. Aber ob das wirklich so an der Mathematik an sich hängt …?

mfg M.L.

Hi Mücke,

Ich mache mich gerade auf den Weg, das Studieren in Angriff zu
nehmen,

coooool :smile:

Zur Diskussion steht Mathe, weil es mich reizt, weil es mir
Spaß macht, wenn ich es verstehe, weil ich sehr schnell
verstehe, weil ich Abstraktion liebe, weil es eindeutig ist.

Das klingt richtig.

Dagegen steht aber, dass ich ohne Abi an die Uni komme, mir
also der Oberstufenstoff fehlt

Macht nix - der wird in den ersten 6 Wochen an der Uni wiederholt - danach sind alle „gleich blöd“. Aber im Ernst: in der Oberstufe lernt man „rechnen“. Also eine quadratische Gleichung im Halbschlaf lösen, mal kurz ein Integral auswendig etc. Wenn Du das jetzt noch nicht kannst, würd ich schauen, dass Du das noch vor dem Studium lernst. Da hilft Dir sicherlich Dein Partner und Oberstufen-Mathebücher. Eventuell nimmst Dir auch eine Abi-Aufgabensammlung und guckst mal, was da so gefordert wird und lernst quasi anhand der Aufgaben die Fertigkeiten.
Gleichzeitig würde ich mal an der Uni fragen, ob es nicht über den Sommer irgendwelche Mathe-Vorbereitungskurse oder so gibt. Das solltest Du dann auf jeden Fall mitnehmen :wink:

Kleine Anekdote am Rande: Klein-Petzi wollte auch mal Mathe studieren und hat sich an den Prof ihres Vertrauens gewandt. Und hatte zwei Aha-Erlebnisse:

  1. Der Kerl war - obwohl unendlich viel beschäftigt - freudlich und hat sich unfassbar viel Zeit für mich genommen. Hatte sogar noch seinen Assi dazu gerufen, damit der mir das aus erster Hand erzählen kann.
  2. Die ersten Paar Semester sehen alle Aufschriebe - egal in welchem Fach - so aus: Definition, Satz, Beweis. Definition, Satz Beweis. Nix mit „Was kann man nun damit anfangen?“ oder „Beispiel“ oder solche trivialen Dinge :wink: Wenn Du mit dem klarkommst: mach das!

*wink*

Petzi

PS: Mail folgt

Hallo,

(Die Abgängerzahlen in

den ersten beiden Semestern sprechen für sich!!!)

Das mag sein. Aber ob das wirklich so an der Mathematik an
sich hängt …?

Ich denke - und habe auch aus vielen Jahren als Lehrerin für Mathe am Gymnasium die Erfahrung, dass viele Studienanfänger mit falschen Vorstellungen von Mathematik kommen. Ein guter Mathelehrer in der Oberstufe sollte schon seinen Leuten das Gefühl für die wirklich mathematischen Zusammenhänge vermitteln und nicht „Kochrezepte lehren“, also Integrale auswendig zu lernen (in Mathe lernt man eigentlich NIE etwas auswendig)oder Verfahrensweisen zu automatisieren. (In dem Moment wo etwas automatisierbar ist, also ein Algorithmus existiert, interessiert es den Mathematiker eigentlich nur noch am Rande).
Richtig ist zweifellos, dass die Kenntnisse des Oberstufenstoffes keine Rolle spielen, in allgemeinen beginnt der Prof mit den Peanoschen Axiomen und beweist, dass Minus mal Minus Plus ergibt, und da geht es auch nicht darum, zu wissen: Minus mal Minus ergibt Plus, sondern darum, den Beweis zu verstehen (und zu begreifen, warum man das beweisen muss).
In Linearer Algebra kommt ohnehin Stoff, von dem man in der Schule nichts gehört hat (welcher Schüler weiß schon, was ein Homomorphismus ist?), und auch da hat es ein Studi, der von der Schule schon ein gewisses Maß an mathematischer Denkweise mitgekriegt hat, leichter.
Gruß Orchidee

Hallo Orchidee,

Du sprichst genau mein Matheproblem zu Schulzeiten an (wie gesagt, von 7.-11. Klasse chronisch Note 5):

Ich habe ständig „warum“ gefragt und seltenst eine Antwort darauf bekommen. „Das ist jetzt einfach so“, „das muss man einfach auswendig lernen, da geht kein Weg dran vorbei“, „ich könnt Dir das jetzt beweisen, aber das würde zu weit führen“… ich hatte nie das Gefühl, etwas zu verstehen und deshalb fand ich Mathe schei***. Wenn ich aber jetzt mit meinem Liebsten da sitze, dann stößt er bei mir Gedankengänge an und ich versuche mir das „Warum“ zu erarbeiten. Das macht mir dann Spaß. Aber zum dreißigsten mal Schnittpunkte zweier Parabeln auszurechnen, find ich wirklich ätzend.

und da geht es auch nicht darum, zu
wissen: Minus mal Minus ergibt Plus, sondern darum, den Beweis
zu verstehen (und zu begreifen, warum man das beweisen muss).

Klingt toll!

und auch da hat es ein Studi, der von
der Schule schon ein gewisses Maß an mathematischer Denkweise
mitgekriegt hat, leichter.

Ist das diese Denke, die man auch dem programmierenden Volk nachsagt? Wenn schon nicht zu den Oberstufenschülern, so gehörte ich zumindest dieser Gruppe einst an.

Mücke

Hi Mücke,

nur kurz zur Klarstellung: Auch „heutzutage“ ist die Mathematik in den ingenieurwissenschaftlichen Fächern anspruchsvoll genug. Ich z.B. hatte nur 7 Semester Mathe (4 x Höhere Mathe, 2 x Numerik und 1 x Partielle DGL). Und nein, dabei handelt es sich nicht um Fächer in denen man nur etwas „ausrechnet“, im Gegenteil (in Numerik saßen die Dipl.Mathematiker mit uns zusammen).

Gruss
Brombär

Hallo,

Macht nix - der wird in den ersten 6 Wochen an der Uni
wiederholt - danach sind alle „gleich blöd“. :

WO ist das denn so? Bei uns kam in der allerersten Vorlesung was, was ich fakultativ ein Halbjahr lang zusätzlich im Mathekurs hatte und war froh, dass ich das wenigstens schon kannte, danach waren alles unbekannte Gebirge :wink:

  1. Die ersten Paar Semester sehen alle Aufschriebe - egal in
    welchem Fach - so aus: Definition, Satz, Beweis. Definition,
    Satz Beweis.

Genauso! Man muss vor allem mit „Buchstaben“ gut rechnen können :wink:

Beatrix

Hallo.

Viele Unis bieten für Quereinsteiger wie Dich „Brückenkurse“ an. Diese sind dafür gedacht, die Lücke zwischen Sek. I und II zu schließen, vermitteln also im Wesentlichen den Stoff der gymnasialen Oberstufe. Aus meiner Erfahrung heraus kann ich einen solchen Brückenkurs - gerade in Mathe - jedem, der nicht gerate Mathe-Leistungskurs hatte, ans Herz legen. Erkundige Dich mal beim Dekanat oder Fachbereich Deiner Uni über die entsprechenden Angebote.

Hier http://www.mp.haw-hamburg.de/pers/Baumann/MatheBK.pdf kannst Du Dir einen solchen Brückenkurs mal anschauen - für Maschinenbauer zwar, aber der Stoff entspricht in etwa.

Viel Erfolg wünscht
Eillicht zu Vensre

Huhu!

Vielen Dank für den Tipp! Wenn ich in die von Dir verlinkte Übersicht reinsehe, bin ich etwas erleichtert, da ich den Großteil doch kenne und beherrsche. Werde mich aber bei meiner Uni mal erkundigen.

Mücke